12. Nimai zieht in Navadvipa umher

Geschätzte Lesezeit: 25 minutes

Alle Ehre sei der Höchsten Persönlichkeit Gottes, Śrī Gaurasundara! Alle Ehre sei den Dienern, die den Höchsten Herrn ewiglich begleiten! 

Nimāi war vollständig mit Seinen transzendentalen Spielen als Gelehrter in Navadvīpa beschäftigt. Immer mit einem Buch in der Hand, ging Er überall in Navadvīpa umher und forderte die Gelehrten und Lehrer heraus, um praktisch jede Thematik zu debattieren, aber niemand konnte Seiner Herausforderung die Stirn bieten. Der Herr musste angeblich erst mit dem Studium der Grammatik begonnen haben. Jedoch betrachtete Er die umjubelten und titulierten Gelehrten mit Verachtung. Er war ein selbstzufriedener Gelehrter und ging mit Seinen Schülern und Studenten, die in Seiner Gemeinschaft sehr vom Glück begünstigt waren, überall in Navadvīpa umher. 

Eines Tages traf Er, ziemlich unerwartet, Mukunda auf der Straße. Der Herr ergriff seine Hand und forderte: „Welchen Grund hast du Mir aus dem Weg zu gehen und dich wegzudrehen, wenn du Mich siehst? Heute lass mich sehen wie du entkommst, ohne Meine Fragen beantwortet zu haben.“ 

„Wie kann ich Ihn heute besiegen?“ dachte Mukunda. „Ich weiß, dass Er sehr versiert in der Grammatik ist, also werde ich Ihn nach alaṇkāra (Redensart) fragen und Ihn so gründlich widerlegen, dass Er nie mehr vor mir prahlen wird. Die Debatte begann und sie überhäuften sich mit Fragen. Der Herr widerlegte jede Erläuterung von Mukunda. Dann schlug Mukunda vor: „Grammatik ist für kleine Kinder. Nur junge Schüler diskutieren diese Themen. Wir sollten besser über Redensarten diskutieren. 

„Was immer du wünscht“, entgegnete Nimāi. Mukunda zitierte schwierige und pathetische ślokas, einen nach dem anderen und zeigte verschiedene Aspekte der Redensarten auf. Der allmächtige Höchste Herr fand Fehler in jeder seiner Kompositionen und zerschlug all seine Argumente. Mukunda war nicht mehr in der Lage neue Punkte aufzustellen. 

„Geh heute nach Hause und bitte studiere deine Bücher richtig“, sagte der Herr lächelnd. „Morgen, wenn du es wünscht, werde ich dich noch einmal prüfen.“ Mukunda nahm den Staub von den Lotosfüßen des Herrn auf sein Haupt und dachte, während er nach Hause ging, über diesen wundervollen Vorfall nach. „Es ist für einen Menschen nicht möglich, über solch ein Wissen zu verfügen“, dachte Mukunda. „Er ist sehr versiert in allen Schriften und Themen. Er ist solch ein Genie, dass es so aussieht, als gäbe es nichts, das er nicht wüsste. Wenn Er doch nur ein Geweihter von Śrī Kṛṣṇa wäre, dann würde ich nie Seine Gesellschaft auch nur für einen Moment verlassen.“ 

Auf diese Weise genoss der Herr von Vaikuṇṭha die Gemütsstimmung eines Gelehrten, während Er in Navadvīpa umherstreifte. Zu einer anderen Gelegenheit traf Er Gadādhara Paṇḍita. Der Herr ergriff beide Hände von Gadādhara und sagte: „Ich habe gehört, dass du Logik studierst. Du musst Meine Fragen beantworten, bevor du gehst.“ Gadādhara Paṇḍita war einverstanden und der Herr begann: „Erkläre Mir das Wesen der Befreiung.“ 

Gadādhara erwiderte gemäß dem Wissen, das er durch die Bücher erlangt hatte, aber der Herr sagte: „Deine Erläuterungen sind nicht ausreichend.“ Gadādhara beharrte: „Gemäß der Schriften kommt die Befreiung erst nach der Vernichtung der schlimmsten Leiden.“ Nimāi Paṇḍita, der Herr von Sarasvatī Devī, der Göttin des Lernens, stellte aus verschiedenen Blickwinkeln mannigfaltige Abweichungen In Gadādhara Paṇḍitas Erläuterung heraus. Es gab niemanden, der den Herrn besiegen konnte, es gab niemanden, der eine Debatte mit Ihm gewinnen konnte. 

„Gadādhara, du solltest heute nach Hause gehen, aber morgen treffen wir uns wieder und du bekommst nochmal eine Chance“, sagte Nimāi. Gadādhara hatte jedoch nur den einen Gedanken, Nimāis Gemeinschaft zu entkommen. Er erwies Nimāi Ehrerbietungen und ging so schnell er konnte weg. Nimāi streifte mit Seinen Studenten weiter in Navadvīpa umher. Jeder akzeptierte nun Nimāi als einen herausragenden Gelehrten und die Leute im Allgemeinen verhielten sich Ihm gegenüber sehr achtungsvoll. Am späten Nachmittag saß der Herr inmitten Seiner Studenten am Ufer der Gaṅgā. Für Lakṣmī Devī, die Göttin des Reichtums, konnte nichts in der gesamten kosmischen Schöpfung mit Seinem Charme verglichen werden; sie verehrte Ihn stetig. 

Śrī Śacīnandana erläuterte die Schriften und alle Studenten saßen um Ihn herum und hörten zu. Um die Abendzeit kamen die Vaiṣṇavas und saßen in einer gewissen Entfernung zum Herrn und hörten Seine Erläuterungen mit gemischten Gefühlen von Begeisterung und Traurigkeit. „Was ist der Nutzen von so viel Schönheit und großem Wissen, wenn man Kṛṣṇa nicht verehrt?“ bemerkte ein Gottgeweihter. „Sobald ich Ihn sehe, muss ich davonlaufen, sonst hält Er mich auf und besiegt mich mit Seinen schwierigen Fragen“, sagte jemand anderer. „Wenn er dich erwischt, dann kannst du nicht entkommen. Er zwingt dich zu bleiben, als hätte Er die Autorität eines Regierungsbeamten“, klagte ein anderer. „Nichtsdestoweniger, Seine Kraft ist so außergewöhnlich“, schlussfolgerte ein Geweihter, „dass ich glaube, dass Er eine große Persönlichkeit sein muss. Obwohl Er uns mit schwierigen Fragen belästigt, bin ich auch jedes Mal erfreut, wenn ich Ihn sehe. Ich habe noch nie jemanden mit solch einer Gelehrsamkeit gesehen. Das Einzige, was mich entmutigt, ist, dass Er Śrī Kṛṣṇa nicht verehrt.“ Die Gottgeweihten beteten aufrichtig, dass Nimāi etwas Anhaftung an Kṛṣṇas Lotosfüße entwickeln möge. 

Sie warfen sich am Ufer der Gaṅgā nieder und baten den Herrn im Namen von Nimāi. „Oh Kṛṣṇa, bitte erlaube dem Sohn von Śrī Jagannātha Miśra, dass Er immer in Dich vertieft ist und dass Er alle anderen Tätigkeiten beiseitelegt,“ beteten sie. „Erlaube Ihm, dass Er Dich immer in liebender Hingabe verehrt und dann können wir alle mit Ihm zusammen sein.“ Nimāi empfing dann die Segnungen der reinen Vaiṣṇava Geweihten. Da Er die Höchste Persönlichkeit Gottes war, der in jedem Herzen wohnt, kannte Er die Mentalität der Gottgeweihten. 

Wann immer Er Śrīvāsa und andere erhabene Gottgeweihte sah, brachte Er ihnen Seine Achtung entgegen. Er nahm die Segnungen der Vaiṣṇavas an und Er wusste, dass nur durch diese Segnungen der Vaiṣṇavas Liebe zu Kṛṣṇa erlangt werden kann. 

Oft fragten Ihn die Gottgeweihten: „Warum verschwendest Du Deine Zeit damit, nach materiellem Wissen zu streben? Welchen Gewinn wirst Du dafür erhalten?“ Andere gaben den Ratschlag: „Du solltest sofort anfangen den Höchsten Herrn, Kṛṣṇa, zu verehren. Was ist das höchste Ziel der Bildung? Das höchste Ziel ist nur, den Höchsten Herrn zu erkennen! Und wenn Du diesen Punkt verfehlst, was ist dann der Nutzen all Deiner Gelehrsamkeit?“ Der Herr erwiderte liebevoll: „Ich bin wahrlich sehr von Glück begünstigt, dass ihr alle so sehr die Absicht habt, Mir den Pfad des hingebungsvollen Dienstes zu Kṛṣṇa beizubringen. Ich weiß in Meinem Herzen, dass, wer immer Eure Segnungen erhält sehr vom Glück begünstigt ist.“ 

„Ich habe immer gedacht, dass ich Zuflucht zu einem reinen Vaiṣṇava Gottgeweihten nehmen würde, aber erst, wenn ich noch ein bisschen länger studiert habe.“ 

Der Herr unterhielt sich auf diese Weise liebevoll mit Seinen Geweihten und er blieb trotzdem durch den Einfluss Seiner inneren Energie, māyā, von jedem unerkannt. Der Herr bezauberte alle und stahl ihre Herzen. Es gab niemanden, der nicht mit Spannung die nächste Begegnung mit dem Herrn erwartete. Die Bürger von Navadvīpa waren alle ebenso glücklich, wenn sie Śrī Gauracandra trafen und wenn sie Ihn sahen, dann brachten sie Ihm die größte Ehrerbietung dar. 

Die Stadtleute sahen den Herrn gemäß ihrer eigenen Mentalität. Die Frauen dachten: „Oh hier kommt der Liebesgott.“ 

Die Gelehrten erwiesen Ihm die größte Ehrerbietung) und dachten, dass Er Bṛhaspati, der Priester der Halbgötter, sei. 

Die mystischen yogis betrachteten Ihn als vollkommenes Wesen, während die übel gesinnten Atheisten und Sünder Ihn mit Furcht erblickten. 

Nimāis Charme war unwiderstehlich. Wer immer sich mit Ihm unterhielt, war bezaubert und von den Banden der Liebe gefesselt. Obwohl Er wie ein majestätischer Gelehrter auftrat und mit Seiner Gelehrsamkeit umher stolzierte, hörten Ihm die Leute dennoch mit Zuneigung zu. Das war nur natürlich, denn der Herr war von großmütiger Natur. 

Der Höchste Herr aller spirituellen Planeten lehrte viele Studenten im Hof von Mukunda Sañjayas Haus. Niemals müde, irgendeinen Punkt zu debattieren, zeigte Lord Viśvambhara, Śrī Śacīnandana, Seine Spiele als Gelehrter. Niemand der glücklichen Seelen, die mit Gaurasundara Kontakt hatten, inklusive Mukunda Sañjaya, konnten ihre freudige Erregung erklären, die sie in der Gesellschaft mit dem Herrn befiel. Der Herr von Vaikuṇṭha hatte alle Wissenszweige gemeistert; und Er führte diese transzendentalen Spiele in der Gemütsstimmung eines viel belesenen Gelehrten zum Ergötzen eines jeden aus. 

Eines Tages schien es, als wäre der Herr durch eine Störung der Lebenslüfte erkrankt, aber nutzte diesen Vorfall, die ekstatischen Symptome des hingebungsvollen Dienstes zu offenbaren. Plötzlich äußerte Er etwas Mystisches und Unverständliches. Er fiel auf den Boden, wälzte sich umher und zerbrach alles in Reichweite. Er brüllte wie Donner – wie ein herausfordernder Ringkämpfer – und schlug jeden, der sich Ihm näherte. 

In einem Augenblick war Sein Körper gelähmt und im nächsten Moment fiel Er bewusstlos nieder. Diejenigen, die Zeuge von diesem Leiden waren, fürchteten sich. Neuigkeiten verbreiteten sich, dass er unter einer Störung der Lebenslüfte litt und all Seine Freunde eilten herbei, um Ihm zu helfen. Buddhimanta Khān und Mukunda Sañjaya kamen schnell mit der ganzen Gruppe zu Seinem Haus. Sie massierten verschiedene Arten von medizinischen Kräuterölen auf Seinem Kopf, um Ihn zurück in einen normalen Zustand zu bringen. In Wirklichkeit aber, täuschte Nimāi vor, krank zu sein, also konnte ihn auch niemand von Seinem Zustand heilen. Nichtsdestotrotz bebte Sein ganzer Körper unkontrollierbar und wechselweise seufzte und brüllte Er, womit er jedem Angst einjagte. 

„Ich bin der Herr des gesamten Universums“, sagte Nimāi. „Ich bin der Bewahrer und Hüter des Universums und Mein Name ist Viśvambhara. Ich bin dieselbe Höchste Persönlichkeit, der Herr aller spirituellen Planeten, aber niemand von euch kennt Mich.“ In Seiner scheinbaren Verrücktheit rannte Er hinaus, um jemanden zu fangen. Obwohl Nimāi während Seines Krankseins Seine wahre Identität offenbarte, konnte Ihn dennoch niemand erkennen, wegen der inneren Energie des Herrn. 

„Es muss ein Dämon von ihm Besitz ergriffen haben,“ bemerkte eine Person. Eine andere fragte sofort: „Verhält sich so eine Hexe?“ „Er spricht ohne Unterbrechung, also muss Er eine Störung in den Lebenslüften haben,“ schlug eine andere Person vor. Auf diese Weise äußerte jeder Seine eigene Meinung, aber niemand konnte den Herrn in Wahrheit verstehen, wegen dem Einfluss Seiner illusorischen Energie, der inneren Energie des Höchsten Herrn Viṣṇu. 

Die Leute versuchten Ihn zu heilen, indem sie verschiedene Öle auf Seinen Kopf und Körper rieben. Er tropfte von Öl, aber Er lachte immer weiter, als ob Er die Existenz einer Störung Seines Geistes, rechtfertigen wollte. Nach einiger Zeit wurde der Herr durch Seinen eigenen Willen wieder normal. Auf diese wundersame Art und Weise verbrachte der Höchste Herr Seine Zeit. 

Jeder war erleichtert und chantete jubilierend den Namen von Lord Hari. Ihre Erleichterung war so groß, dass sie sich Geschenke gaben und Geschenke von anderen annahmen, ohne zu wissen wem sie etwas gegeben hatten und von wem sie schon etwas empfangen hatten. Sie alle segneten den Herrn mit einem langen Leben. Wer kann diese transzendentalen Aktivitäten des Herrn von Vaikuṇṭha begreifen, wenn Er Selbst sie nicht barmherziger Weise offenbart? 

Die Vaiṣṇavas, die es gewöhnt waren, dem Herrn mit guten Rat zur Seite zu stehen, wann immer sie Ihn sahen, rieten Ihm nun: „Lieber Herr, bitte verehre die Lotosfüße von Lord Śrī Kṛṣṇa. Die Zeit ist kurz und der Körper ist zeitweilig. Was können wir Dich lehren? Bist Du nicht letztendlich die gelehrteste Person?“ 

Der Herr lächelte ergeben, erwies den Vaiṣṇavas Seine Achtung und ging; um Seine Studenten im Haus des frommen Mukunda Sañjaya zu unterrichten. Gaurasundaras Haar duftete immer noch süß von den Heilölen, als Er inmitten Seiner Schüler saß und mit dem Unterricht begann. In dieser Zusammenkunft sah der Herr aus wie ein Edelstein, der von vielen wertvollen Juwelen umgeben war. Es ist unmöglich einen angemessenen Vergleich zu finden. Es hätte Nārāyaṇa in Badarikāśrama sein können, wie Er inmitten Seiner Geweihten wie Śanaka und anderen großen Seelen sitzt. Es gibt keinen Zweifel, dass Śacīnanḍāna derselbe Nārāyaṇa ist, die Höchste Persönlichkeit. In dieser Weise verbrachte Er Seine Zeit als Gelehrter mit Seinen Studenten und Geweihten. 

Nachdem Er Seinen Unterricht für einige Stunden gehalten hatte, machten Gaurasundara und Seine Studenten normalerweise eine Mittagspause, um ihr Bad in der Gaṅgā zu nehmen. Danach kehrte der Herr immer für Seine tägliche Viṣṇu-Verehrung nach Hause zurück. Er opferte Tulasī Devī Wasser, umkreiste sie und setzte Sich danach hin, um Seine Mahlzeit zu Sich zu nehmen, während Er den Namen Lord Haris chantete. Lakṣmīpriyā devī serviete dem Herrn das prasāda, während Śacīmātā zusah und die Schönheit des Herrn zu ihrer völligen Zufriedenheit trank. Nach dem Essen kaute der Herr dann tambula, eine Betel-Zubereitung, und legte Sich hin, während Lakṣmī Seine Lotosfüße massierte. Für eine Weile ruhte Er dann immer in einem transzendentalen Schlaf und wenn Er sich wieder erhob, nahm Er immer Seine Bücher in die Hand und verließ das Haus 

Draußen auf der Straße löste Gauracandra in jedem, den Er traf, größte Heiterkeit aus, was Ihn Selbst auch heiter stimmte. Niemand wusste, dass Er in der Tat die Höchste Persönlichkeit Gottes war und doch erwies Ihm jeder größte Achtung. Śrī Śacīnandana ging lässig durch die Stadt, wo Ihn jeder sehen konnte, obwohl Er sogar für die Halbgötter unnahbar ist. 

Eines Tages kam Nimāi zum Haus eines Webers. Ehrfürchtig empfing der Weber seinen Gast. „Bring mir ein feines Stück Tuch“, sagte der Herr und der Weber brachte sofort ein sehr gutes Stück. „Wie viel nimmst du dafür?“, fragte Nimāi. „Was immer Du geben möchtest“, antwortete der Weber. Nimāi schätzte den Preis und sagte: „Ich habe heute keine Münzen dabei.“ „Mein lieber ehrenwerter brāhmaṇa“, beteuerte der Weber: „Du kannst das Geld in zehn oder fünfzehn Tagen geben. Nun nimm dieses Tuch und trage es. Wenn Du zufrieden bist, kannst Du mich später bezahlen.“ Der Höchste Herr warf Seinen barmherzigen Blick auf den Weber und verließ sein Haus. 

Im Haus des Milchmannes, zog Nimāi spielerisch einen Vorteil aus Seiner Position eines brāhmaṇas. „Bring mir ein bisschen Milch und etwas Joghurt“, sagte Gaurasundara. „Heute werde ich eine milde wohltätige Gabe von Dir annehmen.“ Für die Milchmänner sah Nimāi, wegen Seiner strahlenden Schönheit, wie der Liebesgott in Person, aus. Vorsichtig und mit großer Ehrfurcht boten sie Ihm einen bequemen Sitzplatz an und begannen mit Ihm zu scherzen. Liebevoll nannten sie Ihn 'Onkel'. „Komm Onkel, komm in mein Haus und nimm eine kleine Reismahlzeit zu Dir“, sagte ein Milchmann, und ergriff Nimāis Arm, als wollte er Ihn physisch hinbringen. „Nein, komm und nimm den Reis in meinem Haus. Erinnerst Du Dich nicht, als Du das letzte Mal in meinem Haus warst?“ sagte ein anderer scherzhaft. 

Eigentlich hatte Nimāi ihre Häuser noch nie besucht, außer in Seiner letzten Inkarnation als Śrī Kṛṣṇa. Die Milchmänner konnten die Tiefe dieses Scherzes nicht erfassen und Nimāi offenbarte es auch nicht. Er war mit Seinem Geheimnis zufriedengestellt. Die Milchmänner brachten Milch, geklärte Butter, Joghurt, Sahne und Quark und boten es dem Herrn an. Der Herr war mit den Milchmännern zufrieden und nachdem Er sie gesegnet hatte, ging Er in das Haus eines Parfümhändlers. 

Der Parfümhändler empfing den Herrn mit der größten Achtung und brachte Seinen Lotosfüßen Gebete dar. „Lieber Bruder, bring mir ein paar gute Duftöle)“, sagte Nimāi. Der Parfümhändler ging ins Haus und kam mit seiner besten Sammlung heraus. „Was kostet es?“, fragte Nimāi. „Du weißt alles“, erwiderte der Parfümhändler. „Wäre es mir angemessen eine Bezahlung von Dir zu fordern? Nimm dieses Parfüm und benutze es für ein paar Tage. Wenn Dir das Parfüm gefällt, dann zahle mir, was immer Du möchtest.“ Der Parfümhändler rieb Nimāis Körper mit duftendem Öl ein und empfand unbeschreibliche Freude bei diesem Dienst. Wie hätte er unberührt bleiben sollen, während er dem schönen Körper des Herrn, der die Herzen aller Lebewesen anzieht, diente? Nimāi segnete den Parfümhändler und ging in das Haus des Floristen. 

Der Florist war höchst erstaunt, so eine äußerst bezaubernde Person zu sehen. Er brachte dem Herrn seine Ehrerbietung mit Achtung und Zuneigung dar und gab Ihm einen Sitzplatz. „Ich hätte gerne eine schöne Girlande, aber Ich habe kein Geld dabei“, sagte Nimāi. 

Der Blumenhändler, der die Göttlichkeit in der Person Nimāis bemerkte, sagte: „Du musst gar nichts geben.“ Der Florist brachte dann eine schöne Girlande und legte sie um den Hals des Herrn. Der Herr lachte vor Freude und auch Seine Schüler und Studenten, die Ihn begleiteten. Der Herr segnete den Blumenhändler und ging als nächstes in das Haus des Betelblatthändlers. 

Der Betelblatthändler sah, dass er den Liebesgott in Person als Besucher hatte. Der Händler berührte zuerst die Lotosfüße des Herrn und dann bot er Ihm einen Platz an, indem er sagte: „Es ist mein gutes Schicksal, dass Du meine bescheidene Unterkunft besuchst.“ Dann bereitete er spontan ein Betelnuss-Blatt zu und brachte es Ihm dar. „Warum hast du Mir dieses Betelnuss-Blatt gegeben, ohne dass du bezahlt wurdest?“, fragte der Herr mit einem süßen Lächeln. „Ich habe einfach dem Drängen meines Herzens nachgegeben“, sagte der Betelnuss-Händler. Der Herr war von der einfachen Ehrlichkeit des Händlers erfreut und kaute zufrieden das Betelnuss-Blatt, das Er erhalten hatte. Der Händler machte ein Paket, das Betelblätter mit anderen schmackhaften Gewürzen, wie Kampfer, enthielt und brachte es dem Herrn mit Vertrauen und Achtung dar. Im Gegenzug erhielt er die grundlose Barmherzigkeit des Herrn. 

Nimāi fuhr fort die Leute in Navadvīpa in dieser Weise zu besuchen. Navadvīpa war die genaue Nachbildung von Mathurā und eine opulente Stadt, sogar schon vor der Ankunft des Herrn. Hundert Tausende von Einwohnern waren in der ganzen Stadt beschäftigt. Dies war auf Wunsch des Herrn schon alles vorarrangiert; in Navadvīpa waren alle Vorbereitungen getroffen worden, um die Inkarnation der Höchsten Persönlichkeit Gottes zu empfangen. Genauso wie Kṛṣṇa durch Mathurā ging und alle verschiedenen Einwohner traf, hat in dieser Inkarnation, Lord Caitanya, dieselben wunderbaren Spiele ausgeführt. 

Der Herr besuchte dann das Haus eines Muschelhorn-Händlers. Der Kaufmann empfing den Herrn mit großer Achtung und brachte Seine Ehrerbietung den Lotosfüßen des Herrn dar. „Lieber Bruder, bitte bringe Mir ein schönes Muschelhorn“, sagte Nimāi. Der Kaufmann übergab sein schönstes Muschelhorn und brachte noch einmal seine Ehrerbietung dar, aber der Herr fragte: „Wie kann Ich es mitnehmen, wenn ich kein Geld dabeihabe?“ „Ehrwürdiger brāhmaṇa, bitte nimm dieses Muschelhorn mit Dir nach Hause. Du kannst mich später dafür bezahlen, oder wenn Du mich gar nicht bezahlst, dann macht es auch nichts aus.“ Der Herr war mit der Liebenswürdigkeit des Muschelhorn-Händlers zufrieden und segnete ihn. 

Auf diese Weise besuchte der Herr viele Häuser in Navadvīpa und ließ auf jeden einzelnen Seine Barmherzigkeit herabregnen. Aufgrund ihres guten Schicksals, empfangen sogar heute noch die Einwohner von Navadvīpa die Zuflucht zu den Lotosfüßen von Śrī Gauracandra und Śrī Nityānanda. 

Die vollständig unabhängige Höchste Persönlichkeit Gottes, Śrī Gauracandra, ging dann in das Haus eines Astrologen. Der Astrologe sah eine göttliche Persönlichkeit vor sich, die vor spiritueller Ausstrahlung erglühte; bescheiden brachte er seine Ehrerbietung dar und bot Ihm einen Platz an. Ich habe gehört, dass du ein guter Astrologe bist“, sagte der Herr. „Sag mir, wer war Ich im Meinem letzten Leben?“ Der Astrologe chantete sein gopāla-mantra und versank in tiefe Meditation. Er sah die vierhändige Form von Kṛṣṇa mit der dunklen Hauttönung einer Monsun Wolke. Der Herr hielt ein Muschelhorn, das Sudarśana-cakra, eine Keule und einen Lotos in Seinen Händen. Er sah den Herrn in göttlicher Ausstrahlung gebadet, mit dem Kaustubha-Juwel um Seinen Hals und dem Śrivatsa-Zeichen auf Seiner Brust gezeichnet. Dann sah er das Gefängnis von Kaṁsa, wo Vāsudeva und Mutter Devakī spät in der Nacht das neugeborene Baby hielten. Dann brachte Śrī Vāsudeva das Kind nach Gokula in Sicherheit. 

Wieder sah der Astrologe den Herrn als einen bezaubernden zweiarmigen kleinen Jungen ohne Kleider. Die Juwelen um Seine Hüfte klingelten mit jeder Bewegung so süß und beide Hände waren mit cremiger Butter gefüllt. Der Astrologe sah dieselben göttlichen Zeichen an Śrī Caitanya, die er immer an Gopāla gesehen hat, die Form von Kṛṣṇa, auf die er jeden Tag meditierte. 

Noch einmal änderte sich die Vision des Astrologen und er sah die gebogene Form von Lord Syāmānandana Kṛṣṇa, der auf Seiner Flöte spielte, während die gopīs um Ihn herum verschiedene Musikinstrumente spielten. Der höchst erstaunte Astrologe öffnete seine Augen und beobachtete die wunderschöne Form von Śrī Nimāi, auf die er fortfuhr zu meditieren. Dann betete er laut zu seinem verehrungswürdigen Śrī Gopāla, „Oh Gopāla, bitte offenbare mir die wahre Identität von diesem jungen brāhmaṇa.“ 

Der Astrologe sah dann in seiner Meditation den Höchsten Herrn mit der Hauttönung von dūrvā-Gras, wie Er einen Bogen in einer Hand hielt, während Er auf einem königlichen Thron saß. Wieder sah er den Herrn als Varāha, den Eber, wie er die Erde zwischen Seinen Stoßzähnen hielt und sie auf großartige Weise aus den Tiefen des Ozeans hob. Er sah Nṛsiṁha deva, die furchterregende Halb-Mensch, Halb-Löwe Inkarnation, die erschien, um Seinen reinen Geweihten zu schützen. Dann erschien Vāmana in der Opferarena von Bali Mahārāja, gefolgt von Matsya, dem Fisch, wie er die vedischen Schriften vor den Wassern der Vernichtung rettete. 

In seiner Meditation sah dann der fromme Astrologe Balarāma, wie Er Seinen göttlichen Pflug trug und danach sah er Jagannātha und Balarāma, mit Subhadrā in Ihrer Mitte. Alle Inkarnationen des Herrn erschienen vor dem Astrologen, jedoch, durch die bedeckende illusorische Energie des Herrn, konnte er die tiefere Bedeutung seiner göttlichen Vision nicht verstehen. Der Astrologe war verwirrt und dachte bei sich: „Vielleicht ist dieser brāhmaṇa ein großer Experte darin, Inkarnation-mantras zu chanten, oder vielleicht ist er eine Art Halbgott in der Form eines brāhmaṇa, dem es Spaß macht, mich auf die Probe zu stellen. Gewiss besitzt Er eine außergewöhnliche Ausstrahlung! Vielleicht ist Er als ein Astrologe und Wahrsager gekommen, um mich zu blamieren.“ 

Der Herr unterbrach seine Gedanken und sagte: „Was siehst du? Sag Mir, wer Ich bin! Erzähle mir alle Einzelheiten.“ 

„Bitte geh jetzt“, sagte der verwirrte Astrologe. „Später, am Nachmittag, wenn ich meine mantras richtig gechantet habe, werde ich Dir alles sagen.“ Der Herr wünschte ihm alles Gute und ging in das Haus Seines lieben Freundes, Śridhara. 

Der Herr war über Śrīdharas Verhalten immer erfreut und Er nutzte jeden Vorwand, um ihn zu besuchen. Sie unterhielten sich vertraulich und scherzten miteinander. Auf diese Weise verbrachten sie sehr fröhlich mehrere Stunden am Tag. Śrīdhara brachte dem Herrn Ehrerbietung dar und bot Ihm einen Sitzplatz an, sobald Er ankam. Śrīdharas ruhige und nachsichtige Persönlichkeit stand im offensichtlichen Kontrast zu Nimāis stürmischen Charakter. „Śrīdhara, du chantest immer Lord Haris Namen, so warum leidest du dann? Du dienst dem Ehemann und Meister von Lakṣmī Devī, der Göttin des Glücks, so warum hast du immer das Bedürfnis nach Essen und Kleidung?“ 

„Ich verhungere nicht“, erwiderte Śrīdhara, „Und wie Du sehen kannst, habe ich Kleidung an. Sie ist weder fein, noch hat sie die richtige Größe, aber mein Körper ist bedeckt.“ „Und doch, Śrīdhara“, argumentierte der Herr, „Die Kleidung ist an verschiedenen Stellen zerrissen und Ich weiß du hast weder Stroh noch Reis im Haus. Schau dich um. Alle Bürger verehren Göttin Caṇḍi (Mutter Durgā), die Zerstörerin aller Feinde und keiner leidet unter dem Mangel an Essen, Obdach oder Kleidung.“ 

„Du hast ein gutes Argument eingebracht“, antwortete Śrīdhara. „Aber allgemein gesagt, ist das Leben eines jeden praktisch gleich. Der König lebt in einem Palast, umgeben von Opulenz und hat reichlich zu essen, während die Vögel im Freien, in einem einfachen Nest auf der Baumkrone leben und ihr eigenes einfaches Futter sammeln. Im Grunde genommen, durch den Entwurf des Herrn, trifft jeder von uns auf die Herausforderungen unserer Pflicht und wir verhalten uns alle mehr oder weniger gleich. Ich persönlich ziehe das Leben vor, das ich gerade jetzt lebe.“ 

„Ich bin sicher, dass du irgendwo unermesslichen Reichtum versteckt hast,“ stichelte der Herr, „und du genießt ganz im Geheimen reichlichen Nektar. Bald werde ich es jedem wissen lassen und dann werden wir sehen, ob du weiterhin die Leute so überlisten kannst.“ „Du kannst mein ganzes Haus durchsuchen, lieber gelehrter brāhmaṇa“, lud ihn Śrī Śrīdhara ein, „und sieh selbst. Wir sollten hier keinen Streit beginnen.“ „Ich lass dich nicht so leicht davonkommen“, sagte Nimāi. „Sage Mir, mit welcher Speise du mich verköstigen willst.“ „Ich bestreite meinen einfachen Lebensunterhalt damit, dass ich Becher, die aus Blättern hergestellt sind, verkaufe“, erwiderte Śrīdhara. „Was kann ich Dir von solch einem Einkommen anbieten, ehrwürdiger brāhmaṇa?“ „Ich werde deinen versteckten Reichtum jetzt nicht anrühren, das mache ich später“, versprach Nimāi. „Wenn du Mir jedoch auf der Stelle Bananenwurzel und ein paar Bananenstengel geben kannst, ohne Geld zu nehmen, dann werde Ich Mich mit dir nicht mehr streiten.“ 

Śrīdhara dachte bei sich: „Er ist ein sehr aggressiver brāhmaṇa. Eines Tages schlägt Er mich vielleicht. Nichtsdestoweniger, auch wenn Er mich schlägt, was kann ich tun? Ich kann es mir wirklich nicht leisten Ihm jeden Tag umsonst das zu geben, was Er will. Ich sehe jedoch, dass er von göttlicher Gestalt ist. Gewiss ist Er keine gewöhnliche Persönlichkeit, auf keinen Fall. Wenn Er meine Sachen mit Gewalt oder auf eine andere raffinierte Art und Weise nimmt, dann soll Er so frei sein, das zu tun. Letzten Endes wird das nur zu meinem guten Glück beitragen. So, trotz meiner Armut, werde ich Ihm weiterhin alles geben, was immer Er will.“ 

Als er diese Entscheidung getroffen hatte, antwortete Śrīdhara: „Lieber brāhmaṇa, Du brauchst mir gar nichts bezahlen. Ich werde Dir geben, was immer Du möchtest, mit einem offenen und fröhlichen Herz. Nimm Deine Bananen und anderes Gemüse, nimm die Blätterbecher, die ich habe und bitte streite nicht mehr mit mir.“ 

Ja, das ist eine sehr zufriedenstellende Übereinkunft“, sagte Nimāi. „dann sollte es auch weiterhin zu keinen Streitereien mehr kommen, aber bitte achte darauf, dass ich Bananen, Bananenstengel und Rettich von guter Qualität bekomme.“ Jeden Tag aß der Herr aus Śrīdharas Blätterbechern, kostete seine Bananen, Bananenstengel, Rettiche und Śrīdharas allgemeine Zutaten zum Kochen. Gelegentlich, wenn ein Flaschenkürbis auf Śrīdharas Dach wuchs, dann nahm ihn der Herr und ließ ihn in einer besonderen Zubereitung mit heißer Milch und erhitzenden Gewürzen, wie Zimt usw. kochen. 

Eines Tages fragte der Herr: „Śrīdhara, was denkst du von Mir? Sobald du mir das sagst, werde ich in Mein Haus zurückkehren.“ Śrīdhara antwortete: „Du bist ein brāhmaṇa, ein Teil und Teilchen des Höchsten Herrn Viṣṇu.“ „Nein, Du weißt es nicht“, sagte Nimāi, „Ich gehöre zu der Gemeinschaft der Kuhhirten und Milchmänner. Du siehst Mich als jungen brāhmaṇa, aber ich betrachte Mich als einfachen Milchmann.“ Śrīdhara lächelte zu der Bemerkung des Herrn. Er konnte Seinen eigenen Herrn und Meister nicht erkennen, weil er von der inneren Energie des Herrn getäuscht wurde. „Śrīdhara, Ich werde Dir eine esoterische Wahrheit offenbaren. Siehst du den Fluss, die Gangā? Ich bin die Quelle der Gaṅgā.“ „Oh, Nimāi Paṇḍita! Hast Du keine Furcht auf diese Weise respektlos gegenüber Gaṅgā devī zu sein?“, fragte der beunruhigte Śrīdhara. „Die Leute werden normalerweise würdevoller und ernsthafter, wenn sie älter werden, aber Deine Leichtsinnigkeit hat sich anscheinend seit Deiner Kindheit verdoppelt.“ 

Nachdem Nimāi Paṇḍita eine Weile bei Śrīdhara geblieben war, kehrte Er nach Hause zurück. Er betrat den Tempelraum von Viṣṇu und Seine Studenten nahmen das als Zeichen, das sie jetzt auch nach Hause gehen sollten. 

Der aufgehende Vollmond am Abend rührte wundervolle spirituelle Gefühle in Ihm auf. Erinnerungen an den mondgleichen Vṛndāvana-candra kamen in Sein Herz. Nimāi hielt eine Flöte und spielte eine außergewöhnlich schöne Melodie, die nur Śacīmātā hören konnte. Die Flöte, die die gesamte Schöpfung bezaubert, stahl Śacīmātās Bewusstsein und trug sie auf den Flügeln der Ekstase hinweg. Langsam erlangte sie ihre äußere Wahrnehmung wieder und nachdem sie ihren Geist gefestigt hatte, lauschte sie der schönen Melodie. Die fesselnde Melodie schien aus Gaurasundaras Richtung zu kommen. Die Musik zog Śacīmātā aus ihrem Zimmer zu Tür des Tempels, wo sie Nimāi sah. Der Klang der Flöte hörte sofort auf und auf der Brust ihres Sohnes sah sie den aufgehenden Mond und das unergründliche Firmament. Sie war vor Erstaunen überwältigt und blickte unruhig in alle Richtungen, bevor sie in ihr Zimmer zurückkehrte. Sie setzte sich hin und versuchte herauszufinden, was sie gerade gehört und gesehen hatte, aber sie konnte keine angemessene Erklärung finden. 

Śacīmātā hatte das Glück, Nimāis unendliche Präsentation von übernatürlichen Phänomenen zu sehen. In manchen Nächten hörte sie viele Leute singen, tanzen und auf den Instrumenten spielen, als wäre ein Fest im Gange. Manchmal bemerkte sie, dass das ganze Haus, Türen, Wände und Fenster ein brillantes Licht ausstrahlten. An manchen Tagen sah sie himmlisch schöne Frauen – so anziehend wie Lakṣmī, die Göttin des Glücks, mit Lotosblumen in ihren Händen umherstreifen. Gelegentlich sah sie leuchtende Halbgötter, die in einem Augenblick erschienen und wieder verschwanden. 

Śacīmātās Visionen waren gewiss keine Einbildung. Sie war die Verkörperung des hingebungsvollen Dienstes zu dem Höchsten Herrn Kṛṣṇa und alle Veden verherrlichten sie. Allein ihr Blick konnte eine Person läutern und ihr die Fähigkeit zuteilwerden lassen, dieselben transzendentalen Visionen zu sehen. 

Śrī Gaurasundara, der Höchste Herr, der Kṛṣṇa Selbst ist, lebte unerkannt in Navadvīpa und kostete einfach Sein eigenes göttliches Selbst. Er offenbarte Seine esoterische Identität, aber keiner Seiner ewigen Diener konnte Ihn erkennen. In Seinen Navadvīpa Aktivitäten, liebte es der Herr sehr arrogant zu sein, in der Tat, niemand konnte Seine Arroganz übertreffen. 

Wann immer der Herr Seine Spiele ausführt, kann niemand Ihm in Seinen Aktivitäten gleichkommen. Wenn es dem Herrn danach ist, Seine ritterlichen Spiele zur Schau zu stellen, dann gibt es niemanden, der Ihn in Seiner Meisterschaft der Waffen herausfordern könnte. Wenn Er Seine  

Liebesspiele offenbaren möchte, dann fängt Er die Herzen von Millionen schöner Maiden ein. Wenn Er Opulenz genießen möchte, dann gibt es niemanden der Ihm in Seiner Opulenz und Pracht gleichkommt. Jetzt in Seinen Spielen als Gelehrter, gibt es niemanden, der sich mit Seinem unverfrorenen Stolz des Wissens messen könnte, und wenn derselbe Herr später den Lebensstand der Entsagung annehmen wird, wer wird Ihn In Seiner Hingabe, Demut und Entsagung übertreffen? Gibt es jemanden in den drei Welten, der Ihm ebenbürtig ist? 

In all Seinen Inkarnationen und Spielen ist der Herr in jeder Hinsicht der Höchste; ja, am wundervollsten jedoch ist auch Seine Natur sich sogar der transzendentalen Liebe Seiner reinen Geweihten unterzuordnen. 

Eines Tages ging der Herr die Hauptstraße in Navadvīpa entlang, umgeben von einer Anzahl Seiner jungen Studenten. Seine Bewegung, Bekleidung und Benehmen waren die eines Königs und er trug einen goldgelben dhotī, genau wie Kṛṣṇa. Ein Gesicht mit hellroten Lippen, das so erstrahlte, wie eine Million aufgehender Monde. Die Leute erblickten Ihn und sagten: „Ist Er der Liebesgott in Person?“ Auf Seiner edlen Stirn war das tilaka Zeichen aufgemalt, Seine Hände umfassten die Bücher und sobald jemand Seine lotosförmigen Augen sah, wurde derjenige sogleich frei von jeglichen sündhaften Gedanken und Reaktionen. 

Der Herr hatte eine rastlose Natur. Als Er mit Seinen Studenten entlanglief, schwang Er sorgenfrei und voller Freude Seine Arme. Śrīvāsa Paṇḍita kam durch Zufall auch diese Straße entlang und sobald er den Herrn sah, spürte Er sofort große Freude. Der Herr brachte Śrīvāsa Paṇḍita Ehrerbietungen dar, sobald Er ihn sah. 

Śrīvāsa Paṇḍita, die edelmütige Persönlichkeit, segnete den Herrn und sagte: „Mögest Du ein langes Leben haben.“ Dann fragte er mit einem Lachen: „Wohin gehst Du jetzt, Du Inbegriff von Eitelkeit? Mit welcher sinnlosen Arbeit verschwendest Du Deine Zeit, anstatt den Höchsten Herrn, Kṛṣṇa, zu verehren? Warum verbringst Du Deine Tage und Nächte damit, ununterbrochen Leute zu unterrichten? Warum erlaubst Du den Leuten nicht, sich selbst zu bilden, damit sie Wissen über Kṛṣṇa und den Vorgang des hingebungsvollen Dienstes erlangen können? Was ist der Nutzen der Bildung und des Wissens, wenn hingebungsvoller Dienst nicht das letztendliche Ziel ist? Von jetzt an vergeude keinen einzigen Moment mehr mit nutzlosen Aktivitäten. Du bist nun gebildet; nutze Deine Zeit, Lord Kṛṣṇa zu verehren.“ 

„Oh verehrungswürdiger paṇḍita“, erwiderte Nimāi, „Ich bin sicher, dass durch Deine Gnade sogar ich Hingebungsvollen Dienst zu Kṛṣṇa leisten kann.“ 

Gütig verabschiedete sich der Herr von Śrīvāsa Paṇḍita und ging zum Ufer des Ganges. Die Schönheit des Herrn war unbeschreiblich, als Er inmitten Seiner Studenten saß. Man könnte sagen, dass Er aussähe wie der Mond, der vom Sternenhimmel umgeben ist. Dieser Vergleich ist jedoch nicht richtig, weil der Mond nicht ohne Makel ist. Seine Eigenschaft des Zu- und Abnehmens schmälert seine Herrlichkeit, während die heitere Schönheit des Herrn stetig zunimmt. Deswegen ist solch ein Vergleich ungenau, wenn man die Schönheit des Herrn beschreiben will. 

Ihn mit Bṛhaspati zu vergleichen ist auch unzureichend, weil Bṛhaspati nur der spirituelle Meister der Halbgötter ist, wohingegen der Höchste Herr, Gauracandra, die höchste Zuflucht und der Präzeptor aller Lebewesen ist. Ihn mit dem Liebesgott zu vergleichen ist auch falsch, weil die Erinnerung an den Liebesgott materielle Sehnsucht entstehen lässt und letztendlich im Herzen zu Kummer führt. Wohingegen, wenn man den Herrn erinnert, dann erlangt man Läuterung und Freiheit von materiellen Bindungen, wodurch man ein glückseliges ewiges Leben genießt. 

Es scheint, als wären alle Analogien unpassend, außer einem, welches mein Herz schon mit Freuden angenommen hat. An den Ufern der Yamunā, saß Śrī Nanda-kumāra Kṛṣṇa, umgeben von Seinen Kuhhirten Freunden. Derselbe Kṛṣṇacandra und dieselben Kuhhirtenjungen saßen nun an den Ufern des Flusses Gaṅgā. Jeder der das bezaubernde Gesicht von Śrī Gaurasundara betrachtet, wenn Er an der Gaṅgā sitzt, wird unerklärliche Ekstase erfahren. Die reine strahlende Form des Herrn inspirierte viele Meinungen bei den Leuten, die damals anwesend waren. 

Jemand sagte: „So eine brillante Ausstrahlung ist für einen Menschen unmöglich.“ Jemand anderer vermutete: „Dieser brāhmaṇa muss ein Teil einer Erweiterung von Viṣṇu sein.“ 

„Er ist gekommen, um die Prophezeiung zu erfüllen, dass ein brāhmaṇa, der König von Bengalen sein wird. Ich kann alle königlichen Zeichen auf Seinem Körper erkennen“, sagte ein anderer. 

Die Leute fuhren fort, ihre Meinungen abzugeben, soweit es ihre Intelligenz zuließ. Auf diese Weise saß Nimāi, der Anziehungspunkt der Einwohner von Navadvīpa zwischen Seinen Studenten und kritisierte die Lehrer von Nadja und setzte sie herab. Er widerlegte gewissenhaft jedes Argument über jedes Thema und dann, durch Seine höchste Intelligenz, stellte Er dieselben Argumente wieder auf, die er gerade widerlegt hat. 

„Ich werde die Person als Gelehrten akzeptieren, die den Mut hat mit Mir zu argumentieren,“ forderte Nimāi heraus. „Wer hat die hinreichende Intelligenz meine Argumente zu widerlegen?“ Auf diese Weise forderte der Höchste Herr heraus und zerstörte dadurch das falsche Ego der Gelehrten von Navadvīpa. Der Herr hatte zahllose Studenten, die Ihm folgten. Leute kamen einfach und gaben sich dem Herrn einfach hin. Jeden Tag kamen kleine brāhmaṇa-Jungen und beteten zu den Lotosfüßen des Herrn, „Oh großer Gelehrter, ich möchte unter Deiner Führung studieren, damit ich etwas lerne. Bitte sei gnädig und erfülle mir den Wunsch.“ Der Herr lächelte und nahm sie alle an und auf diese Weise nahm die Anzahl Seiner Studenten Tag für Tag zu. 

Der wertvollste Edelstein der Vaikuṇṭha-Planeten saß zwischen Seinen Studenten am Ufer des Flusses Gaṅgā und offenbarte Seine wundervollen und vergnüglichen Spiele. Die frommen Leute konnten alle den Herrn sehen und jeder in Navadvīpa konnte Seine spirituelle Kraft spüren. Es war nicht möglich die Menge des guten Schicksals einzuschätzen, das diese Leute ansammelten und die Glückseligkeit, die sie erfuhren, einfach indem sie den Herrn sahen. Man wurde von allen materiellen Bindungen befreit, einfach indem man die glücklichen Seelen sah, deren Herzen von der glückseligen Existenz des Höchsten Herrn berührt wurden. 

Jedoch, was mich betrifft, ich habe leider eine sündhafte und erbärmliche Geburt angenommen. Ich wurde nicht zu der Zeit geboren. Mein Leben wurde des wundervollen transzendentalen Anblicks Gaurasundaras beraubt. Trotz allem, Oh Śrī Gauracandra, sei so gnädig und lass mich Deine Spiele in jedem Leben wieder in Erinnerung bringen. Möge ich, wo immer Du und mein Lord Nityānanda Eure transzendentalen Spiele mit Euren ewigen Gefährten ausführt, auch dabei sein, als Euer demütiger und unbedeutender Diener. 

Śrī Kṛṣṇa Caitanya und Nityānanda Prabhu sind mein Leben und meine Seele. Ihr unbedeutender Diener, Vṛndāvana dāsa, bringt dieses bescheidene Lied Ihren Lotosfüßen dar.

©
derharmonist.de
2024
Top magnifiercross linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram