Paresanubhuti-Verwirklichung der Höchsten Absoluten Wahrheit

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Das Wissen, das die Seelen auf verschiedenen Bewusstseinsebenen erwerben, ist weder qualitativ noch quantitativ gleich. Darüber hinaus hilft das auf einer Ebene gesammelte Wissen nicht unbedingt dem Wissen auf der nächsten Ebene.

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In der Tat kann es durchaus sein das, das Wissen welches man sich auf einer Ebene erworben hat auf der nächsten Ebene äußerst unbedeutend, minderwertig und sogar schädlich für weiteren Fortschritt sein kann. Es gibt jedoch eine Ebene absoluten Wissens, und sobald man diese Ebene erreicht hat, besteht keine Möglichkeit mehr zu degradieren. Alle Arten von Wissen, die vor dieser letztendlichen Stufe gesammelt wurden, sind schlussendlich nutzlos. Die Entwicklung der inneren Qualitäten des Menschen hängen von dem streben nach diesem absoluten Wissen ab. Solches Wissen allein ist als Sambandha-Jnana bekannt.

Das Jnana, auf das sich Srila Rupa Gosvamipada in der Formulierung jnana-karmady-anavrtam bezieht, welches uttama bhakti definiert, und das jnana, das Srila Narottama Thakura in seinen Kirtanas als visera bhanda ( ein Gefäß gefüllt mit Gift)  deklariert hat, handelt nicht vom selben jnana, es ist nicht dieses Sambandha-jnana. Das jnana, das versucht, den Wissenden (jnata), das Erkennbare (jneya) und das Wissen (jnana) zu negieren gipfelt tatsächlich nur in Unwissenheit (ajnana). Es ist nur solch ein Jnana welches von Srila Rupa Gosvamipada abgelehnt wird, den dieses Jnana hat nichts mit Sambandha-Jnana zu tun. Ganz schlicht weg ist es eine korrupte Art von Jnana, was die ewige Beziehung  (Sambandha) mit dem Höchsten Herrn zerstört.

Das Jnana, das auf verschiedenen Bewusstseinsebenen erworben wird, ist in fünf Kategorien unterteilt: (1) Indriyartha Jnana - Wissen zum Zweck der Sinnesbefriedigung, (2) Naitika Jnana - moralisches Wissen, (3) Isvara Jnana - Wissen über den höchsten Herrn, (4) Brahma Jnana - unpersönliches Wissen und (5) Suddha Jnana - reines Wissen.

 (1) Indriyartha jnana - Wissen zum Zweck der Sinnesbefriedigung.

Die weltlichen Sinne sammeln Eindrücke von der Außenwelt und übertragen diese über das Nervensystem auf den Geist. Die erste Tendenz des inneren Sinnes (des Geistes) besteht darin, Ideen der Außenwelt zu sammeln. Die zweite Tendenz des Geistes besteht darin, diese Ideen im Gedächtnis zu bewahren. Dann mischt und trennt der Geist durch seine dritte Tendenz diese Ideen, und Funktionen wie Überlegung und Vorstellungskraft werden erzeugt. Die vierte Tendenz des Geistes besteht darin, bestimmte Gruppen oder Klassen dieser angesammelten Ideen zu ermitteln und durch deren Klassifizierung die Konzepte überschaubarer zu machen. Durch die Überlegung des Geistes wird er diese Gruppen dann entweder akzeptieren oder ablehnen. Durch die fünfte Tendenz des Geistes geht eine logische Bedeutung von diesen richtig angeordneten Ideen aus, und dies wird Yukti, Logik oder Argumentation genannt. Nur mit Hilfe dieser Yukti wurden alle Arten von psychologischen und materiellen Wissenschaften hervorgebracht. Da diese Yukti einfach eine Tendenz des Geistes ist, kann sie das Tattva welches jenseits des Geistes und weltlicher Worte liegt nicht verstehen. Paresanubhuti ist jenseits des Ansatzes eines solchen Indriyartha Jnana.

(2) Naitika jnana - moralisches Wissen

Die nachdenkliche Betrachtung weltlichen Glücks und Unheil, die durch die Hilfe von Indriyartha Jnana erreicht wird, führt zu Naitika Jnana, moralischem Wissen. Die Anhaftung an Dinge, die dem Geist gefallen, und der Ekel gegenüber denen, die missfallen, stehen im Mittelpunkt dieses Jnana. Unter Berücksichtigung all dieser Merkmale des Geistes sind die Niti-Sastras, die auf Yukti basieren, ein Produkt der Vorstellungskraft. Sie enthalten Anweisungen zur richtigen Anwendung des Sinnesgenusses und zur Eindämmung des Hasses auf alles, was einem solchen Sinnesgenuss entgegensteht. Da die menschliche Natur eine noch höhere Tendenz hat, kann Naitika Jnana allein den Menschen nicht befriedigen. Naitika jnana konzentriert sich auf Themen, die mit der Entwicklung von Körper, Geist und Gesellschaft zusammenhängen, und präsentiert Ideen darüber, was Gerechtigkeit und was Sünde und Laster ist. Naitika jnana schweigt jedoch völlig über die Verwirklichung der höchsten absoluten Realität im ewigen glückseligen Dhama.

(3) Isvara jnana - Kenntnis des Obersten Kontrollierenden

Die nachdenkliche Klasse der Menschheit, die sorgfältig über die Konstitution aller Einheiten auf der Erde unter Berücksichtigung ihrer gegenseitigen Beziehung, der angemessenen Regeln welchevon den Haushältern und allen anderen Asramas einzuhalten sind, der kollektiven Zusammenarbeit zur Behebung aller Bedürfnisse und der Diskussion für eine fortschreitende Entwicklung nachgedacht hat, hat auf der Grundlage der Vernunft beschlossen, dass diese Welt nicht von selbst entstanden sein kann. Sie haben vielmehr akzeptiert, dass alles von einem führenden Tattva ausgegangen sein muss, das an sich als jnana oder jnana-svarupa-tattva charakterisiert ist. Dieses Tattva, was für die ganze Welt verehrungswürdig ist, ist allmächtig, und es ist obligatorisch, diese Realität mit herzlicher Dankbarkeit zu verehren. Dann wird Er, wenn er mit uns zufrieden ist, alle Arten von Einrichtungen für unseren Sinnesgenuss arrangieren. Auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die ein anderes Verständnis über den allmächtige Purusa haben. Sie glauben, dass er aufgrund seiner gefeierten und großmütigen Natur, nachdem er uns erschaffen hat, alle Arten von Vorkehrungen getroffen hat, um unser Vergnügen zu steigern. Diese höchste Person erwartet keine Gegenleistung von uns, daher gibt es für uns keinen bestimmten Zweck, ihn anzubeten. Dann gibt es andere, wie die Saisvaravadis (Theisten), die sagen, dass man durch die Erfüllung seiner vorgeschriebenen Pflichten Glück erlangt, wie das Erreichen von Svarga, und durch die Ausführung von Aktivitäten, die nicht vorgeschrieben sind,in die Hölle gehen muss. Diese Art von Isvara Jnana kann bis zu einem gewissen Grad als Jnana akzeptiert werden, ist aber hauptsächlich mit Karma gemischt. Dieses Isvara jnana gewährt jedoch keine Verwirklichung der eigenen nitya siddha svarupa (ewig perfekten spirituellen Form). Somit ist Paresanubhuti viel höher als dieses Niveau von Jnana.

 (4) Brahma jnana - unpersönliches Wissen

Der Mensch, der mit dem obigen Isvara Jnana nicht zufrieden ist, ist erneut gezwungen, seine Vernunft (Yukti) anzuwenden, um das höhere Jnana weiter zu kultivieren. An diesem Punkt erreicht er jedoch die endgültige Grenze seiner Argumentation. Seine Argumentation, die wiederholt vorangetrieben wurde und keine anderen Mittel gefunden hat, führt dann schlussendlich zum Konzept der Negation (Verneinung aller Qualitäten des Höchsten Herrn), und er beharrt weiterhin auf das Laksana Vrtti (die unbeabsichtigte oder sekundäre Bedeutung der Aussagen von Vedanta). In Wirklichkeit besitzt die höchste absolute Einheit Eigenschaften wie Form, Vielfalt, Qualitäten und so weiter. Jedoch auf der Grundlage der immer wider angewendeten Form von Yukti, manifestiert sich die Vorstellung einer höchsten Einheit, die formlos, unverändert, Qualitätslos und undifferenziert ist. Der Begriff Brahma Jnana in Form von dem undifferenziertem Tattva stammt aus einer anadhikara (nicht förderfähigen) Übung der Vorstellungskraft durch die Vernunft (Yukti). Es gibt keine Möglichkeit, durch ein solches Brahma Jnana Paresanubhuti, die Verwirklichung der Höchsten absoluten Wahrheit, zu erreichen.

 (5) Suddha jnana - reines Wissen

Durch diese verschiedenen Arten von Jnana erwarten gewöhnliche Menschen im Allgemeinen, Paresanubhuti zu erreichen. Paresanubhuti geht jedoch weit über den Rahmen all dieser Kenntnisse hinaus, und dies wurde oben bewiesen. Die erste Frage, die sich stellt, lautet: Sind solche Erkenntnisse überhaupt möglich? Und zweitens, wenn sie möglich sind, was sind dann die Mittel, um sie zu erreichen? Die Antwort auf die erste Frage lautet - sicherlich gibt es eine Möglichkeit. Und in der Gita antwortet Bhagavan Sri Krsna persönlich auf die zweite Frage:

tesam satata-yuktanam

bhajatam priti-purvakam

dadami buddhi-yogam tam

yena mam upayanti te

["Denjenigen, die Mir ständig hingegeben sind und Mich mit Liebe verehren, gebe ich das transzendentale Wissen, wodurch sie zu Mir kommen können.“ (Bhagavad-Gita 10.10)]

Suddha Jnana kann nur in einem erwachen, der alle Wünsche und Anstrengungen für andere Wünsche als Krsna zu dienen, Karma und die vier oben erwähnten Arten von Jnana vollständig aufgegeben hat. Zu dieser Zeit versteht die Seele, dass "Meine Konstitution ist die eines ewigen Dieners von Bhagavan und meine einzige Funktion besteht darin, Ihm zu dienen“. Diejenigen, die tief in diesem suddha jnana verankert sind, und durch das ständige Bhagavad Bhajan in Liebe zu Ihm aufblühen, erreichen einen solchen Lichtstrahl der ewigen Sonne (des höchsten Purusa) in der Form von ewigem Buddhi Yoga. Nur durch diesen Lichtstrahl der höchsten Sonne kann man Paresanubhuti erreichen.

Um Paresanubhuti zu erreichen, sind Ruhe, ein gelassener Geist und geduldige Sehnsucht nach dem Gnaden-Strahl Bhagavans erforderlich. Mit einem unruhigen oder launischen Geist kann man keine Fortschritte machen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass man inaktiv werden sollte. Ebenfalls kann man auch kein positives Ergebnis erzielen, wenn man künstliche Mittel wie Astanga Yoga praktiziert, um den Geist zu stabilisieren. Aus diesem Grund ist es das wünschenswerteste Bhajana auszuführen und ständig mit Ihm verbunden zu sein.

(Ein Artikel aus dem Sri Gaudiya Patrika von Sri Srimad Bhakti Prajnana Kesava Goswami Maharaja, Jahr 40, Ausgabe 1, zum ersten Mal in deutscher Sprache übersetzt).

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