— Śrīla Bhakti Rakṣaka Śrīdhara Dev Gosvāmī Mahārāja

Als ich der Mission beitrat, wollte ich die Bücher der Mission lesen, inklusive dem Bhāgavatam, aber ich wurde von der Leitung nicht dazu ermutigt. Die wirkliche Sache, die wahre Anforderung besteht darin, unsere Energie für den Dienst zum Herrn einzusetzen. Nur durch diesen Prozess können wir uns erheben und nicht, indem wir unsere intellektuellen Notwendigkeiten zufriedenstellen.
Durch den Befehl des Agenten des Herrn können wir uns vielleicht in literarische Kultur beschäftigen, sogar so, wie Mahāprabhu Rūpa und Sanātana Gosvāmī unterwies. Natürlich hatten sie sich dieses Wissen angeeignet, um es im Dienste der sampradāya, der Gauḍīya-Lehrer--Schülernachfolge, einzusetzen. Außerdem bat er auch Raghunātha Bhaṭṭa sich das Bhāgavatam von jemandem vorlesen zu lassen, der dessen wahre Bedeutung kannte.
Jīva Gosvāmī war die einzige Ausnahme. Mahāprabhu bat ihn, zunächst unabhängig zu studieren, bevor er sich der Gruppe in Vṛndāvana anschloss. Er verließ sein Zuhause und begab sich nach Benares, dem damaligen Zentrum aller Arten von Gelehrsamkeit. Dort studierte er verschiedene śāstras und schloss sich anschließend den anderen in Vṛndāvana an. Dort setzte er unter der Anleitung von Rūpa und Sanātana sein zuvor erworbenes Wissen in den Dienst der sampradāya ein.
Wenn wir von oben inspiriert werden zu studieren, dann ist das Studium Hingabe. Andernfalls ist der Wunsch, zu studieren und sich Wissen anzueignen, möglicherweise keine echtes bhakti, kein suddha-bhakti.
Der höhere Vermittler, der Vaiṣṇava, muss meine Energie benutzen. Diese Energie muss so benutzt werden, dass es die höhere Welt zufriedenstellt. Dann wird es bhakti sein, es wird Hingabe sein. Meine geistige Vorstellungskraft bringt vielleicht sukṛti, aber es wird nicht śuddha-bhakti sein, wenn ich die Absicht habe der sampradāya in einer scholastischen Weise zu helfen. Auf eigene Gefahr muss ich mein Studium fortsetzen. Es gilt als allgemein anerkannt, dass es als Hingabe gilt, wenn man mit der höheren Kraft verbunden ist; andernfalls ist es keine. Es ist ein empirischer Versuch mit einer gewissen guten Vorstellungskraft. Aber es ist kein reines bhakti, reine Hingabe. Reine Hingabe bedeutet, die Befehle auszuführen, die von oben kommen, vom höheren Vermittler. Die Wellen kommen; nutze sie und handle entsprechend.
Unser Gottbruder Niśikānta Sānyāl hat gesagt, wenn wir von einem Vaiṣṇava gebeten werden ein Buch zu schreiben oder zu lesen, dann ist das Hingabe. Aber wenn wir aus eigenem Antrieb irgendein hingebungsvolles Buch lesen, das wird uns keine Hingabe geben. Das wird dann karma oder jñāna sein. Bhakti bedeutet, wenn wir uns den Unterweisungen, die zu uns herabkommen, bedingungslos ergeben, dann ist das bhakti. Alles andere ist Imitation. Wir finden diese Warnung überall. Das sollten wir verstehen.
Auch wenn wir die Heiligen Schriften lesen, dann ist das keine Hingabe, außer wir lesen sie auf Anweisung des Vaiṣṇava. Unabhängiges Lesen bedeutet nur das Bedürfnis Wissen anzusammeln. Wenn wir dem Vaiṣṇava folgen, dann ist unsere Bindung zum Herrn gewährleistet. Sādhu-saṅge kṛṣṇa-nāma: Wenn wir in der Gemeinschaft der Gottgeweihten den Namen chanten oder was immer wir für einen Dienst leisten, wird Ihn garantiert erreichen. Und wie wird das gewährleistet? Die Antwort darauf lautet: „Sein Agent sagt das, und deshalb bin ich dabei. Ich bin nicht mein Meister; Ich bin sein Diener.“ Dieses Bewusstsein muss, soweit es geht, echt sein. Erfolg hängt von diesem Prinzip ab.
Wenn wir dazu berufen sind, hier zu predigen um Linderung zu bringen, dann werden wir diese Pflicht ausschließlich im Auftrag und im Interesse dieser höheren Ebene erfüllen, ohne jegliche Eitelkeit. Wir sollten denken: „Ich muss mich ganz in den Dienst der höheren Ebene stellen und darf nicht danach streben, ein ācārya, ein spiritueller Meister, zu werden. Andernfalls besteht die Gefahr, ein nāma-aparādha, ein Vergehen gegen den Namen des Herrn, zu begehen.“
Aśraddadhāne vimukhe 'py aśṛṇvati, yaś copadeśaḥ śiva-nāmāparādhaḥ Den Heiligen Namen den Ungläubigen zu geben ist ein Vergehen. Wenn wir das tun, dann begehen wir Verrat an unsere Motivation, eine Position in der höheren Sphäre zu erlangen. Es wäre eine Art weltlicher Anhaftung, ein spiritueller Handel, wie es bei den Kasten-Gosvāmīs und anderen unechten Überlieferungslinien üblich ist. Die gesunde Einstellung sollte vielmehr lauten: „Wenn ich von oben ernannt werde, dann werde ich so dienen, wie es mir aufgetragen wurde, und zwar ausschließlich zum Wohle derer, die mich ernannt haben. Ich trete in diesen Rang ausschließlich zum Wohle dieses höheren Landes ein.“ Das ist die reine und vollkommene Herangehensweise.
Śrīla Śrīdhara Svāmī, der berühmte Kommentator des Śrīmad-Bhāgavatam, hat gesagt: „sa cārpitā eva satī yadi kriyeta, na tu kṛtā satī paścād arpyeta“ – „Hingebungsvoller Dienst muss zuerst dem Herrn dargebracht und dann ausgeübt werden; er darf nicht erst ausgeübt und Ihm danach dargebracht werden.“ Wir sollten bereits entschlossen sein, zu dienen, wenn wir kommen. Wir sollten nicht erst Kapital ansammeln und später versuchen, es im Dienst des Herrn einzusetzen. Die Hingabe gilt Ihm, Kṛṣṇa.
Wir müssen um Seinetwillen kommen um über Ihn zu erfahren – und nicht um unseretwillen oder um irgendjemand anderen willen. Wir predigen nur aufgrund der Anweisung von der höheren Abteilung. Nur wenn wir von dieser höheren Instanz die Anweisung erhalten: „Geht und predigt“, werden wir dies tun. Nur dann wird unsere Predigt ein Dienst sein, und niemals, wenn sie um den Namen und des Ruhmes willen geschieht. Wir müssen einen Auftrag von der höheren Instanz erhalten, und nur in deren Namen werden wir predigen; dann wird es echtes predigen sein. Andernfalls wird es zur Geschäftemacherei. Na sa bhṛtyaḥ sa vai vaṇik: Prahlāda Mahārāja hat uns vor dieser Geschäftemachermentalität im Namen der spirituellen Wahrheit gewarnt.
Hingabe ist eine eigenständige und ganz eigene Ebene, auf der wir ausschließlich für das Zentrum leben. Wir streben danach, nur als Werkzeuge des Zentrums zu leben und zu handeln, ohne uns jemals vom Zentrum zu lösen. Das ist Kṛṣṇa-Bewusstsein. Die Wirklichkeit ist für sich selbst da, und wir müssen uns strikt an diese Regel halten. Er ist für Sich selbst da, alles ist für Ihn da, wir sind für Ihn da. Was auch immer wir tun, muss ebenfalls für Ihn sein. Wir müssen uns strikt an diese Vorstellung halten und stets prüfen, ob das, was wir tun, für Ihn ist oder für irgendeinen anderen Aspekt, wie wichtig wir diesen auch immer einschätzen mögen.
