Die Bedeutung von Cāturmāsya-vrata

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Alle sollen Cāturmāsya-vrata  einhalten

Auch wenn das Cāturmāsya-vrata unter den vierundsechzig Gliedern des bhakti, die im Śrī Bhakti–rasāmṛta-sindhu beschrieben werden, nicht erwähnt wird, hielt Śrīman Mahāprabhu das Cāturmāsya-vrata persönlich ein, während er sich in Purī, Śrī Raṅgam und an anderen Orten aufhielt, und ließ so den Lebewesen der Welt Unterweisungen über die Notwendigkeit, dieses vrata zu befolgen, zuteilwerden. Es ist nicht so, dass dieses vrata nur von Gauḍīya-Vaiṣṇavas eingehalten werden soll; es ist für jeden besonders glücksverheißend, für karmīs, jñānīs, yogīs und diejenigen, die den smārta-Traditionen folgen.

Obwohl dieses vrata ein Teil des vaidhi-bhakti ist, sollte es gewiss von allen im Laufe ihres sādhaka – Lebens eingehalten werden. Erhabene, befreite Persönlichkeiten, mahā-bhāgavatas und mahājanas, befolgten auch dieses Cāturmāsya-vrata mit intensiver liebender Anhaftung (anurāga), da sie wissen, dass es der Freude (priti) Bhagavāns förderlich ist.

Die Notwendigkeit und der Standard vratas einzuhalten:

Im Bhaviṣya Purāṇa, wird beschrieben:

yo vinā niyamaṁ martyo vrataṁ vā japyam eva vā

cāturmāsyaṁ nayen mūrkho jīvann api mṛto hi saḥ

Mit anderen Worten, jemand der Cāturmāsya-vrata ohne Regeln, Gelübde und japa (geregeltes Chanten) befolgt, ist ein Dummkopf und, obwohl lebendig, ist er so gut wie tot. Wenn man dieses vrata also ohne Regeln, auf unregelmäßige Weise oder nach eigenem Gutdünken befolgt, besteht keine Möglichkeit, daraus Glück zu erlangen. Die Heilige Schrift, die Gītā, hat erklärt, dass, wenn man unfähig ist zu entscheiden, was die eigene Pflicht ist und was nicht, dann ist die Heilige Schrift allein die einzige zuverlässige Quelle für diese Informationen (pramāṇa). Daher, wenn der sādhaka diese Verordnungen der Heiligen Schriften übertritt oder ablehnt und seinen eigenen Launen folgt, dann wird er weder Vollkommenheit in seinem sādhana erreichen, noch wird er letztendlich das höchste Ziel erlangen.

Gleichgültigkeit gegenüber der Einhaltung des Cāturmāsya-vrata

Cāturmāsya-vrata muss mit Gewissheit von allen Leuten in allen vier varnas und āśramas befolgt werden.

Da die in den Schriften vorgeschriebenen Regeln für dieses uralte vrata als schwierig gelten, schwindet die Bereitschaft sie zu befolgen allmählich aus den Herzen einer Gesellschaft, die Fröhlichkeit und Muße liebt. Heutzutage gibt jeder vor, dazu nicht fähig zu sein, und da es ihnen nicht gelegen kommt, sich den niyamas (Regeln der spirituellen Praxis) zu unterwerfen, sind sie gegenüber der Einhaltung all dieser vratas indifferent. Dies ist ein Grund zu großer Verzweiflung. Die meisten, die ein vrata einhalten, zeigen ihre Überzeugung und ihr Pflichtbewusstsein in Bezug auf die Einhaltung von vratas, indem sie lediglich das Dāmodara-vrata oder das Kārtika-vrata befolgen, das als „Zugeständnis für diejenigen, die unfähig sind“, das Cāturmāsya vollständig einzuhalten, vorgeschrieben ist.

Heutzutage wird die ordnungsgemäße Einhaltung des Cāturmāsya-vrata, ausgenommen Śrī Gauḍīya Vedānta Samiti, nur noch an sehr wenigen Orten praktiziert. Es ist unmöglich, Śrī Haris Liebe zu gewinnen und Ihn zu erfreuen, wenn man, obwohl man dazu fähig ist, in Seinem Dienst der Faulheit verfällt und das Cāturmāsya sowie andere vratas missachtet, die für einen solchen hari-sevā förderlich sind. Dies ist die besondere Anweisung aller Satvata-Smrti-Schriften. An vielen Stellen in den vedischen Schriften werden die Ausübenden des Cāturmāsya und das Cāturmāsya als Teil des karmas erwähnt. Das Cāturmāsya-vrata  wird auch in den verschiedenen Purāṇas und verwandten Texten erwähnt.

Der Unterschied zwischen den pāramārthika- und den vyavahārika-Praktizierenden

Es besteht jedoch ein Unterschied wie zwischen Himmel und Hölle darin, wie der pāramārthika (derjenige nach dem höchsten transzendentalen Ziel strebt) und der vyavahārika (derjenige, nach materiellen Belohnungen strebt) das Cāturmāsya-vrata einhalten. Die Einhaltung des Cāturmāsya-vrata durch den pāramārthika unterscheidet sich von der des vyavahārika, der sich von den Erzählungen, die Belohnungen verheißen, verleiten lässt und deshalb ein vrata einhält und sogar viddhā (unreine) ekādaśī-vratas befolgt, weil er sich selbst für den Genießer dieser Ergebnisse hält. Ebenso wenig gleicht die Einhaltung des pāramārthika derjenigen der āroha–vādīs*, die sich nach Befreiung sehnen und verschiedene Aktivitäten begehen, um den Früchten ihrer Aktivitäten zu entsagen oder um den Geist zu reinigen.

 Der Zweck der Einhaltung des Cāturmāsya-vrata durch den pāramārthika ist es Hari zu erfreuen.

* āroha-vadis: Diejenigen, die daran glauben, durch eigene Anstrengungen auf der spirituellen Ebene aufzusteigen.

Im Āpastamba-śrauta-sūtra heißt es: „akṣayaṁ ha vai cāturmāsya–yājinaḥ – diejenigen, die einen ewigen Aufenthalt auf den himmlischen Planeten erlangen möchten, sollten das Cāturmāsya-vrata einhalten.“ Wir finden diese und verschiedene andere Aussagen, und obwohl sie für karmīs empfohlen werden, die die Resultate ihrer Handlungen genießen möchten, finden wir in den Vedānta-Schriften und anderen ähnlichen Schriften keine Würdigung solcher Aktivitäten. Śrīman Mahāprabhu sagte zu den tattva–vādīs:

karma-nindā, karma-tyāga—sarva–śāstre kahe

karma haite prema-bhakti kṛṣṇe kabhu nahe

Śrī Caitanya-caritāmṛta (Madhya–līlā 9.263)

[Alle heiligen Schriften verurteilen karma und unterweisen uns, es aufzugeben. Durch karma kann man niemals liebevolle Hingabe zu Kṛṣṇa erlangen.]

Für den karmī, der sich nach den Ergebnissen seiner Handlungen sehnt, und für den Unpersönlichkeitsanhänger, der jñānī ist die Einhaltung des Cāturmāsya-vrata lediglich einer der Bestandteile des karmas. Diese Art der Auffassung und Ausübung des Cāturmāsya-vrata als karmāṅga (Bestandteil des karma) kann niemals zu prema-bhakti führen. Der Unterweisende aller Menschen, Śrīman Mahāprabhu, und verschiedene andere ācāryas vollführten Pastimes über die Einhaltung des Cāturmāsya. Ist ihre Einhaltung des Cāturmāsya ein Glied des karma? Was Śrī Gaurasundara und Mādhavendra Purīpāda  befolgten, um andere zu unterweisen, kann niemals ein karmāṅga sein.

Viele unter den prākṛta-sahajiyās, die im Sumpf unrechtmäßiger Handlungen versunken sind, geben das Cāturmāsya-vrata auf, da sie es für einen Bestandteil des karma halten. Sie bleiben ganz im Familienleben versunken, verbringen ihre Zeit ständig mit ihren Frauen und Kindern und konsumieren pāna, Tabak und andere Rauschmittel. Unter dem Vorwand von prasāda-sevā sind sie an diesen sinnlich befriedigenden Genussmitteln angehaftet und bilden sich ein, dass diese  ein Glied des bhakti (bhakty-aṅga) seien. Da ihnen die Zuflucht zu  einem sad–guru fehlt, können die prākṛta–sahajiyās den Unterschied zwischen den Gliedern des karma und den Gliedern des bhakti, zwischen dem Chanten mit Vergehen (nāmāparādha) und dem korrekten Chanten des nāma sowie zwischen dem Dienst an Hari und der Sinnesbefriedigung nicht erkennen. Obwohl sie vorgeben, karma zu verachten, begehen sie – weil in ihren Herzen verborgene Wünsche (anyābhilāṣa) lauern und weil sie von göttlichem Wissen beraubt sind, das sie von einem sad–guru erhalten hätten und so ihnen die transzendentale Verwirklichung vorenthalten bleibt – im Namen der Ausübung der Glieder der bhakti lediglich Betrug und abscheuliche Taten.

(Auszüge aus den Schriften von Śrī Śrīmad Bhaktivedānta Vāmana Gosvāmī Mahārāja)

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