Embryo

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Nach den Shastram-s: „Wenn das von Isvara geleitete Karma eines Wesens sich zur Hervorbringung eines Leibes auswirkt, dann kommt es mit Hilfe des männlichen Samens in den Schoß der Frau (Bha. III.31.1), also nicht etwa in der Form des männlichen Samens.“

„Same und Ovum vereinigen sich innerhalb der ersten Nacht.“ (Bha. III.31.2) Oder noch deutlicher im Markandeya-Puranam 11.1: „Der aus Himmel oder Hölle entlassene Jiva kommt zu dem Samen, der in den weiblichen Schoß gesenkt, sich mit dem Ovum vereinigt. Die beiden Samen (Same und Ovum) bleiben erhalten und mischen sich, weil er von ihnen Besitz ergriffen hat.“ Innerhalb von 5 Tagen bildet sich eine Blase, dann in 10 Tagen eine Pflaume, innerhalb eines Monats bildet sich der Kopf heraus (vgl. Bha. III.31.2 ff.). Es ist also die Gegenwart eines Jiva, der die Empfängnis verursacht – auslöst, dass Same und Ovum verschmelzen. Der Jiva, der dem Samen anhaftet, betritt die beiden, wenn sie verschmelzen. Der Jiva des Samens und des Ovum verlassen ihre Behausung, ihr Leben ist beendet. Nun werden nach den Shastram-s dem Wesen bereits vor der Samenergießung bis zu seiner Geburt eine Reihe von Sakramenten gespendet, die alle auf sein Heil einwirken sollen. Je edler die Familie, desto größer die physischen und psychischen Vorbereitungen – also eine Art vorgeburtlicher Erziehung, von der Empfängnis an und während der Schwangerschaft der Mutter. Es wird im Markandeya-Puranam darauf hingewiesen, dass es vom Karma des Embryo abhängt, wie es ihm innerhalb der Mutter geht, dass heißt Maß und Art der Nahrung, die er erhält. Am Ende von 5 Monaten fühlt er Hunger und Durst. Nach dem 6. Monat bewegt er nicht nur Arme und Beine, sondern auch den ganzen Leib und den Kopf. Der Jiva, der sich mit diesem neuen Leib im Mutterleib nicht frei bewegen kann und sehr sensitiv ist, erlangt aufgrund des Wirkens in früheren Leben klares Bewusstsein seiner selbst und erinnert sich der Vergehen, die er in hunderten früheren Existenzen begangen hat und nimmt sich vor, in der Zukunft, nach seiner Geburt, sich besser zu verhalten. Diejenigen die nun bereits in früheren Leben religiöse Disziplin ausgeübt haben, mit Bhakti gemischtes Karma, Jñana etc., die erinnern sich aller Erkenntnis von Gott etc., die sie in früheren Leben hatten, und nehmen sich vor, im kommenden Leben Gott besser dienen zu wollen. Ja, sie beten zu Gott, dem allen Wesen innewohnenden Lenker und Zeugen. Es ist klar, dass genau so wie der Grad der Leichtigkeit des Sterbens und der Wiedergeburt auch die innere Reife des Jiva im Embryo von seinem eigenen Karma in früheren Leben verursacht ist. Gebete des Embryo vor dessen Geburt finden sich in allen großen Gruppen der Shastram-s – Garbha-Up., Markandeya Puranam, Bhagavatam III.31.3 etc. Doch verliert der Jiva diese Erkenntnis und Erinnerung an seine früheren Taten, wenn er die Qualen der Geburt erlebt und endlich aus dem Mutterschoß in die Welt hineintritt. Im Brahmavaivarta-Puranam wird berichtet, dass Sukadeva in einer seiner Geburten als Suka, sich einfach weigerte, aus dem Schoß herauszukommen, und auch die Garantie, die sein Vater Vyasa ihm geben wollte, dass ihn die Maya nicht betören werde, nicht annahm, seiner Mutter recht Sorge gab, bis schließlich Gott sich selbst offenbarte und ihm die Erfüllung seines Wunsches versprach. Der Atma eines Menschen ist also nicht das Produkt der Verschmelzung zweier Zellen, die von den Eltern stammen, sondern der mit seinem feinen Leib behaftete Atma ist es, der von seinem eigenen Karma gedrängt in den Vater hinein gelangt und mit Hilfe des von ihm ganz verschiedenen Samens durch seine Gegenwart die Vereinigung von Samen und Ei zu einer Embryoformung verursacht. Und genau so wie es vom Karma seiner Eltern abhängt, ob und was für ein Kind sie bekommen, so hängt es von seinem Karma ab, was für Eltern er bekommt und welches Erbmaterial er genetisch von den Eltern erhält, aus deren Samen und Ovum der grobe physische Leib sich bildet. (Der Jiva im Samen, der Jiva im Ovum, beide sind armselige Jiva-s, die sterben, d.h. ihren physischen Leib verlassen, wenn der zum Menschsein bestimmte Jiva herbeikommt. Dieser Jiva benutzt – wie einen Fallschirm etwa – den Apfelkern, um in den Leib des „Vaters“ zu kommen. Dann benutzt er den Samen – wie ein Boot – um zum Ovum zu gelangen. Der J≠va im Samen strebt zum Genießen nach dem Ovum; das wird sein Tod und wird der Tod des anderen Jiva im Ovum. Die Gegenwart des Jiva bedeutet, dass das Leben des Samen- und Ovum-Jiva’s in diesen Formen zu Ende ist; der von außen gekommene Jiva betritt seinen Leib.) Es erhebt sich nun natürlich die Frage, wie lange dauert es überhaupt, bis ein Jiva wieder einen neuen physischen Leib erhält, d.h. nach dem zuerst nur geistigen Ergreifen eines unter dem Zwang des Karma vorgestellten Leibes und dem Beginn eines neuen Ich-Bewusstseins und dem Aufhören des alten Ich-Bewusstseins verstreicht eine gewisse Zeitspanne, bis er den neuen physischen Leib erhält. Bei dem, der aus dem Himmel herabkommt, dauert es eine längere Zeit. Doch hängt auch das von seinem Karma ab. Ebenso ist es nun mit dem Erlangen jedes neuen Leibes nach dem Verlassen des früheren. Es ist nun wieder der Zweck der Sakramente, die dem Verstorbenen gespendet werden, dass sie ihm schnell zu einer neuen physischen Hülle, in welcher er Mensch ist, verhelfen sollen, denn es ist ganz verständlich, dass der Jiva mit seiner feinen Hülle in Qual ist, bis er die Hülle des groben Leibes erhält, die er bereits als sein neues Ich meint. Wenn einer, der sich durch Gift das Leben genommen hat, als folge davon als eine schwarze Schlange im Gebirge wieder geboren werden muss (Garuda-Puranam 5.10), so muss die Zeit bis zu seiner Verkörperung als Schlange natürlich sehr qualvoll sein. Diese Übergangsstufen bis zur neuen Verkörperung sind mit einem Geistesdünkel erfüllt. Das Herabkommen aus den Himmeln erfolgt, indem der Jiva mit seinem feingeistigen Leib dem entsprechenden Elemente eng anhaftet. Bei den Übergängen zwischen den Leibern auf der Erde aber ist von solchen Trägern, an die sich der Jiva anhält, nicht die Rede. Die Jiva-s, die als Preta-s bezeichnet werden, d.h. Abgeschiedene ganz allgemein, zerfallen in verschiedene Gruppen wie Bhâta-s, Pisaca-s etc. Sie sind die „Geister“, „spirits“, gut oder böse, die dort noch herumirren, wo sie vorher im grobsinnlichen Leibe weilten, oder aber im Luftraume oder irgendwo in der Natur. Ganz allgemein kann man sagen, dass das, was man im Westen als Geister bezeichnet, eben Jiva-s sind, die aufgrund schlechten Wirkens den ihnen zustehenden physischen Leib noch nicht erhielten. Die Orte, an die die Jiva-s gelangen, sind keineswegs bloß die durch das „5. Opfer“ in einen Schoß durch direkte Geburt, oder durch die Stufe eines Eies. Die ChandogyaUpanishad 6.3.1 gibt als den dritten Ort ihrer Verkörperung Fission oder Zellteilung etc. an. Chandogya-Upanishad 5.10.8 spricht von den Wesen, die weder endgültige Freiheit erlangen noch in den Himmel gelangen, die immer und immer wieder in den niedrigsten biologischen Formen geboren werden. (Die verschiedenen Kommentare der Brahmasâtra-s haben zu Sutra 3.1.20 ff. darauf hingewiesen, dass auch die Menschengeburt keineswegs immer mit Hilfe des Samens geschehen muss, und sie führen Beispiele aus den Shastram-s an wie Drona, Drsthadyumna und andere. Ebenso auch in tierischen Formen erwähnen sie sogar die bekannte Möglichkeit der Jungfrauengeburt.)

(Ein Auszug von dem Artikel "Die Raupe" von Svami Sadananda Das)

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