His Holiness

Śrī Śrīmad Bhakti Sarvasva Giri Gosvāmī Mahārāja

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Seine Kühnheit

Einmal, in Burma, tauchte Śrī Śrīmad Bhakti Sarvasva Giri Gosvāmī Mahārāja im Haus des britischen Gouverneurs auf. In einem Pferdewagen sitzend! Der Gouverneur war wütend über seinen Pförtner und seine Wachen. „Selbst große, wichtige Offiziere haben nicht die Frechheit, hier auf einem Pferd reitend herinzukommen. Wie ist dieser sādhu hier auf einem Pferdewagen hereingekommen? Warum habt ihr ihn hereingelassen?"

 

Weil Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja sehr gut Englisch sprach, konnte er alles verstehen, was der Gouverneur sagte. Er war daran gewöhnt gemäß den Anweisungen von Śrīla Prabhupāda auf Englisch zu dozieren, und so zögerte er nicht, den Gouverneur auf Englisch anzusprechen. Er sagte: „Ich bitte Sie, nicht wütend auf diese Leute zu sein. Sie haben mich nur hereingelassen, weil ich ihnen die Briefe des Generalgouverneurs gezeigt habe.“ Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja reichte ihm die handgeschriebenen Briefe, die persönlich an Śrīla Mahārāja adressiert waren.

 

Der Gouverneur war erstaunt. „Wer sind Sie?", fragte er. „Wo kommen Sie her? Und warum hat der Generalgouverneur Ihnen diese Briefe geschrieben? Ich bekomme auch Briefe von ihm, aber bis heute habe ich keinen einzigen Brief mit seiner Unterschrift erhalten. Sie sind immer mit den Worten 'vom Generalgouverneur.' unterzeichnet. Und Sie haben nicht einen, nicht zwei, sondern drei Briefe und nicht weniger, als von seiner eigenen Hand geschrieben.“ Während er dies sagte, begleitete er Śrīla Mahārāja mit größter Hochachtung in seine Gemächer.

 

Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja erklärte: „Ich traf den Generalgouverneur zum ersten Mal
als ich ihm in Kolkata einen Vorschlag unterbreitete. Ich schlug vor, daß die Regierung
Land für die Mission meines Gurudevas zur Verfügung stellen sollte und uns beim Predigen zu unterstützen. Er fragte mich nach der Mission, und ich erklärte ihm, dass das Ziel zum Nutzen der ganzen Welt sei.

 

'Offen gesagt kann ich mich nicht an etwas beteiligen, das einer bestimmten Kaste oder einem bestimmten Glauben zugute kommt', sagte er mir. 

 

Freimütig frage ich ihn: 'Wenn ich beweisen kann, dass Sie einer bestimmten Kaste oder religiösen Gruppe in der Vergangenheit geholfen haben, werden Sie dann auch uns helfen, indem Sie meinem Vorschlag zustimmen?

Der Generalgouverneur ließ den Kopf hängen und wurde still. Er war nicht verärgert über meine Aussage, sondern erfreut. Er sagte: 'Ich schätze diejenigen, die so direkt mit mir sprechen, wie Sie es gerade getan haben.' 

Nachdem wir uns lange unterhalten hatten, entwickelte sich eine gegenseitige Freundschaft, und wann immer ich ihm Nachrichten zu seinem Geburtstag und anderen Anlässen schickte, antwortete er mit persönlichen, handgeschriebenen Briefen.

Ich bin heute zu Ihnen gekommen, um Sie zu bitten, in ähnlicher Weise meinem Gurudeva bei seiner Mission des Predigens zu helfen.“

 

Auf diese Weise überzeugte Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja viele Würdenträger, der Mission von Śrīla Prabhupāda zu dienen. Er pflegte zu sagen: „Als Śrīla Prabhupāda die Briefe las, die der Generalgouverneur mir schickte, war er sehr erfreut und sagte, 'Meine Freude kennt keine Grenzen, wenn ich sehe, wie unsere sannyāsīs und brahmacārīs von Ort zu Ort gehen und die Menschen mit ihrer Kompetenz bekannt machen.“

 

Dem richtigen Objekt zur richtigen Zeit Ehre erweisen

 

Einmal, als Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja in Burma predigte, sagte der Leiter des dortigen Bengali-Komitees zu ihm: „Mahārāja, du bist während der Zeit von Durgā-pūjā gekommen. Wer wird dir zuhören, wenn du über Śrī Caitanya Mahāprabhu oder Śrī Kṛṣṇa sprichst, wenn alle damit beschäftigt sind, die Göttin Durgā zu verehren?" 

 

Śrīla Giri Mahārāja antwortete: „Es gibt drei Arten von offiziellen Telegrafen:
Standard-, Express- und Staatstelegrafen. Wenn ein Staatstelegraf in irgendeinem Büro eintrifft, betrachtet das Personal die Nachrichten aller Standard- oder Express-Telegrafen, möglicherweise im Vergleich als unbedeutend. Die Priorität verschiebt sich zu Gunsten des Staatstelegrafen und der Stab setzt seine ganze Energie ein, um die darin enthaltenen Anweisungen zu erfüllen.
Also ist es eine einmalige Gelegenheit, etwas über Svayam Bhagavān Śrī Kṛṣṇa und die Lehren und den beispielhaften Charakter Seiner identischen Manifestation zu erfahren,— Śrī Caitanya Mahāprabhu, der Retter in diesem-Zeitalter des Kali,  — bietet unendlich mehr Begünstigungen, als die Verehrung Seiner äußeren Energie, Durgā-devī. Einer, der nicht die Verehrung von Durgā-devī verwirft, um diese Gelegenheit zu nutzen, wird ihrer glorreichen Ergebnisse beraubt werden. Wenn eine Person es vernachlässigt zwei Objekte in ihrer Bedeutung zu vergleichen, versäumt sie es, die ihnen gebührende Ehre zu erweisen und betrügt sich dadurch selbst. Auf diese Weise wird sie zum Verlierer."

 

Seinen Gottbrüdern finanziell zu Diensten sein 

Wenn irgendein brahmacārī oder sannyāsī in Not geriet, dann sendete Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja, ihm sofort Geld. Zum Beispiel, als Guru Mahārāja Geld für die Kaution sammelte für  Śrī Śrīmad Bhakti Prajñāna Keśava Gosvāmī Mahārāja, Śrī Śrīmad Kṛṣṇadāsa Bābājī Mahārāja, und eine Anzahl anderer Gottgeweihten, die aufgrund falscher Anschuldigungen im Gefängnis gelandet waren, gab Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja sofort Guru Mahārāja fünfundvierzig von den fünfzig Rupees, die er besaß. 

 

Śrīla Keśava Gosvāmī Mahārāja (zu der Zeit Śrī Vinoda-bihārī Brahmacārī) wurde einmal von seinem Gottbruder Śrī Nārāyaṇa Mukhopādhyāya am Tag von Ekādaśī in seiner maṭha besucht, die damals in einem gemietetem Haus in der Bospada Lane in Kolkata untergebracht war. Śrī Vinoda-bihārī Brahmacārī war an dem Tag sehr betrübt, da er in der Tat keinen einzigen paisā  hatte, um seinen Gottbruder zu Diensten zu sein. Auf wundersame Weise ließ ein Spatz ein kleines Päckchen im Hof fallen, in dem sechseinhalb annas (ungefähr vierzig paisā) enthalten waren und damit konnte er seinen Gottbruder bedienen. Am selben Tag empfing er auch eine Geldanweisung über einhundert Rupees von Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja, der ihn aufgespürt hatte und das Geld ihn nachgesendet hatte, als er gehört hatte, dass er die Śrī Caitanya Maṭha verlassen hatte, ohne etwas mitzunehmen.

 

Als Śrī Śrīmad Bhakti Sāraṅga Gosvāmī Mahārāja in den Westen ging, um zu predigen, nahm er kein Geld mit, sondern er war entschlossen, vollkommen von dem abhängig zu sein, was immer er an Spenden durch sein Predigen einnehmen würde. Als Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja das herausfand, schickte er ihm auch eine Geldanweisung. Nachdem er ein paar winzige Ausgaben getätigt hatte, spendete Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja immer den gesamten Erlös, den er aus seinen Predigten erhielt, für den Dienst an seinen Gottbrüdern. Das war das Ausmaß seiner Entsagung. Er pflegte zu sagen: „Śrīla Bhaktivinoda Thākura hat uns unterwiesen:

 

 ĵadi thāke bahu dhana, nije ha’be akiñcan

 vaiṣṇavera karô upakāra 

jīve dayā anukṣaṇa, rādhā-kṛṣṇa-arādhana, 

karô sadā ha’ye sadācāra 

Kalyāṇa-kalpataru (1.12.4)

 

Wenn du großen Reichtum besitzt, dann bleibe losgelöst davon und benutze es, den Vaisnavas zu dienen. Bleibe immer allen wohlgesonnen und beschäftige dich ständig in der Verehrung von Śrī Śrī Rādhā Kṛṣṇa, während du dich fromm bleibst.

 

Sein Wunsch, bevor er diese Welt verläßt

Śrī Giridhārī Lāla Bhārgava, wohnhaft in Kānpura, spendete Land in Vṛndāvana an Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja, damit er dort die Śrī Vinoda-vāṇī Gauḍīya Maṭha errichten konnte.  Kurze Zeit später wollte derselbe Śrī Giridhārī Lāla Bhārgava ein anderes, nahegelegenes Grundstück an Guru Mahārāja spenden. Als Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja davon erfuhr, sagte er zu Guru Mahārāja: „Ich würde mich freuen, wenn du dieses Land annimmst und hier allein in Vṛndāvana bleibst. Aber wenn du eine maṭha so nahe an meiner baust, dann hat meine Anwesenheit hier keinen Zweck.”

 

Guru Mahārāja sagte: „Sollte Giridhārī Śrī Kṛṣṇa, der den Govardhana Hügel anhob, es wünscht mir persönlich Land durch diesen anderen Giridhārī (Lāla Bhārgava) zukommen zu lassen, dann sollte ich Seinen Wunsch nachkommen. Obwohl ich eine maṭha errichten werde, bleibe ich bei deinen Lotosfüßen, weil du mein Senior Gottbruder bist.” Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja antwortete: „In der Gegenwart deiner Herrlichkeit bin ich winzig klein. Wegen deines enormen Einflusses folgen dir viele Menschen, wohin du auch gehst. Was wird dann mit meiner Mission geschehen?" 

 

Seine Bedenken würdigend, überdachte Guru Mahārāja einfühlsam seine vorherige Aussage und beschloss: „In diesem Fall werde ich dieses Land nicht annehmen. Meine oberste Priorität ist es, den Vaiṣṇavas zu dienen. Ich werde mich niemals in eine Situation bringen, in der ich Grund zu ihrer Beunruhigung bin. Ich werde eine maṭha anderswo in Vṛndāvan errichten, in einiger Entfernung von Deiner. Bitte mach Dir keine Sorgen.“

 

Viele Jahre später, brachte Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja seinen Wunsch zum Ausdruck, Guru Mahārāja die Śrī Vinoda-vāṇī Gauḍīya Maṭha zu überlassen, der ihm mitteilte: „Wir haben hier schon eine Niederlassung der Śrī Caitanya Gauḍīya Maṭha errichtet. Es wäre unklug von mir eine zweite Einrichtung in derselben Region anzunehmen. Bitte versuche einen anderen Gottbruder von uns dafür zu gewinnen.“

 

Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja nahm dann Guru Mahārājas Hände in seine und sagte: „Nur wenn du diese maṭha akzeptierst, werde ich meinen Körper in Frieden aufgeben können.“ Nachdem er das gesagt hatte weinte Śrīla Mahārāja. Stark mitgenommen von seinen Gefühlen, stimmte Guru Mahārāja zu, Śrī Vinoda vāṇīs Gauḍīya Maṭha anzunehmen.

 

Als Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja später von einem Dach stürzte, engagierte Guru Mahārāja Śrī Nitāī Prabhu, seinen eigenen Schüler, in den Dienst von Śrīla Mahārājas. Guru Mahārāja war sehr mit der Art und Weise zufrieden, wie Śrī Nitāī Prabhu Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja diente. 

 

Den Segen von Śrīla Prabhupāda bekräftigen

Guru Mahārāja organisierte ein großes Drei-Tage-Festival, um die Zeremonie der Installation der Bildgestalten in der Śrī Caitanya Gauḍīya Maṭha in Śrīdhāma Vṛndāvana zu feiern. Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja befand sich unter den prominenten Schülern von Srila Prabhupāda, die zu diesem Ereignis gekommen waren. In seiner Ansprache sagte er: „Srila Prabhupāda hat mich und Śrīpāda Paramānanda Prabhu gesendet, genau diesen Ort für die Gauḍīya Maṭha zu beschaffen, aber wir haben es nicht geschafft.  Heute bin ich mir absolut sicher, dass Śrīla Prabhupāda überaus erfreut ist, daß Śrīla Mādhava Mahārāja hier eine maṭha errichtet hat, und dass er seine Gnade auf ihn herabregnen lässt. Śrīpāda Mādhava Mahārājas Erfolg, diesen Ort zu gewinnen, ist ein Beweis dafür, daß er ein besonderer Empfänger von Śrīla Prabhupādas grenzenloser Gnade ist."

 

Die Bedeutung der Einhaltung von Regeln

Einmal, als Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja in unserer Śrī Caitanya Gauḍīya Maṭha Niederlassung in Kṛṣṇanagara ankam, erkannte er, dass er das erforderliche Erlaubnisschreiben von Guru Mahārāja nicht erhalten hatte, um dort ein paar Tage zu bleiben, und dass er überhaupt ganz vergessen hatte, ihn über seine Absicht, dies zu tun, zu informieren. „Was soll ich jetzt tun?", fragte er. "Mahārāja", sagte ich, "eine so angesehene Person wie Du braucht kein Erlaubnisschreiben. Jeder hier weiß, wer Du bist und dass Guru Mahārāja Dich niemals zu solchen Formalitäten anhalten würde.“ 

 

Śrīla Mahārāja antwortete: „Das mag wahr sein, aber es ist immer gut den Regeln zu folgen. Obwohl es einer einflussreichen Person nicht schaden mag, ihren Status auszunutzen um das vorgeschriebene Protokoll zu vernachlässigen, diejenigen, die sich ihrer Qualifikation und Absichten nicht bewusst sind imitieren sie vielleicht und beschwören dadurch Unglück für sich selbst herauf. Indem wir uns selbst gewissenhaft an die Regeln halten, bewirken wir Glück für alle."

 

Die Speise-Überreste seiner Gottbrüder zu ehren.

Einmal lud Guru Mahārāja viele seiner Gottbrüder zu einem großen Fest in die Zweigniederlassung der Śrī Caitanya Gauḍīya Maṭha in Kolkota ein, die in jener Zeit in einem gemieteten Gebäude in der Rāsa-bihārī Avenue untergebracht war. Es gab drei bestimmte Orte, an denen prasāda den anwesenden Gottgeweihten, die an der Veranstaltung teilnahmen, serviert wurde, aber Guru Mahārājas Gottbrüder bekamen prasāda in Guru Mahārājas Räumlichkeiten. Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja war der ranghöchste Gottbruder dort, und so platzierten wir ihn an die Spitze der Sitzreihe und servierten ihm die verschiedenen prasāda-Zubereitungen zuerst.

 

Als Guru Mahārājas Gottbrüder die Ehrung des prasāda beendet hatten, riefen sie aus: „Nitāi-Gaura haribolo!” und einer nach dem anderen verschwand durch die Tür, bis letztendlich nur Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja übrigblieb. Als ich gerade im Begriff war die weggeworfenen Teller aus Bananenblätter einzusammeln, um sie zum Mülleimer zu bringen, sah ich Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja die Überreste von jedem einzelnen Teller seiner Gottbrüder einzusammeln um sie zu ehren. Ich benachrichtigte sofort Guru Mahārāja über dieses Geschehen, der gerade draußen   stand. Guru Mahārāja betrat daraufhin den Raum und begann, Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja folgend, auch die Speise-Überreste seiner Gottbrüder zu ehren.

 

Mein Erstaunen war grenzenlos. Ich dachte: „Obwohl Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja der älteste aller Śrīla Prabhupādas Schüler der derzeit anwesenden, ist, hat seine Demut, vollständig das Konzept von tṛṇādapi sunīcatā erhellt, sich niedriger als Stroh zu fühlen, die Hauptpfeiler der Welt der Vaiṣṇavas.” 

 

Als ich einen günstigen Moment fand, befragte ich Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja bezüglich seiner erstaunlichen Tat. „Als eine Maßnahme zum Schutz vor blindem Glauben, ist es meine Praxis, etwas erst dann zu folgen, nachdem ich tatsächlich seine Bedeutung verstanden habe.  Deswegen kam mir folgende Frage in den Sinn, als ich dich sah, wie du die Speisereste der Vaiṣṇavas ehrtest. Sollte man die Stufe des Fortschritts eines Vaiṣṇavas berücksichtigen, bevor man seine Speisereste annimmt? ”

 

Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja antwortete: „Das kann ich nicht sagen, aber ich kann mit Gewissheit sagen, dass man, wenn man die Speise-Überreste der Vaiṣṇavas ehrt, ihre Gemütsstimmungen erlangen wird.  Śrīla Raghunātha dāsa Gosvāmīs Verwandter, Śrī Kālidāsa, hat immer vertrauensvoll die Speise-Überreste der Vaiṣṇavas geehrt, ohne auf ihre Qualificationen zu achten, und als Ergebnis wurde er qualifiziert, das Wasser zu erhalten, das die Lotosfüße von Sri Caitanya gewaschen hat. Es wird auch im Śrī Caitanya-caritāmṛta (Antya-līlā 16.60 beschrieben: 

 

bhakta-pada-dhūli āra bhakta-pada-jala 

bhakta-bhukta-avaśeṣa tīna mahā-bala 

 

Der Fußstaub der Gottgeweihten, das Wasser, das ihre Füße wäscht und ihre Speise-Überreste, sind drei drei sehr mächtige Objekte.

 

“Außerdem im Śrīmad Bhāgavatam, schreibt Śrī Nārada Ṛṣi persönlich über seine Überzeugung, dass das Akzeptieren von Speise-Überresten von den ṛṣis das spirituelle Leben bereichert. Auch in dieser Darstellung ist keine Rede von dem veschiedenen Status der Vaisnavas. Warum sollte ich also versuchen, denjenigen, die śrī gurudeva als Vaiṣṇavas akzeptiert und zertifiziert hat, eine andere Zertifizierung zuzuweisen? Aus meiner Sicht sind sie alle meinem Dienst würdig, weil sie mehr Überzeugung als ich besitzen und mehr dienen als ich. So ist es eine Sache des guten Schicksals, eine Gelegenheit zu erhalten, die Speise-Überreste der lieben Verwandtschaft meines Meisters fröhlich zu ehren, denn es steht geschrieben: 'Gurura kiṅkara haya mānya se āmāra - der Diener von śrī guru ist für mich immer ehrwürdig, ' (Śrī Caitanya-caritāmṛta, Madhya-līlā 10.142)

 

Die Segnungen von Śrī Gaura 

Guru Mahārāja benutzte viele Techniken in seinen aufrichtigen Versuchen, die gegenwärtigen Prinzipien und Grundsätze von Śrīla Prabhupāda Bhaktisiddhānta Sarasvatī Ṭhākuras zu verbreiten. Er reiste zu vielen Orten, gründete maṭha-mandiras, veröffentlichte Magazine, verlieh dīkṣā an neu Eingeweihten, verlieh den Lebensstand des sannyāsa, spendete den maṭha-Bewohnern Saffran-Kleidung und er war in vielen anderen nützlichen Aktivitäten tätig.

 

Es war üblich, dass Śrīla Prabhupāda am Tag des Śrī Gaura-pūrṇīmā das Śrī Gaura Āśīrvāda- Zertifikat, das die Segnungen von Śrī Gaura anzeigte, an diejenigen überreichte, die außerordentlichen Dienst an Śrīman Mahāprabhu geleistet hatten. Auf dieselbe Weise verlieh Guru Mahārāja später dasselbe Zertifikat an verschiedene brahmacārīs, gṛhasthas und vānaprasthīs im Namen von Śrī Caitanya-vāṇī Pracāriṇī Sabhā.

 

Das einzigartige war, anstatt das Zertifikat selbst zu unterschreiben, ließ Guru Mahārāja es von seinem älteren Gottbruder Śrī Śrī Bhakti Sāraṅga Gosvāmī Mahārāja unterschreiben, und nach Śrīla Gosvāmī Mahārājas Verscheiden, wurde Śrīla Giri Gosvāmāī Mahārāja diese Aufgabe übertragen. Guru Mahārāja erwies ihm große Ehre, indem er ihn zum Vorsitzenden der Śrī Caitanya-vāṇī Pracāriṇī Sabhā ernannte, und Er bat ihn, persönlich aus seinen eigenen Lotoshänden die Zertifikate an ihre jeweiligen Empfänger zu überreichen. Zum Beispiel wurde mir Śrī Gaura Āśirvāda von Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja überreicht, als ich ein brahmacārī war, und es trug seine Unterschrift. 

 

Eine spezielle Unterweisung für Haushälter

Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja sagte oft zu den gṛhastha Geweihten: „Die Heiligen Schriften besagen, dass ein gṛhastha einen bestimmten Anteil seines monatlichen Einkommens in den Dienst von  Bhagavān und Seinen Geweihten stellen soll. Sollte das aus irgendeinen Grund nicht möglich sein, dann sollte er mindestens jährlich ein Monatseinkommen darbringen. Letztendlich ist alles für Bhagavān bestimmt. Allein zu Seinem Dienst haben wir alles erhalten, was wir haben. Wir machen uns schuldig, wenn wir dies nicht anerkennen und entsprechend handeln.”

 

Auf diese Weise inspirierte Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja viele gṛhastha Geweihte von Burma  (jetzt Myanmar) und Indien, jährlich ein Monatseinkommen in den Dienst von Bhagavān und Seinen bhaktas zu stellen. 

 

Die Betrachtung, wer wahrhaftig senior ist  

Einmal, als Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja in unsere maṭha in Kṛṣṇanagara kam, bat ich ihn eines Morgens  Hari-katha zu sprechen.

 

“Eigentlich habe ich dich niemals sprechen hören“, sagte er. „Sprich heute hari-kathā und ich werde oben in meinem Zimmer zuhören.“ „Mahārāja,” sagte ich „Du bist einer meiner gurus. Du bist senior zu mir. Warum möchtest du meinen Unterricht hören?” Er sagte: „Im Reich des bhajana, gibt es keinen Unterschied von senior oder junior. Śrīla Kavirāja Gosvāmī hat geschrieben:  ‘ĵei bhaje sei baḓô— diejenigen die Śrī Kṛṣṇa dienen sind großartig. Die wahe Stellung eines Seniors in der maṭha hängt davon ab, zu welchem Ausmaß er die Lehren, die man hier vermittelt, respektiert und folgt  und nicht die Anzahl der Tage, die er physisch in dieser maṭha verbracht hat“. „Da gibt es noch eine weitere Sache,“ fuhr Śrīla Mahārāja fort. „Mit vaiṣṇavatā kommt die Berechtigung verehrt zu werden, weil man an diesem Punkt als tadīya-vastu, der Besitz Bhagavāns betrachtet wird. Mit diesen Prinzipien in meinen Herzen, bitte ich dich heute  hari-kathā zu sprechen.“

 

Śrīla Mahārājas freundliche Anweisung beherzigend, sprach ich an diesem Morgen hari-kathā. Danach, als ich ihm praṇāma darbrachte, sagte er: „Ich habe heute deinen Unterricht gehört. Er war ausgezeichnet. Du hast ein gutes Thema gewählt und du hast es mit guter Argumentation dargelegt. Das wahre hari-kathā wird erreicht, wenn das Motiv des Sprechers nicht darin besteht, sich dem Stolz hinzugeben, andere durch Belehrung zu beeinflussen, sondern um sein eigenenen spirituellen Nutzen, indem er sich immer wieder an das erinnert, was er zuvor von seinem guru-varga gehört hat. Auf diese Weise vermeidet er es, ein Podiumsredner zu werden. Er predigt, indem er den Idealen folgt, die er lehrt. Dieses Predigen durch Praxis ist die höchste Fähigkeit derer, die bei Mahāprabhu Zuflucht genommen haben." 

 

Eine Lektion in Vaiṣṇava-Geduld

Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja war in all seinen Aktivitäten nicht hektisch. Er brauchte länger als gewöhnlich, um sein Bad zu beenden, sich anzuziehen oder überhaupt irgendeine Tätigkeit zu vollenden. Diejenigen, die für ihn kochten, traten oft an ihn heran, lange bevor sie mit der Zubereitung seiner Mahlzeit begonnen hatten, und fragten: „Mahārāja, wie lange brauchst du noch? Dein prasāda ist fast fertig, und es wäre gut, wenn du es zu dir nimmst, solange es noch warm ist.“ Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja antwortete: „Ich komme sehr bald.” Er war jedoch nicht fertig, auch nachdem das Mahl angerichtet war. Als er nochmal gerufen wurde, sagte Mahārāja: „Warum hast du mich ein zweites Mal gerufen? Ich habe dir beim ersten Mal schon gesagt, dass ich jetzt komme.“ 

Eines Morgens, als er und ich zusammen nach Kṛṣṇanagara gehen sollten, um den Verkauf seines Landes in Svarūpa Gañj registrieren zu lassen, bat er um heißes Wasser für sein Bad. Dementsprechend brachte ich ihm heißes Wasser, aber weil er mit etwas anderem beschäftigt war, wurde das Wasser nach einiger Zeit kalt. Also erhitzte ich das Wasser zum zweiten Mal. Vor dem Bad fragte ich ihn: „Mahārāja, möchtest du flachen Reis mit Milch oder Joghurt zum Frühstück haben?"

„Milch möchte ich nicht,” sagte er, „aber ja, ich esse Yoghurt mit flachen Reis. Das wird gut sein.” 

„In Ordnung“, sagte ich. „Ich werde es zubereiten. Während du dein Bad nimmst und dein āhnika chantest.“

Ich bereitete sein Frühstück, aber er brauchte so lange, für sein āhnika, dass unsere Aufgabe  in Kṛṣṇanagara gefährdet war. „Mahārāja, es wird spät,” sagte ich ihm. „Bitte iss dein Frühstück.” 

„Heb es für später auf. Ich werde es mit dem Mittags-prasāda zu mir nehmen,“ sagte er, als er mit anderen morgentlichen Pflichten fortfuhr. 

Ehe ich mich versah, war es Zeit für das Mittagessen und Śrīla Mahārāja war immer noch nicht fertig mit seinen Activitäten. Als nächstes brauchte er so lange zum Mittagessen, dass der Büroangestellte, als wir ankamen, um den Verkauf seines Grundstücks zu registrieren, sagte: „Es ist zu spät, um heute neue Formulare anzunehmen. Bitte kommen Sie morgen wieder. 

Ich bat den Beamten, den Registerführer zu rufen und dem beschrieb ich dann die Herrlichkeiten von Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja. Irgendwie überzeugte ich ihn, unser Formular anzunehmen.

 

Es dämmerte bereits, als wir alles erledigt hatten. Als wir zurück zur Maṭha gingen, sagte Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja: „Heute hast du dich nicht ein einziges Mal von meiner langsamen Art irritieren lassen. Stattdessen hast du mich verherrlicht und mir geholfen, indem du sie sachkundig davon überzeugt hast, den Verkauf meines Grundstücks zu registrieren. Ich habe dieselbe Art von Geduld in deinen Gurudeva, Śrī Mādhava Mahārāja beobachtet. Er achtet nicht auf die Marotten der Vaiṣṇavas, sondern schenkt der Tatsache, dass sie Vaiṣṇavas sind, größere Beachtung und verhält sich ihnen gegenüber entsprechend." 

Wir können einen Vaiṣṇava nicht daran erkennen, ob er langsam oder schnell, pünktlich oder zu spät, sauber oder schmutzig, gut oder schäbig gekleidet ist, oder an seiner Gewohnheit, große oder kleine Mengen zu essen. Das wahre Maß für vaiṣṇavatā ist keine äußere Eigenschaft, sondern die citta-vṛtti (Neigungen des Herzens) und die Prinzipien des Menschen. So wie Du es vermiedest, mit mir ungeduldig zu werden, so tun es auch meine Gottbrüder. Meine gemächliche Art beobachtend, necken sie mich als Geste süßer Freundschaft. Und was könnte ich tun, selbst wenn ich mich schneller bewegen wollte? Ich bin durch meine Gewohnheit und Natur begrenzt. Sollte ich für etwas verantwortlich gemacht werden, das ich nicht kontrollieren kann?  Die kindliche Art, in der Śrīla Mahārāja mir sein Herz anvertraute, war zutiefst bescheiden und unschuldig.

 

Einfache, aber lebenswichtige Unterweisungen

Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja nahm mich einmal beiseite und gab mir die folgende Anweisung: „Wenn du nicht in einer Gruppe prasāda ehrst, dann iss niemals etwas vor den Augen der anderen, damit du sie nicht dazu anregst, dasselbe haben zu wollen. Trage keine Kleidung, die andere auch haben möchten und richte dein Zimmer nicht so ein, wie es Haushälter tun; halte es einfach und ordentlich." Dies waren Prinzipien, die er nicht nur nur lehrte, sondern auch selbst befolgte, indem er ein sehr enthaltsames Leben führte.

 

In Erinnerung an seine Invokation

Obwohl Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja mager und dünn war, seine Stimme jedoch war so ausgeprägt laut, dass er in keiner Versammlung den Einsatz eines Mikrofons benötigte, selbst wenn das Publikum riesig war. Unweigerlich begann er die Anrufung seines hari-kathā immer mit demselben Vers, bei dessen göttlicher Schwingung seine Zuhörer in Ehrfurcht versetzt wurden: 

 

ājānu-lambita bhujau kanakāvadātau 

sankīrtanaika pitarau kamalāyatākṣo

viśvambharo dvija-varau yuga-dharma pālau

vande jagat-priya-karau karuṇāvatārau 

 

Śrī Caitanya-bhāgavata (Ādi-khaṇḍa 1.1)  Ich verehre Śrī Gaurāṅga Prabhu und Śrī Nityānanda Prabhu, deren Arme lang sind und bis über die Knie reichen, deren Teint wie reines Gold ist, die sankīrtana eingeweiht haben, deren Augen lotosartig sind; die das Universum erhalten; die die besten der dvijas (Zweifachgeborenen) sind; die die höchste spirituelle Praxis für das gegenwärtige Zeitalter aufrechterhalten; die die Wohltäter der Welt und die Inkarnationen des Mitgefühls sind. 

 

Seine Hingabe zu den Lotosfüßen der Vaiṣṇavas 

 

Einmal führte Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja eine so schweres Krankheits-Spiel durch, daß er sowohl eine Augenoperation als auch eine Bluttransfusion benötigte. Er wurde in das Presidency Government Hospital in Kolkata eingeliefert, das während der britischen Herrschaft nur Offiziere in hohen Positionen behandelte. Nachdem Indien jedoch die Unabhängigkeit erlangte, stand es für jeden offen und Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja wurde in der besten Abteilung des Krankenhauses, der Woodburn-Station, aufgenommen. Als Guru Mahārāja seine Schüler informierte, dass jemand gesucht wird, der für Śrī Giri Gosvāmī Mahārājas Transfusion, Blut spenden konnte. Die Gottgeweihten wetteiferten praktisch um die Chance, Blut zu spenden. Ich war unter den wenigen Gottgeweihten, die ihr Blut testen ließen. Meine Blutgruppe stellte sich als O heraus. Der Arzt sagte: „Diese Blutgruppe kann funktionieren, aber es wäre besser, jemanden mit der gleichen Blutgruppe wie Mahārāja zu finden.“ Als er später entdeckte, dass meine Gottbrüder Śrī Bhakti Vijaya Vāmana Mahārāja und Śrī Madana Prabhu die gleiche Blutgruppe wie Śrī Giri Gosvāmī Mahārāja hatten, gab er Śrīla Mahārāja das Blut von Śrī Vāmana Mahārāja.

 
Als Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja nach seiner Operation und Transfusion zur maṭha zurückkehrte, sagte er: „Meine Sehkraft ist jetzt der in meinen College-Tagen ähnlich. Die Vaiṣṇavas haben mich durchgängig errettet und für mich gesorgt. Die Heiligen Schriften beschreiben die sechs Glieder der Hingabe. Wenn sich diese sechs Glieder der Hingabe zu den Lotosfüßen der Vaiṣṇavas nicht im Herzen eines Menschen manifestiert, kann er sich niemals Bhagavān hingeben. Immer und immer wieder sage ich zu den Vaiṣṇavas:  ‘Mārobi rākhobi jo icchā tomāra, nitya dāsa prati tuwā adhikāra—Töte mich, nähre mich oder tu mit mir, was du willst, denn du hast die volle Macht über deinen Diener."

Ein Objekt für die besondere Zuneigung seiner Gottbrüder 

Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja und Śrī Śrīmad Bhakti Hṛdaya Vana Gosvāmī Mahārāja teilten eine besondere Vorliebe, auch deswegen, weil Śrīla Prabhupāda ihnen am gleichen Tag sannyāsa zuteil werden ließ. Zur selben Zeit, als Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja sein Verscheidungs-Spiel manifestierte, befand sich Śrīla Vana Gosvāmī Mahārāja  in einem Pflegeheim in Āgrā wo er sich sich einer Behandlung unterzog und deshalb einen Katheter benötigte. Sobald Śrīla Vana Gosvāmī Mahārāja hörte, dass sein  Gottbruder ins nitya-līlā eintrat, verließ er, entgegen dem Rat der Ärzte, das Krankenhaus mit dem Katheter in der Hand und machte sich auf den Weg nach Vṛndāvana. Dort überwachte er persönlich alle Einzelheiten der samādhi-Zeremonie für Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja. Ich habe persönlich erlebt, wie namhafte Vaiṣṇavas— wie Guru Mahārāja, Śrī Śrīmad Bhakti Prajñāna Keśava Gosvāmī Mahārāja, Śrī Śrīmad Bhakti Saurabha Bhakti-sāra Gosvāmī Mahārāja, Śrī Śrīmad Bhaktyāloka Paramahaṁsa Mahārāja und andere—ihre große Zuneigung für Śrīla Giri Gosvāmī Mahārāja zum Ausdruck brachten. Dass solch erhabene Gottgeweihte Vertrauen in ihn besaßen, ist ein Zeugnis für seine hervorragenden Vaiṣṇava-Qualitäten 

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