Wie können wir unseren Fortschritt auf dem Pfad des bhakti messen?

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Śrī Śrīla Shyām Dās Bābā Mahārāja

Gaudīya Goṣṭhī Pati Śrī Śrīla Bhakti Siddhānta Sarasvatī Gosvāmī Ṭhākura Prabhupāda sagte: „Wir werden in dieser materiellen Welt auf die Probe gestellt, und nur diejenigen, die am kīrtana dieser reinen Geweihten teilnehmen, können Erfolg haben. In dieser Welt der Māyā – die dem Herrn abgewandt und voller Prüfungen und Bedrängnis ist – sind nur Geduld, Demut und Respekt gegenüber anderen unsere Freunde für das hari-bhajana.“

Viele Gottgeweihte kommen zu mir und fragen: „Wie kann ich erkennen, dass ich auf dem Pfad des bhakti Fortschritte mache?“ Ich sage: „Wenn deine Liebe zu reinem Guru-Vaiṣṇava-Bhagavān stetig wächst, dann kannst du sicher sein, dass du auf dem richtigen Weg bist. Ist dies nicht der Fall, dann kannst du sicher sein, dass sich in deinem Herzen irgendein verborgenes anyābhilāṣa, anartha, aparādha usw. verbirgt. Prabhupāda pflegte zu sagen: „Diejenigen, die sich 24 Stunden lang dem hari-bhajana widmen, sind mit Sicherheit Vaiṣṇavas.“

Echtes sevā und sogenanntes sevā sind sicherlich nicht dasselbe

Als Bhagavān in der Form von Śrī Vāmanadeva erschien, spielte Er das līlā als Indras jüngerer Bruder. Wir können sehen, dass Indra äußerlich dem Herrn auf verschiedene Weise diente, aber in seinem Herzen hegte er ein anderes Ziel. Er dachte: „Indem ich dem Herrn auf diese Weise diene, werde ich meine Position als König des Himmels sichern. Mein Genuss wird dauerhaft sein, und ich werde nie wieder meiner begehrten Objekte beraubt werden.“ Ein solcher Dienst, der äußerlich zwar hingebungsvoll erscheint, aber dennoch vom Verlangen nach persönlichem Gewinn befleckt ist, kann niemals als wahrer sevā bezeichnet werden. Das ist die schmutzige Natur unseres Geistes im hingebungsvollen Leben.

Diejenigen, die nicht wahrhaftig sind, versuchen immer Bhakti Devi in ihren Dienst zu beschäftigen um ihre separaten Eigeninteressen zu befriedigen. Ein solcher Mensch kann sich den verschiedenen Gliedern des hingebungsvollen Dienstes widmen, wie dem Hören von hari-kathā, dem Chanten von hari-nama oder dem Absolvieren von parikrama usw., und er mag sogar sehr enthusiastisch im Dienst des Herrn erscheinen; wenn sein geheimes Motiv jedoch  lābha-pūjā-pratiṣṭhā usw. zu erlangen, dann kann ein solcher Dienst niemals wirksam sein.

Ein wahrhaftiger Diener kann niemals einen separaten Wunsch haben. Daher wird es im hingebungsvollen Leben natürlich geschätzt, wenn man Guru-Vaiṣṇava-Bhagavān ohne jeglichen Anflug von Eigeninteresse dient. Ein aufrichtiger bhakta nutzt Bhakti Devi niemals als Mittel, um sich selbst zu profilieren. Er denkt niemals: „Durch meinen seva kann ich mich als große Persönlichkeit etablieren.“ Vielmehr betet er: „Lass mich einfach ein demütiges Werkzeug in den Händen des gurus und Kṛṣṇas werden.“ Daher ist der wahre Maßstab für Aufrichtigkeit nicht die Quantität unserer äußeren hingebungsvollen Handlungen, sondern die Reinheit der Motive, die dahinterstehen.

Bhakti dient nicht dazu, das falsche Ego zu schmücken; es dient dazu, das falsche Ego in unserem Herzen zu zerstören. Solange unser Herz nicht von egoistischen Ambitionen und dem Wunsch befreit ist, persönliche Vorteile aus den von uns geleisteten hingebungsvollen Dienst zu ziehen, wird unser falsches Ego niemals aus unserem Herzen verschwinden.

Eine der praktischsten Fragen auf dem Pfad des hingebungsvollen Lebens ist: „Wie können wir erkennen, ob wir irgendeinen Fortschritt machen oder nicht?“

Śrīla Saccidānanda Bhaktivinoda Ṭhākura pflegte zu sagen: „An jedem ekādaśī sollten wir darüber nachdenken, wie viel Fortschritt wir seit dem letzten ekādaśī in unserem bhajana gemacht haben. Wenn sich herausstellt, dass wir keinen Fortschritt gemacht haben oder dass es sogar zu einer Verschlechterung gekommen ist, dann sollten wir erkennen, dass schlechte Gemeinschaft die Ursache dafür sein muss, und wir sollten versuchen, diese aufzugeben.“

Vielleicht nehmen wir an vielen Veranstaltungen teil, oder lesen viele Bücher, oder chanten viele Runden hari-nama, oder sind mit sehr viel seva beschäftigt und erlangen Wissen, aber nichts von alledem, für sich genommen, ist ein ausreichender Beweis für spirituellen Fortschritt.

Śrīla Rūpa Gosvāmīpad hat uns einen sehr wissenschaftlichen Leitfaden für die Entwicklung des bhakti gegeben. Er wollte das hingebungsvolle Leben niemals als etwas Vages oder Sentimentales darstellen, sondern als eine schrittweise Transformation unserer Bewusstseinsebene.

ādau śraddhā tataḥ sādhu-saṅgo ’tha bhajana-kriyā

tato ’nartha-nivṛttiḥ syāt tato niṣṭhā tato rucis

athāsaktis tato bhāvas tataḥ premābhyudañcati

BRS — Verse 1.4.16

Am Anfang muss der  Wunsch nach Selbstverwirklichung stehen. Dies wird einen dazu bewegen, den Kontakt zu spirituell fortgeschrittenen Personen zu suchen. In der nächsten Stufe wird man von einem erhabenen spirituellen Meister eingeweiht, und unter dessen Anleitung beginnt der Neuling- Gottgeweihte den Vorgang des hingebungsvollen Dienstes. Durch den hingebungsvollen Dienst unter der Anleitung des spirituellen Meisters wird man frei von aller materiellen Anhaftung, trachtet stetig nach Selbstverwirklichung und entwickelt eine Vorliebe dafür, von der Absoluten Persönlichkeit Gottes, Śrī Kṛṣṇa, zu hören. Dieser Geschmack führt einen weiter hin zur Hingabe an das Kṛṣṇa-Bewusstsein, das sich im bhāva, also der Vorstufe der transzendentalen Liebe zu Gott, entfaltet. Wahre Liebe zu Gott wird als prema bezeichnet, die höchste Stufe der Vollkommenheit im Leben.“

Wenn echtes bhakti unter der Führung eines sādhu-guru-vaiṣṇava richtig kultiviert wird, dann muss es zu einer allmählichen Wandlung des Herzens kommen. Wenn jahrelange hingebungsvolle Praxis unter der Anleitung eines sat-gurus die anarthas nicht beseitigt oder keine Verbesserung hinsichtlich ācāra-ācaraṇa zu erkennen ist oder wenn man keinen echten Geschmack an hari-nāma, hari-kathā usw. entwickelt, dann sollten wir ehrlich unsere Aufrichtigkeit, unseren Umgang oder die Qualität unseres sādhana hinterfragen.

Śrīla Rūpa Gosvāmīpad hat uns eine weitere sehr wichtige Richtschnur für unseren Fortschritt im spirituellen Leben gegeben.

vāco vegaṁ manasaḥ krodha-vegaṁ

jihvā-vegam udaropastha-vegam

etān vegān yo viṣaheta dhīraḥ

sarvām apīmāṁ pṛthivīṁ sa śiṣyāt

Upadeśāmṛta verse 1

Ein dhīra, bzw., ein absolut selbstbeherrschter Mensch, der seine Dränge beherrschen kann, wie der Drang zu sprechen, die Agitation des Geistes, den aufkommenden Zorn, die Vehemenz der Zunge, der Drang des Bauches und die Erregung der Geschlechtsorgane, kann die ganze Welt lehren. Mit anderen Worten: Ein solcher Mensch ist mit seinem Körper, seinem Geist und seiner Sprache ein sannyāsī (er kann als echter tridanḍī-sannyāsī betrachtet werden); ich meine, er kann im wahrsten Sinne des Wortes als Jagat-Guru behandelt werden.“

Auf diese Weise können wir uns ein Bild davon machen, inwieweit wir unsere Sinnesorgane und unseren Geist unter Kontrolle haben.

Außerdem finden wir in der Bhagavad-gītā viele Möglichkeiten, unseren Fortschritt im hingebungsvollen Leben zu überprüfen. In den folgenden Versen hat Śrī Kṛṣṇa Arjuna eine Liste der daivī-sampat, der göttlichen Eigenschaften, gegeben, die ein Geweihter alle in sich vereinen sollte.

abhayaṁ sattva-saṁśuddhir jñāna-yoga-vyavasthitiḥ

dānaṁ damaś ca yajñaś ca svādhyāyas tapa ārjavam

ahiṁsā satyam akrodhas tyāgaḥ śāntir apaiśunam

dayā bhūteṣv aloluptvaṁ mārdavaṁ hrīr acāpalam

tejaḥ kṣamā dhṛtiḥ śaucam adroho nātimānitā

bhavanti sampadaṁ daivīm abhijātasya bhārata

Bhagavad-gītā 16.1–3

Abhayam — Furchtlosigkeit; sattva-saṁśuddhiḥ — ein reines Herz und Bewusstsein; jñāna-yoga-vyavasthitiḥ — fest im spirituellen Wissen verankert; dānam — das Gemüt zu geben; damaḥ — Beherrschung der Sinne; yajñaḥ — Opfer; svādhyāyaḥ — das Studium der vedischen Schriften; tapaḥ — Askese; ārjavam — Einfachheit und Geradlinigkeit; ahiṁsā — Gewaltlosigkeit; satyam — Wahrhaftigkeit; akrodhaḥ — frei vom Zorn; tyāgaḥ — Entsagung; śāntiḥ — friedvoll; apaiśunam — Aversion gegenüber Fehler in andere zu sehen; dayā bhūteṣu — Mitgefühl für alle Lebewesen; aloluptvam — frei von Gier; mārdavam — Sanftheit; hrīḥ — Bescheidenheit; acāpalam —frei von Wankelmut; tejaḥ — vigor; kṣamā — Fähigkeit zu vergeben; dhṛtiḥ — Entschlossenheit und Standhaftigkeit; śaucam — Sauberkeit und Reinheit; adrohaḥ — frei von Neid und Feindseligkeit; nāti-mānitā —  kein übermäßiger Stolz; Diese Eigenschaften, o Bhārata, zeichnen denjenigen aus, der mit göttlicher Natur geboren ist.

All diese Symptome sind nicht einfach nur Dekoration, sondern sie zeigen uns einen Weg, wie wir unser Bewusstsein prüfen können, ob wir göttlicher werden oder nicht.

Und unmittelbar danach hat Śrī Kṛṣṇa genau das Gegenteil von dem beschrieben, was oben gesagt wurde.

dambho darpo ’bhimānaś ca krodhaḥ pāruṣyam eva ca

ajñānaṁ cābhijātasya pārtha sampadam āsurīm

Bhagavad-gītā 16.4

Dambhaḥ — Heuchelei; darpaḥ — Arroganz; abhimānaḥ — Stolz und die falsche Identifikation mit sich selbst; krodhaḥ — Zorn; pāruṣyam — Härte und Grausamkeit; ajñānam — Unwissenheit.

Das sind die Eigenschaften derjenigen, die mit einer dämonischen Natur geboren wurden, Oh Pārtha.

Die Frage die wir uns also selbst stellen können ist: Bewege ich mich allmählich auf die Eigenschaften der göttlichen Natur zu, oder werde ich lediglich immer geschickter darin, sogenannte hingebungsvolle Handlungen zur Schau zu stellen, während all diese niederen, dämonischen Eigenschaften nach wie vor vorhanden sind? Bhakti ist keine kosmetische Hülle, die man über das alte Ego stülpt. Bhakti bedeutet eine allmähliche Verwandlung des Herzens, und nichts anderes.

Im 12. Kapitel der Bhagavad-gītā, welches das Kapitel des bhakti-yoga ist, finden wir viele  ślokas die erwähnen, was Śrī Kṛṣṇa sehr lieb ist.

adveṣṭā sarva-bhūtānāṁ maitraḥ karuṇa eva ca

nirmamo nirahaṅkāraḥ sama-duḥkha-sukhaḥ kṣamī

santuṣṭaḥ satataṁ yogī yatātmā dṛḍha-niścayaḥ

mayy arpita-mano-buddhir yo mad-bhaktaḥ sa me priyaḥ

Bg. 12.13-14

Mein Geweihter, der frei von Neid, mitfühlend und freundlich gegenüber allen Lebewesen ist, frei von Besitzansprüchen gegenüber Söhnen und Familienangehörigen, frei von falschem Ego und ausgeglichen in Freude und Leid, der stets bereit ist zu vergeben und zufrieden ist, erfüllt mit bhakti-yoga, seine Sinne beherrscht, entschlossen ist und sich Mir mit Geist und Intelligenz hingibt, ist Mir sehr lieb.

yasmān nodvijate loko lokān nodvijate ca yaḥ

harṣāmarṣa-bhayodvegair mukto yaḥ sa ca me priyaḥ

Bg. 12.15

Wer weder andere stört noch sich selbst von anderen stören lässt und der frei ist von weltlichem Glück, Intoleranz, Furcht und Angst, der ist Mir gewiss lieb.

anapekṣaḥ śucir dakṣa udāsīno gata-vyathaḥ

sarvārambha-parityāgī yo mad-bhaktaḥ sa me priyaḥ

Bg. 12.16

Mir  ist jener bhakta lieb, der weder von weltlichen noch gesellschaftlichen Aktivitäten abhängig ist, der rein, fachkundig, losgelöst, frei von jeglicher Rastlosigkeit und darauf bedacht ist, alles zu vermeiden, was   bhakti abträglich ist.

yo na hṛṣyati na dveṣṭi na śocati na kāṅkṣati

śubhāśubha-parityāgī bhaktimān yaḥ sa me priyaḥ

Bg. 12.17

Wer sich weder darüber freut, das zu erlangen, was den Materialisten wohlgefällt, noch es verabscheut, wenn er etwas Unerwünschtes bekommt, wer weder den Verlust von etwas Liebem beklagt noch sich danach sehnt, etwas zu erlangen, das er nicht hat, wer frommen und gottlosen Handlungen entsagt und der Mir ergeben ist – dieser Gottgeweihte ist Mir wahrlich lieb.

samaḥ śatrau ca mitre ca tathā mānāpamānayoḥ

 śītoṣṇa-sukha-duḥkheṣu samaḥ saṅga-vivarjitaḥ

 tulya-nindā-stutir maunī santuṣṭo yena kenacit

aniketaḥ sthira-matir bhaktimān me priyo naraḥ

 Bg. 12.18-19

Gesegnet mit Meinem bhakti ist jener, der Freunde und Feinde gleichermaßen betrachtet, der ausgeglichen bleibt in Ehre und Schmach, Hitze und Kälte, Freude und Leid, der keinerlei weltlichen Umgang pflegt, der sowohl bei Lob als auch bei Kritik gleichmütig bleibt, der nichts anderes als bhagavat-kathā spricht, der mit allem zufrieden ist, was ihm durch den Willen des Herrn zur Erhaltung des Körpers zuteil wird, sei es nach seinem Geschmack oder nicht, der keinen festen Wohnsitz hat und der unerschütterlichen Glauben an die Schlussfolgerungen in spirituellen Angelegenheiten besitzt – ein solcher Geweihter ist Mir lieb.

ye tu dharmāmṛtam idaṁ yathoktaṁ paryupāsate

śraddadhānā mat-paramā bhaktās te ’tīva me priyāḥ

Bg. 12.20

Gewiss, jene Anhänger, die sich mit festem Glauben ausschließlich der Hingabe an Mich widmen und diese von Mir beschriebene, nektargleiche Religion verehren, liegen Mir überaus am Herzen.

Aus all diesen ślokas, die Bhagavān Śrī Kṛṣṇa uns geschenkt hat, können wir uns ein sehr klares Bild von unserem Fortschritt auf dem Weg der Hingabe machen. Bewegen wir uns auf all die oben genannten Eigenschaften zu, oder tun wir eher das Gegenteil? Unser Fortschritt im hingebungsvollen Leben steht immer in Beziehung zu guru-vaiṣṇava-bhagavān, denn nur wenn sie mit uns zufrieden sind, können wir vorankommen. Um also die Zufriedenheit von guru-vaiṣṇava-bhagavān zu erlangen, müssen wir unser Bestes geben, um all jene göttlichen Eigenschaften zu entwickeln, die Śrī Kṛṣṇa selbst erwähnt hat.

Unten hat uns Srila Rūpa Gosvāmīpad die Definition von uttamā-bhakti gegeben:

anyābhilāṣitā-śūnyaṁ jñāna-karmādy-anāvṛtam
ānukūlyena kṛṣṇānu śīlanaṁ bhaktir-uttamā

Bhakti-rasāmṛta-sindhu 1.1.11

“Die Kultivierung von Aktivitäten, die ausschließlich dem Wohlgefallen Śrī Kṛṣṇas dienen, oder mit anderen Worten: der ununterbrochene Fluss des Dienstes an Śrī Kṛṣṇa, der durch die Bemühungen des Körpers, des Geistes und der Sprache sowie durch den Ausdruck verschiedener spiritueller Gefühle (bhāvas) vollzogen wird und nicht in den Bereich von jñāna (Wissen, das auf unpersönliche Befreiung abzielt) und karma (Aktivitäten, die auf dem Streben nach Belohnung ausgeführt werden) fällt und der keinen anderen Wunsch kennt, als dem Bestreben, Śrī Kṛṣṇa Freude zu bereiten, wird als uttama–bhakti, reiner hingebungsvoller Dienst, bezeichnet.“ Auch im Śrī Caitanya-caritāmṛta finden wir den folgenden śloka—

sarvopādhi-vinirmuktaṁ tat-paratvena nirmalam

hṛṣīkeṇa hṛṣīkeśa- sevanaṁ bhaktir ucyate

Śrī Caitanya-caritāmṛta, Madhya 19.170

“Bhakti bedeutet, die Sinne in den Dienst von Hṛṣīkeśa, dem Herrn und Meister aller Sinne, zu stellen. Dieser Dienst wird von jemandem dargebracht, der sich vollständig von allen materiellen Titeln befreit hat und dessen Bewusstsein gereinigt wurde, indem er sich ganz und gar dem Höchsten Herrn hingegeben und ausschließlich ihm gewidmet hat.“

Reine Hingabe beginnt damit, dass man sich von allen materiellen Titeln befreit hat. Das Lebewesen ist ein ewiger Diener des Höchsten Herrn, aber weil es sich mit dem materiellen Körper identifiziert, nimmt man zahllose zeitweilige Identitäten an – “Ich bin ein Mann,” “Ich bin eine Frau,“  „Ich bin Inder“, „Ich bin Amerikaner“, „Ich bin reich,“ „Ich bin arm,“ „Ich bin gebildet,“ „Ich bin mächtig,“ „Ich bin der Handelnde“ und so weiter. Diese körperlichen und materiellen Identitäten werden upādhi, oder Titel (-oder Bezeichnungen – Anm. Übers.) genannt. Um sarvopādhi-vinirmuktam zuwerden, bedeutet sich von dem falschen Konzept zu befreien, dass diese vorübergehenden Titel unsere wahre Identität bilden. Wenn wir den Herrn ohne diese falschen Titel dienen, dann kann Bhakti devi allmählich in unser Herz eintreten. Bhakti bedeutet, dass wir unsere geläuterten Sinne in den Dienst des Herrn stellen. Genau wie eine Eisenstange, die man ins Feuer hält. Am Anfang ist die Eisenstange kalt und schwarz, aber allmählich wird sie heiß und leuchtet wie Feuer. Ähnlich, wenn bhakti in unser Leben tritt, dann durchdringt es allmählich das ganze System und all unsere Sinne werden spiritualisiert.

Das Śrīmad-Bhāgavatam zeigt uns vielleicht den besten Weg unseren Fortschritt in bhakti zu überprüfen.

bhaktiḥ pareśānubhavo viraktir

anyatra caiṣa trika eka-kālaḥ

prapadyamānasya yathāśnataḥ syus

tuṣṭiḥ puṣṭiḥ kṣud-apāyo ’nu-ghāsam

Śrīmad-Bhāgavatam 11.2.42

“Hingabe, die direkte Erfahrung mit dem Höchsten Herrn und  Loslösung von allen anderem – diese drei treten bei demjenigen, der bei der Höchsten Persönlichkeit Gottes Zuflucht gesucht hat, gleichzeitig auf, so wie Zufriedenheit, Genährt sein und Linderung des Hungers mit jedem Bissen zunehmend eintreten.“

Das ist eine sehr praktische Analogie. Wenn ich esse, dann sollte allmählich Zufriedenheit, das Gefühl von genährt sein, eintreten und Hunger sollte nachlassen. Ähnlich, wenn ich wahrhaftig bhakti kultiviere, dann sollten diese drei Dinge allmählich sichtbar werden: Ähnlich — bhakti nimmt zu, man verwirklicht den Herrn und Anhaftung an materiellen Dingen lässt nach.

Man kann die Gesundheit eines Baumes nicht einfach daran messen, wie viele Stunden jemand ihn gegossen hat. Vielmehr muss man seine Blätter, die Festigkeit der Äste, die Blüten und schließlich die Früchte prüfen. In ähnlicher Weise lässt sich unser sādhana, wie das Hören und das Chanten, mit dem Gießen des bhakti-latā-bīja vergleichen, und unser Charakter ist das sichtbare Wachstum, unsere Vorliebe für sevā zu guru-vaiṣṇava-bhagavān ist die Blüte; und schließlich erscheint prema als die Frucht. Wenn wir den Baum jedoch jeden Tag gießen und dennoch zunehmend zornig, stolz, neidisch, unruhig und an materielle Dinge gebunden werden, dann müssen wir verstehen, dass sicherlich etwas schiefgelaufen ist.

Außerdem möchten wir euch an den folgenden Śloka aus dem Śrī Caitanya-caritāmṛta erinnern –

kṣāntir avyartha-kālatvaṁ viraktir māna-śūnyatā

āśā-bandhaḥ samutkaṇṭhā nāma-gāne sadā ruciḥ

āsaktis tad-guṇākhyāne prītis tad-vasati-sthale

ity-ādayo ’nubhāvāḥ syur  jāta-bhāvāṅkure jane

 Cc Madhya 23.18-19

Kṣāntiḥ — Toleranz und Geduld; avyartha-kālatvam — jeden Augenblick im hingebungsvollen Dienst nutzen, ohne Zeit zu verschwenden; viraktiḥ – Vom materiellem Genuss losgelöst; māna-śūnyatā – Abwesenheit von Stolz und Ehrgeiz; āśā-bandhaḥ —  feste Hoffnung auf die Gnade des Herrn; samutkaṇṭhā — intensives Verlangen nach dem Dienst zum Herrn; nāma-gāne sadā ruciḥ — Stets Freude daran zu haben, den heiligen Namen zu singen; āsaktiḥ tad-guṇākhyāne – die Vorliebe dafür, von den Eigenschaften des Herrn zu hören und darüber zu sprechen; prītiḥ tad-vasati-sthale – Zuneigung zu den Orten, an denen der Herr weilt. Diese und ähnliche Anzeichen sind die natürlichen Manifestationen, die bei einem Menschen zu finden sind, in dem der Same des bhāva gekeimt ist.

All diese Belege aus den Schriften können uns also zweifellos eine verlässliche Orientierung auf dem Weg unseres Hari-bhajana geben, daran besteht kein Zweifel.

Gaura Hari Hari Bol!

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