Krieg gegen Māyā

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Quelle: „Encounters of Divinity“ von Śrīla Bhakti Rakṣaka Śrīdhara Dev Gosvāmī Mahārāja

Yāre dekho tāre kaha kṛṣṇa upadeśa. Einmal ging ich zum Gericht von Kṛṣṇanagara. Dort warf der Anwalt folgendes auf mich: „Warum kommt ihr sādhus dauernd zum Gericht? „Es ist sehr merkwürdig, dass sādhus vor Gericht erscheinen. Schämen Sie sich nicht?“

Ich antwortete: „Sie haben eine schlechte Vorstellung von einem sādhu. Sie glauben, dass ein sādhu sich nach Haridvāra oder in den Dschungel zurückziehen muss um dort zu praktizieren? Das ist die Vorstellung ihres Gerichts von einem sādhu. Aber Sie haben noch nicht solch einen sādhu gesehen, der die Gaudiya Math gegründet hat. Er hat keine Angst vor māyā. Er will das ganze System von māyā angreifen und es vernichten.“

Prabhupāda wollte māyā angreifen und ihm den Krieg erklären. Unser Guru Mahārāja erklärte, dass er alle materiellen Zentren der Aktivitäten einnehmen und lähmen wird. „Wir wollen das bhāgavata-kathā dorthin bringen. Nichts sollte vernichtet werden. Wir fürchten uns nicht vor māyā. Wir wollen es überwinden, es besiegen und alle Zentren besetzen. „Warum sollte dieses Gericht davon ausgenommen sein? Von dieser Art sādhus sind wir. Wir haben keine Angst vor māyā, so dass wir in den Dschungel fliehen und uns in eine Höhle zurückziehen müssten, um dort mit Hari-nāma fortzufahren. Hari wird bestehen bleiben, und all diese anderen Dinge müssen verschwinden,“ sagte ich zu ihm.

Die Gaudiya Matha fürchtet sich vor nichts. Ein Vaisnava, der das abgeschiedene Leben des bhajana liebt, fragte unseren Guru Mahārāja: „Warum lebst du in Kalkutta? Das ist ein Ort des Satans, wo der Kampf für eigennützige Interessen dominiert. Verlass diesen Ort und komm in den Heiligen dhāma!“ Aber Śrīla Bhaktisiddhānta Sarasvatī Ṭhākura hat gerade diesen Ort ausgesucht. Er antwortete: „Ich ziehe es vor, Śrī Caitanya Mahāprabhus Kredo an einen extrem verunreinigten Ort zu repräsentieren.”

Aus diesem Grund wollte er Männer in den Westen entsenden. „Der Osten ist vom Glanz der westlichen Zivilisation geblendet“, sagte er, „deshalb muss die westliche Zivilisation zuerst zerschlagen werden. Dann wird ihr Glanz verschwinden, und die ganze Welt wird sich dem Feldzug der göttlichen Liebe Śrī Caitanya Mahāprabhus anschließen.“ Dies war dieselbe geistige Haltung, mit der Nityānanda Prabhu die gefallenen Seelen dieser Welt umwarb in Seinem Bestreben, sie zu den Lotosfüßen Śrī Caitanya Mahāprabhus zu führen.

Keine Anerkennung der jāti-brāhmaṇas, der jāti-gosvāmīs, dieser bābājīs, der Ramakrishna-Mission – alles Feinde, kein Freund! Das ist die Gaudiya Matha. Im Alleingang kämpfen sie gegen jeden, der im Namen der Religion, der Nicht-Religion oder einer Mischreligion auftritt. Im Alleingang! Unser Guru Mahārāja griff auf die Grundlage der Erkenntnisse von Srila Bhaktivinoda Ṭhākura zum Schwert und erklärte der ganzen Welt den Krieg. Das war seine Charakteristik.

Das war das allgemeine Konzept von Prabhupāda.  „Ich muss alle wichtigen Punkte von māyā einfangen, wo immer ich sie sehe. Mach weiter, und chante den Namen Krsnas. Diene Krsna.“ Eines Tages in einem Park in Allahabad, vielleicht war es das Jahr, als Swami Mahārāja eingeweiht wurde, stellte unser Guru Mahārāja eine Herausforderung: „Ich stelle eine Herausforderung.“ So wie Ringkämpfer andere Ringkämpfer herausfordern - auf einer Wiese stehen sich zwei Ringkämpfer gegenüber – genau wie jener, der vom Christentum zum Islam konvertierte – Mohammed Ali –, die Welt herausforderte.

 „Ich bin bereit, gegen jeden anzutreten, um zu beweisen, dass die höchste Stellung meinem Gurudeva, Bhaktivinoda Ṭhākura, Gaura-kiśora Dāsa Bābājī und Mahāprabhu, gebührt. Möge jeder kommen und gegen mich antreten um darüber zu entscheiden – ich bin bereit!“, sagte er. „Ich bin bereit, jeden und alle herauszufordern. Sollen sie kommen und mit mir kämpfen. Ich möchte meinen Gurudeva auf einen Thron setzen, an den höchsten Platz.“

Mit solcher Kraft kam er. So wie die heftige Strömung eines Flusses, wenn er von den Bergen herabdonnert. So begann Prabhupāda mit der heilsamen prakara (Verkündigung). Mögen die Feinde mit all ihren Argumenten kommen, und wir werden all das widerlegen. Sagt, was ihr zu sagen habt. Vom niedrigsten Atheisten bis zum sogenannten Theisten, kommt alle! Nur Kṛṣṇa ist der Höchste, und Sein bhajana in göttlicher Liebe, das ist das Höchste. Dafür werden wir einstehen, damit werden wir uns beschäftigen. Das ist die Idee.

Das tiefe Wissen des Bhāgavatam

Unser Guru Mahārāja wollte das ganze Territorium von māyā überwinden. Das war sein Geist, er wollte es aus verschiedenen Richtungen angreifen. Einer der gemäßigten Führer jener Zeit, ein Anhänger des Hinduismus, schien, als er in die Maṭha in Kalkutta kam, über gewisse Kenntnisse der Schriften und auch des Bhāgavatam zu verfügen. Als er unseren Guru Mahārāja sprechen hörte, stellte er viele Fragen und sagte: „Ich kann mir diese beiden Dinge, die ich hier vorfinde, kaum vorstellen – solch tiefes Wissen über das Bhāgavatam und solch eine Wertschätzung, in jeder Phase der Argumentation, wird aus dem Bhāgavata rezitiert und zitiert. Was auch immer das Thema der Diskussion ist, es wird ein Bhāgavata-śloka zur Untermauerung angeführt – solch tiefes Wissen über das Bhāgavatam habe ich noch nie zuvor gesehen oder mir vorstellen können.“

„Und eine andere Sache ist die tägliche religiöse Zeitung, ich kann mir nicht vorstellen, dass jeden Tag eine religiöse Zeitung veröffentlicht wird.“ Prabhupāda antwortete darauf: „Wir sprechen über Vaikuṇṭha – die unbegrenzte Welt. Und hier, diese Welt ist māyā, eine begrenzte Welt. So viele Zeitungen existieren mit den Themen aus dieser begrenzten Welt. In der unbegrenzten Welt gibt es nur eine Tageszeitung und das können Sie sich nicht vorstellen? Von dort gibt so viele Nachrichten.“ Dieser Mann, beeinflusst von der Diskussion mit unserem Guru Mahārāja, begann auch Bücher auf seine Weise zu veröffentlichen, aber er war in diesem Bereich nicht erfolgreich.

Die Schriften des Gauḍīya Maṭha sind jedoch von anderer Art. Sie basieren auf wissenschaftlichen Prinzipien in Verbindung mit dem hari-nāma. In den śāstras wird erwähnt, dass schon die geringste Menge an Kṛṣṇa-Bewusstsein die verbleibenden anarthas läutern kann – es ist so kraftvoll und desinfizierend, dass schon die geringste Verbindung mit Kṛṣṇa-Bewusstsein auf wundersame Weise läutern kann. Aber es muss echtes Kṛṣṇa-Bewusstsein sein, um zu reinigen – das nirguṇa, die höchste Stufe der nirguṇa-Konzeption. So wie eine kleine homöopathische Dosis wundersame Heilungen schnell bewirken kann – augenblicklich kann jeder Mensch aus der niedrigsten Klasse für die höchste Pflicht eines brāhmaṇas geeignet sein. Wenn sat-saṅga da ist, in der Gemeinschaft von sādhus, dann kann durch ihre vereinte Kraft jeder kühne Versuch unternommen werden.

Freunde die mir helfen zu predigen

Wir hörten von unserem Prabhupāda: „So viele Freunde sind gekommen, um mir bei der Erfüllung meiner Pflichten zu helfen. Ich sollte all diese Dinge selbst tun, aber weil ich nicht dafür geeignet bin, hat Kṛṣṇa mir so viele Freunde gesandt, die mir bei diesen Dingen helfen sollen.“

Das ist das wahre Konzept eines Vaisnava in unserer guru-varga. Uns wurde gesagt, dass wir die Dinge auf diese Weise betrachten sollen. Wenn wir auf die reale Ebene schauen, dann entdecken wir, dass jeder eine separate Seele hat, aber von Natur aus gehören alle zu Kṛṣṇa und zu niemanden sonst. Jeder einzelne ist also gekommen in einem unterschiedlichen Gewand – in einer verschiedenen Farbe. Sie sind gekommen um den Dienst ihres Herrn auszuführen. Die svarūpa-śakti  beschäftigt Wesen unterschiedlichen Ranges, damit sie  bei der Erfüllung Ihrer Pflicht helfen, dem kṛṣṇa-līlā zu dienen – damit es im līlā genutzt werden kann. Alles ist für Ihn, in Hegelscher Sprache ausgedrückt, für Sich selbst. Alles ist für Ihn. Das bedeutet also Opfer – alles zu opfern um Ihn zu erfreuen. Das ist der Hauptstrom des Denkens und der Reinheit.

Die höchste Art der Reinheit ist dort – Hingabe zu dem Autokraten. Wenn der Autokrat die Absolute Tugend, Schönheit, Liebe und Einklang ist, dann geize nicht, wenn du mit Ihm zu tun hast. Uneingeschränkt geben, in dem Bewusstsein, dass wir Sein Eigentum sind, Er ist unser Meister, Er kann uns zum Guten oder zum Schlechten führen – Er ist in einer Position, wo Er  mit uns machen kann was Er will – ein solcher Meister ist Er. –

Hingabe von solch einer Qualität kann uns retten, uns das ewige Leben geben und ein gesundes Leben schenken. Wir müssen in solch einer Atmosphäre leben und atmen, wo er das volle Recht hat über Erfolg oder Misserfolg zu entscheiden – wir gehören Ihm. Die Verwirklichung muss zu einem solchen Grad der Reinheit erfolgen, dass der Grad der Heiligkeit auch demgemäß zunimmt – Reinheit und Heiligkeit gehören zur selben Kategorie. Gewöhnliche Reinheit ist nicht die richtige Reinheit, es muss auf den Standard von Heiligkeit gebracht werden, Göttlichkeit. Tat-paratvena nirmalam – Reinheit ist nirmala. Tat-paratvena nirmalam – in dem Maße, wie wir  erkennen, dass wir für Ihn bestimmt sind, zu dem Grad wird die Reinheit zunehmen. Sarvopādhi-vinirmuktam – was dem entgegensteht, muss beseitigt werden. Tat-paratvena nirmalam – das tiefste Verständnis in uns, dass wir ganz und gar Ihm gehören – eine Art von Sklaven.

 Die Reinheit ist da – in dem Maße, wie wir an Ihn glauben – das ist der Maßstab der Reinheit – in diesem Maße ist sie rein, göttlich und heilig. Das bedeutet nicht, dass dieser verwirklichte Zustand ein abstrakter ist. Hṛṣīkeṇa hṛṣīkeśa-sevanam bhakti-yogyate – alle innewohnenden Bestandteile deines spirituellen Körpers werden genutzt werden. Sie sind nicht dein Feind – der Feind liegt in der Art der Beschäftigung, nicht in denen, die eine bestimmte Funktion ausüben, nicht dort. Sie sollten keineswegs beseitigt werden. Es sollte lediglich ihre Beschaffenheit verändert werden. Alles wird zu Gold. Aus Eisen wird Gold – aus Schlamm wird Gold. Aber alles wird erhalten bleiben. Nur die Beschaffenheit soll verändert werden. Das Schreckliche an der Gefahr liegt lediglich im Konzept eines sekundären Interesses – eines Konzeptes, das vom Interesse des absoluten Zentrums des absoluten Guten abweicht. Das soll beseitigt werden, nichts anderes. Alles wird intakt bleiben und zur vollsten Zufriedenheit und Erfüllung genutzt werden. Alles hat seine wahre und höchste Erfüllung, nur die Verbindung sollte hergestellt werden.

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