Zuallererst ist es unsere Pflicht, unser Herz so zu kultivieren, dass wir die vollkommene kṛpā von Guru und Vaiṣṇava empfangen können.

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— Śrī Śrīla Shyām Dās Bābā Mahārāj

Wir haben von unserem guruvarga gehört, dass selbst während dem prakaṭa-līlā (dem manifesten līlā) von Śrīla Prabhupāda einige seine anugatya verließen, manche von ihnen einen lockeren Charakter entwickelten, und wieder andere in weltliche Verstrickungen gerieten usw. Doch gewiss bedeutet das nicht, dass Prabhupāda schwach gewesen wäre. Man könnte denken: „Wie kann jemand in der Gegenwart von Prabhupāda zu Fall kommen?“ Selbst in der Gegenwart der Sonne kann ein Blinder nichts sehen. Ein Arzt kann einem Patienten nicht helfen, wenn dieser die Medizin verweigert.

Śrīla Bhaktisiddhānta Sarasvatī Ṭhākura Prabhupāda gab einst das Beispiel eines Mannes, der in einen Brunnen gefallen war. Man ließ ein Seil hinab, damit er sich daran festhalten und somit herausgezogen werden konnte. Das Seil war stark genug, und auch das Rettungsteam war fähig – doch wenn der Mann im Brunnen das Seil nicht fest ergreift, wie soll man ihn dann hinaufziehen? Können wir das Seil beschuldigen? Können wir dem Rettungsteam Vorwürfe machen?

Die herabströmende Barmherzigkeit von Guru und Vaiṣṇava ist wie dieses starke Seil – bevollmächtigt vom Höchsten Herrn Selbst, vollkommen fähig, all jene gebundenen Seelen zu retten, die bereits in den Brunnen des saṁsāra gefallen sind.

So können wir mit Sicherheit sagen, dass der Fall eines Schülers niemals bedeutet, ein sad-guru sei unfähig, jene gebundene Seele zu erlösen. Vielmehr zeigt es, dass der Schüler nicht aufrichtig ist und keine wahre śaraṇāgati besitzt. Guru und Vaiṣṇava können ihre barmherzige Hand jeder gefallenen Seele entgegenstrecken, um wertvolle Unterweisung zu geben und göttliche kṛpā zu schenken. Doch eine gebundene Seele nutzt oftmals nicht richtig ihren freien Willen. Gleichzeitig greifen Guru und Vaiṣṇava niemals in den freien Willen ein, den der Höchste Herr dem jīva gegeben hat. Bhakti kann niemals durch äußeren Zwang in das Herz eines Menschen eintreten, denn bhakti ist die natürliche Neigung eines jeden jīva, wie der folgende śloka beweist –

matir na kṛṣṇe parataḥ svato vā

mitho ’bhipadyeta gṛha-vratānām

adānta-gobhir viśatāṁ tamisraṁ

punaḥ punaś carvita-carvaṇānām

(ŚB 7.5.30)

Prahlāda Mahārāja antwortete: Weil sie ihre Sinne nicht beherrschen,  geraten jene Menschen, die zu sehr an das materialistische Leben gebunden sind, immer wieder in höllische Bedingungen und kauen das bereits Gekaute erneut – ich meine dieselben materiellen Genüsse immer und immer wieder.

 Sie können niemals eine Neigung zu den Lotosfüßen von Śrī Kṛṣṇa entwickeln – weder durch die Unterweisung anderer, noch durch eigene Bemühung, noch durch die Kombination von beidem.

Deshalb sollten wir, anstatt die Kraft eines erhabenen ācārya infrage zu stellen, stets den Grad unserer eigenen śaraṇāgati prüfen. Alles hängt von unserem niṣkapaṭa-bhāva ab – von unserer aufrichtigen, Haltung. Es gibt ein Sprichwort: „Gott hilft denen, die sich zuerst selbst helfen.“

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