Śrīla Bhakti Rakṣak Śrīdhar Dev-Goswāmī Mahārāj erinnert an seinen lieben Freund Śrīpād Kṛṣṇa Dās Bābājī Mahārāj

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Wir wissen, dass Kṛṣṇa Dās Bābājī Mahārāj diese Welt verlassen hat. Wir möchten uns an sein Leben und seine Aktivitäten so viel es geht erinnern. Ich habe ihn zuerst im Jahr 1926 oder so ungefähr kennengelernt. Kurz nachdem ich der Gauḍīya Maṭh beigetreten bin, bin ich ihm begegnet. Zu der Zeit kam er gerade von einer Predigtreise mit  Bhāratī Mahārāj zurück. Er war jung, klug, schön, lustig und er war sehr fest in seinen Prinzipien verankert. Er stammte aus einer angesehenen, hochrangigen Familie aus Dacca, [Munchi Ganga? – heute Bangladesch.   Zu jener Zeit, in British India, war alles ein Teil Bengalens.

 Als nächstes sah ich ihn, als er mit einer Prediger-Gruppe mit Bon Mahārāj aus Naimiṣāraṇya und westlichen Teilen Indiens zurückkam. Zwischen uns entstand eine natürliche Freundschaft. Vielleicht lag es an unserer ähnlichen hohen sozialen Stellung, ähnlicher Bildung, ähnlicher Einfachheit und ähnlicher Ernsthaftigkeit im Kṛṣṇa Bewusstsein, was uns allmählich immer näher und vertrauter werden ließ. Ich kam ihm noch näher im letzten Teil des Jahres 27 in Neu Dehli. Es war uns erlaubt für ein paar Wochen zusammenzuarbeiten und so wuchs unsere gegenseitige Vertrautheit. Dann im Jahr 29 oder so, war er in (Bali Hati?) in Bengalen, in einer dörflichen Maṭh und dort fuhr er fort mit seinem Nām-bhajan. Ich bat Prabhupād: „Er ist ein gebildeter junger Mann. Sein Dienst könnte gegenwärtig für das Predigen in Neu Dehli sehr  nützlich sein. Wenn du es erlaubst, dann würde ich ihn fragen, ob er sich meinen Aktivitäten anschließen möchte.“ Ich war in der Zeit der Leiter der Maṭh in Neu-Delhi; durch mich wurde dort die Maṭh gegründet. Prabhupād gab gerne seine Zustimmung: „Wenn du ihn aufnehmen und ihn im Predigtdienst für Mahāprabhu einsetzen kannst, dann wirst du dich als sein großer, wahrer Freund erweisen.“

Daraufhin kam Kṛṣṇa Dās Bābājī Mahārāj, zu jener Zeit hieß er Sādhikānanda Brahmachārī, zu mir nach Neu-Delhi. Für eine lange Zeit führten wir eine sehr vertraute Freundschaft und wir arbeiteten zusammen. Er empfand große Wertschätzung für mich und ich empfand auch große Wertschätzung für ihn, in seiner Suche nach Kṛṣṇa Bewusstsein.

Er war im Wesentlichen ein Mensch, der sich die Unterweisungen der Schriften zu Herzen nahm. Er versuchte die Unterweisung der Schriften nach besten Kräften zu befolgen, doch die Umsetzung im praktischen Leben – so wie es unser Guru Mahārāj von uns erwartete –, da war er etwas zurückhaltend.

tāra madhye sarva-śreṣṭha nāma-saṅkīrtana

Unter allen Formen der hingebungsvollen Praxis, ist Nām-saṅkīrtan die Beste.

Das ist eine klare Unterweisung von Mahāprabhu, aus den Schriften und Kṛṣṇa Dās Bābājī Mahārāj tat Sein Bestes, dabei zu bleiben.

Immer, bis zu seinem letzten Tag erhielt Er seinen reinen, moralischen, sozialen Charakter. Er war ein sehr guter Mensch und sehr strikt. Er war fest in seiner Praxis verankert, sehr wahrhaftig und sehr lustig. Er versuchte in allen Umständen zufrieden und gleichmütig zu sein.

Als es unter den Treuhändern zu Meinungsverschiedenheiten kam und wir nicht länger in der Mission bleiben konnten, ging ich fort, und zur gleichen Zeit ist er ebenfalls gegangen. Ich ging nach Vṛndāvan, und nachdem ich dort einen Monat verbracht hatte, kam ich hierher zurück (nach Nabadwīp) um durch die Gnade von Nityānanda Prabhu and Mahāprabhu dauerhaft hier zu bleiben. Er entschied sich zur selben Zeit in Nanda Grām zu leben. Wir beide hatten uns von dem missionarischen Leben zurückgezogen und ich wählte diesen Ort für die letzten Tage meines Lebens und er wählte Nanda Grām. Dort ist ein Ort namens Nanda Bagicha, ein kleines Stück entfernt von Nanda Grām in Richtung Yāvaṭa and Kadamb Kandi. Er schrieb mir von dort einen Brief. Ich konnte daraus erkennen, dass er dort sehr zufrieden war, dass er in seinem gegenwärtigen Leben volle Zufriedenheit erlangt hat. Mir fiel besonders auf, wie  glücklich er war – vollkommen hingebungsvoll. Alles was er gesucht hat, fand er dort und er war völlig zufrieden. Das fand ich in seinem Brief. In der Zeit lebte ich hier in einem Haus, das ich für zwei Rupie pro Monat gemietet hatte und lebte allein. Nach einer langen Zeit, vor nur zwei, drei Jahren (ungefähr vierzig Jahre später), erzählte er mir plötzlich: „Die größte Zufriedenheit in meinem Leben erfuhr ich, als ich in Nanda Bagicha lebte.“ Er lebte dort von Anfang des Jahres 41 und nach so vielen Jahren das bhajan, würdigte er sein Leben dort, als die höchste Befriedigung. Ich konnte das von hier aus spüren, und auch durch seinen Brief, dass er in seinem Leben vollkommene Zufriedenheit erlangt hatte. Ich konnte es spüren. Ich konnte fühlen, dass er śuddha-sattva war: vollständig hingegeben, losgelöst von allem und völlig abhängig von Kṛṣṇa – sein Leben hing ganz und gar vom Willen Kṛṣṇas ab. Keine Sorgen, keine Ziele, keine Vorhaben im Leben. Seine Annäherung hatte er vollkommen vorbereitet. Keine Vorurteile, Er kam mit der festen Entschlossenheit, sich darauf einzulassen. Keine Vorurteile, nicht einmal eigene Vorstellungen oder Vorschläge, wie man Kṛṣṇa-Bewusstsein erlangen könnte. Nicht einmal das. Vollkommene Hingabe: „Was immer Er möchte, möge Er tun. Ich bin darauf vorbereitet.“ Eine solche Haltung.

Im Allgemeinen finden wir in den Schriften, dass śaraṇāgati, Hingabe, die Basis, die Grundlage ist, auf der vielfältige Strukturen für den Dienst zu Kṛṣṇa errichtet werden können. Das kann man im Allgemeinen sagen, aber ich habe auch etwas anderes außergewöhnliches festgestellt: „Einfach śaraṇāgati kann uns alles geben, auch ohne, dass man eine Form der hingebungsvollen Aktivitäten ausübt.

Sein Brief und Beispiel erinnert mich an diese Form von śaraṇāgati. Es wird also in meinem ‚Prapanna-jīvanamṛta‘ erwähnt, dass einfach śaraṇāgati uns das höchste, gewünschte Ergebnis geben kann, auch ohne śravaṇ, kīrtan, smaraṇ, vandan, und so vielen anderen Formen der Hingabe.  Wenn wir diese Eigenschaften der Hingabe näher untersuchen, dann können wir sogar die Elemente von verschiedenen rasas entdecken. Die höchste Form von śaraṇāgati ist möglich in der höchsten Formdes rasa (Dienst), und das ist madhura-rasa. Im Madhura-rasa kann sich das vollkommenste śaraṇāgati entfalten. Jedes Atom im spirituellen Körper schreit nach dem korrespondierenden Atom im spirituellen Körper des Herrn. Das ist nicht möglich mit irgendeinem anderen rasa. Das wurde in einem bengalischen Vers von einem der großen Gottgeweihten ausgedrückt:

prati aṅga lāge kānde prati aṅga mora

„Jeder Teil eines jeden einzelnen meiner Glieder sehnt sich nach dem entsprechenden Teil in den Gliedern des Herrn.“

Śaraṇāgati bedeutet, dass man auf diese Art von Dienst zum autokratischen Herrn vorbereitet wird. Kein Sinn, kein Grund, kein Raum für irgendwelche Bestrebungen – seien sie gut oder schlecht. Nur wahrhaftiges śaraṇāgati kann unser ersehntes Ziel erfüllen.

Er fühlte sich von sakhya-rasa angezogen und so pflegte er alle Arten von śāstra und rasa zu lesen. Er pflegte auch alle Arten von kīrtan und ihre Ausdrucksformen zu hören, sogar sahajiyā kīrtan. Aber sie konnten aus ihm keinen sahajiyā machen, obwohl an ihrer sahajiyā Schuleteilnahm. So fest war sein Vertrauen im richtigen Kṛṣṇa Bewusstsein.

yaḥ kaumāra-haraḥ sa eva hi varas tā eva chaitra-kṣapās

Mahāprabhu sagt:

vana dekhi’ bhrama haya ei vṛndāvana

śaila dekhi’ mane haya ei govardhana

(Śrī Chaitanya-charitāmṛta: Madhya-līlā, 17.55)

„Wenn Nityānanda Prabhu dabei gesehen wird, wie er das Haus eines Weinverkäufers betritt oder in das Haus einer Prostituierten geht, dann müsst ihr wissen, dass er von Brahmā und Shiva persönlich verehrt wird. Wenn Er dorthin geht, dann geht Er nicht dorthin, um etwas zu nehmen, sondern, er gibt etwas diesen gefallenen Seelen, um sie aus ihrer Stellung zu befreien. Er geht nicht dorthin, um etwas von ihnen zu nehmen.“

So, auch wenn Kṛṣṇa Dās Bābājī anscheinend mit der sogenannten Sektion der sahajiyā Umgang hatte, er wich niemals von dem wahren Konzept des Kṛṣṇa Bewusstseins des āchārya der Gauḍīya Maṭh ab oder von dem, was er uns gab, als er zu uns kam. Zu guter Letzt, wir sahen, dass er fest an seinem Vertrauen und Glauben festhielt. Er wählte seine letzte Zuflucht in Nanda Grām, Pāvan Sarovar, in der Nähe des bhajan-kuṭir von Sanātan  Gosvāmī. Und dort, von der sichtbaren Welt hinüber in die unsichtbare, trat er zweifellos in den unsichtbaren Bereich von Vṛndāvan ein.

Er hat klar gesagt, dass er sich sehr von sakhya-rasa angezogen fühlt. Er betrachtete seinen Führer, seinen nächsten Begleiter, in Subal, der Verbindung mit madhura-rasa hat. Unter all den Freunden Kṛṣṇas, wird Subal als der Höchste angesehen, wegen seiner intimen Verbindung mit madhura-rasa. Also, sah er seinen Begleiter in der Form von Subal.

Er hatte ein sehr liberales Herz und er pflegte mit allen streitenden Parteien der Gauḍīya Maṭh Umgang. Er ging fast überall hin und lächelnd pflegte er mit allen Umgang und Gemeinschaft. Trotzdem, hatte eine besondere Anziehung für eine bestimmte Abteilung. Er war ein enger Freund von mir, wie ich schon erwähnt habe. Er fand große Wertschätzung, besonders für meine Gedichte in Sanskrit. Einst fragte ich ihn: „Warum hast du so eine bestimmte Zuneigung zu mir?“

„Der Grund dafür sind deine Gedichte. Ich bin von diesen Ideen, der Sprache und dem Stil deiner Gedichte eingenommen.

Er war sehr strikt und kein Mensch, der sich unter dem Druck der Umstände jedem und allem unterwerfen würde. Er war nicht dieser Typ. Das war also eines seiner Charakteristiken. Er pflegte die Gedichte der  Gosvāmīs über kṛṣṇa-līlā zu singen, keine gewöhnlichen, sondern ausgewählte. Aber diese Zuneigung zu mir zeigte sich auf eine Weise, dass er in der Nacht von Ekādaśī, hier, dort und überall  chanten würde, aber er zog es vor, meine etwas moderneren Verse zu singen. In dieser Herz zu Herz Beziehung, war er mir sehr nah.

Diese Veranstaltung heute zeigt auch etwas von dem. Es war nicht vorherbestimmt, doch durch göttliche Fügung bin ich dennoch in eine solche Aufgabe in seinem Umfeld verwickelt worden. Unsere Verbindung war etwas, das über dem bewussten Raum unserer Erfahrung lag, es war eine Verbindung ohne Ursache. Auch in vielerlei anderer Hinsicht hatten wir viel gemeinsam. Manchmal hatte ich mit ihm auch einen rauen Umgang. Aber das störte ihn nicht. Seine Freundschaft zu mir war so tief, dass es ihm nichts ausmachte. Solche Geschehnisse gab es auch hier. Heute werde ich also für ihn beten: „Was auch immer ich ihm an Unrecht angetan haben mag, möge er mir alles vergeben und mich mit eurer aller Hilfe als seinen aufrichtigen Freund annehmen.“

Quelle:

Gesprochen am 30. April 1982

(Sri Gaudiya Darsana)

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