Tägliches Leben

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Ein Artikel aus dem Harmonist oder Sree Sajjana Toshani von Sj. Bhavabandhachhid Das Adhicary. Herausgegeben von Srila Sarasvati Thakur im Jahr 1929. (Nr. 3. Seite 137)

Bei vielen Anlässen ist die erste Frage, die wir von jemanden hören der gerade den ersten Schritt in die spirituelle Welt nimmt: „Was sind meine Pflichten und wie soll ich weitermachen?

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Mit dem Wunsch ein religiöses Leben zu führen, macht er aus den täglichen Angelegenheiten des Lebens eine Routine und beschließt dementsprechend voranzuschreiten. Das Prinzip ist schön und gut, aber bevor dies richtig befolgt werden kann, ist eines genau zu beachten.

In den Angelegenheiten dieser profanen Welt bemerken wir, dass ein Mädchen es nicht eilig hat, ihre täglichen Pflichten als Ehefrau schon vor der Hochzeit zu einer Routine werden zu lassen. Am Anfang versuchen das Mädchen und ihre Verwandten erst einmal den Ehemann kennenzulernen. Die erste und wichtigste Aufgabe nach ihrer Ankunft im Hause des Mannes ist es, eine Beziehung zum Ehemann herzustellen und dann versucht sie ihr Leben im Dienst ihres Mannes und seiner Verwandten zu stellen.

Wenn jemand keine richtige Beziehung zum Ehemann herstellt, oder wenn man gar keinen Ehemann hat, aber alle ehelichen Angelegenheiten sorgfältig nach der Art einer Hure ausführt, die gar kein richtiges Ziel verfolgt, dann schenkt es derjenigen, die das macht, kein Glück, im Gegenteil, es führt sie in die Hölle, weil ihre Bemühungen nur der Befriedigung ihrer eigenen Leidenschaft dienen. Aus diesem Grund sollte die richtige Beziehung zum Ehemann von Anfang an hergestellt werden.

Gott ist unser ewiger Herr. Der spirituelle Lehrer erweckt unsere richtige Beziehung zum Herrn. Daher wird der Präzeptor genannt: „Der das ewige Wissen der Beziehung schenkt“. Dieses ewige Wissen um die Beziehung ist als Einweihung bzw. höchstes Wissen bekannt.

Oft imitiert das Mädchen die Rolle einer Hausfrau, bevor eine eheliche Beziehung zu ihrem Ehemann hergestellt ist. Das ist nichts anderes als bloße Nachahmung ohne richtiges Ziel, wie bei einem Puppenspiel. Das Mädchen kann ihrem Mann nicht wirklich dienen, wenn es mit Puppen spielt.

Materialism and Spirituality, The Two Paths of Life

Das schenkt dem Mädchen nur eine vorübergehende und künstliche Befriedigung. Wie schon erwähnt dienen die häuslichen Arbeiten einer Prostituierten, die keine Beziehung zum Ehemann hat, nur der Befriedigung der Leidenschaften. Aber jede einzelne tägliche Arbeit einer tugendhaften Ehefrau, die ihre Beziehung zu ihrem Mann mit dem Ziel verwirklicht, ihren Herrn zu erfreuen, ist legitim und nützlich und ist ein Segen für die ganze Familie.

Srila Viswanath Chakrabarti Thakur zeigte in seinen Kommentaren zum Srimad Bhagabatam den großen Unterschied,  der zwischen der Erfüllung der täglichen häuslichen Pflichten durch Gottgeweihte und weltlichen Menschen existiert.

Am Morgen folgen weltliche Menschen dem Ruf der Natur, waschen Hände und Mund, putzen die Zähne, nehmen ein Bad, sehen, hören und sprechen von verschiedenen Dingen, aber all dies dient der Freude an der materiellen Welt. Die Gottgeweihten hingegen führen solche Tätigkeiten auch aus, aber bei ihnen ist es ein Teil ihres hingebungsvollen Dienstes. Die Ausübung häuslicher Angelegenheiten eines Gottgeweihten und eines weltlichen Mannes unterscheidet sich nicht in ihrer äußeren Erscheinung, sondern nur in ihrer inneren Verbundenheit, Hingabe und Ziel. Die Person welche ewiges Wissen in ihrer Beziehung zu Gott hat, führt alle ihre Arbeiten aus, um dem Herrn zu erfreuen bzw. mit dem Ziel, dem Herrn zu dienen. Aber weltliche Menschen gehen solchen Arbeiten zur Befriedigung ihrer eigenen selbstsüchtigen Ziele nach.

Eine tugendhafte Frau kämmt sich die Haare, kleidet sich, putzt das Haus, kocht das Essen und verrichtet ähnliche Arbeiten zur Befriedigung ihres Herrn, aber eine Prostituierte, die zur Befriedigung ihrer selbstsüchtigen Zwecke handelt, verrichtet solche ähnlichen Arbeiten um ihre eigenen Interessen willen. Unser Hauptziel sollte also sein, die Beziehung zu Gott herzustellen. Wenn die richtige Beziehung entstanden ist, kümmern wir uns darum die Art und Ausführung unseres Dienstes festzulegen. Die Verwirklichung der Ziele kann man, ohne die Kenntnis über die Art und das Wesen der Beziehung nicht erreichen. Nochmals, eine Beziehung kann nicht  fest, entschlossen etabliert werden, ohne ihre Natur tatsächlich zu erkennen.

Wenn ein Mädchen nicht unter dem Dach ihres Ehemannes lebt und ihrem Herrn keinen Dienst erweist, dann hat sich ihre Beziehung und Verbundenheit mit dem Ehemann nicht etabliert. Wenn die Ehefrau die Arbeiten im Haus ihres Mannes aufrichtig und ohne  Rücksicht auf Verluste verrichtet, trotz mannigfaltiger Wünsche, Schattenseiten, Krankheiten und Klagen mit fest verankertem Geist und Verbundenheit ihrem Ehemann dient, erst dann erkennen die Vormünder und andere Verwandten, dass die Beziehung des Mädchens zu ihrem Ehemann hergestellt ist. Nach dieser Erkenntnis hat sich der Sinn ihres Lebens erfüllt.

Was will eine tugendhafte Ehefrau? Sie dient ihrem Mann nicht, um Lob von anderen zu erhalten, noch wünscht sie sich, ihre Leidenschaften zu befriedigen, indem sie sich schön kleidet. All dies macht sie um ihren Mann zufriedenzustellen. Sie dient ihrem Herrn allein zu seinem Wohlgefallen. Ihre Bedürfnisse dienen nur dazu, ihren Eheman zufriedenzustellen. Sie hat Freude daran ihrem Herrn zu dienen, sie sehnt sich nie nach der Erfüllung ihrer Wünsche.

Die Frau eines leprakranken Brahmanen war die edelste aller tugendhaften Damen. Sie diente einer Prostituierten, um ihrem Mann zu gefallen. Sie hielt die Sonne auf ihrer Sonnenbahn an, erweckte ihren verstorbenen Ehemann zum Leben und erfüllte alle wichtigen Pflichten.

Das primäre Ziel eines hingebungsvollen Lebens ist es, die Erfüllung der eigenen Wünsche und selbstsüchtige weltliche Vergnügungen beiseitezulassen, um dem Herrn zu gefallen.

Die erste und wichtigste Pflicht eines Menschen, der die Absolute Wahrheit sucht, besteht darin, sich unter den Schutz des wahren spirituellen Präzeptors zu stellen.

Das Srimad Bhagabatam sagt, dass er allein der wahre Guru ist, der nicht nur lehrt und predigt, sondern praktisch durch seine eigenen Handlungen demonstriert, dass der wahre Guru der wahrhaftigste und liebste Diener des Absoluten Gottes und Seiner Paraphernalia ist.

Er hält sich treu an das, was er predigt. Er denkt, spricht, handelt nur im Sinne des reinen ungetrübten theistischen Dienstes des Absoluten Gottes; Sein Atem ist Dienst und Hingabe und sein Leben ist in jedem Moment ein lebendiges und beseeltes Beispiel für einen rundum idealen und vollkommenen Dienst zum Höchsten Gott und den Seinen, in jedem Moment Seines ewigen Lebens, hier und danach.

Ein solcher Dienst setzt eine wahre vollkommene Kenntnis des Persönlichen Gottes und ständig 'vor Ihm zu sein’ voraus. Er ist mit dem Absoluten Gott bestens vertraut und sein Wort vertreibt sachverständig die Finsternis der Unwissenheit und klärt alle Zweifel eines aufrichtig Suchenden um ihn dann zu den Heiligen Füßen des Absoluten Herrn zu erheben. In dem Moment, wenn man beim wahren Guru Zuflucht genommen hat, behindert das irrige Urteil dieser profanen Welt die Bemühung die Absolute Wahrheit zu erlangen.

Die Acharyyas predigen, dass der Suchende nach der Absoluten Wahrheit die falschen Gurus aufgeben und bei den Füßen eines wahren Gurus Zuflucht suchen soll. Ein Suchender nach  der Absoluten Wahrheit, der sein tägliches Leben nach den Lehren des echten Gurus ausrichtet und seinen Lehren mit stillschweigenden Glauben und Vertrauen, Gehorsam und mit  bedingungslosem, selbstlosem Dienst folgt, wird in seinem hingebungsvollen Leben Fortschritt machen.

Die sastras fordern, dass der wahre acarya nicht nur durch sein eigenes Handeln demonstriert, was er lehrt und predigt, sondern auch seine Schüler dazu bringt treu nach dem zu handeln was er predigt. Jemand der vom Weg abgekommen ist, ist kein wahrer Acharyya. Jemand der gierig ist, unter Mangel leidet, Verluste beklagt, nicht praktisch demonstriert was er lehrt, an Frauen angehaftet ist, sich Gott nicht vollständig unterworfen hat und  Ihm keinen bedingungslosen selbstlosen Dienst darbringt, kann niemals ein spiritueller Lehrer genannt werden.

Ein hingegebener Dichter hat geschrieben:

Wenn der spirituelle Führer, der gierig nach Geld ist und der Schüler, der den weltlichen Vergnügungen zugeneigt ist, diesen Ozean der Welt mit dem Mittel eines Bootes überqueren wollen, das aus Wissen, schwer wie Eisen,  gebaut ist,  dann ist es sicher, dass beide sterben werden.

Einige unwissende Menschen sind der Meinung, dass die Fehler eines Gurus durch die Kraft der Hingabe des Schülers, sich zu guten Eigenschaften verwandeln. Solche Prinzipien/Grundsätze können niemals aufgestellt werden.

Wer Fehler hat, ist immer armselig; er ist kein Guru. Der Guru kann keine Schwächen, Fehler und falsche Wahrnehmung haben. Derjenige, der getadelt und ermahnt werden kann, ist der Schüler, und wer tadeln und ermahnen kann, ist der Guru. Wenn der Guru vom Schüler getadelt wird, wo liegt dann sein Gewicht als Guru?

So wird ein Suchender der Absoluten Wahrheit ohne Berücksichtigung von seinem Rang, Hautfarbe, Kaste oder Glaubensbekenntnis, vor den heiligen Füßen des spirituellen Präzeptors erscheinen, welcher die Verkörperung des fehlerlosen traditionellen Wissens aller Siddhantas (Prinzipien) ist.

In der Morgendämmerung unseres spirituellen Lebens werden wir aufrichtig und mit vollständiger Unterwerfung und Selbsthingabe zu Gott beten, dass wir den Schutz eines Sad Guru erhalten. Der Höchste Herr, der unsere Ernsthaftigkeit und Hingabe wahrnimmt, wird uns einen echten Guru senden, um uns auf den wahren Weg zu führen. Andernfalls ist es unwahrscheinlich, dass wir den Sad Guru durch unsere Fehlbarkeit erkennen. Wenn wir uns von unserer eigenen Energie leiten lassen, werden wir auf Bauernfänger (Falsche Gurus) stoßen und werden von ihnen durch ihre vorübergehenden gefälligen Manieren gefangen genommen, was uns schlussendlich einen Platz in der Hölle verschafft.

Wenn ich von einem Nicht-Vaishnava Einweihung annehme, wird mich das von den heiligen Füßen des Höchsten Herrn weit entfernen. Der Herr Selbst erscheint demjenigen als Führer, der aufrichtig danach strebt, Ihm mit starkem Glauben und Gehorsam zu dienen.

Das Hauptmerkmal des echten Lehrers ist, dass sein Geist ständig von der Gemütsstimmung des spirituellen Dienstes entflammt ist, begleitet von dem strahlenden Licht reiner Erkenntnis.  All seine Gedanken sind in frischer Anmut gekleidet, da sein Bemühen ständig darauf gerichtet ist, dem Vergnügen der Sinne von Lord Krishna zu dienen.  

Andere Eigenschaften sind ihm fremd. In vielen Fällen ist es einem Hochstapler möglich, diese äußeren Anzeichen zu zeigen. Der erste segensreiche Schritt zu Beginn unseres täglichen spirituellen Lebens wird heute hier erwähnt. Weitere Pflichten werden wir nach und nach beschreiben. "Die Verwirklichung einer Sache-- folgt dem guten Anfang."

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