
Das Ziel wahrer Religion ist nicht ewige Glückseligkeit
Svāmī Sadananda Dāsa
Religionen, die selbstbezogenen Menschen ein ewiges Reich der Glückseligkeit verheißen, haben bei den bedauernswerten Lebewesen den Eindruck erzeugt, das höchste Ziel sei eben diese ewige Glückseligkeit. Nirguṇa-bhakti jedoch ist das genaue Gegenteil: Sie ist die Glückseligkeit des Dienens. Die ātma, die schließlich das Reich Gottes erreicht, erhält dort die Möglichkeit zu dienen – das ist ihre Glückseligkeit. Nur jene, die dienen wollen, die ihre Erfüllung im Dienst an Gott und an Seinen Geweihten finden – und nicht im Genießen der Glückseligkeit, die Gott selbst ist – können sich diesem göttlichen Bereich nähern. Denn dieses Reich ist rasa: die Verwirklichung des Dienstes.
Jene, die meinen, es müsse zumindest im Reich Gottes Gleichberechtigung geben, frage ich: Was bedeutet Gleichberechtigung? Bedeutet es, Gott „erleben“ zu wollen und sich selbst in Seine Nähe zu drängen?
Der bhakta lehnt sālokya und ähnliche Befreiungsformen – also das Zusammenleben mit Gott in Seinem Reich – nicht deshalb ab, weil sie an sich unerwünscht wären, sondern weil sie dem Wesen von bhakti und damit auch dem Wesen des bhakta vollkommen widersprechen. „In Seinem Reich zu wohnen“, ohne zu dienen, wäre für den bhakta wie ein Fisch außerhalb des Wassers. Der bhakta will dienen – nichts als dienen. Gerade deshalb ist er Gott so lieb, dass Gott selbst beginnt, dem bhakta zu dienen.
Wer Gleichheit und gleichmäßigen Genuss von Glückseligkeit für alle anstrebt, kann sich ebenso gut den extremen Gottesfeinden oder jenen anschließen, die nach sāyujya-mukti streben – denn beide erreichen letztlich dasselbe Ergebnis. In dem Moment, in dem die winzige ātma im eigenschaftslosen Brahman aufgeht, erfährt sie zwar einen Zustand von Glück und Frieden, doch dieser endet unmittelbar wieder. Denn jede Erfahrung von Glück setzt eine Unterscheidung zwischen dem Erfahrenden und dem Erfahrenen voraus. Die individuelle ātma hört in diesem Zustand auf, als Individuum zu existieren. Sie ist nicht zum attributlosen Brahman geworden – sie ist vielmehr darin untergegangen, darin verschwunden.
Niemand sollte glauben, dass die Worte der bhaktas, die darum beten, Diener Gottes zu werden, bloß Ausdruck falscher Demut seien. Ebenso wenig hegen sie – wie jene, die nach Glückseligkeit verlangen – den Wunsch, sich in die Nähe Gottes zu drängen, um Ihn „zu erfahren“. Diese bedauernswerten Menschen wissen nicht, was Gott ist: dass Er selbst rasa ist – die lebendige Verwirklichung des selbstlosen Dienstes Seiner reinen Geweihten.
In dieser Welt bedeutet rasa Erfahrung und Genuss. Man empfindet rasa, wenn das Geld, nach dem man lange gestrebt hat, endlich durch die eigenen Hände fließt; wenn die geliebte Person, um die man geworben hat, tatsächlich in den Armen liegt; oder wenn der Held eines Gedichts oder Dramas so eindrucksvoll dargestellt wird, dass der Leser oder Zuschauer sich selbst für einen Moment mit ihm identifiziert und diesen trügerischen Genuss miterlebt.
Doch jene, die die Grundlagen von bhakti nicht kennen, verstehen nicht, dass die Offenbarung lehrt: Alles – vom Kosmos über die Welt der Sinne bis hin zur menschlichen Seele – besitzt für sich genommen nur einen negativen Wert.
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Der guru ist kein Puppenspieler
Svami Sadananda dasa
Wie immer macht es nur dann Sinn, das zu tun, was ich sage, wenn es aus eigener Initiative geschieht, wenn ihr in Freiheit handelt. Solange kein bhakti vorhanden ist, sind wir wie Marionetten auf Bhagavans prakriti-Rad, d. h. Sklaven unter den Gesetzen des karma, aber nicht, wenn bhakti unser Herz berührt. Und selbst in den Fällen, in denen wir tun, was der shiksha-guru sagt, tun wir dies in voller Freiheit – mit persönlicher Verantwortung. Im Adi-parva des Mahabharatam gibt es einen Schüler, der angewiesen wird, einen Bach aufzustauen. Die Erde für den Staudamm reicht nicht aus; da legt sich der Schüler – aus eigener Initiative – oben auf die Erde im Bach, um die Erde zu festigen und den Bach aufzustauen. Spät in der Nacht fragt sich der Guru, wo der Schüler ist, sucht ihn in der Dunkelheit und findet ihn im Bach liegend. – Daher: keine vom Puppenspieler gesteuerte Marionette, sondern die Eigeninitiative des Schülers, die parallel zum Sinn des Wunsches des Lehrers verläuft – und darüber hinausgeht. (Brief an Vamandas 1964)
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Die ewigen Mitspieler bilden zwei Gruppen
Svāmī Sadananda Dāsa
Der Wunsch zu dienen ist das genaue Gegenteil von dem Verlangen, sich selbst in die Nähe Gottes vorzudrängen. Je höher der Grad wahrer Liebe zu Gott ist, desto tiefer ist die echte Demut – und gerade diese Demut erfreut Gott. Aus allem bisher Gesagten wird deutlich, dass nicht alle Wege zum gleichen Ziel führen. Ebenso wird sich zeigen, dass es selbst im Bereich der bhakti verschiedene Wege gibt, die jeweils zu ihren eigenen Zielen führen. Auch ist klar, dass in der göttlichen Wirklichkeit nicht alle Wesen im grundlegenden Sinne gleich sind. Die ewigen Mitspieler im Reich Gottes bilden zwei Gruppen:
- Die erste Gruppe geht aus Gottes eigener, unmittelbarer Kraft hervor – aus vollkommener Existenz, Wissen und Glückseligkeit.
- Die zweite Gruppe entspringt der Grenzkraft (tataṣṭha-śakti), die zwar höher ist als die māyā-śakti, jedoch in der Gītā beispielsweise keineswegs als „Meine eigene Kraft“ bezeichnet wird.
Schon vor Beginn der Zeit wandten sich einige dieser ātmās (also Mitglieder der zweiten Gruppe) – kraft ihres freien Willens – Gott zu. Dort dienen sie in Liebe den oben genannten ewigen Mitspielern und dienen dadurch zugleich Gott selbst.
Jene ātmās hingegen, die aus der Gottabgewandtheit in das Reich Gottes gelangen – die während ihres Aufenthalts in dieser Welt durch die Gnade der bhaktas ergriffen werden und gleichsam aus weiter Ferne, von den Hüllen der māyā befreit, dorthin kommen – finden ihre vollkommene Erfüllung und ihr Glück darin, den ewigen Mitspielern liebevoll zu dienen.
In unserer Welt entsteht Unzufriedenheit, weil wir meinen, weniger erhalten zu haben, als uns – unserer eigenen Vorstellung nach – zusteht, und oft auch, weil wir nicht das bekommen, was wirklich unserer Natur entspricht. Doch dort, im Reich Gottes, ist jeder vollkommen das, was er ist, und jeder ist völlig versunken in der ekstatischen Freude des liebenden Dienens. Hat die ātma einmal diesen Zustand erreicht, besteht keinerlei Möglichkeit mehr, dass sie an sich selbst denkt. Sie denkt, liebt und empfindet nur noch um Gottes willen – im Dienst an Ihm. Das ist ihr einziges Ziel.
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Das Verlangen, Ihn zu sehen, ist das größte Hindernis, Ihn zu erblicken
Svāmī Sadananda Dāsa
Wir sollten nicht versuchen, Kṛṣṇa zu visualisieren (zu sehen), sondern vielmehr darum beten, dass Er uns Seinen barmherzigen Blick schenkt. – Wir werden Kṛṣṇa durch das Hören kennenlernen; das heißt, wir müssen hören, wer Er ist. Kṛṣṇa ist überall gegenwärtig, doch sichtbar wird Er nur dort, wo Liebe (prema) so stark geworden ist, dass sie Ihn anzieht und dazu bewegt, Sich zu offenbaren. Doch gerade das Verlangen, Ihn sehen zu wollen, ist das größte Hindernis, Ihn wirklich zu sehen. Der Wunsch, Ihm zu dienen – unabhängig davon, ob wir Ihn jemals sehen oder nicht – ist der einzige Weg, Ihn zu erblicken, als die Vollendung von sevā, des Dienens. Mein Gurudeva sagte zu mir:
„Solange wir dazu neigen, die Dinge – angefangen von einer Rose im Garten bis hin zu Ihm Selbst – danach zu beurteilen, inwieweit und auf welche Weise sie uns glücklicher machen können, werden wir unweigerlich enttäuscht werden.“
Diese Neigung wird māyā genannt, denn ein solches Abmessen verzerrt die Wirklichkeit, und wir sehen und erfahren eine Welt, wie sie in Wahrheit nicht ist. Māyā bedeutet nicht, dass die Welt nicht existiert – sie ist da, wenn auch vergänglich. Doch das, was wir infolge unserer falschen Haltung wahrnehmen und erleben, das ist Illusion. (Brief, 1954)
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Das Bhagavatam ist nichts, was man konsumieren sollte
Svami Sadananda Dasa
Das Bhagavatam und sein Studium sind Gegenstand einer lebenslangen spirituellen und intellektuellen Übung, da es eine tiefgreifende Kenntnis der Feinheiten und Bedeutungsnuancen aller Shastras voraussetzt und sich mit Themen befasst, die jenseits unseres Erfahrungshorizonts liegen und die unserem Verstand und unseren Gefühlen nicht gefallen. Da es in der Natur der Shastras liegt, nur auf Dinge hinzuweisen und Andeutungen zu geben, zwingen sie den Leser zur Mitwirkung und dazu, die Schlussfolgerungen größtenteils selbst zu ziehen, mit seinem eigenen Verstand, erfüllt von Bhakti.
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Der Glaube an die Unsterblichkeit der sterblichen Seele
Svami Sadananda dasa
Persönliche Unsterblichkeit im Sinne einer bewahrten Individualität der sogenannten Seele – einer Individualität, die in irgendeiner Weise, sei sie auch noch so erhaben oder ätherisch, eine Ähnlichkeit mit unserer gegenwärtigen, empirischen Person hätte – existiert schlichtweg nicht. Maya, die uns von dem fernhält, was wahr und real ist, und unsere wahre Natur verbirgt, lässt – um unserer „spirituellen“ Befriedigung willen – in uns den Anspruch des aham-kara oder des Ich-Schöpfers entstehen, dass wir einfach etwas annehmen müssen, das dem christlichen Glauben an die Unsterblichkeit der sterblichen Seele ähnelt. Unsere persönliche Eitelkeit kann es einfach nicht ertragen, dass nichts von unserer persönlich erlebten Persönlichkeit in dem Moment erhalten bleibt oder bleiben kann, in dem das reine Ich oder das Selbst [atma] – befreit von der Knechtschaft unter Körper, Geist, Intellekt, Herz oder „Seele“ – sich selbst im Reich der Wahrheit, im Reich Gottes, erkennt.
Solange wir durch endlose Kreisläufe von Geburten wandern, werden wir die Täuschung der individuellen „Seele“ mit uns tragen. Doch wenn das wahre Ich, das wahre Selbst [Atma], ergriffen von Gottes eigener Kraft des Wissens (Bhakti), Gott erkennt, dann wird – als Ergebnis dieses Wissens – das reine, wahre Ich [Atma] wissen, was, wer und wo es ist, und wird seine ewige körperliche Gestalt und Persönlichkeit erfahren, die sich in jeder Hinsicht grundlegend von der empirischen Seele unterscheidet. Das Bhagavatam und die Bhakti-Schule betrachten nicht das Wissen um des eigen Selbst als das Mittel, um den Knoten des Herzens zu lösen [den Knoten, der das Atma an die mentalen und physischen Hüllen bindet], sondern die Erkenntnis Gottes, deren Ergebnis die Erkenntnis des wahren Selbst ist! (Brief 1955)
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Unser Leiden Kṛṣṇa darbringen
Svāmī Sadananda Dāsa
[Viele Jahre lang lebte Svāmī Sadananda Dāsa in Indien mehr oder weniger ans Bett gebunden und litt an schweren Krankheiten.]
Mit den Versen „Yo’ham mamāsti“ usw. — „Alles, was ich bin und was mir gehört, in dieser Welt und darüber hinaus, weihe ich Deinen Lotosfüßen“ — bringen wir auch unser Leiden dar: deines wie meines, Kṛṣṇa.
Doch, wie du weißt, ist selbst das noch nicht genug; man muss sich sogar von der geringsten Hoffnung frei machen, dass Kṛṣṇa unser Leiden dadurch erleichtern möge. Leiden ist eine Form unseres sevā, und wir leiden, um unseren eigenen sevā zu erfüllen — und zugleich anderen, die noch nicht so viel bhakti besitzen, die Möglichkeit zu geben, durch sevā an unserem sevā teilzuhaben, sei es im Geist, körperlich oder auf andere Weise. So wird unser Leiden zu einer Form von sat-saṅga.
(Brief von 1957)
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Krishna liebt die Geschöpfe keineswegs um ihrer selbst willen. Er liebt sie in dem Maße, wie Seine shakti der dienenden Liebe in ihnen lebendig ist – andernfalls sind sie gezwungen, den Kurs der Früchte ihrer Handlungen durch viele Zyklen der Existenz zu durchlaufen. Wir dürfen uns Gott nicht vorstellen, als sei er gegenüber dem Leid dieser Welt sentimental. Krishna Persönlich hat damit nichts zu tun; es erreicht Ihn auch kein Gebet – außer dem Gebet um Seine Liebe. Es gibt jedoch niedrigere und billigere Formen von Ihm, an die wir uns aus unserer eigenen Selbstsucht heraus wenden können, um unsere Missstände zu beseitigen. Von dem Moment an, als der jiva beschloss, zu genießen und Gott nicht zu lieben und ihm zu dienen, wurde er zum Sklaven seiner eigenen Handlungen. Aber von Natur aus gehört der jiva zu Ihm und Seinem seva und Seiner Liebe, und wenn ein jiva – im Laufe verschiedener Lebenszyklen – bereit ist, Seine Gnade anzunehmen, wird er Ihm bzw., den bhaktas begegnen. Die bhaktas geben dem jiva die shakti oder Energie die ihn befähigen, seine frühere Entscheidung zu revidieren und sich mit Seinem seva zu verbinden. (Brief 1954)
Svami Sadananda Dasa
Die schönen Schwierigkeiten mit den Emotionen
Svami Sadananda Dasa
Am Anfang liegt eine große Gefahr, auf die ich in meiner letzten Notiz, grausam wie ich bin, hinzuweisen wagte. Wir neigen dazu, das, was nur mentale, emotionale Ekstasen, Freuden, Leiden und Trancen sind, als übernatürlich und spirituell zu akzeptieren und zu genießen. Niemand auf dieser Erde bleibt von den schönen Schwierigkeiten mit den Emotionen verschont; der Unterschied besteht nur darin, dass die ewigen Gefährten, wenn sie auf diese Erde herabsteigen, Hindernisse und Widerstände überwinden müssen, die ihnen durch die Energie des göttlichen Spiels [yogamaya] in den Weg gestellt werden, damit sie eine tiefere und intensivere Freude erleben, dem göttlichen Paar zu dienen, als wenn es solche Hindernisse und Widerstände nicht geben würde. Die Seelen hingegen, die die Wahrheit noch nicht vollständig oder gar nicht erkannt haben, erleben Hindernisse und Widerstände, die ihnen von der trügerischen Energie Mahamaya in den Weg gestellt werden, der zentrifugalen Energie, die jene, die nicht bereit sind zu dienen, von der Verwirklichung fernhält – solange diese Unwilligen sich dafür entscheiden, unwillig zu sein. (Brief 1954)
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Der Abgrund von Sentimentalität oder Intellektualismus
Svami Sadananda Dasa
Caitanya und Nityananda gaben bestimmten Leuten die Kraft des bhakti und prema. Diese Kraft gab ihnen die Kapazität den Namen wahrhaftig zu singen und die verschiedenen tattvams (fundamentale Prinzipien) zu begreifen. Als die ewigen Gefährten Mahaprabhus für diese Welt unsichtbar wurden, war das nicht mehr möglich und aus diesem Grund beauftragte Mahaprabhu die [sechs] Gosvamis, mit Hilfe der Shastrams klar darzulegen, was absolut notwendig ist, wenn jemand den Weg des bhakti beschreiten will, ohne in den Abgrund der Sentimentalität oder des Intellektualismus zu fallen. Wenn emotionale Ausbrüche der Sentimentalität genug wären, oder was ihr Leute ‚Frömmigkeit des Herzens‘ nennt, dann wäre das Bhagavatam mit all seinen Einzelheiten der Kosmologie, Theologie, Psychologie und Philosophie unnötig.
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Sich unserem Schicksal ergeben
Svami Sadananda Dasa, Brief 1960
Da ist eine Sache, die du nie vergessen sollst: ‚daiva‘ (göttlich; von den Göttern) oder ‚adrishta‘ (‚unsichtbar‘), der Teil unseres karmas, das uns unbekannt ist, aber das unser gegenwärtiges Leben beeinflusst – und beeinflussen muss – ist der einzige entscheidende Faktor für unsere Zukunft. Es ist die Nähe von Mukhya Kshetrajna = Paramatma, der verursacht (Er ist ‚preritri‘ - ‚preritah‘ ‚fungiert als Vermittler‘) dass wir die süße oder bittere Frucht empfangen, die uns zusteht. Sogar der größte bhakta oder Bhagavan als avatara, als Weltenlehrer, lehrt, dass der adrishta-Teil, bzw. daiva-Teil unseres prarabdha (gegenwärtiges Schicksal) seine Auswirkungen haben muss, und niemand lehnt sich dagegen auf oder wirft es ab, obwohl er die Macht dazu hätte. - Die exoterische Bedeutung von Krishnas, Ramas und Caitanyas Lila ist, dass die Zukunft vorbestimmt ist, und sie lehren die Unterwerfung unter das daivam.
Du liegst völlig falsch, wenn du glaubst, dass es meine Sache ist, die Schwierigkeiten unserer bhakta-Freunde zu lösen oder zu lindern, ihre Familien- und Eheprobleme, usw. Sie sollten in den Tragödien ihres Lebens nur um die Kraft beten Ihn zu erinnern und darum Ihn niemals zu vergessen, nicht für eine Sekunde.
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Unsere große Schwierigkeit
Svami Sadananda dasa
Die Menschen hier in Indien und im Westen haben seit ihrer Kindheit bestimmte Bedeutungen der Begriffe Gott, Seele, Frömmigkeit, Erlöser, Befreiung, Sinn des Lebens, Bedeutung der Religion gehört, gelesen, geglaubt, gefühlt und unbewusst übernommen – und sie übertragen diese Bedeutungen auf die Worte der Shastrams. Dann ist es so extrem schwer zu erkennen, dass alles, was wir gehört, erlebt, geglaubt und gedacht haben, einfach falsch ist, dass man ganz von vorne anfangen muss, als wäre man ein Kind, das nichts weiß, nichts gedacht und nichts gehört hat.
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Die Ursache des Leidens beseitigen
Svami Sadananda Dasa (Brief 1955)
Das Leiden der Welt, wie es gesehen und erlebt wird, berührt Ihn, Bhagavan, niemals. Die Lebewesen leiden gemäß den Gesetzen des karma. Gauranga Deva hat auch nicht das physische und mentale Leiden der Menschheit beseitigt, aber durch die Gabe des bhakti-yoga hat er das wahre Leiden beseitigt, das darin besteht, von bhakti beraubt zu sein – das Leiden derer, die keine aparadhis sind! So sehr es dem Menschen, der nur an sich selbst denken kann, auch kränkt, Bhagavan hat niemals die Absicht, das Leiden der Welt zu beseitigen: Krankheit, Armut, Tod usw.
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Kommentar, Caitanya-Bhagavata 2.10.48
Die Leute wollen Wunder, Abnormalitäten
Svami Sadananda Dasa
Mein lieber Vamandasji, das Indien von heute unterscheidet sich so sehr vom Indien vor dem Krieg. Und alle, die seva für einen sadhu oder einen bhakta tun, erwarten, dass sich durch das Punyam (Tugend, Frömmigkeit), das sie erlangen (?), ihre Geschäfte verbessern, ihr Schwarzmarkt von Narashima geschützt wird usw. – und wenn sie nach ein paar Tagen sehen, dass Krishna sie ruiniert, finden sie die Gesellschaft des sadhus oder seinen seva sehr, sehr lästig. Nichts ist mühsamer, als solchen „Menschen“ zur Last zu fallen. – Ich kann nur eines sagen: Diese Ärmsten der Armen, bei denen ich in Shivpur Dharamtala (Howrah, Kalkutta), die Tag und Nacht an der Tür meines Zimmers auf mich aufgepasst und mich unzählige Male zu meinem Bett getragen haben, wenn ich bewusstlos auf dem Boden lag, und mich zusammen mit Ghosh durch Hari-kirtan zurück in diese Welt geholt haben, haben unermesslich viel getan und gelitten, und sie haben alle geweint, als ich sie gestern verlassen habe. Sie hungerten, um dafür zu sorgen, dass ich Kohle und Öl für den Ofen hatte und die horrenden Rechnungen vom Arzt und Apotheker bezahlen konnte.
Die Menschen wollen Dinge wie „Gott“ (?), Wunder, Anomalien, Segnungen – niemand will seva. Deshalb ist bhakti so su-dur-labha (sehr schwer zu erlangen). Allein die Zeile „Dein in dem einen seva“, mit der ich meine Briefe beende, löst nichts als Hass aus. Du darfst meine scharfe Kritik an deinen Fehlern nicht übelnehmen. Weil ich dich so sehr liebe, Vamandas, für deine Hingabe an den bhakti-Kult, erlaube ich mir, so hart zu dir zu sein, der du so viel für mich geopfert hast. Aber du kannst sicher sein, dass deine Opfer nicht bei mir bleiben; sie gehen wie Sonnenstrahlen durch weit geöffnete Fenster zu Ihm und Ihr.
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Kein Fortschritt ohne Konflikte
Brief an Vamandas, Howrah 1952
Svami Sadananda Dasa
Du fragst nach dem Zweck der zunehmenden Schwierigkeiten sinnlicher Begierden, sobald jemand den Weg des bhakti beschreiten möchte. Vergiss nicht, dass Vishnu – während des Quirlens des Ozeans [samudramanthanam] – sowohl die Devas als auch die Asuras stärkt. Ohne Konflikt gibt es keinen Fortschritt – weder hier noch dort. Denk an Vritra-Asura, der seinen Bruder rächen musste, weil seine gunas dies wollten – dennoch ist er ein bhakta von enormem Kaliber. Was in unserem Körper und Geist vor sich geht, sollte als ein schlechter Film betrachtet werden, der langweilig ist, weil man weiß, was gutes Theater ist. Und die Sinne usw. werden uninteressant – und damit auch die Welt und alle Mäuse, die „zum Himmel quietschen“ –, wenn man Gottes inneren Bereich mit all seinen dort stattfindenden Freuden kennt – jenseits des Trubels aller Universen. Der bhakta, ergriffen von der Kraft des bhakti, handelt mit seinem Körper, seinem Geist und seinem atma, die alle drei von bhakti-shakti glühend heiß gemacht wurden – sogar das illusorische Ich, das sich selbst als „John“ kennt.
Solange die shakti schwach ist, gehen Körper und Geist ihren eigenen Weg – wie in einem schrecklichen Film –, bis die shakti stärker wird; so wie bei dem Ringer, der um der Ehre willen auf Wein, Frauen und Gesang verzichtet, weil ihm die Ehre mehr wert ist. Dasselbe gilt für den bhakta, für den der Dienst an Gott mehr wert ist als die Freu-den der Welt. Man muss sich nur darüber im Klaren sein, was man schätzt, mehr schätzt und am meisten schätzt. Stagnation, Stillstand ist Tod. Ohne Konflikte gibt es keinen Fortschritt, keine Intensivierung. Diejenigen, die bereits heilig sind, sind nutzlos, deshalb „spielen” die Parishads die Rolle der Suchenden, die fallen, sich verirren und sich abmühen.
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Kein Panacea
Svami Sadananda dasa - Brief an Vamandas 1957
Der Zweck der Offenbarung des Wortes besteht nicht darin, sie von A bis Z zu lesen und das herauszusuchen, was uns passt. Erstens braucht der Mensch einen Guru, der sowohl in shabda-brahma [Wort-Brahma] als auch in para-brahma [Bhagavan] verwurzelt ist, und zweitens einen, der klar erkennt, auf welcher Ebene sich der Betreffende befindet, und der ihm den Teil der Offenbarung gibt und erklärt, den er verdient. Folglich erscheint die Wort-Offenbarung als Gan-zes dem flüchtigen Betrachter sehr oft widersprüchlich und verwirrt den modernen Menschen, da er ein universelles Allheilmittel für den Menschen im Allgemeinen sucht, das einfach und klar ist. Was in Bezug auf die indische Wort-Offenbarung zählt, ist sadhana, das Streben, das Bemühen, das Dienen – immer tiefer, immer mehr.
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In der Welt – trotz der Welt – jenseits der Welt
Svami Sadananda Dasa (Brief 1957)
Wir haben keine Botschaft des „Friedens auf Erden“; die Erde lacht über die Herrscher, die um sie kämpfen – und nur ihr Name bleibt zurück. Dennoch muss alles durch Kampf und Tod gehen. Denken Sie daran, was Arjuna sah: Die Könige usw. sind schon vor dem Kampf tot. Es gab kaum eine Religion, die die Realität so ernst genommen hat wie der Vaishnavismus, die ihre tragische Natur gesehen hat, ohne sie beiseite zu schieben oder zu idealisieren, die sich um das Reich der Freiheit bemüht hat – in der Welt, trotz der Welt, durch die Welt, jenseits der Welt. Wie könnte es Frieden und Menschlichkeit geben, ohne das atma in allen Wesen wahrzunehmen und anzuerken-nen – und das Paramatma –, dessen indirekte Präsenz in allen Wesen unfehlbare Ge-rechtigkeit garantiert und dessen Funktion endet, wenn Krishna durch das Ohr in das Herz eintritt und damit das atma zu einem Bürger im Reich der Freiheit, im Reich der wahren Liebe, der Erkenntnis und des Dienens macht.
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Gibt es eine Caitanya Theologie?
Swami Sadananda Dasa (Brief 1955)
Die Schule von Caitanya misst den Worten der Shastrams keine Bedeutung bei, die als Grundlage oder Stütze für eine bestimmte Theologie oder Dogmatik dienen soll oder müsste. Jiva Goswami hat oft betont, dass es kein schwerwiegenderes Vergehen gegen Gott und Seinen Worten der Offenbarung geben kann, als bestimmte Shrutis zu akzeptieren und andere abzulehnen – zugunsten einer bestimmten Theologie oder Philosophie -, um den Worten eine Bedeutung zu geben, die sich nicht aus dem gesamten Text und seinem Kontext ergibt.
Eines der Ziele von Mahaprabhu und den ursprünglichen Gosvamis ist es, das weiterzugeben, was die Shrutis tatsächlich sagen, ohne sie auf eine monistische oder dualistische Interpretation zu beschränken – entgegen allen traditionellen Denkweisen und tief verwurzelten, traditionsgebundenen Fehlinterpretationen. Man kann überhaupt nicht von einer Caitanya-Theologie sprechen, sondern nur von einer Theologie der Shastrams, da diese selbst, völlig objektiv, eine Bedeutung vermitteln, die sich offenbart und für denjenigen zugänglich wird, der der Offenbarung mit Liebe zuhört und jedes Wort ohne vorgefasste theologische Vorstellungen wahrnimmt, eine völlig objektive Vorstellung von der Bedeutung, die der Autor selbst = Bhagavan im Sinn hat.
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Zwangsjacke
Svami Sadananda Dasa, Brief 1975
Habe deinen Brief erhalten. Es bedarf keiner Philosophie, geschweige denn Dogmatismus. Bitte betrachte Krishna nicht als separates Wesen, sondern als Zentrum aller vor-, unter- und bewussten Anziehungskräfte – aller zentrifugalen und zentripetalen Energien. Es geht nicht darum, Krishna kennenzulernen, sondern alle persönlichen, ausgetrockneten Kanäle der Gedanken und Gefühle loszuwerden. Was du brauchst ist Freiheit und der Durchbruch zur Freude aller Freuden – d. h. Bürde,- und Lastlosigkeit. Es hat keinen Sinn, immer wieder darüber nachzudenken, was andere über die Welt, Gott und das Selbst denken – die Gedanken anderer sind nicht die Schranken deiner eigenen Erfahrung. Zunächst einmal sollst du dich nicht als jnani, als bhakta oder sonst etwas verstehen oder vorstellen. Versuche bitte, wie ein Kind neu anzufangen und spüre den Puls des Lebens in allem und liebe alles, und du kannst damit beginnen, wenn du alles – Menschen, Pflanzen, Tiere, Sterne oder was auch immer – aus ihrer Perspektive betrachtest, ohne es mit dir in Verbindung zu bringen – lass alles so sein, wie es ist, und füge ihm keinen Schaden zu – denk nicht daran, irgendetwas beherrschen zu wollen, nicht einmal dich selbst – warum? – Weil du, indem du Dinge, Personen und dich selbst ihres eigenen Wesens beraubst, Schatten, Missverständnisse und Nicht-Realität siehst, erkennst und dominierst.
Freiheit und Knechtschaft sind nur Begriffe der Unwissenheit – wenn du den Mut hast, all den Müll der Klischees, die andere benutzt haben, wegzuwerfen, hast du die Chance, mich auf dem Pfad „Jenseits der Realität“, als Kameraden und Freund zu treffen.
Ich versuche, dich im Herbst in Schweden zu treffen – wenn du das Gefühl hast, dass du das möchtest. Zwinge dich nicht, den Weg anderer zu folgen, die es „genießen”, in der Zwangsjacke von „Ismen” und „Muss” zu vegetieren.
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Dainyam oder Selbst-Erniedrigung
Svami Sadananda Dasa
Auszug aus einem Brief von Svami Sadananda Dasa 11.11.60 übersetzt ins Englische von © Kid Samuelsson 2014 zuletzt modifiziert 2.9.14 Zurückübersetzt ins Deutsche vom Team „Der Harmonist“. – Bhaktisiddhanta Vani Seva Trust.
Liebe Frau D., aus Ihren Briefen geht hervor, dass Sie sich insgeheim auf die Ankunft von Svami Bon freuen. Ich hoffe sehr, dass er Ihre Erwartungen erfüllen wird. Aber ich muss Ihnen immer wieder sagen, dass es nicht klug ist, sich einer Person zu verpflichten – sei es Vamanadas, Svami Bon oder Sadananda –, sondern vielmehr dem Inhalt der Botschaft, die Krishna und Gurudev Ihnen allen dort übermitteln.
Es ist zweifellos viel besser, wenn Sie alle miteinander wetteifern, um den Inhalt dieser Botschaft auf die beste, klarste und tiefgründigste Weise zu verstehen – und nicht in Neid und Eifersucht miteinander wetteifern, wessen seva es am meisten verdient, von Vananda, Svami Bon oder Sadananda empfangen und gelobt zu werden.
Meiner Meinung nach machen Sie sich unnötig Sorgen, wenn Sie sich fragen, ob Sie oder jemand anderes zu Radha „gehört“ oder nicht. Wie Sie dem Caitanya Bhagavatam und Murari Guptas Biografie über Caitanya entnehmen können, hat jeder einzelne – einschließlich der ewigen Gefährten – seine eigene Individualität, und es ist nicht so, dass jeder innerlich am seva von madhurya-or- yugala-rasa teilnimmt; nein, nur wenige tun dies.
Die Wurzel aller bhakti ist dasyam, sich Ihm in wissender, liebevoller Hingabe unterzuordnen. Je mehr wir auf wissende, dienende und liebevolle Weise zuhören (lesen), desto mehr entwickelt sich eine individuelle Vorliebe für eine besondere Art von seva für eine ewige Form von Bhagavan; das kann Krishna in Dvaraka oder Goloka sein, oder Rama, oder Narayana oder Narsingha usw.; ein seva, der immer in einem der fünf großen bhavas oder rasas stattfindet – ohne andere bhavas oder andere Formen Gottes, zu denen man sich nicht besonders hingezogen fühlt (sich selbst), abzuwerten.
Stellen Sie sich eine Blütenknospe vor, die so viele Dinge enthält. Können die subtilen Elemente – die von den Wurzeln angezogen werden –, die für Nahrung und Wachstum sorgen und die Bildung der gesamten Knospe begünstigen, miteinander konkurrieren, wer zur Bildung des Stiels, der Staubfäden, des Kelchs, der Blütenblätter oder der Kelchblätter beiträgt? Ihr Problem und die Probleme anderer könnten gelöst werden, wenn Sie sich alle als Experiment vorstellen würden, dass Sie völlig allein sind, ohne Vamandas, Hell, Sadananda, Svami Bon usw., allein mit Gott, sozusagen so, wie Sie sind, wenn Sie unter Narkose stehen, und Freunde, Verwandte usw., ja, Ihr eigenes Selbst, sozusagen, verschwinden und in einer Umgebung, in der es niemanden gibt, mit dem Sie über Krishna und seva sprechen können.
Hin und wieder muss man sich selbst in so einer besonderen Situation vorstellen, und zu sehen, wo man innerlich steht, und zu welchem Ausmaß man wirklich in bhakti verwurzelt ist und zu welchem Ausmaß man es sich einfach vorstellt darin verwurzelt zu sein. Dann wird man demütig und dainyam bzw. man erniedrigt sich, besonders wenn es nicht rechtens ist – aber das ist wie die Mutter des wahren prema bhakti. Wenn man es verdient erniedrigt zu werden, dann wird man sogar noch demütiger und könnte solche dainyam bzw., die Selbsterniedrigung das Fundament für einen Anfang von ehrlichen wahrem bhakti sein.
Ich bitte Sie aufrichtig, diesen Brief untereinander zu besprechen und ihn von allen kopieren zu lassen, da diese Anweisungen sowohl für mich als auch für Sie alle dort sehr wichtig sind – und zwar nicht nur einmal, sondern immer wieder.
Immer Ihr Sadananda Radhe! Radhe!
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Der Mensch als solcher ist zum seva nicht fähig
Svami Sadananda Dasa
Seva ist am höchsten, wenn der bhakta sein eigen Selbst vergisst, während er den Herrn und Seine ewigen Gefährten (parishad) durch seinen seva zufriedenstellt. Der Mensch will bestenfalls Frieden, ewige Glückseligkeit. – Der Mensch als solcher kann niemals seva ausführen. Das atma verlangt Gottes eigene Kraft des Wissens und Glückseligkeit um in der Lage zu sein Ihm zu dienen. Diese Kraft ist überall – immer – aber sie manifestiert sich durch Guru und Shastram. Die westliche, bzw. christliche Konzeption der Welt und des Menschen kann nicht die Basis sein, auf der man bhakti verstehen kann. Die Anwesenheit des Kosmos schließt die all-anwesende Präsens Gottes, Sein Reich und Seine Kraft nicht aus – aber die Erfahrung des Kosmos schließt die Erfahrung Gottes aus. Gott als Ursprung, Erhalter, usw., des Universums ist nur ¼ Gottes, von dem wie Er wirklich ist, aber sogar dieses ¼ ist alldurchdringend und allgegenwärtig. Um die Welt erfahren zu können, benötigt das atma das falsche Ego in Beziehung zum guna-maya Geist und Körper. Tugend und Sünde sind relative Begriffe in Bezug auf das falsche Ego des Menschen. Das atma gehört von Natur aus zum cit-Reich, aber da es nur ein Atom von cit ist, benötigt er cit-shakti, um Seine und seine eigene Natur zu erkennen. Bhakti ist die shakti des Wissens und der Liebe. Sobald dieses Shakti gegeben ist, wird der Atma zu mukta im ursprünglichen Sinne des Wortes. Dann tut er alles aus Seiner Sicht, nicht aus der Sicht des Atma und schon gar nicht aus der Sicht des gegenwärtigen Egos.
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Hören – gehorchen – dienen
Swami Sadananda Dasa
Man muss eine wahrhaft echte Liebe zu Gott haben, den Willen zu dienen, und nur dann, und in dem Maße, wie man diese Liebe hat, wird man fähig, die geheime Bedeutung der Lila zu verstehen; folglich ist dies das genaue Gegenteil von bloßem romantischem Schwelgen in Emotionen, bei dem man versucht, Gott und Seine Lila zum Zwecke der eigenen Freude auszunutzen. Es ist offensichtlich, dass dieser ekstatische, liebevolle Dienst vollkommen spirituell ist [cit], denn Krishna hat bereits gesagt, dass die allererste Stufe des Willens zu dienen, shraddha, die feste Überzeugung, dass der Gottes Dienst der ewige Sinn des Lebens und transzendent ist.
Man kann das Bhagavatam oder die Werke der Gosvamis nicht einfach wie ein weltliches Gedicht lesen, mit derselben mayischen, egoistischen Haltung – mit dem einzigen Unterschied, dass Gott das Thema ist. Es ist mehr als ein Zufall, dass das Wort „sushrushu” die folgenden zwei Bedeutungen hat: „Bereit sein zuzuhören und zu dienen”. Zuhören heißt nicht zuhören, sondern zu gehorchen-dienen; beides ist untrennbar miteinander verbunden. Aber alles was ihr hören wollt, ist – nicht gehorchen, nicht von den Shastram unterwiesen zu werden, nicht das beiseitelegen, was ihr von Gott der Welt und bhakti usw., denkt. Ihr wollt das anheften, was ihr fühlt und denkt, auf der Basis was ihr in eurem mayic Herzen festhaltet. Daran wollt ihr euch klammern! Warum hat Krishna Uddhava und Arjuna verboten, die Unterweisungen, die sie erhalten haben an Nicht-Geweihte, diejenigen, die nicht dienen wollen, weiterzugeben? Aus selbstsüchtigen Gründen? – Nein, weil jene, die nicht dienen wollen, nicht fähig sind, das zu verstehen was gesagt wird … eigentlich können sie, das was gesagt wird gar nicht hören.
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Wie Vögel, die einen brennenden Wald verlassen
(Swami Sadananda Dasa, Brief aus Kalkutta 1952)
Hätte ich bemerkt, dass Caitanyadevas Erscheinungstag heute im Herzen der umgebenden Welt gefeiert worden wäre, wäre ich, wenn auch nur ein wenig, so dankbar gewesen. Es scheint, als richte sich die Feindseligkeit im Herzen der Welt, selbst die unbewusste, gegen Caitanyadeva und Krishna, ohne sie zu berühren – während sie die Körper der unglücklichen Bhaktas durchbohrt, die noch immer in dieser Welt ausharren. Krishna und Caitanya, die alles ablehnen, alles, was der Mensch schätzt, haben in dieser Welt keinen Raum, und der Hass der Welt muss sich gegen den Bhakta richten, auch wenn er schweigt. Die Reichen und die Armen spüren beide den Vorwurf in den Augen des Bhakta; seine bloße Anwesenheit lässt sie fliehen, wie Vögel aus einem brennenden Wald.
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Flight from Responsibility
Svami Sadananda Dasa
The Indian people have never separated religion and the theory of knowledge (philosophy). Philosophy is a method to experience: What is real? Prayers motivated by the gunas [sattva, rajah, tamah] never reach Him, because He is nirguna [beyond the gunas]. God does not have a central telephone control office for man’s contradictory prayers. The Indian concept of God is free from all kinds of sentimentality. Man experiences “bhunjana sva-krita-vipaka”, he experiences what he has prepared for himself. (Bha. 10.14.8; Brahma-stuti) God lets the atma go his own ways. Puppets controlled by strings, could God love them? – To love out of freedom. God will never deprive man of this freedom. We sully our own clothes, and then we want God to wash them for us. Is this flight from responsibility love for God? Bhakti is not piety of the heart, not love for God. Bhakti is a method to consciously share in what God is. As long as the atma has a covering of Maya, bhakti is correct knowledge of the nature of the atma, God and the world. Later, in His realm, bhakti in the form of prema is direct service.
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Flucht vor der Verantwortung
Svami Sadananda Dasa
Das indische Volk hat Religion und Wissenstheorie (Philosophie) nie getrennt. Die Philosophie ist eine Methode der Erfahrung: Was ist wirklich? Gebete, die von den gunas (sattva, rajah, tamah) hervorgerufen werden, erreichen Ihn nie, denn Er ist nirguna (jenseits der gunas). Gott hat kein zentrales Telefonkontrollbüro für die widersprüchlichen Gebete der Menschen. Das indische Konzept von Gott ist frei von jeglicher Art von Sentimentalität. Der Mensch erfährt „bunjana sva-krita-vipaka“, er erfährt das, was er für sich selbst zubereitet hat. (Bha. 10.14.8; Brahma-stuti)
Gott lässt atma seine eigenen Wege gehen. Könnte Gott Marionetten lieben, die an Fäden hängen und geführt werden? - Aus der Freiheit heraus zu lieben.- Gott wird dem Menschen diese Freiheit Ihn zu lieben niemals nehmen. Wir besudeln unsere eigenen Kleider, und dann wollen wir, dass Gott sie für uns wäscht? Ist diese Flucht vor der Verantwortung Liebe zu Gott? Bhakti ist nicht Frömmigkeit des Herzens, nicht Liebe zu Gott. Bhakti ist eine Methode zur bewussten Teilhabe an dem, was Gott ist. Solange der atma von Maya umhüllt ist, bedeutet bhakti richtiges Wissen über die Natur des atma, Gott und die Welt. Später, in Seinem Reich, ist bhakti in Form von prema direkter Dienst.
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Encountering opposition
Svami Sadananda Dasa
As a matter of fact, there can be no opposition against Krishna and those who want to serve Him, but opponents are deputed by Him to give us the chance to serve Him. Outwardly I might be degraded to an outcaste, but all the denial of cult and food cannot put out the fire of Divine Prema in my heart; it is rather increasing. All possible opposition from all quarters, simply to exhaust all the possibilities to obstruct my serving temper, serve to give me the chance [to prove], that a mleccha [outcaste]-bhakta of Gurudeva never stops and never gives up His service.
(Notes, internment camp in India)
Gegnerschaft erfahren
Svami Sadananda Dasa
In der Tat kann es keine Opposition gegen Krishna und diejenigen, die Ihm dienen wollen, geben, sondern die Opponenten werden von Ihm eingesetzt, um uns die Möglichkeit zu geben, Ihm zu dienen. Äußerlich mag ich zu einem Ausgestoßenen degradiert sein, aber Kult und Nahrung zu verweigern kann das Feuer des göttlichen prema in meinem Herzen nicht auslöschen; es nimmt vielmehr zu. Alle möglichen Widerstände von allen Seiten, die alle Mittel ausschöpfen, um meine Gemütsstimmung des Dienens zu beeinträchtigen, geben mir die Chance [zu beweisen], dass ein mleccha [Ausgestoßener]-bhakta von Gurudeva niemals aufhört und niemals Seinen Dienst aufgibt.
(Notizen, Internierungslager in Indien)
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Eroticism is God's and His Shaktis' Monopoly
Svami Sadananda Dasa
The earthly couple constitutes the disastrous maya-distorsion in the realm of absolute aversion to God, the polarity or state of opposition to the Divine Couple of the cit realm. What is the secret indicated in the temples? That the earthly couple is the shadow of the Divine Couple? – No, what one finds is Mahadeva’s and Parvati’s eternal love play, or a representation of Krishna and the gopis. Eroticism is God’s and His shaktis’ monopoly, and the person who wants to come to God and serve Him in the temple must leave the disgusting eroticism of the maya-world outside; he has no right to eroticism when he wants to come to God, because in our world eroticism is the climax of mutual selfish exploitation for the sake of one’s own sensual pleasure.
Erotik ist das Monopol Gottes und Seiner shaktis
Svami Sadananda Dasa
Das irdische Paar verkörpert die unselige Distorsion im Reich von Maya, und befindet sich im Bereich der absoluten Gottesabkehr und in der Polarität bzw., der Opposition zum Göttlichen Paar des cit-Bereichs. Was ist das Geheimnis, das in den Tempeln angedeutet wird? Dass das irdische Paar der Schatten des göttlichen Paares ist? - Nein, was man findet, ist das ewige Liebesspiel von Mahadeva und Parvati, oder eine Darstellung von Krishna und den gopis. Erotik ist das Monopol Gottes und Seiner shaktis, und der Mensch, der zu Gott kommen und Ihm im Tempel dienen will, muss die abstoßende Erotik der Welt von Maya draußen lassen; er hat kein Recht auf Erotik, wenn er zu Gott kommen will, denn in unserer Welt ist Erotik der Höhepunkt gegenseitiger selbstsüchtiger Ausbeutung um des eigenen sinnlichen Vergnügens willen.
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I may find two or three persons in a whole continent who can understand what rasa
Svami Sadananda Dasa
“Neither God nor the avatara ever wanted to turn the world or even India into a paradise, but they wanted society to be set up in such a way that it would be possible for man to rise above the beast [in him]. People, however, prefer to remain beasts and consequently the society is not arranged according to God’s principles. God, the avatara and the bhaktas taught and practised true love for God, which only one or two among millions can have. Teaching about the Absolute for those who want to remain beast is like casting pearls before swine." (Svami Sadananda dasa, Letter 1955)
“……Mr. E. is of the opinion that “Sweden is too small for Sadananda”. – Tell him that the world is too small for me. I may find two or three persons in a whole continent who can understand what rasa is and who are able to appreciate a work of rasika as the Bhagavatam or Caitanya-Caritamrita. Here in India there may be two or three persons? To me it is as for Angira Muni in Bhagavatam 6. He came to Citraketu and wanted to offer him the highest gift there is – but found him longing for descendants. Everyone longs for something else – not for inner freedom. Everyone wants to remain a slave, just a change of clothes and chains; no one wants to cast them aside." (Svami Sadananda dasa, Letter 1960)
Ich finde vielleicht zwei oder drei Personen auf einem ganzen Kontinent, die verstehen können, was rasa ist
Svami Sadananda Dasa
"Weder Gott noch die avatara wollten jemals die Welt oder gar Indien in ein Paradies verwandeln, sondern sie wollten die Gesellschaft so gestalten, dass es dem Menschen möglich ist, sich über die Bestie [in ihm] zu erheben. Die Menschen ziehen es jedoch vor, Bestien zu bleiben, und folglich ist die Gesellschaft nicht nach Gottes Prinzipien gestaltet. Gott, der avatara und die bhaktas lehrten und praktizierten wahre Liebe zu Gott, die nur ein oder zwei unter Millionen erfahren können. Über das Absolute zu predigen, ist für diejenigen, die eine Bestie bleiben wollen, wie Perlen vor die Säue werfen".." (Svami Sadananda dasa, Brief 1955)
„……Herr E. ist der Meinung, dass “Schweden zu klein für Sadananda ist". - Sagen Sie ihm, dass die Welt zu klein für mich ist. Ich finde vielleicht zwei oder drei Personen auf einem ganzen Kontinent, die verstehen können, was rasa ist, und die in der Lage sind, ein Werk von rasika wie das Bhagavatam oder das Caitanya-Caritamrita wertzuschätzen. Hier in Indien gibt es vielleicht zwei oder drei Personen? Für mich ist es wie bei Angira Muni im Bhagavatam 6. Er kam zu Citraketu und wollte ihm das erhabenste Geschenk überbringen, - aber er sehnte sich nach Nachkommenschaft. Jeder sehnt sich nach etwas anderem - nur nicht nach innerer Freiheit. Jeder will ein Sklave bleiben und ist nur bereit für einen Kleiderwechsel und neuen Ketten; niemand will sie ablegen."
(Svami Sadananda dasa, Brief 1960)
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Dainyam oder Selbst-Erniedrigung
Auszug aus einem Brief von Svami Sadananda Dasa 11.11.60 übersetzt ins Englische von © Kid Samuelsson 2014 zuletzt modifiziert 2.9.14 Zurückübersetzt ins Deutsche vom Team „Der Harmonist“. – Bhaktisiddhanta Vani Seva Trust.
Liebe Frau D., aus Ihren Briefen geht hervor, dass Sie sich insgeheim auf die Ankunft von Svami Bon freuen. Ich hoffe sehr, dass er Ihre Erwartungen erfüllen wird. Aber ich muss Ihnen immer wieder sagen, dass es nicht klug ist, sich einer Person zu verpflichten – sei es Vamanadas, Svami Bon oder Sadananda –, sondern vielmehr dem Inhalt der Botschaft, die Krishna und Gurudev Ihnen allen dort übermitteln.
Es ist zweifellos viel besser, wenn Sie alle miteinander wetteifern, um den Inhalt dieser Botschaft auf die beste, klarste und tiefgründigste Weise zu verstehen – und nicht in Neid und Eifersucht miteinander wetteifern, wessen seva es am meisten verdient, von Vananda, Svami Bon oder Sadananda empfangen und gelobt zu werden.
Meiner Meinung nach machen Sie sich unnötig Sorgen, wenn Sie sich fragen, ob Sie oder jemand anderes zu Radha „gehört“ oder nicht. Wie Sie dem Caitanya Bhagavatam und Murari Guptas Biografie über Caitanya entnehmen können, hat jeder einzelne – einschließlich der ewigen Gefährten – seine eigene Individualität, und es ist nicht so, dass jeder innerlich am seva von madhurya-or- yugala-rasa teilnimmt; nein, nur wenige tun dies.
Die Wurzel aller bhakti ist dasyam, sich Ihm in wissender, liebevoller Hingabe unterzuordnen. Je mehr wir auf wissende, dienende und liebevolle Weise zuhören (lesen), desto mehr entwickelt sich eine individuelle Vorliebe für eine besondere Art von seva für eine ewige Form von Bhagavan; das kann Krishna in Dvaraka oder Goloka sein, oder Rama, oder Narayana oder Narsingha usw.; ein seva, der immer in einem der fünf großen bhavas oder rasas stattfindet – ohne andere bhavas oder andere Formen Gottes, zu denen man sich nicht besonders hingezogen fühlt (sich selbst), abzuwerten.
Stellen Sie sich eine Blütenknospe vor, die so viele Dinge enthält. Können die subtilen Elemente – die von den Wurzeln angezogen werden –, die für Nahrung und Wachstum sorgen und die Bildung der gesamten Knospe begünstigen, miteinander konkurrieren, wer zur Bildung des Stiels, der Staubfäden, des Kelchs, der Blütenblätter oder der Kelchblätter beiträgt? Ihr Problem und die Probleme anderer könnten gelöst werden, wenn Sie sich alle als Experiment vorstellen würden, dass Sie völlig allein sind, ohne Vamandas, Hell, Sadananda, Svami Bon usw., allein mit Gott, sozusagen so, wie Sie sind, wenn Sie unter Narkose stehen, und Freunde, Verwandte usw., ja, Ihr eigenes Selbst, sozusagen, verschwinden und in einer Umgebung, in der es niemanden gibt, mit dem Sie über Krishna und seva sprechen können.
Hin und wieder muss man sich selbst in so einer besonderen Situation vorstellen, und zu sehen, wo man innerlich steht, und zu welchem Ausmaß man wirklich in bhakti verwurzelt ist und zu welchem Ausmaß man es sich einfach vorstellt darin verwurzelt zu sein. Dann wird man demütig und dainyam bzw. man erniedrigt sich, besonders wenn es nicht rechtens ist – aber das ist wie die Mutter des wahren prema bhakti. Wenn man es verdient erniedrigt zu werden, dann wird man sogar noch demütiger und könnte solche dainyam bzw., die Selbsterniedrigung das Fundament für einen Anfang von ehrlichen wahrem bhakti sein.
Ich bitte Sie aufrichtig, diesen Brief untereinander zu besprechen und ihn von allen kopieren zu lassen, da diese Anweisungen sowohl für mich als auch für Sie alle dort sehr wichtig sind – und zwar nicht nur einmal, sondern immer wieder.
Immer Ihr Sadananda Radhe! Radhe!
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