His Holiness

Śrī Śrīmad Bhakti Kamala Madhusūdana Gosvāmī Mahārāja

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Sich Śrīla Prabhupāda hingeben

 

Śrī Śrīmad Bhakti Kamala Madhusūdana Gosvāmī Mahārāja erschien in einer Familie von brāhmaṇas und war als Śrī Nṛpendra Sanyāla bekannt. Bevor sich Śrī Nṛpendra Sanyāla Śrīla Prabhupādas Lotosfüßen hingab, arbeitete er als Reporter für die berühmte bengalische Tageszeitung Amṛta Bāzār Patrikā. Er und eine Anzahl von anderen Reportern kamen einst zur   Bāgbāzār Gauḍīya Maṭha um über die Sat-śikṣā Pradarśinī-Ausstellung zu berichten, die von Śrīla Prabhupāda organisiert wurde.

 

Anhand einer Reihe von Schautafeln zeigte die Ausstellung verschiedene korrupte Praktiken auf, die in der Gauḍīya-Vaiṣṇava-Gemeinschaft weit verbreitet waren. Solche Praktiken umfassten das Schälen von Erdnüssen mit verehrungswürdigen śāligrāma-śilās, das Einfordern von Geld für den darśana von Bildgestalten, Geld zu verdienen mit der Rezitation des Śrīmad-Bhāgavatams und der Vergabe von mantras, den Verzehr von Fleisch und Wein durch die brāhmaṇas und das schamlose Zusammensein der Bābājīs mit Frauen, obwohl sie die äußere Kleidung eines Entsagten angenommen haben. Śrī Nṛpendra Sanyāla war von Natur aus geneigt, so viel Wissen wie möglich zu erlangen, und so stellte er viele Fragen an die anwesenden Gottgeweihten. Da die Gottgeweihten seine Wissbegierde bemerkten, brachten sie ihn zu ihrem gurudeva, Śrīla Prabhupāda Bhaktisiddhānta Sarasvatī Gosvāmī Ṭhākura.

 

Das war der Zeitpunkt an dem Śrī Nṛpendra Sanyāla Śrīla Prabhupāda zum ersten Mal traf und die Gelegenheit erhielt, aus seinem Lotosmund die reinen Konzepte der Gauḍīya-Linie bezüglich bhāgavata-dharma, bhāgavata-paramparā und der untrennbaren Verbindung zwischen brāhmaṇas und Vaiṣṇavas zu hören.

 

Die Art und Weise, wie Śrīman Mahāprabhu dafür sorgte, dass jede Persönlichkeit zu Śrīla Prabhupāda kam, ist eine erstaunliche Angelegenheit. Śrī Nṛpendra Sanyāla war von Śrīla Prabhupādas Furchtlosigkeit so tief beeindruckt, dass er, wann immer sich die Gelegenheit ergab, die maṭha besuchte, um hari-kathā und kīrtana zu hören. Er kontemplierte tief über die Bedeutung wichtiger Themen wie sādhu-saṅga, den wahren Zweck des menschlichen Lebens und die Herrlichkeiten einer echten spirituellen Linie.

 

Nach sorgfältigem Nachdenken entschied Śrī Nṛpendra Sanyāla: „Ich werde mich den Lotosfüßen dieser großen Persönlichkeit hingeben, sein unbedeutender Diener werden, versuchen, seine wahren inneren Gemütsstimmungen zu verstehen, und mein Leben dem glückverheißenden Werk widmen, das er begonnen hat.”

 

Kurz darauf offenbarte er Śrīla Prabhupāda sein Herz, und Śrīla Prabhupāda verlieh ihm harināma und mantra-dīkṣā und gab ihm den Namen Śrī Narottamānanda Brahmacārī.

 

In Trennung dienen

 

Śrī Narottamānanda Brahmacārī war ein begabter Berichterstatter und beherrschte vor allem die englische Sprache. Als Śrīla Prabhupāda seine Aufmerksamkeit und seine Fähigkeit, alles Gehörte wortgewandt zu wiederholen, bemerkte, schickte er ihn zusammen mit anderen sannyāsīs und brahmacārīs zum Predigen nach Mumbai unter der Leitung von Śrī Śrīmad Bhakti Rakṣaka Śrīdhara Mahārāja. Dort lud Śrī M.P. Engineer—der Vorsitzende der theosophischen Gesellschaft und spätere erste Generalstaatsanwalt des unabhängigen Indien— die Prediger der Gauḍīya Maṭha ein, um auf einer der Versammlungen der theosophischen Gesellschaft zu sprechen. Er war sehr inspiriert von den Vorträgen von Śrīla Śrīdhara Gosvāmī Mahārāja, von den kīrtana, und dem Umgang und den Überzeugungen der Gottgeweihten.

 

Später, als Śrīla Prabhupāda Mumbai besuchte, bat ihn Śrī M.P. Engineer dort eine Niederlassung der Gauḍīya Maṭha zu gründen. Bevor Śrīla Prabhupāda antwortete, fragte er Śrī Narottamānanda Brahmacārī: „Wäre es dir unangenehm, wenn ich dich mit der Aufgabe betrauen würde, in Mumbai zu predigen?

 

Als Erwiderung zitierte Śrī Narottamānanda Brahmacārī einen kīrtana von Śrīla Bhaktivinoda Ṭhākura:

 

tomāra sevāya, duḥkha haya ĵatô

seo tô’ parama sukha

sevā-sukha-duḥkha, parama-sampada,

 nāśaye avidyā-duḥkha

 

 Śaraṇāgati     (Ātma-nivedana 8.4)

 

Welches Leid ich auch immer erfahren mag, wenn ich Dir diene, es ist in Wirklichkeit die größte aller Freuden. Die Schmerzen und Freuden, Dir zu dienen, sind der größte Reichtum, denn sie zerstören das Elend der Unwissenheit.

 

Er fuhr fort: „Obwohl ein Neuling-Geweihter wie ich, den meisten spirituellen Nutzen aus der direkten Gemeinschaft mit śrī guru zieht, bin ich dennoch überzeugt, dass du mir denselben Nutzen nicht vorenthalten wirst, wenn ich deine Anweisung befolge, dir aus der Ferne zu dienen.”

 

Gemäß den Unterweisungen und der Begleitung von Śrīla Prabhupāda, predigte Śrī Narottamānanda Brahmacārī überall in Mumbai. Während er dort war, segnete Śrīla Prabhupāda ihn gnädigerweise, indem er ihm eine Ausgabe von den zwölf Kantos des Śrīmad-Bhāgavatams schickte, die mit dem Namen 'Narottamānanda Brahmacārī' versehen waren. Śrīla Madhusūdana Gosvāmī Mahārāja erinnerte sich an diesen Fall und sagte: „Ich betrachtete Śrīla Prabhupādas Geschenk als eine Anweisung, mich mit der Praxis und dem Predigen des śrī bhāgavata-dharma zu beschäftigen."

 

Der Lotos der Hingabe

 

Śrī Narottamānanda Brahmacārī hielt außergewöhnlich süße Predigten über das Śrīmad-Bhāgavatam, wobei er jedes Thema mit fundierten Argumenten und in unmissverständlichen Worten erläuterte. Śrīla Prabhupāda führte ein vollständiges Protokoll über die Predigttätigkeit seiner Schüler. Hocherfreut über den Enthusiasmus und die Sachkenntnis, mit der Śrī Narottamānanda Brahmacārī das bhāgavata-dharma predigte, verlieh er ihm eine Śrī Gaura Āśīrvāda-Urkunde und den Titel 'Bhakti Kamala', was 'der Lotos der Hingabe' bedeutet. Śrī Śrīmad Bhakti Rakṣaka Śrīdhara Gosvāmī Mahārāja würdigte diesen Titel, als er Śrī Narottamānanda Brahmacārī sannyāsa verlieh und ihm den Namen 'Śrī Bhakti Kamala Madhusūdana Mahārāja' gab.

Die Früchte seines unschätzbaren Dienstes des Predigens

 

Ursprünglich verbanden sich nach dem Verscheiden von Śrīla Prabhupāda, Śrī Śrīmad Bhakti Prajñāna Keśava Gosvāmī Mahārāja, Śrī Śrīmad Bhakti Kamala Madhusūdana Gosvāmī Mahārāja und Śrī Śrīmad Bhaktyāloka Paramahaṁsa Mahārāja und predigten die Botschaft von Śrīla Prabhupāda unter der Flagge von Śrī Gauḍīya Vedānta Samiti, eine von ihnen gegründete Organisation. Śrīla Keśava Gosvāmī Mahārāja nahm Schüler an und Śrīla Madhusūdana Gosvāmī Mahārāja and Śrīla Paramahaṁsa Mahārāja predigten unter seiner Führung. Es geschah durch das Predigen und der Gemeinschaft mit Śrīla Madhusūdana Gosvāmī Mahārāja, dass Śrīla Keśava Gosvāmī Mahārāja zwei prominente und unschätzbar wertvolle Edelsteine gewann: Śrī Rādhānātha Vanacārī und Śrī Gaura-nārāyaṇa Vanacārī, später bekannt als Śrī Bhaktivedānta Trivikrama Mahārāja und Śrī Bhaktivedānta Nārāyaṇa Mahārāja. Dieser Beitrag wird für immer in goldenen Buchstaben in den Chroniken der Sārasvata Gauḍīya Vaiṣṇavas eingebettet bleiben.

 

Erwerb des Landes für sein Māyāpura maṭha

 

Als unter den prominenten Mitgliedern des Gauḍīya Vedānta Samiti Differenzen aufkamen, wurde Guru Mahārāja gerufen, um diese Differenzen zu schlichten und die Situation zu lösen. Nachdem er alle ihre Ansichten angehört hatte, kam Guru Mahārāja zu dem Schluss: „Śrī Keśava Mahārāja hat viele entsagte Schüler, und deshalb ist es besser, dass ihm die Śrī Devānanda Gauḍīya Maṭha bleibt. Śrī Madhusūdana Mahārāja sollte weiterhin von der maṭha in Bardhamāna aus predigen, und später werde ich ihm persönlich helfen, ein Grundstück in Māyāpura zu erwerben und dort eine maṭha zu bauen. Śrī Paramahaṁsa Mahārāja sollte ein ausreichender Betrag an Geldmitteln gegeben werden, damit er ein Grundstück in Māyāpura erwerben und seine Dienste in geeigneter Weise fortsetzen kann." Die von Guru Mahārāja vorgeschlagene Lösung wurde von allen Beteiligten bereitwillig akzeptiert. Bald darauf inspirierte Guru Mahārāja eine weibliche Gottgeweihte Śrīmatī Pannā Mā - eine Schülerin von Śrīla Keśava Gosvāmī Mahārāja, die den Weg des bhakti eingeschlagen hatte, nachdem sie hari-kathā von Śrīla Madhusūdana Gosvāmī Mahārāja gehört hatte - dazu, Land in Śrīdhāma Māyāpura für Śrīla Madhusūdana Gosvāmī Mahārāja zu erwerben und, getreu seinem Wort, half er persönlich beim Bau von Śrīla Madhusūdana Gosvāmī Mahārājas maṭha so weit wie möglich mit.

 

Eine einzigartige Perspektive auf prasāda

 

Während des Festes zur Installation der Bildgestalten in der Śrī Kṛṣṇa Caitanya Maṭha, Śrīla Madhusūdana Gosvāmī Mahārājas maṭha in Māyāpura, unterstützte ich Śrī Śrīmad Bhakti Pramoda Purī Gosvāmī Mahārāja in der Zeremonie der Installation. Dort offenbarte mir Śrīla Madhusūdana Mahārāja einen besonderen Blick auf das prasāda.

 

Als Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja feststellte, dass sich die bhoga-Opferung zu den Bildgestalten aufgrund seines fortgeschrittenen Alters und seines Strebens nach Vollkommenheit verzögern würde, sagte Śrīla Madhusūdana Gosvāmī Mahārāja zu mir: „Bereite schnell Ṭhākura-jīs Opferteller vor und bewahre ihn im Altarraum auf, damit Śrī Purī Mahārāja das bhoga-Opfer machen kann, wenn es für ihn günstig ist. Die Vaiṣṇavas, die sich heute hier versammelt haben, kommen von verschiedenen Orten und haben anderswo Dienste zu verrichten. Ich möchte sie nicht zu lange warten lassen; Ich bin sicher, dass sie pünktlich in ihre jeweilen Häuser und āśramas zurückkehren möchten. Sobald eine Portion bhoga für Ṭhākura-jī beiseitegelegt ist, werde ich anfangen prasāda an die Vaisnavas zu verteilen.”

 

Śrīla Mahārāja erklärte: „Ich schließe mich nicht der Idee an, dass prasāda erst dann als prasāda zu betrachten ist, wenn alle Zubereitungen von Ṭhākura-jīs Teller wieder mit den jeweiligen Gefäßen vermischt wurden, aus denen sie kamen. Ich glaube, dass es unter besonderen Umständen kein Fehler ist, prasāda an die Vaiṣṇavas zu verteilen, sobald die erste Portion bhoga beiseitegelegt und zur Darbringung in den Altarraum gebracht wurde. Es ist sogar nicht nötig zu warten, bis die pūjārī die bhoga-Opfergabe aus dem Altarraum gebracht hat. Bei Gelegenheiten wie dieser, der glücksverheißenden Installation von Bhagavāns Bildgestalt, kommt es zwangsläufig zu einer gewissen Verzögerung. Aber da Vaiṣṇavas die Ziele unseres Dienstes sind, sollten wir sie nicht warten lassen. Daher, abgesehen von denjenigen, die die Darbringung des bhoga und die bhoga - āratī bei den neuen Bildgestalten beobachten möchten, ist es nur angemessen, dass den Gottgeweihten das prasāda pünktlich serviert wird.

 

Sowie die bhoga-Opfer in den Altarraum gebracht worden waren, wies Śrīla Mahārāja ein paar Gottgeweihte an, prasāda zu verteilen. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich sah, wie das prasāda unmittelbar nach der Zubereitung von Ṭhākura-jīs Teller und vor der eigentlichen Darbringung verteilt wurde.

 

Sein vorbildliches Verhalten gegenüber den älteren Vaiṣṇavas

 

Während Śrīla Prabhupāda noch körperlich anwesend war, blieb Śrīla Madhusūdana Gosvāmī Mahārāja unter der direkten Führung seines gurudeva. Nach dem Verscheiden von Śrīla Prabhupāda diente er unter der Führung seines Senior Gottbruders Śrī Śrīmad Bhakti Prajñāna Keśava Gosvāmī Mahārāja und später unter einen anderen Senior Gottbruder, Śrī Śrīmad Bhakti Rakṣaka Śrīdhara Gosvāmī Mahārāja, der ihm sannyāsa zuteilwerden ließ. Er pflegte immer seine Gottbrüder zu konsultieren, um ihre Zustimmung einzuholen, bevor er mit irgendeinem Dienst fortfuhr. Auf diese Weise untermauerte er den Grundsatz, dass vaiṣṇava-dharma unter der Anleitung erfahrener Gottgeweihter befolgt werden muss und dass man in vaiṣṇava-dharma nicht gefestigt wird, wenn man unabhängig und ungebunden bleibt.

 

 Er betrachtete seinen Gottbruder als eine Manifestation von śrī guru

 

Einige Sārasvata Gauḍīya Vaiṣṇavas behaupten, dass man den Begriff oṁ viṣṇupāda nur in Verbindung mit dem Namen des eigenen dīkṣā-guru verwenden sollte und mit niemandem sonst, nicht einmal mit dem eigenen śikṣā-guru. Wie auch immer, Ich persönlich beobachtete Śrīla Madhusūdana Gosvāmī Mahārāja, den ich als authentischen guru in unserer Linie als spirituellen Meister anerkenne, wie er diesen Ehrentitel vor dem Namen seines älteren Gottbruders Śrī Śrīmad Bhakti Rakṣaka Śrīdhara Gosvāmī Mahārāja setzte, der ihm das sannyāsa-mantra gewährt hatte und den er als seinen śikṣā-guru betrachtete.

 

Śrīla Mahārāja pflegte zu sagen: „Da dīkṣā-guru und śikṣā-guru als nicht verschieden im tattva angesehen werden, ist es nur richtig sie miteinzubeziehen und oṁ viṣṇupāda vor ihre Namen zu setzen. In der Tat, es wäre falsch es nicht zu tun. Weil Śrīla Śrīdhara Gosvāmī Mahārāja Śrīla Prabhupādas beispielhaften Character, Verhalten, Lehren und Konzepte vollständig verinnerlicht hat, betrachte ich ihn als die zweite Manifestation von Śrīla Prabhupāda. Daher finde ich, ist er es wert, dass der Titel oṁ viṣṇupāda vor seinem Namen steht.” Śrīla Madhusūdana Gosvāmī Mahārājas grenzenlose Hingabe zu einem seiner eigenen Gottbrüder ist beispielhaft. Dies ist ein weiterer Hinweis auf seine hochentwickelte Gesinnung und seine Demut eines Vaiṣṇavas, die er in hervorragender Weise unter Beweis stellt.

 

Seine rücksichtsvolle und sanfte Art

 

Als Guru Mahārāja plante, dass die Bildgestalten der Kolkata-Niederlassung von Śrī Caitanya Gauḍīya Maṭha am verheißungsvollen Tag von Śrī Kṛṣṇas puṣyābhiṣeka (Blumenregen) in ihren neu errichteten Raum einziehen sollten, lud er fast alle seine prominenten Gottbrüder, einschließlich Śrīla Madhusūdana Gosvāmī Mahārāja, zur Teilnahme an einem fünftägigen Fest zur Feier dieses Anlasses ein. Als Śrīla Madhusūdana Gosvāmī Mahārāja in der maṭha eintraf, rief er mich in sein Zimmer und fragte leise: „Du bist nicht böse, wenn ich dich auf einen Fehler, den du gemacht hast, hinweise, nicht wahr?“

Natürlich nicht Mahārāja,” sagte ich, „in der Tat, ich wäre dankbar, wenn ich die Möglichkeit hätte, ihn wieder gut zu machen. Bitte sage mir, was ich falsch gemacht habe.”

Śrīla Mahārāja zeigte dann auf die Zimmerwände. „Du hast keine Haken in die Wände geschlagen, um ein Moskitonetz aufzuhängen.” sagte er.

„Mahārāja,” sagte ich, „Ich habe keine Haken angebracht, weil die Verputzarbeiten immer noch nicht fertig waren. Aber jetzt, da die Arbeit beendet ist, werde ich sofort Haken anbringen lassen.” Trotz Śrīla Madhusūdana Gosvāmī Mahārājas erhabenen Status, sprach er niemals im überheblichen Ton zu jemandem. Er war sehr achtsam und rücksichtsvoll im Umgang mit jüngeren Gottgeweihten, und er war immer darauf bedacht, niemanden mit seinen Worten zu verletzen.

 

Sein tiefer Respekt für Guru Mahārāja

 

Eines Tages während eines Festes, das in der Niederlassung der Śrī Caitanya Gauḍīya Maṭha in Hyderbad stattfand, war ich Zeuge von einer freundlichen humorvollen Unterhaltung zwischen Śrīla Madhusūdana Gosvāmī Mahārāja und Śrī Śrīmad Bhakti Vikāśa Hṛṣīkeśa Gosvāmī Mahārāja. Als sie sich an die gemeinsamen Zeiten während Śrīla Prabhupādas manifestierter Anwesenheit erinnerten neckten sie sich gegenseitig und sagten Dinge wie: „Es war deine Schuld, dass ich nicht auf das Vraja-maṇḍala parikramā gehen konnte,” und sie beschuldigten sich spielerisch gegenseitig. „Du hast das getan“ und „du hast jenes getan.“ Allerdings war ich erstaunt festzustellen, dass, sobald Guru Mahārāja den Raum betrat, sie sofort mit dem Scherzen aufhörten und diszipliniert miteinander diskutierten. Dann, sobald Guru Mahārāja den Raum verlassen hatte, kehrten sie zu ihrem Spaß zurück.

 

Aus ihrem Verhalten entnahm ich, dass Śrīla Madhusūdana Gosvāmī Mahārāja und Śrīla Hṛṣīkeśa Gosvāmī Mahārāja sich zwar, wie typische Freunde zueinander verhielten, aber einen ehrfürchtigen Respekt vor Guru Mahārāja besaßen.

 

Er erfüllte seinen Dienst mit den geeignetsten Mitteln

 

Ich persönlich war Zeuge, dass Śrīla Madhusūdana Gosvāmī Mahārāja mit Guru Mahārāja je nach Zeit, Ort und Umständen auf unterschiedliche Weise interagieren würde. Einmal in der maṭha von Śrī Śrīmad Bhakti Rakṣaka Śrīdhara Gosvāmī Mahārājas in Navadvīpa, anlässlich der Śrī Jagannātha Miśra Mahotsava (der Tag nach Śrī Gaura-pūrṇīmā), sprach er Guru Mahārāja an, als ob er sich beschweren würde. „Du bist zu spät gekommen", sagte er. „Ist es angemessen, alle auf dich warten zu lassen? Bitte komm nicht wieder zu spät."

 

Ein anderes Mal, in Śrī Jagannātha Purī, lobte er Guru Mahārāja mit den Worten: „Niemand sonst hätte denselben einzigartigen Dienst wie du leisten können. Durch deine Gnade sind wir in der glücklichen Lage, uns heute hier am Erscheinungsort von Śrīla Prabhupāda versammelt zu haben."

 

Noch ein anderes Mal sagte er zu Guru Mahārāja während einer Erläuterung zum Śrīmad-Bhāgavatam: „Nur wenn man dem grantha-bhāgavata folgt, dann kann man ein bhakta-bhāgavata werden.

 

Der Schlüssel, um die Relevanz dieser verschiedenen Arten von Verhalten zu verstehen, wird in einem kīrtana von Śrīla Bhaktivinoda Ṭhākura erklärt: „antare-bāhire, sama vyavahāra, amānī mānada ha’bô — Es soll keine Diskrepanz zwischen meinem inneren und äußeren Verhalten bestehen. Ich möchte keine Ehre für mich, stattdessen bringe ich anderen Respekt dar.“ Mit anderen Worten, Śrīla Madhusūdana Gosvāmī Mahārāja verhielt sich je nach den Anforderungen des Dienstes, ob unterrichten, anweisen, lobpreisen oder tadeln, er wählte immer das Mittel, das das Wohlgefallen von Śrī Hari, guru and Vaiṣṇavas am besten erwecken würde.

 

Seine Anerkennung für meinen Kuh sevā

 

Als Śrīla Madhusūdana Gosvāmī Mahārāja einmal die leuchtenden Körper der Kühe in unserer Niederlassung der Śrī Caitanya Gauḍīya Maṭha in Māyāpura sah, fragte er mich: „Wer dient diesen Kühen?”

Ich antwortete: „Ich Mahārāja-jī”

„Wie heißt du?” fragte er. „Narottama Brahmacārī.”

„Nein, ich möchte den Nachnamen wissen, den du hattest, bevor du der maṭha beigetreten bist.”

„Vorher war ich als Narottama Cakravartī bekannt.”

„Cakravartī, sagst du?“

„Ja.“

Du kommst aus einer brāhmaṇa-Familie und du besitzt definitiv alle Eigenschaften, die sich für Vaiṣṇavas ziemen, die wahre brāhmaṇas sind. Darum dienst du den Kühen so schön. Aufgrund eines Minderwertigkeitskomplexes weigert sich einer meiner Schüler, die Kühe in unserer maṭha zu versorgen. Er sagt: „Ich bin ein brahmacārī. Ich sollte Ṭhākura-jī dienen. Warum sollte ich den Kühen dienen?' Nun, ich kann deutlich sehen, dass Śrī Mādhava Mahārāja sehr gut weiß, wen er zu welchen Diensten verpflichten soll."

 

Die Wertschätzung eines Senior Gottbruders

 

Auf Anweisung von Śrī Śrīmad Bhakti Rakṣaka Śrīdhara Gosvāmī Mahārāja leitete Śrīla Madhusūdana Gosvāmī Mahārāja das Śrī Navadvīpa-dhāma parikramā von Śrī Caitanya Sārasvata Maṭha viele Jahre lang und diente auch als Herausgeber der bengalischen maṭha-Zeitschrift, Śrī Gauḍīya-darśana maṭhas. Śrīla Śrīdhara Gosvāmī Mahārāja pflegte zu sagen: „Diener gibt es reichlich, aber es ist ein großes Glück, Gottgeweihte wie Śrīla Madhusūdana Mahārāja zu finden, die bereit sind, die volle Verantwortung für eine Aufgabe zu übernehmen und sie zu erfüllen. Nur seinetwegen brauche ich mir um viele Dinge keine Sorgen zu machen und kann in Ruhe meinen bhajana abhalten."

 

Seine Wertschätzung für Guru Mahārājas Entschlossenheit

 

Zum Anlass von Śrīla Prabhupādas vyāsa-pūjā im Jahr 1978, organisierte Guru Mahārāja ein großes Fest an dem neu erworbenen Ort, der Ort an dem Śrīla Prabhupāda in Purī erschien. Als Śrīla Madhusūdana Gosvāmī Mahārāja zu der Versammlung sprach, sagte er: „Wir Schüler von Śrīla Prabhupāda sind viele, aber anders als Śrī Mādhava Mahārāja, hat nicht einer von uns versucht Śrīla Prabhupādas glorreichen Erscheinungsort zu erhalten. Obwohl viele Schüler von Śrīla Prabhupāda reichlich Mittel zur Verfügung hatten, taten sie nichts. Aber was Śrī Mādhava Mahārāja an finanziellen Mitteln fehlte, machte er mit glühender Entschlossenheit wett. Durch diese Entschlossenheit gelang es ihm, das Unmögliche zu vollbringen."

 

Nachdem Guru Mahārāja das Spiel seines Verscheidens manifestierte, erinnere ich mich auch an die Art und Weise, wie Śrīla Madhusūdana Gosvāmī Mahārāja hervortrat, um dringend benötigte Inspiration zu vermitteln, als die Bildgestalten von Śrīla Prabhupāda, Śrīman Mahāprabhu und Śrī Śrī Rādhā-Nāyana-maṇi in der neu errichteten maṭha installiert wurden.

 

 

 

 

Glorification of Pūjyapāda Madhusūdana Mahārāja

Verfasst unter der Redaktion von Śrī Śrīmad Bhakti Pramoda Purī Gosvāmī Mahārāja

 

 

Sein unbändiger Enthusiasmus und sein Fachwissen

 

Unser höchst verehrungswürdiger Śrīla Prabhupāda bemerkte Śrī Narottamānanda Prabhus aufrichtige Neigung, Śrī Hari, guru und den Vaiṣṇavas zu dienen, insbesondere seine besondere Vorliebe, hari-kathā zu hören und zu sprechen. Aus diesem Grund sandte Śrīla Prabhupāda ihn zusammen mit zahlreichen erfahrenen tridaṇḍi-sannyāsīs aus, um in ganz Indien die Prinzipien des reinen bhakti zu predigen, wie sie aus dem Lotosmund von Śrīman Mahāprabhu stammen. Bei vielen Gelegenheiten beobachtete Śrīla Prabhupāda den unbändigen Enthusiasmus und das Fachwissen, womit Śrī Narottamānanda Prabhu Vorträge und kīrtana in Versammlungen, die mit der Anwesenheit angesehener Intellektueller beehrt wurden, abhielt, und er stellte auch fest, dass er zahlreiche Aufgaben im Zusammenhang mit der Errichtung von maṭhas und Tempel übernahm. Śrīla Prabhupāda war hoch erfreut, dass Śrī Narottamānanda Brahmacārī immer bereit und bestrebt war, alle Arten von Diensten mit einem friedlichen Geist und süßem Lächeln auszuführen.  Im Namen von Śrī Navadvīpa-dhāma Pracāriṇī Sabhā verlieh Śrīla Prabhupāda ihm reichliche, liebevolle Segnungen, indem er ihm den für die Hingabe bedeutsamen Titel 'Bhakti Kamala' verlieh, was 'der Lotos der Hingabe' bedeutet.

 

Der Grund für die Freude seiner Gottbrüder

 

Nityā-līlā-praviṣṭa pūjyāpāda Śrīmad Bhakti Rakṣaka Śrīdhara Mahārāja, pūjyapāda Śrīmad Bhakti Vicāra Yāyāvara Mahārāja, pūjyapāda nāmabhajanānandī Śrīla Kṛṣṇadāsa Bābājī Mahārāja, pūjyapāda Śrīmad Bhakti Dayita Mādhava Mahāraja und andere prominente, vertrauliche Schüler von Śrī Śrīla Prabhupāda erfuhren immer große Freude, wenn sie die Vorträge von pūjyapāda Madhusūdana Mahārāja zum Śrīmad-Bhāgavatam hörten.

 

 Eine Schatzkammer aller Tugenden

 

Alle Eigenschaften von Śrī Kṛṣṇa manifestieren sich in Seinen Gottgeweihten, und Śrīpāda Madhusūdana Mahārāja war mit endlosen Vaiṣṇava-Eigenschaften gesegnet. Heute erleben wir schmerzhaft die Abwesenheit dieses Vaiṣṇava-sannyāsī, der eine Schatzkammer aller Tugenden war. Der Kummer, ihn nicht mehr sehen zu können, ist uns unerträglich.

 

Die tiefe Qual unseres Herzens

 

Gottgeweihte, die sich dem kīrtana verschrieben haben - d.h. der Verbreitung der Botschaft und der endgültigen Wahrheiten des reinen bhakti, wie sie von Śrī Śrī Guru-Gaurāṅga dargelegt wurden - sind in dieser Welt sehr selten. Wenn solche Gottgeweihte aus unserem Blickfeld verschwinden, dann bereitet das tiefe Herzensqualen, so sehr, dass sie niemals durch Worte ausgedrückt werden könnten.

 

Die Wünsche der souveränen Höchsten Person, Puruṣottama Kṛṣṇa, der alles durch Seinen freien Willen kontrolliert, sind jedoch völlig unabhängig und unanfechtbar. Er holt diejenigen, die Ihm lieb sind, aus dieser Welt zurück und gibt ihnen einen Platz zu Seinen Füßen, wodurch wir in einen Ozean der Trennung eintauchen. Er bringt uns dazu, uns an diese Worte zu erinnern: „vaiṣṇavera guṇa-gāna kôrile jīvera trāṇa-die Herrlichkeiten der Vaiṣṇavas zu besingen, erlöst die Lebewesen.' So lehrt Er uns, den Idealen zu folgen, die durch das bhajana Seiner Geweihten vorgelebt werden. Dies allein ist das Wasser, das unsere Herzen trösten kann, die in einem Feuer der Qualen brennen.

 

Auszüge aus einem Artikel,

der in Śrī Caitanya-vāṇī (Jahr 31, Band 8) veröffentlicht wurde

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