Der Dienst zum Heiligen Namen

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(Wahres Chanten und Predigen)

Student: Ich habe eine Frage zum Chanten des Hare Kṛṣṇa mahā-mantras auf den Perlen (japa-mālā). Mein spiritueller Meister hat mir viele Pflichten des Predigens aufgetragen, so manchmal, wenn ich versuche mich auf meine japa mālā zu konzentrieren, denke ich an die vielen verschiedenen Pflichten, die ich ausführen muss, anstatt an den Heiligen Namen.

Śrīdhar Mahāraj: Śrīla Bhaktisiddhānta Sarasvatī Ṭhākura betont, dass kīrtana nicht nur bedeutet, den Heiligen Namen laut zu singen, sondern zu predigen. Jīva Gosvāmī saṅkīrtana definiert: „bahubhir militva yat kīrtanam tad eva saṅkīrtanam: „Wenn viele Menschen zusammenkommen und den Höchsten Herrn, Kṛṣṇa verherrlichen, dann ist das als saṅkīrtan bekannt.“ Śrī Caitanya Mahāprabhu führte saṅkīrtan ein. In diesem Zeitalter des Kali, wenn der Heilige Name gemeinsam gechanted wird, dann wird die gemeinsame Bemühung Früchte tragen (saṅgo śakti kalu yuge). Es gibt einen Unterschied zwischen der Mission des Predigens von Śrīla Bhaktisiddhānta Sarasvatī Ṭhākura und dem sogenannten bhajana der sahajiyās, bzw., Imitatoren.

Einmal war einer unserer Gottbrüder Gegenstand einer strengen Bemerkung unseres Guru Mahāraji. Er war ein Mann mit gutem Charakter, aber seine Tendenz ging allgemein in Richtung nāma bhajana. Er mochte keinen anderen Dienst tun, sondern er hatte die Neigung nur den Namen Kṛṣṇas auf seinen Perlen zu chanten. Ich leitete zu dieser Zeit den Tempel in Delhi und war mit ihm vertraut, also schrieb ich an Prabhupāda: „Wenn du es erlaubst, würde ich gerne meinen Gottbruder hier im Tempel von Dehli zum Predigen einsetzen.“ Der Brief, den Prabhupāda schrieb, ist noch hier. Er schrieb mir in seinem Brief: „Wenn du ihn dahin bringen könntest, dir in deiner Arbeit des Predigens zu helfen, dann würdest du ihm einen guten Dienst als einen wahren Freund erweisen. Ich kann nicht erkennen, dass es die richtige Kultivierung des Kṛṣṇa-Bewusstseins ist (Kṛṣṇānuśīlanaṁ), wenn man im Dschungel von Balihati sitzt und nur chanted und die Perlen zählt.

Predigen bedeutet Kämpfen

Kīrtan bedeutet also predigen, śravaṇaṁ, kīrtanam. Kīrtan bedeutet nicht einfach nur laut zu chanten, sondern predigen. Und predigen bedeutet, dass es einen Kampf geben muss mit der oppositionellen Partei. Kīrtan bedeutet Kampf. Kīrtan erschafft die göttliche Klangschwingung, die alle gewöhnlichen Klang-schwingungen bekämpft, die in dieser Welt in subtilen und groben Wellen schweben. Prabhupāda hat also zu uns gesagt, dass unsere tulasī-Perlen nie darben sollen. Seine Unterweisung an uns war, dass wir zumindest einmal am Tag Dienst ausführen sollen, in der Form von Chanten des Hare Kṛṣṇa -mantras, während man auf den Perlen zählt. Seine genauen Worte waren: „mālikā upabāsa nā, die Perlen sollen nicht darben.“ Und seine allgemeine Unterweisung war, soviel wie möglich zu predigen.

Einmal musste ich mit einem der großen spirituellen Führer des Udipi Tempel in Madras sprechen. Er sagte zu mir: „Manchmal predige ich über Madhvacharya und dem bhakti-kult, aber ich habe keine Zeit für sādhana, (regelmäßige spirituelle Praxis, wie japa, gāyatrī mantra, Studium der Schriften usw.). Ich unterstützte ihn. Unser Guru Mahāraj hat gesagt, dass hari-kathā - über Kṛṣṇa predigen - nicht weniger wichtig ist als sādhana. Es ist vielmehr eine lebende Sache. Predigen ist viel wichtiger. Wenn wir predigen, dann sind wir automatisch aufs höchste konzentriert. Auf der anderen Seite, während wir auf unseren japa Perlen chanten sind wir vielleicht geistesabwesend. Wenn wir mit einer anderen Person über Kṛṣṇa sprechen, müssen wir höchst aufmerksam sein. Sonst können wir nicht akkurat sprechen. All unsere Aufmerksamkeit ist automatisch gebündelt, wenn wir über Kṛṣṇa sprechen. Und wenn wir über Kṛṣṇa schreiben, dann ist Genauigkeit sogar noch wichtiger, als beim Sprechen über Kṛṣṇa. Schreiben ist also auch kīrtan. Die Kultivierung von Kṛṣṇa -Bewusstsein ist vielleicht sogar intensiver, wenn wir über Kṛṣṇa schreiben.

Gauḍīya math – Krieg gegen Māyā

Die Prediger Mission von Śrīla Bhaktisiddhānta Sarasvatī Ṭhākura, die Gauḍīya Math, hat also den totalen Krieg gegen Māyā, Illusion und sogar allen anderen existierenden religiösen Konzepten erklärt. Und unsere Autorität ist Śrīmad-Bhāgavatam und Śrī Caitanya Mahāprabhu. Göttliche Liebe ist das höchste Ziel einer jeden Seele. Schönheit und Liebe ist das summum bonum, unsere höchste Errungenschaft; es ist das ultimative beherrschende Prinzip und nicht Macht. Und Schönheit und Liebe werden in ihrer höchsten Form in Kṛṣṇa in Vṛndāvana gefunden. Das ultimative Konzept der Absoluten Wahrheit ist die Realität der wundervollen göttliche Liebe. Zur gleichen Zeit sollte der Unterschied zwischen Lust und Liebe ganz klar verwirklicht sein. Das sollte nicht missverstanden werden. Der Höhepunkt der Hingabe zeigt sich in der Liebe der Bewohner von Vraja.

Predigen (saṅkīrtana) ist also der wahre Dienst zu Kṛṣṇa und nicht Perlen (japa) zu zählen. Aber weil wir ein Gelübde abgelegt haben und es von Mahāprabhu und unserem gurudeva angeordnet wurde, müssen wir den Heiligen Namen chanten, während wir die Perlen zählen; es ist unsere Pflicht. Unser Guru Mahāraj hat uns gesagt: „Die Japa-Perlen sollen nicht darben.“ Wenn wir also  das Werk des Predigens ausführen, dann sollte es keinen Zweifel darüber geben, dass wir der Anweisung von Mahāprabhu folgen. Obwohl Er uns angewiesen hat, dass wir einhunderttausend Namen, oder vierundsechzig Runden täglich chanten sollen, ist ein geflügeltes Wort. Was wirklich am wichtigsten ist, ist der Geist des Dienens. Uns wurde nicht gesagt, dass die gopīś immer den Namen auf den tulasī Perlen zählten, und doch besitzen sie die höchste Position in den Diensten zu Kṛṣṇa in Vṛndāvana.

Vṛndāvana Express Zug

Kṛṣṇa nāma wird uns also sehr helfen in Richtung Vṛndāvana zu gehen. Darin liegt seine Bedeutung. Wie ein Expresszug, bringt uns der Heilige Name Kṛṣṇas zum Ziel, ohne an einer anderen Station anzuhalten. Wenn wir den Namen ohne formale Petitionen chanten, ohne Forderungen: „Gib mir dies und gib mir das,“ dann wirkt er wie ein Sonderzug, der ohne Unterbrechung nach Vṛndāvana fährt. Dort gibt es keine Unreinheiten des karma und jñāna. Die Gottgeweihten von Vṛndāvana denken einfach: „Ich will Kṛṣṇa. Ich weiß nicht, was gut oder schlecht ist. Ich möchte einfach Kṛṣṇa.“

Quelle: THE SEARCH FOR SRI KRISHNA – Die Suche nach Sri Krsna (Deutsche Übers. vom. Team Bhaktisiddhanta Vani Seva Trust

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