Śrī Śrīla Shyām Dās Bābā Mahārāja

Aus Seiner grundlosen Barmherzigkeit heraus hat Bhagavān guru-vaiṣṇava-śāstra-nāma usw. etabliert – alle Arten von Festen wie Janmāṣṭamī, Gaura Pūrṇimā usw. usw., auch hat er das Cāturmāsya-vrata - zur Erhebung der bedingten Seelen vorgesehen. So wie Er uns ekādaśī gegeben hat, um unsere Sinne zu läutern, den Heiligen Namen, um unser schlummerndes prīti für Ihn zu wecken, Tulasī-devī, um uns in der Hingabe zu beschäftigen, die heiligen dhāmas, um unser Leben zu läutern, und die Gemeinschaft reiner Vaiṣṇavas, um uns den Weg der Hingabe zu erleuchten, so hat Er uns auch diese vier heiligen Monate als besondere Gelegenheit geschenkt, uns von unserem unreinen Lebensstil zu bekehren.
Śrī Kṛṣṇa Caitanya Mahāprabhu, der erschienen ist, um uns den höchsten Idealismus des hingebungsvollen Dienstes zu lehren, hat uns durch Seine absolut erhabene Persönlichkeit gezeigt, wie man dieses höchst heilige Cāturmāsya-vrata einhält.
sadopāsyaḥ śrīmān dhṛta-manuja-kāyaiḥ praṇayitāṁ
vahadbhir gīr-vāṇair giriśa-parameṣṭhi-prabhṛtibhiḥ
sva-bhaktebhyaḥ śuddhāṁ nija-bhajana-mudrām upadiśan
sa caitanyaḥ kiṁ me punar api dṛśor yāsyati padam
(Prathama Caitanyastaka)
Lord Caitanya Mahāprabhu ist immer die höchst verehrungswürdige Gottheit der Halbgötter, eingeschlossen Lord Śiva und Lord Brahmā, der im Gewandt eines gewöhnlichen Menschen mit der absoluten Liebe zum Höchsten Herrn erschien. Mahaprabhu wollte Seinen eigenen reinen hingebungsvollen Dienst Seinen Geweihten unterweisen. Aho! Wann wird Er wieder das absolute Objekt meines darśana sein?”
Während Seiner Reise durch Südindien nahm Er die liebevolle Bitte des großen Geweihten Śrī Veṅkaṭa Bhaṭṭa an, dort in dessen Haus in Śrī Raṅgam Kṣetra zu verweilen, um das Cāturmāsya-vrata einzuhalten. Äußerlich lebte Er im Lebensstand der Entsagung und war ständig auf Reisen, um den Heiligen Namen in ganz Bhārata-varṣa zu verbreiten, doch gerade zur Zeit des Cāturmāsya blieb Er an einem Ort. Vor allem während dieser vier Monate vertiefte sich Śrī Kṛṣṇa Caitanya Mahāprabhu gemeinsam mit Seinen Geweihten in Hari-kathā und Nāma-saṅkīrtana. Durch den Aufenthalt Śrīman Mahāprabhus dort glich das Haus von Veṅkaṭa Bhaṭṭa dem Vaikuṇṭha-jagad, erfüllt vom Strom göttlicher Liebe, und alle Mitglieder dieses Hauses empfingen die grundlose Gnade Śrīman Mahāprabhus.

Auch während Seiner Pastimes in Śrī Jagannātha Purī (Sri Nilachal Ksetra) war es die von Ihm festgelegte Praxis, das Cāturmāsya-vrata gemeinsam mit all Seinen Geweihten oder Anhängern vollkommen und makellos, mit voller Begeisterung einzuhalten. Jedes Jahr, in der Zeit vor Lord Jagannāthas Ratha-yātrā, entstand in den Herzen der Geweihten von Navadvīpa-dhāma eine tiefe Sehnsucht, Śrī Kṛṣṇa Caitanya Mahāprabhu, zu besuchen. Śrīman Mahāprabhu führte die Praxis ein, dass die Geweihten aus verschiedenen Teilen von Bāṅglā, insbesondere aus Navadvīpa-dhāma, nach Śrī Jagannātha Purī kamen und sich dort für die vier Monate des Cāturmāsya-vrata aufhielten.
Śrī Kṛṣṇadāsa Kavirāja Gosvāmī hat geschrieben:
tabe gauḍa-deśa haite bhakta-gaṇa saba viśeṣe navadvīpa haite āilā bahu jana
(Śrī Caitanya-caritāmṛta, Madhya-līlā 1.125)
“Dann kamen alle Gottgeweihten aus Gauḍa-deśa, insbesondere aus Navadvīpa.”
Angeführt von Śrī Śivānanda Sena reisten die Gottgeweihten gemeinsam im freudigem saṅkīrtana. Advaita Ācārya, Śrīvāsa Paṇḍita, Murāri Gupta, Vāsudeva Datta, Rāghava Paṇḍita, Vakreśvara Paṇḍita, Haridāsa Ṭhākura und viele andere enge Gefährten legten den langen Weg nach Purī zurück. Die Reise war beschwerlich, doch die Liebe ließ alle Entbehrungen in den Hintergrund treten. Jeder Schritt brachte sie dem Herrn ihres Herzens – Śrī Gauranga Deva – näher.
Als Mahāprabhu die Nachricht erreichte, dass Seine geliebten Geweihten angekommen waren, quoll Sein Herz vor großer Freude über.
pāche prabhura nikaṭa āilā bhakta-gaṇa gauḍa haite bhakta āise — kaila nivedana
(Śrī Caitanya-caritāmṛta, Madhya-līlā 11.64)
„Die Geweihten traten vor den Herrn und berichteten Ihm: ‚Die Anhänger aus Gauḍa sind bereits eingetroffen.‘“
Noch bevor Er sie traf, sandte Mahāprabhu Blumengirlanden zusammen mit chandan und dem mahā-prasāda von Lord Jagannātha, um sie willkommen zu heißen. So groß war Seine bedingungslose Zuneigung, dass Er es kaum erwarten konnte, sie zu sehen. Dann kam die lang ersehnte Zusammenkunft. Vṛndāvana dāsa Ṭhākura beschreibt im Śrī Caitanya-bhāgavata, dass, als Mahāprabhu und Seine Geweihten sich endlich begegneten, der Schmerz der einjährigen Trennung augenblicklich verflog. Sie umarmten sich immer wieder. Tränen strömten aus ihren Augen, ihre Stimmen versagten voller Emotion, und der Heilige Name erfüllte die Luft ringsum. Einige lachten, andere weinten, wieder andere zitterten, und manche standen sprachlos da, überwältigt von prema.
Das „Śrī Caitanya-caritāmṛta“ fasst diesen heiligen Moment ganz einfach zusammen:
navadvīpa-vāsī ādi yata bhakta-gaṇa sabāre sammāna kari’ balilā vacana
(Śrī Caitanya-caritāmṛta, Madhya-līlā 3.188)
Der Herr hieß alle Geweihten aus Navadvīpa und den anderen Orten liebevoll willkommen und erwies jedem einzelnen von ihnen Ehre.“
In den nächsten vier Monaten lebten sie zusammen im Puruṣottama-dhāma. Sie tanzten im Angesicht Lord Jagannātha während des Ratha-yātrā, sangen den Heiligen Namen, ehrten mahāprasāda, hörten Harikathā von Mahāprabhu, und auf diese Weise genossen sie jeden Bruchteil einer Sekunde ihres Aufenthalts dort, nur um die absolut heilige Gemeinschaft mit dem Höchsten Herrn, Śrī Kṛṣṇa Caitanya Mahāprabhu, willen, der ihr Leben und ihre Seele war.
Die Gottgeweihten von Navadvīpa reisten gewiss nicht den ganzen Weg nach Purī, nur um am Ratha-yātrā-Fest teilzunehmen. Vielmehr nahmen sie bereitwillig die Mühen auf sich, eine so große Strecke zu Fuß bis nach Śrī Nīlācala Kṣetra zurückzulegen, um ihrem Herzen, Śrīman Mahāprabhu, zu begegnen, ohne den sie sich wie leblose Körper fühlten. Ihre jährliche Reise war nicht einfach nur eine Pilgerfahrt – es war ein von tiefer Liebe und Emotionen geprägter sevā, der nur durch die Kraft des Śrī Nāma-saṅkīrtana möglich wurde, und schließlich würden sie das große Glück erfahren, den Goldenen Avatāra zu umarmen.
Der Zeitraum des Cāturmāsya hat auch einen praktischen Grund. Während der Regenzeit wurden die meisten Straßen in ganz Indien überflutet, Flüsse traten über ihre Ufer, und das Reisen von Dorf zu Dorf wurde sehr schwierig. Die sādhus beschlossen daher, an einem Ort zu bleiben, bis die Regenzeit vorbei war. Auf diese Weise bot das, was wie eine Naturkatastrophe erschien, ihnen tatsächlich eine einmalige Gelegenheit, sich immer intensiver im hari-kathā, kīrtana und sādhu-saṅga zu vertiefen.
Heute sind diese schlammigen Straßen fast verschwunden, denn die moderne Zivilisation hat Autobahnen gebaut, wo einst schmale Fußwege waren. Flüsse werden von Brücken überspannt, und lange Strecken lassen sich mit dem Zug, dem Auto, dem Flugzeug usw. sehr leicht zurücklegen. Es stimmt zwar, dass wir heute irgendwie in der Lage sind, all diese verschiedenen äußeren Hindernisse zu überwinden, doch in dieser modernen Welt schafft Māyādevī immer mehr Schwierigkeiten in Form moderner wissenschaftlicher Entwicklungen. Von morgens bis abends ist unser Geist ständig mit unzähligen Ablenkungen beschäftigt, vor allem durch die Erfindung des Internets, des iPhones, der sozialen Medien usw. Eine Unterbrechung folgt auf die nächste. Eine unnötige Neugierde führt zur nächsten.

Unsere Aufmerksamkeit verteilt sich auf Hunderte von unbedeutenden Themen. Die Aufmerksamkeitsspanne unseres Geistes ist fast auf null gesunken. Unser Geist gleicht einem Affen – so unruhig, dass er von einem Thema zum nächsten springt. Wenn wir unter solchen Umständen unser Bestes geben, in einem āsana sitzen und auf unserer japamālā Harināma chanten, dann sind wir vielleicht völlig enttäuscht. Deshalb ist dieses Cāturmāsya-vrata so wichtig. Durch die Einhaltung des Cāturmāsya-vrata können wir zumindest einige göttliche Eigenschaften entwickeln und uns darauf vorbereiten, ewigen sevā im ewigen dhāma zu erlangen. Während dieser Zeit sollte man sich freiwillig Grenzen setzen und nicht zulassen, dass unnötige Dinge in den eigenen bhajana eindringen und ihn stören.
Auf diese Weise lädt uns Bhagavān während des Cāturmāsya-vrata dazu ein, unseren Geist immer mehr auf hari-kathā, kīrtana, sādhu-saṅga und hingebungsvolle Praktiken zu richten. Das ist die eigentliche Bedeutung und der Geist des Cāturmāsya. Wir sollten uns stets daran erinnern, dass ein zerstreuter Geist im spirituellen Leben niemals Erfolg haben kann. Lord Kṛṣṇa sagt in der Bhagavad-gītā:
vyavasāyātmikā buddhir
ekeha kuru-nandana
bahu-śākhā hy anantāś ca
buddhayo ’vyavasāyinām
(Śrīmad Bhagavad-gītā 2.41)
„Wer sich auf dem Weg der spirituellen Entwicklung befindet, muss einen festen Entschluss fassen. Sein Ziel muss ganz auf einen Punkt ausgerichtet sein. Wer sich jedoch von Māyā leiten lässt und zulässt, dass seine Aufmerksamkeit auf unzählige Objekte der Anziehung und Abneigung verstreut wird, kann seinen Geist nicht auf ein bestimmtes Objekt konzentrieren. Oh geliebter Nachkomme aus der Dynastie der Kuru, der Verstand der Unentschlossenen hat viele Zweige.“

Die moderne Gesellschaft scheut sich fast davor, irgendeine Verpflichtung einzugehen, weil niemand diese Verpflichtung einhalten kann. Es gibt ein bekanntes Sprichwort: „Wer sich zu nichts verpflichtet, lässt sich von allem ablenken.“ Diese wenigen Worte beschreiben die Tragödie des modernen Lebens. Ein Mensch ohne feste geistige Ausrichtung wird zum Sklaven jeder vorübergehenden Verlockung. Heute beherrscht ein Ziel den Geist, morgen nimmt ein anderes seinen Platz ein. Neue Interessen entstehen, alte Begeisterungen verschwinden, und das Leben verrinnt still und leise, während der eigentliche Sinn des menschlichen Daseins unbeachtet bleibt.
Die Einhaltung des Cāturmāsya-vrata ist mehr als nur die strikte Befolgung der Vorschriften darüber, was man zu sich nehmen darf und was nicht. Es ist die grundlose Gnade (kripa) Bhagavāns, dass Er stets an uns denkt und darüber nachdenkt, wie Er unseren rücksichtslosen Lebensstil in geordnete Bahnen lenken kann. Es ist eine heilige Gelegenheit, dem unruhigen Geist zu sagen: „In diesen vier Monaten werde ich mehr hari-katha hören als zuvor. Ich werde mit größerer Aufmerksamkeit chanten als zuvor. Ich werde weniger Zeit verschwenden als zuvor. Ich werde die Worte der ācāryas aufmerksamer verfolgen als zuvor. Ich werde auf meine Sprache achten, meine Gedanken reinigen und meinen Dienst an Śrī Guru und den Vaiṣṇavas verstärken.“
Solch feste Vorsätze sind für jeden spirituellen Fortschritt absolut notwendig. Ein Fluss ändert seinen Lauf nicht durch eine einzige große Welle, sondern durch den stetigen Fluss des Wassers. Ebenso wird das Herz nicht durch gelegentliche Begeisterung verwandelt, sondern durch wiederholte und aufrichtige Bemühungen in hingebungsvollen Tätigkeiten. Cāturmāsya vrata lehrt uns, dass echter Fortschritt in der Bhakti auf regelmäßiger und beständiger Praxis beruht, die unter der Anleitung von guru-vaiṣṇavas und den śāstras ausgeübt wird. Das ultimative Ziel der Einhaltung des Cāturmāsya vrata ist also reines bhakti zu den Lotusfüßen des Höchsten Herrn, Bhagavān Śrī Kṛṣṇa, bzw., Śrī Kṛṣṇa Caitanya Mahāprabhu, zu entwickeln.
Aus diesem Grund wollten alle unsere früheren ācāryas niemals, dass wir uns auf strenge Entbehrungen und Bußen konzentrieren, nur um damit anzugeben. Jede Vorschrift auf dem Weg des bhakti-yoga sollte unsere ständige Erinnerung an Bhagavān nähren. Das äußere Gelübde mag uns helfen, Kontrolle über unsere unruhigen Sinne und unseren Geist zu erlangen, doch das ständige Gedenken an Hari-guru-vaiṣṇava ist der entscheidende Punkt, nach dem wir in unserem Leben streben sollten. Wenn jedoch nur noch das äußere Gerüst des vrata übrigbleibt und der innere Sinn verloren geht, dann kann das vrata überhaupt keine wirkliche Bedeutung mehr haben.
Gaura Hari Hari bol
