Śrīla Bhakti Rakṣak Śrīdhar Dev-Goswāmī Mahārāj

„Wissen wurde in fünf Kategorien eingeteilt. Die niedrigste ist das Wissen, welches durch die Erfahrung der Sinne erlangt wird: pratyakṣa – das, was wir durch unsere Sinne erfahren haben. Das ist die erste Stufe. Die nächst höhere Stufe ist das Wissen, mit dem wir noch keine Erfahrung mit unseren Sinnen gemacht haben, aber wir haben die Erfahrung von anderen gesammelt (parokṣa), so wie die Wissenschaftler, die ihre Erfahrungen haben und wir sammeln ihr Wissen aus ihren Erfindungen und Entdeckungen.
Die dritte Stufe liegt über der Stufe der menschlichen Erfahrung (aparokṣa). Es ist wie ein tiefer Schlaf. Wenn wir erwachen, dann sagen wir: „Ich habe sehr gut geschlafen; ich hatte einen sehr tiefen, erholsamen Schlaf.“ Aber in dem Zustand eines tiefen traumlosen Schlafes besitzen wir kein Bewusstsein. Wenn wir aus dem tiefen traumlosen Schlaf erwachen, dann haben wir zwar eine gewisse Ahnung von dieser Erfahrung, aber sie ist verschwommen. Aparokṣa ist eine Art verschwommene Erfahrung, die undeutlich ist, in der das Subjekt und das materielle Objekt miteinander verschmelzen und das materielle Objekt imSubjekt. Sankar Acharya, der große Verfechter des Impersonalismus, erläutert die Abstufungen des Bewusstseins bis zu diesem Punkt.
Auf der anderen Seite, der große Gottgeweihte und Gelehrte Ramanuja Acharya, sowie andere Vaisnava Acharyas, vertreten die Ansicht, dass es eine vierte Stufe jenseits davon gibt. Die Ebene wird adhokṣaja transzendental genannt, bzw., das was jenseits des Fassungsvermögens der Sinne liegt, ob es grob- oder feinstofflich ist. Das ist eine Ebene, die wir nur erfahren können, wenn sie durch Seinen süßen Willen, herabkommt auf diese grobstofflichen Ebenen des Verstehens. Wenn es sich zurückzieht, dann sind wir hilflos; wir können es nicht mehr finden. Wie können nicht sagen, dass die Absolute Wahrheit unter der Herrschaft unseres Wissens steht. Wir können es so nicht berechnen. Es ist unabhängig. Durch Seinen süßen Willen kommt es herab und wir können vielleicht das höhere Reich erfahren, aber wenn es sich zurückzieht, sind wir ziemlich hilflos; wir können nichts tun. Wir weinen vielleicht oder vielleicht beten wir, aber wir können durch Gewalt oder durch eigene Kraft dort nicht eintreten. Das ist die vierte Ebene des Bewusstseins, und es ist groß, allmächtig und ehrfurchtserregend. Erst wenn Es sich selbst offenbart, können wir ein paar Erfahrungen machen auf der Ebene, genannt Vaikuntha, die grenzenlose spirituelle Region der Ehrfurcht und Macht.
Das ist die adhokṣaja – Ebene. Es gibt also pratyakṣa, die direkte Erfahrung durch unsere Sinneswahrnehmung, dann parokṣa wir lernen durch die Erfahrung anderer, dann aparokṣa die negative Ebene des nicht unterscheidbaren Bewusstseins, und dann die vierte Dimension: adhoksaja. Wir sind im Untergrund. Wahres Wissen ist über uns, auf der Oberfläche, jenseits unserer Erfahrung. Wenn wir die dicken Bedeckungen die uns von unserer Erfahrung abhalten, durchdringen, dann können wir mit einer anderen Ebene des Bewusstseins in Kontakt treten: das ist adhokṛtam indriyajam jñānam „Adhokṣaja“ bezeichnet das höhere Wissen, das unser Wissen über die Erfahrungen dieser Welt in den Hintergrund drängen kann. Dieses transzendentale, übergeistige Wissen ist die vierte Stufe des Wissens. Diese Ebene ist auf allen Ebenen verschieden. Sie ist dieser Welt nicht ähnlich.
Aber durch das Śrīmad-Bhāgavatam und Śrī Caitanya Mahāprabhu, lernen wir, dass es da eine fünfte Stufe des Wissens gibt, die der materiellen Welt sehr ähnlich ist, und doch ist sie nicht weltlich. Sie wird aprākṛta genannt. Das ist Goloka, die voll erblühte theistische Konzeption, die man nur in der Domäne Kṛṣṇas findet. Zentrales Wissen über das Absolute muss eine Verbindung sogar mit der niedrigsten Ebene der weltlichen Schöpfung haben; es muss in der Lage sein die schlimmsten Teile der illusionären Welt in Einklang zu bringen. Das wird als aprākṛta, überweltlich, bezeichnet. Es ist nur durch die göttliche Liebe möglich in das höchste Reich einzutreten.
Alles kann nur durch die Liebe kompensiert werden. Es gibt ein Sprichwort, das besagt, dass eine liebevolle Mutter glaubt, ihr blindes Kind habe wunderschöne Lotusaugen. Die Zuneigung macht sie blind. „Was also gemein und niedrig ist, kann nur durch Liebe ausgeglichen werden – die so wunderschön strahlt. Das ist prema, die göttliche Liebe. Durch Barmherzigkeit, durch Mitgefühl, durch Gnade kann ein König dazu kommen, mit einem Jungen auf der Straße zu spielen. Zuneigung kann dies ermöglichen. Der Unterschied zwischen hoch und niedrig verschwindet auf einer solchen Stufe.“
