acinoti yah śāstrartham
acare sthāpayaty api
svayaṁ acarate yasmād
ācārya tena kirttitah
(Vayu Purāṇa)
Ein ācārya ist jemand, der die Schlussfolgerungen der offenbarten Schriften vollständig versteht und dessen Verhalten seine tiefe Erkenntnis widerspiegelt. Er ist ein lebendiges Beispiel, weil er die Bedeutung der Schriften sowohl durch Worte als auch durch Taten lehrt.
Śrīla Bhakti Siddhānta Sarasvatī Ṭhākura Prabhupāda sagte, dass es nicht möglich ist, einen ācārya durch eine Wahl zu bestimmen. Vielleicht hielt es Jagat Guru Śrīla Prabhupāda aus diesem Grund nicht für notwendig, einen ācārya zu wählen.
Vor mindestens fünfzehn Jahren, erreichte ein Gauḍīya Vaiṣṇava ācārya das Alter, in dem er diese materielle Welt verlassen würde. Er war ein internationaler Prediger. Einige seiner Anhänger fragten ihn, wer der nächste ācārya sein würde. Er musste auf ihre Frage antworten: „Ich finde niemanden, der für dieses Amt geeignet ist, daher weiß ich nicht, wen ich dafür erwählen soll.“ Diese Anhänger äußerten daraufhin ihre tiefe Besorgnis über diese Angelegenheit. Sie behaupteten, dass sie die Mission nicht mehr ordnungsgemäß aufrechterhalten könnten. Sie deuteten sogar an, dass die Mission in Zukunft zusammenbrechen würde. Diese Herausforderung zwang den mächtigen ācārya, mit Nachdruck und Zuversicht zu sprechen. Er betonte, dass diese Gesellschaft auf den Wunsch Śrīman Mahāprabhus entstanden ist. Der ācārya fügte hinzu, dass, wenn Lord Caitanya Mahāprabhu den Zusammenbruch der Gemeinschaft wünsche, er selbst sich dafür nicht verantwortlich fühlen würde. Er blieb standhaft in seiner Weigerung, einen launischen (unqualifizierten) ācārya aus den Reihen seiner Schüler zu wählen.
Wir müssen den Unterschied verstehen zwischen den Vaiṣṇavas zu dienen und von ihnen Dienst entgegenzunehmen
Wir können den Vaiṣṇavas dienen, aber wenn unser Motiv negativ ist, wie können wir es dann wagen Dienst von ihnen anzunehmen? Das Gleiche kann man auch bei installierten Bildgestalten anwenden. Eine Haltung des Genusses hindert uns daran, uns tatsächlich im sevā zu engagieren, denn sevā bedeutet, die vollständige Zufriedenheit des sevya anzustreben. Bhoga hingegen bedeutet, den Weg der Sinnesbefriedigung zu suchen. Wenn wir beabsichtigen, bei einem entsagenden Vaiṣṇava zu bleiben, um uns einen Namen und Ruhm zu verschaffen, ist dies kein tatsächlicher sevā. Dies wird als Geschäftshaltung betrachtet, die in den śāstras völlig verboten ist.
Śrīla Bhakti Siddhānta Ṭhākura sagt in seinem Gedicht “Who is Vaiṣṇava“ – „Wer ist ein Vaiṣṇava“ –
kanaka-kāminī, pratiṣṭhā-bāghinī, chāḓiyāche ĵā’re sei tô’ vaiṣṇava
sei anāsakta,sei śuddha-bhakta, saṁsāra tathāya pāya parābhava
Das Verlangen nach Reichtum, Frauen, Ruhm und Ansehen ist wie eine Tigerin. Wenn sie einen Vaiṣṇava unberührt lässt, dann ist er ein echter Vaiṣṇava. Er ist sicherlich völlig losgelöst von materieller Bindung und ein reiner Geweihter. Das materielle saṁsāra wird angesichts eines solchen Vaiṣṇava besiegt. Wenn all diese materiellen Wünsche nicht aus dem Herzen eines Geweihten beseitigt sind, kann er kein reiner Geweihter sein. In seinem Gedicht sprach Śrīla Prabhupāda klar darüber, wer ein Vaiṣṇava ist und wer nicht.
Manchmal sehen wir, dass sogenannte Gottgeweihte frei erfundene Ansichten verbreiten, wer ein Vaiṣṇava ist und wer nicht. Aber wer interessiert sich schon für solche Spekulationen? Von einem Verrückten können wir uns kein reines siddhānta erwarten. Um ihrer persönlichen Interessen willen, werden sie alle möglichen Hypothesen von sich geben. Śrīla Prabhupāda rät uns von solch einer Beurteilung ab, denn eine Seele in Knechtschaft kann andere nicht berichtigen. Es ist besser, wenn jeder von uns seine Energie darauf verwendet, seine eigenen Fehler zu erkennen und zu versuchen, nur sich selbst zu korrigieren.
Nun stellt sich die entscheidende Frage: Wie kann man erkennen, wer ein Vaiṣṇava ist und wer nicht?
Natürlich wollen wir wissen, wie man einen Vaiṣṇava identifizieren kann. Das Problem ist, dass so viele in der Uniform eines Vaiṣṇavas stecken. Einige von ihnen sind in der Uniform eines brahmacārī; einige von ihnen sind in der Uniform eines sannyāsī; einige von ihnen sind in der Uniform eines gṛhasta. Wir müssen aber über das Äußere hinausblicken und ihren Rang entsprechend der Intensität ihrer Liebe zu Hari-nāma Prabhu erkennen.
Heute empfinde ich mich als sehr glücklich, in einer solchen Funktion dienen zu dürfen. Śrīla Bhakti Bhallab Thirta Mahārāj ist mein śikṣā-guru. Wie kann man erkennen, dass er ein großer Vaiṣṇava ist? Manche Leute mögen sagen: „Nein, er ist kein Vaiṣṇava.“ Andere sagen vielleicht: „Er ist ganz sicher ein Vaiṣṇava.“ Wie können wir entscheiden, wem wir glauben sollen? Wir können eine solche Persönlichkeit nur anhand seines guru-sevā und seines vaiṣṇava-nistha erkennen.
itthaṁ-vidhāny anekāni
vasatāṁ guru-veśmani
guror anugraheṇaiva pumān
pūrṇaḥ praśāntaye
(ŚB 10.80.43)
Lord Kṛṣṇa fuhr fort: Wir hatten viele ähnliche Erfahrungen, als wir im Haus von unserem spirituellen Meister wohnten. Nur durch die Barmherzigkeit des spirituellen Meisters kann ein Mensch den Zweck seines Lebens erfüllen und ewigen Frieden erlangen.
Man wird nur dann völlige Ruhe (Zufriedenheit) erlangen, wenn man sich der vollen guru-kṛpā erfreut. Deshalb heißt es in der Śrī Caitanya-caritāmṛta (Madhya 19.149):
kṛṣṇa-bhakta — niṣkāma, ataeva ‘śānta’
bhukti-mukti-siddhi-kāmī — sakali ‘aśānta’
“Weil ein Geweihter Lord Kṛṣṇas stets frei von jeglichem materiellen Verlangen ist, ist er friedvoll. Ertrag bringende Arbeiter sind immer mit materiellem Genuss beschäftigt, deshalb können sie diese Art Verfassung niemals erlangen. Jñānīs wünschen sich Befreiung, und yogīs wünschen sich materielle Opulenz, daher sind alle lüstern und nicht friedvoll.
Weil im Herzen eines reinen Gottgeweihten kein Verlangen ist, ist er friedvoll. Reines siddhānta kann sich nur im Herzen eines solchen Gottgeweihten manifestieren. Er wird niemals irgendein siddhānta künstlich herstellen. Das was er lehrt, kommt automatisch und ist nicht geistig fabriziert.
Die einzige Pflicht eines ācārya besteht darin, siddhānta-vāṇī umfassenden Schutz zu gewähren.
Der Vers „acinoti yah śāstrartham acare sthāpayati api “ enthält einen sehr wichtigen Punkt.
Das ist „sthāpayati api.” Das, was Śrīla Prabhupāda hier klären wollte ist wirklich ein sehr wichtiges Konzept. Ein erfolgreicher ācārya ist in der Lage, einen tiefen Eindruck aus seinem eigenen ācaraṇa heraus in die Herzen anderer zu hinterlassen. Für einen solchen ācārya ist es nicht praktikabel, seine Ernsthaftigkeit unter Beweis zu stellen oder sich zurückzuziehen und sich nur auf sein eigenes bhajana zu konzentrieren. Ein wahrer Gottgeweihter denkt immer an die bedingten Seelen, die Tag und Nacht leiden. Ein so erhabener Gottgeweihter ist keineswegs egoistisch. Er sucht nicht sein eigenes Wohl, sondern das Wohl anderer. Śrīla Prabhupāda hat gesagt, dass wer immer ein friedliches Leben ohne Störungen führen will, hat gewiss einiges passives kāma in seinem Herzen. Warum sonst machen sie sich keinen Kopf um die vollkommene Zufriedenstellung des Höchsten Herrn?
Śrīla Bhaktivinod Ṭhākura hat gesagt, dass diejenigen, die mit ācaraṇa predigen erhabener sind, als die Gottgeweihten, die nach einem friedlichen Leben verlangen, weil das Wichtigste ist, siddhānta zu etablieren. Es ist die Hauptaufgabe eines ācārya, siddhānta vāṇī umfassenden Schutz zu gewähren. Wenn ein ācārya dem siddhānta vani umfassenden Schutz gewährt, wird alles andere automatisch geschützt. Laut siddhānta, sind auch sevā und siddhānta nicht verschieden voneinander. Siddhānta und sevā sind fast identisch.
Wenn siddhānta in seiner angewandten Form ausgedrückt wird, dann kann man feststellen, dass es sevā ist; wenn sevā wissenschaftlich mit dem Mittel der Philosophie repräsentiert wird, dann wird es siddhānta genannt.
“acinoti yah śāstrartham acare sthāpayaty api”
Natürlich, einige Vaiṣṇavas besitzen perfekte Ethik, aber haben wenig Interesse daran zu predigen. Śrīla Gaura Kishor das Babaji und Jaganath das Babaji Mahārāj sind beide in ihrem eigenen bhajana etabliert. Aber sie geben anderen Unterweisungen. Zum Beispiel hat uns Śrīla Gaura Kishor das Babaji so viele wertvolle Unterweisungen gewährt.
Śrīla Bhakti Siddhānta Sarasvatī Gosvāmī Prabhupāda pflegte zu sagen: „Predigen ohne ācaraṇa (ohne zu praktizieren) ist nichts anderes als karma.” Aber wenn jemand den richtigen ācaraṇa besitzt und auch qualifiziert ist zu predigen, so, warum würde so ein Gottgeweihter dann nicht predigen wollen? Das ist die Hauptfrage.
Śrīla Haridāsa Ṭhākura und Sanātana Gosvāmīpada diskutierten diesen wichtigen Punkt im Puruṣottama dhāma. Sanātana Gosvāmī lobpreiste Haridāsa Ṭhākura indem er ihn als Nāmācārya ansprach. Aber Śrīla Haridāsa Ṭhākura erwiderte: „Nein, eigentlich bist du die wichtigste Persönlichkeit, denn Mahāprabhu hat dir den sevā gegeben, alle geheimen siddhāntas zu etablieren und alle verlorenen līlā-sthalī wiederzuentdecken.
Dann machte Sanātana Gosvāmīpada die folgende Beobachtung. Eine Person kann die angemessene Vaiṣṇava Etikette aufrechterhalten, aber engagiert sich nicht im Predigen, dagegen predigt vielleicht ein anderer, aber er ist nicht in seinem eigenen ācaraṇa verankert. Dann schrieb Sanātana Gosvāmī Śrīla Haridāsa Ṭhākura beide Eigenschaften zu und argumentierte daher, dass Namācārya Haridāsa Ṭhākura aufgrund dessen die höchste Autorität in der Gauḍīya-Tradition der Hingabe sei.
āpane ācare keha, nā kare pracāra pracāra karena keha, nā karena ācāra
Einige benehmen sich sehr gut, predigen aber nicht die Kultur des Kṛṣṇa-Bewusstseins, während andere predigen, sich aber nicht richtig benehmen.
‘ācāra’, ‘pracāra’, — nāmera karaha ‘dui’ kārya
tumi — sarva-guru, tumi jagatera ārya
Du übst beide Tätigkeiten gleichzeitig in Bezug auf den Heiligen Namen aus, durch dein persönliches Verhalten und durch deine Predigten. Deshalb bist du der fortgeschrittenste Gottgeweihte der Welt. (Cc Antya-līlā 102-3)
Śrīla Bhaktivinod Ṭhākura spricht über Prediger:
Einer der den Heiligen Namen verkündet, dem Beispiel eines Heiligen folgend, ist der Welt dienlicher als Gottgeweihte, die die Arbeit des Predigens ablehnen und in die Glückseligkeit ihres eigenen bhajans, gemäß ihrer Neigung versinken. (Sajjana-toshani 4/2)
Nur Gottgeweihte die das volle Wissen des reinen hingebungsvollen Dienstes besitzen und die die Süße des Chantens der Heiligen Namen des Herrn ohne Vergehen kosten, sind qualifiziert zu predigen. (Sajjana toshani, 10/11)
Die Verantwortung des Predigens wird besser denen anvertraut, die bhajana ausüben. Einfach ein fachkundiger Redner zu sein, qualifiziert ihn nicht, die Lehren von Gaurāṅga zu verkünden. (Sajjana-toshani 10/11)
Der Prediger sollte auf jeden Fall die Vergehen gegen das Chanten des Heiligen Namens des Herrn kennen. Wenn sie das wissen, werden sie zu qualifizierten Predigern des heiligen Namens. Während sie die heiligen Namen verkünden, sollten sie alle unterweisen, immer vorsichtig zu sein, um Vergehen gegen das Chanten des heiligen Namens zu vermeiden. Sonst werden die Prediger selbst zu Vergehen gegen den heiligen Namen. (Sajjana-toshani 10/11)
Für das reine Predigen gibt es drei Voraussetzungen. Erstens, das Chanten des Heiligen Namens des Herrn sollte rein sein; zweitens, der Prediger sollte rein sein; und drittens, diejenigen, die die Predigt hören, sollten rein sein. „Das Chanten des Heiligen Namens des Herrn sollte rein sein,“ bedeutet, dass der Heilige Name, der von dem Prediger beschrieben wird, sollte auf die Pastimes des Herrn hinweisen und völlig frei von jeglichem Anflug von fruchtbringenden Aktivitäten und mentalen Hypothesen sein. (Vishnupriyā Pallī Magazine, Band 1)
Wenn Heilige religiösen Prinzipien folgen, dann wird das ācāra, angemessener Verhaltenskodex genannt. Wenn man diese religösen Prinzipien anderen Lebewesen in der Welt verkündet, dann wird das pracāra - predigen - genannt. Wenn jemand in die Aktivitäten des ācāra oder pracāra beschäftigt ist, dann sollte man zuerst den angemessenen Verhaltenskodex des Heiligen erlernen. Manche Menschen beginnen, nachdem sie etwas gelernt haben, zu predigen, noch bevor sie selbst danach leben. Daher erzielen sie unzureichende Ergebnisse. Wenn jemand die religiösen Prinzipien nicht persönlich befolgt, sondern zu anderen predigt, verursacht er große Unruhe in der Welt. (Sajjana-toshani 4/2)
Für Prediger ist es absolut notwendig, sich zu läutern. Wir können überall hören, wie der Heilige Name gesungen wird, aber wenn wir zuhören, empfinden wir großes Bedauern, wenn wir die Unreinheit der Sänger sehen.
Entweder sie chanten die Heilige Namen, um die Ausbreitung von Krankheiten in ihrem Dorf zu beenden, oder sie chanten die Heiligen Namen aus Angst vor Yamarāja. Solches Chanten kommt aus einem Herzen, das nach Befreiung und materiellem Genuss dürstet und ist die verdrehte Spiegelung des Heiligen Namens. Es ist unmöglich durch solch ein Chanten ewiges Glück zu erlangen. Wenn die Ladenbesitzer und Verkäufer auf dem Marktplatz des Heiligen Namens solche Wünsche aufgeben, können sie die reinen heiligen Namen predigen. Wenn sie jedoch die Heiligen Namen chanten mit dem Wunsch Geld anzuhäufen oder sich einen Namen zu machen oder Ruhm zu erlangen, dann wird der Zweck für die Öffnung des Marktplatzes, um den Heiligen Namen des Herrn zu verbreiten, nicht erfüllt. (Vishnupriyā Pallī Magazine Vol. 2)
Śrīla Bhakti Vinod Ṭhākura, Śrīla Bhakti Siddhānta Sarasvatī Ṭhākura Prabhupāda, Śrīla Bhakti Prajnana Keshava Gosvāmī Mahārāj, Śrīla Bhakti Rakshak Śrīdhara Gosvāmī Mahārāj sind allmächtige ācāryas. Sie sind alle qualifiziert, den bhakti-Kult in die Herzen der bedingten
Seelen einzuprägen. Auf diese Weise können sie unzählige materiell gebundene Seelen befreien.
Wer immer Vaiṣṇava Etikette besitzt und gleichzeitig die Kraft hat den bhakti-Kult zu verbreiten, ist ein erfolgreicher Prediger. Predigen ohne die Unterstützung eines perfekten ācaraṇa führt nur zu Unruhe in der Welt. Diese Art von Predigern und jene, die ihre Schüler werden, werden mit Sicherheit für immer in die Hölle kommen.
Es gibt ein bengalisches Sprichwort: morile ĵadi urale chāi tabe satīra guṇa gāi. Das bedeutet, dass es unangemessen ist, eine Frau als keusch zu bezeichnen, bevor sie ihr ganzes Leben lang keusch gelebt hat, bis zu dem Zeitpunkt, an dem ihr Körper verbrannt wird und ihre Asche sich in Luft auflöst. Erst dann kann sie als keusch bezeichnet werden. Ebenso ist es unklug, jemanden für seine Eigenschaften, wie beispielsweise seine Fähigkeit, sich gut auszudrücken, zu preisen, wenn er sich nicht angemessen verhält und keine guten Manieren hat. Weltliche Gelehrte können sich ebenfalls gut ausdrücken, aber wir sehen im Allgemeinen, dass sie keinen Glauben an Śrī Hari - guru und die Vaiṣṇavas haben. Daher sind alle Eigenschaften, die solche Personen besitzen mögen, nur materieller Natur.
Predigen kann sowohl auf negative als auch auf positive Weise erfolgen.
Positives Predigen ist nur von solchen mächtigen Gottgeweihten möglich, die die Unterstützung von vollständigem ācaraṇa und siddhānta besitzen. Das ist für die bedingten Seelen nicht möglich. Eigentlich sollten sie nicht fortfahren zu predigen, weil sie nur Störungen im Bereich des Predigens verursachen. Positives Predigen ist sehr langsam, aber sehr stetig. Es kann einen großen Einfluss auf die Zuhörer ausüben.
Negative Predigten wurden von Aghāsura, Bakāsura, Kaṁsa und Jarasanda gehalten. Sie alle predigten negativ über Kṛṣṇa. Negative Predigten wirken sehr schnell. Hanumān beispielsweise predigte positiv über Ram, aber Rāvaṇas negative Predigten wirkten noch schneller als die Predigten von Hanumānji Mahārāj.
Man muss sich die Logik und die Möglichkeiten positiver und negativer Predigten vor Augen halten und beide entsprechend einsetzen. Andernfalls könnte die gesamte VaiṣṇavaGesellschaft zusammenbrechen. Heutzutage sehen wir, dass die meisten älteren Vaiṣṇavas nicht mehr da sind. Solange eine gebundene Seele kein lebendiges Beispiel eines reinen Geweihten vor sich sieht, wird sie nicht die Kraft erhalten, in ihrem bhajana erfolgreich zu sein. Im Leben von Śrīla Prabhupāda und Śrīla Keśava Mahārāj sehen wir, dass sie immer über positive Dinge sprachen. Deshalb waren sie ständig Konfrontationen ausgesetzt. In ihrem Leben gab es ständig Probleme und Herausforderungen.
Śrīla Prabhupāda hatte immer die Gewohnheit sehr stark und positiv zu sprechen. Die sahajiyās konnten diese Art von nackter Wahrheit nicht ertragen und sie wendeten sich alle gegen Śrīla Prabhupāda.
Vor langer Zeit praktizierte Śrīla Bhaktivinoda Ṭhākura bhajana in Satasan, das neben dem Samādhi Mandira von Śrīla Haridāsa Ṭhākura in Puruṣottama dhāma liegt. Dort erklärte er täglich das Śrī Caitanya-caritāmṛta und gab jeden Nachmittag sein darśana. Eines Tages musste er für einen besonderen sevā nach Kalkutta reisen. Für die Zeit seiner Abwesenheit übertrug er die Verantwortung für das Rezitieren des Śrī Caitanya-caritāmṛta an Śrīla Bhakti Siddhānta Sarasvatī Ṭhākura. Als Śrīla Bhaktivinoda Ṭhākura zurückkam, gab es keine größere Zuhörerschaft mehr um den täglichen hari-kathā zu hören. Zuerst wunderte er sich darüber und fragte sich warum. Aber kurz darauf, erkannte er, dass die Menge sich aufgelöst hatte, weil es nicht für jeden möglich ist die Absolute Wahrheit zu verdauen.
Ein paar Tage später erfuhr Śrīla Ṭhākura die gefährliche Situation, die durch die sahajiyā bābājīs entstanden war. Sie wollten Bimala Prasad Sarasvatī umbringen. Also schickte Śrīla Bhaktivinod Ṭhākura Bimala Prasad Sarasvatī nach Braja Pattan (Mayapur) mit dem Gelübde, ausschließlich bhajana zu praktizieren und hundert Millionen Mal das hari-nāma-mahā- mantra zu chanten.
Gaura Hari Haribol
