His Holiness

Śrī Śrīmad Bhakti Pramoda Purī Gosvāmī Mahārāja

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Unparalleled service to Śrīla Prabhupādas bṛhad-mṛdaṅga

 

Im Jahre 1922, im Alter von vierundzwanzig Jahren nahm Śrī Śrīmad Bhakti Pramoda Purī Gosvāmī Mahārāja (zu der Zeit Śrī Prāṇavānanda Brahmacārī) Zuflucht zu den Lotosfüßen von Śrīla Prabhupāda am verheißungsvollen Tag des Śrī Kṛṣṇa Janmāṣṭamī. An diesem Tag empfing er sowohl harināma- als auch dīkṣā Einweihung und stellte sich ausschließlich in den Dienst der maṭha. Zuvor hatte er Naturwissenschaften studiert, wechselte dann aber zum Kunststudium. Nach Abschluss der Sekundarschule und Erhalt des indischen Schulabschlusses studierte er Kunst an der Universität und erwarb einen Bachelor of Arts.

 

Da Śrīla Prabhupāda wusste, dass Śrī Prāṇavānanda Brahmacārī über eine gute Bildung verfügte, rief er ihn zu sich und sagte: „Ich habe den Wunsch eine spirituelle Tageszeitung mit dem Titel Dainika Nadiyā Prakāśa herauszugeben, und ich möchte, dass du ihr Herausgeber wirst." Śrī Prāṇavānanda Brahmacārī fragte Śrīla Prabhupāda: „Was sind die Aufgaben eines Herausgebers?“

 

Śrīla Prabhupāda antwortete: „Wenn du mit deinem Dienst anfängst und die Zeitung herausgibst, wirst du automatisch verstehen, was zu tun ist. Wenn ein Gottgeweihter die Verantwortung annimmt, einen Dienst mit der Absicht auszuführen Śrī Hari, guru und die Vaiṣṇavas zu erfreuen, dann offenbaren sie ihm alles notwendige Wissen und statten ihn mit der erforderlichen Kompetenz aus, um diesen Dienst ordnungsgemäß auszuführen. Es besteht keine Notwendigkeit, von außen Ratschläge oder Anweisungen zu geben, was zu tun ist.

 

Unter der Redaktion von Śrī Prāṇavānanda Brahmacārī bewahrte und verkündete Dainika Nadīyā Prakāśa die Lehren von Śrīla Prabhupāda, und als sie unter die Menschen verbreitet wurde, erhellte sie die ganze Welt mit ihrer literarischen und spirituellen Exzellenz. Zeitgenössische Gelehrte waren verblüfft, dass jemand eine spirituelle Zeitung herausgab, und das auch noch auf täglicher Basis. Ich hörte das folgende Beispiel persönlich aus dem Lotosmund von Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja.

 

Einmal, als er mit Śrīla Prabhupāda in der Śrī Gauḍīya Maṭha in Bāgbāzār, Kolkata, sprach, fragte ihn Śrī Madana-mohana Malaviya, der Gründer der weltberühmten Banaras Hindu Universität in Vārāṇasī, Uttar Pradesh, mit großem Erstaunen: „Wie lange werden Sie in der Lage sein, dieses Dainika Nadīyā Prakāśa zu betreiben? Woher werden Sie die große Anzahl spiritueller Artikel bekommen, die nötig sind, um es jeden Tag zu drucken?"

 

Śrīla Prabhupāda antwortete: „Ihr Erstaunen verblasst im Vergleich zu dem Erstaunen, das ich empfinde, dass Sie, der als einer der besten Gelehrten Indiens gilt, sich über diese Dinge wundern. Diese materielle Schöpfung ist lediglich die Spiegelung eines Viertels der transzendentalen Schöpfung.

 

„Über dem ganzen Erdball werden zahllose Zeitungen in verschiedenen Sprachen veröffentlicht, und dieser Erdenplanet ist nur ein Teil des vierzehnfachen Planetensystems, der nur zu einem der unzähligen brahmāṇḍas in der materiellen Schöpfung gehört. Trotz der Alltäglichkeit der Artikel in diesen Zeitungen hat jeder das Gefühl, dass sie immer frisch sind. Warum sollte man sich also darüber wundern, dass täglich nur eine einzige Zeitung erscheint, die Dainika Nadīyā Prakāśa, die sich mit der transzendentalen spirituellen Welt beschäftigt? In der Tat haben wir genug transzendentale Inhalte über die spirituelle Welt, um zahlreiche Tageszeitungen für alle Ewigkeit zu veröffentlichen.“

 

Etwa fünfundsiebzig Jahre seines Lebens, von der Zeit, in der Śrīla Prabhupāda physisch anwesend war, bis weit nach Śrīla Prabhupādas Verscheiden, erfuhr Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja große innere Glückseligkeit in seinem beharrlichen und enthusiastischen Dienst an Śrīla Prabhupādas bṛhad-mṛdaṅga, seine Druckerpresse.

 

Ich habe persönlich miterlebt, wie er selbst im fortgeschrittenen Alter noch seinen Dienst in der Publizierung ausführte. In seinen späteren Jahren hinderte ihn sein verkrümmter Rücken daran längere Zeit zu schreiben, also benutzte er ein Holzbrett, um seinen Rücken zu stützen und um besser sitzen zu können und weiterzuschreiben. Obwohl seine Hände aufgrund seines Alters zitterten und seine ehemals elegante Handschrift allmählich unleserlich wurde, hörte er nie auf zu schreiben. Auch im hohen Alter hat er seinen Dienst an der bṛhad-mṛdaṅga nie aufgegeben, denn Śrīla Prabhupāda hatte ihm diesen Dienst persönlich anvertraut.

 

Śrīla Purī Gosvāmī Mahārājas unermüdlicher Dienst hat jedem einzelnen Gottgeweihten unter den Sārasvata Gauḍīya Vaiṣṇavas großen Nutzen gebracht. Während der Zeit, in der Śrīla Prabhupāda physisch anwesend war, diente Śrīla Mahārāja als Herausgeber von Dainika Nadīyā Prakāśa, schrieb Artikel für das wöchentliche Gauḍīya-Magazin, und leistete verschiedene Dienste für die Veröffentlichung verschiedener Schriften, darunter eine Ausgabe des Śrīmad-Bhāgavatams mit Śrīla Prabhupādas Kommentaren und seinen eigenen einleitenden Zusammenfassungen zu jedem Kapitel mit dem Titel Kathā-sāra.  Nach dem Verscheiden von Śrīla Prabhupāda wurde er Herausgeber der Monatszeitschrift Gauḍīya und später von der Śrī Caitanya-vāṇī, die von meinem gurupādapadma gegründet wurde. Außerdem schrieb er zahlreiche Artikel für eine Reihe von anderen Zeitschriften, und er redigierte und veröffentlichte viele gelehrte Bücher

 

Śrīla Purī Gosvāmī Mahārājas Dienst der Publikation gab jedem der wahrhaft aufrichtigen Anhänger von Śrīla Prabhupāda die Möglichkeit ihr höchstes spirituelles Wohl zu erlangen. Dafür bleiben die Śrī Sārasvata Gauḍīya Vaiṣṇavas für immer in seiner Schuld und sind ihm ewig dankbar.

 

Ob Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja anerkannt wird oder nicht, alle Zweige der Gauḍīya Maṭha und Ableger, die nach Śrīla Prabhupādas Verscheiden gegründet wurden - ebenso wie diejenigen, die in der Zukunft gegründet werden -, stehen in einer starken, unverbrüchlichen Beziehung zu den transzendentalen Worten (vāṇī), die in seinen literarischen Beiträgen dargelegt wurden, ob direkt oder indirekt. Kein anständiger, tugendhafter Mensch wird dies jemals leugnen.

 

Vollständig von Bhagavān abhängig

 

Die verschiedenen Störungen, die sich als Folge des Verscheidens von Śrīla Prabhupāda innerhalb des Gauḍīya Maṭha Instituts manifestierten, inspirierte Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja und seinen Gottbruder Śrī Ānanda-līlā-maya Prabhu dazu, an einen Ort am Ufer der Gaṅgā in Kālanā umzusiedeln, eine Stadt in dem Bezirk von Bardhamāna. Kālanā war geheiligt durch den Staub der Füße von Śrī Caitanya Mahāprabhu und Śrī Nityānanda Prabhu, als sie dort zu Besuch waren.

 

Śrī Śrīmad Bhakti Hṛdaya Vana Gosvāmī Mahārāja traf auf einer seiner Predigtmissionen in England den König von Bardhamāna. Im Jahre 1959 verschenkte der König auf Empfehlung von Śrīla Vana Gosvāmī Mahārāja den alten Ananta-vāsudeva-Tempel in Kālanā an Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja. Zu dieser Zeit diente Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja bereits seit geraumer Zeit seinen eigenen Bildgestalten von Śrī Rādhā-Gopīnātha. Der Bitte des Königs nachkommend, begann er dann, sowohl Ananta-vāsudeva als auch Śrī Rādha-Gopīnātha mit großer Liebe und Zuneigung zu dienen.

 

Das arcana (Verehrung der Bildgestalten), die von befreiten Persönlichkeiten durchgeführt wird, ist nicht wie von gewöhnlichen bedingten Seelen. Zum Beispiel die Verehrung von Śrī Gopāla durch Śrīla Mādhavendra Purīpāda, Śrī Govinda-deva wurde verehrt von Śrīla Rūpa Gosvāmīpāda, Śrī Madana-mohana von Śrīla Sanātana Gosvāmīpāda, Śrī Rādhā-vinoda von Lokanātha dāsa Gosvāmī, śrī girirāja-śilā von Śrīla Raghunātha dāsa Gosvāmīpāda, Śrī Rādhā-ramaṇa von Śrīla Gopāla Bhaṭṭa Gosvāmīpāda, Śrī Vṛndāvana-candra von Śrīla Kavirāja Gosvāmī, Śrīman Mahaprabhu von Śrīla Narottama dāsa Ṭhākura, Śrī Syāmasundara von Śrīla Śyāmānanda Prabhu, Śrī Śrī Radha-Gokulānanda von Śrīla Viśvanātha Cakravartī Ṭhākura, Śrī Radha-vijaya von Baladeva Vidyābhūṣaṇa Prabhu und die vielen Bildgestalten, denen  ācāryas in der neueren Zeit dienen. Der Unterschied zwischen ihnen und den bedingten Seelen ist wie Himmel und Hölle.

 

Befreite Persönlichkeiten können die transzendentale Nicht-Unterscheidung zwischen den drei Formen von Bhagavān erkennen: Seinem Namen, Seiner göttlichen Form und Seiner inneren Form (svarūpa). Daher sind sie in der Lage, Ihm in einer entsprechenden Gemütsstimmung zu dienen. Die bedingten Seelen jedoch, denen eine solche transzendentale Erkenntnis fehlt, müssen sich bei der Verehrung von Bildgestalten an die vorgeschriebenen Regeln und Vorschriften halten.

Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja war sein ganzes Leben lang vollständig entsagt. Er betrachtete den Dienst in Śrīla Prabhupādas Druckerei, der ihm von Śrīla Prabhupāda persönlich anvertraut worden war, stets als sein primäres Ziel. Wenn sich die Gelegenheit ergab, andere Dienste zu leisten, dann erfüllte er sie mit großer Ernsthaftigkeit, aber er hat für sie nie eine solche Zuneigung entwickelt, wie er es tat, um Śrīla Prabhupāda zu dienen, indem er spirituelle Literatur veröffentlichte.

 

Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja verwendete niemals auch nur einen Bruchteil seiner Energie darauf, absichtlich Geld zu sammeln, Anhänger anzuziehen, Anerkennung zu erlangen oder Land zu erwerben. Er pflegte immer zu sagen: „Ein Mensch wird dahin geführt, worin er seine Energie investiert."

Als Teil seiner täglichen Bildgestalten-Verehrung, badete Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja seine Bildgestalten in dem Wasser, das er persönlich aus der nahe gelegenen Gaṅgā holte, opferte Ihnen     bhoga und hielt dann āratī ab. Wenn er ausging, um bhikṣa (Almosen) zu sammeln, dann diente Śrī Ānanda-līlā-maya Prabhu den Bildgestalten und anders herum, wenn Śrī Ānanda-līlā-maya Prabhu  bhikṣa einsammelte, dann diente Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja den Bildgestalten.

 

Einmal sandte mir Guru Mahārāja einen Brief, als ich in Kolkata war. Er schrieb: „Zum Gedenken an den Erscheinungstag von Śrīla Narottama dāsa Ṭhākura organisiert Śrī Purī Mahārāja ein Fest, das im Ananta-vāsudeva-Tempel in Kālanā am Maghī-pūrṇimā (Vollmondtag im Januar-Februar) stattfindet. Es wäre gut, wenn du ihm helfen könntest. Ich habe auch Śrī Kṛṣṇa-keśava Prabhu, Śrī Madhu-mathana Prabhu, Śrī Vinoda-bihārī Prabhu und andere in Māyāpura zu den Festlichkeiten eingeladen.”

 

Als ich einen Tag vor dem Festival in Kālanā ankam, stellte ich fest, dass die Gottgeweihten, die Guru Mahārāja in seinem Brief erwähnt hatte, schon da waren. Ebenso waren anwesend Dr. S.N. Ghoṣa und Dr. Navīna Rañjana Sena Gupta, beide waren Schüler von Śrīla Prabhupāda und lebten in Kolkata. An dem Abend fragte ich Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja: „Śrīla Mahārāja, stimmt etwas nicht? Ich habe festgestellt, dass weder etwas zum Kochen da ist noch sind irgendwelche Kochutensilien vorhanden. Es gibt nicht einmal Blumen, um den Tempel für das morgige Fest zu schmücken. Was ist geschehen?”

 

Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja antwortete: „Śrī Ānanda-līlā-maya Prabhu hat mir gegenüber nichts erwähnt. Ich nehme an, diese Dinge werden schon irgendwie geregelt werden."

 

Verblüfft dachte ich: „Śrīla Mahārāja hat so viele Menschen zu diesem Fest eingeladen, aber er ist nicht im Geringsten beunruhigt, dass bis jetzt noch nichts vorbereitet wurde. Außerdem verstehe ich nicht, warum Śrīla Mahārāja den Namen von Śrī Ānanda-līlā-maya Prabhu erwähnt hat. Soweit ich weiß, wurde Śrī Ānanda-līlā-maya Prabhu nie mit der Organisation von irgendetwas betraut.

 

Wer weiß, welch tief empfundenes bhāva, welche vertrauliche Gemütsstimmung Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja erlebt haben musste. Obwohl ich es versucht habe, war ich unfähig meine Besorgnis zu ignorieren. Ich erkundigte mich bei Śrī Ānanda-līlā-maya Prabhu über die Situation, aber seine Antwort überzeugte mich nicht. So kehrte ich zurück zu Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja und fragte: „Mahārāja, wann und von woher sollen die Zutaten für die Zubereitung von bhoga kommen?”

Śrīla Mahārāja antwortete: „Das kann ich nicht sagen, aber ich vertraue fest darauf, dass durch den Willen von Bhagavān, alles gut wird.”

„Sicherlich“ antwortete ich. Dann fragte ich: „Ist es möglich große Töpfe und Kochutensilien von irgendwoher in der Nähe zu auszuleihen?“

Er antwortete: „Śrī Prakṛti Bhūṣana Datta wohnt in unmittelbarer Nähe. Er ist der Vorsitzende der Kālanā-Gemeinde und hat viele solcher Dinge. Du kannst ihn fragen."

Früh am nächsten Morgen, am Tag, des Festes, ging ich zu dem Haus von Śrī Prakṛti Bhūṣaṇa Datta und klopfte an der Tür. Als er sich schleppend dem Eingang näherte, wurde mir klar, dass ich ihn gerade geweckt hatte. Zuerst entschuldigte ich mich und dann erklärte ich ihm den Grund für meinen frühen Besuch. Ohne irgendwelche Fragen zu stellen, oder etwas zu sagen rief er seinen Diener und gab ihm die Schlüssel für den Raum, wo all die Töpfe und Utensilien gelagert wurden. „Er soll nehmen, was er braucht,“ sagte er.

 

Nachdem ich alle notwendigen Töpfe und Utensilien in die maṭha brachte, wurden sie von den Gottgeweihten gereinigt. In der Zwischenzeit hatten ein paar Leute ein paar magere Zutaten zum Kochen von bhoga gebracht, aber die Menge war bei weitem nicht ausreichend. Während ich große Töpfe mit Wasser auf den Herden zum Kochen brachte, lehnte ich mich zurück und wartete darauf, dass weitere Zutaten eintrafen. Innerhalb kürzester Zeit kamen die Leute nacheinander, wie auf einer Ameisenstraße, und boten eine Vielzahl von Produkten an, wie Jaggery, Zucker, Reis, Hülsenfrüchte, Mehl, Gemüse, Milch und Quark. Plötzlich gab es kein Mangel mehr; die maṭha erschien wie ein Lebensmittelgeschäft.

 

Beim Anblick des Überflusses wurde ich an einen Vers aus der Bhagavad-gītā (9.22) erinnert:

 

ananyāś cintayanto māṁ

 ye janāḥ paryupāsate

 teṣāṁ nityābhiyuktānāṁ

 yoga-kṣemaṁ vahāmy aham

 

Diejenigen, die keine anderen Wünsche haben, die immer darin vertieft sind über mich zu meditieren und Mich immer verehren, gebe Ich, was sie brauchen, und erhalte, was sie haben

 

Ich schätzte mich glücklich, dass sich solch ein praktisches Beispiel von diesem Vers vor mir manifestierte. Meine Glückseligkeit kannte kein Ende.

 

Da niemand zur Verfügung stand, um für das Fest zu kochen, übernahm ich dankbar die Verantwortung und kochte unter der Anleitung von Śrīpāda Kṛṣṇakeśava Brahmacārī, der für Śrīla Prabhupāda zu kochen pflegte. Noch nie zuvor hatte ich für so viele Menschen auf einmal gekocht.

Ich bereitete alles zu, was von Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja bestellt wurde, und ich hörte nicht auf, bis alle vollständig zufriedengestellt waren. Mittag prasāda wurden den ganzen Nachmittag hindurch serviert, bis sich der Abend näherte. Unzählige Gottgeweihte ehrten das prasāda. Viele von ihnen nahmen sogar prasāda mit nach Hause, aber dennoch gab es keine Knappheit. In der Tat, es blieben so viele Nahrungsmittel übrig, dass sie den ganzen Monat über reichten. Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja war dieser Überschuss an Nahrungsmittel ebenso gleichgültig, wie am Anfang, als noch nichts vorhanden war. Er machte sich keine Sorgen um die Zukunft und schien die Verkörperung des folgenden Verses zu sein:

 alabdhe vā vinaṣṭe vā

 bhakṣyācchādana-sādhane

aviklava-matir bhūtvā

 harim eva dhiyā smaret

Bhakti-rasāmṛta-sindhu (1.2.114)

 

Selbst wenn ein Praktizierender der Hingabe nicht seine lebensnotwendigen Dinge erhalten kann, oder wenn er etwas verliert, nachdem er es erhalten hat, sollte er unbesorgt bleiben und sich weiterhin an Śrī Hari erinnern.

 

Ein Fest zu veranstalten, nachdem man vorher alle notwendigen Dinge besorgt hat, ist nicht dasselbe wie ein Fest zu veranstalten, ohne etwas vorbereitet zu haben. So oder so, Bhagavān erfüllt zweifellos die Wünsche eines hingebungsvollen Gottgeweihten. Durch die Barmherzigkeit von Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja, konnte ich an diese denkwürdigen und einzigartigen Feste teilnehmen. Zusätzlich hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben die Gelegenheit, darśana von mehreren Bildgestalten zu erhalten, inklusive Śrī Śrī Gaura-Nityānanda Prabhu, verehrt von Śrī Gaurīdāsa Paṇḍita-jī;  die Bildgestalten, die von Śrī Surya-kānta Sarakhela, dem Vater der Ehefrauen von Śrīman Nityānanda Prabhus, Śrī Jāhnavā devī und Śrī Vasudhā devī, errichtet wurden; der Tamarindenbaum, der mit den Spielen von Śrī Caitanya Mahāprabhu in Verbindung gebracht wird; die Bildgestalt von Śrī Nāma-brahma verehrt von Śrī Bhagavān dāsa Bābājī Mahārāja und eine Anzahl anderer verehrungswürdiger Bildgestalten und Orte in Kālanā.

 

Ich habe an vielen Festen teilgenommen, die von Śrī Gopīnātha Gauḍīya Maṭha organisiert wurden, der maṭha, die von Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja gegründet wurde, sowohl während seiner Anwesenheit in dieser Welt und nach seinem Verscheiden als sein Schüler Śrī Bhakti Bibudha
Bodhāyana Mahārāja begann, die Feste zu organisieren. Ich kann sagen, dass ich, obwohl
moderne Bequemlichkeit es relativ einfach gemacht hat, extravagante Feste zu veranstalten, nie wieder ein so bemerkenswertes Fest erlebt, wie das in Kālanā, wo es keinerlei Vorbereitungen gab. Śrīla Purī Gosvāmī Mahārājas transzendentale Herrlichkeiten manifestierten sich bei diesem Fest, und sie aus erster Hand zu erleben, hinterließ einen tiefen Eindruck in meinem Herzen.

 

Nur die Tugenden sehen, die Fehler ignorieren

 

Einmal bat mich Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja einen Bericht über die spirituellen Aktivitäten im Gokula-Zweig der Śrī Caitanya Gauḍīya Maṭha zu schreiben, wo ich in der Zeit wohnte.  Der Bericht sollte in dem monatlichen Magazin der Śrī Caitanya Gauḍīya Maṭhas, Śrī Caitanya-vāṇī, veröffentlicht werden. Obwohl ich keine Erfahrung im Verfassen von Artikeln zur Veröffentlichung hatte, befolgte ich Śrīla Mahārājas Anweisung, da ich sie genauso betrachtete, als wäre es die Anweisung, meines Guru Mahārāja.

 

Ich schickte Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja meinen fertigen Bericht mit einem Begleitschreiben, in dem es hieß: „Śrīla Mahārāja-jī, obwohl ich keine journalistische Erfahrung habe, habe ich diesen Bericht nach meinen begrenzten Fähigkeiten geschrieben. Bitte akzeptiere das, was du für angemessen hältst und verwerfe den Rest." Als der Bericht in Śrī Caitanyavāṇī veröffentlicht wurde, stellte ich fest, dass er ihn genauso veröffentlicht hatte, wie ich ihn geschickt hatte, ohne ein einziges Wort auszulassen oder zu verändern.

 

Das nächste Mal, als ich Śrīla Mahārāja traf, sagte er: „Dein Text war sehr gelehrt. Ich habe nichts gefunden, was fehl am Platz war oder einer Überarbeitung bedurfte, also habe ich alles so gelassen, wie es war.”

 

Dies erinnerte mich an Śrīla Kṛṣṇadāsa Kavirāja Gosvāmī, wie er im Śrī Caitanya-caritāmṛta (Ādi-līlā 8.62) Śrī Haridāsa Paṇḍita beschrieb, den pūjārī des Śrī Govinda-deva Tempel, indem er sagte: „Vaiṣṇavera guṇa-grāhī, nā dekhaye doṣa—Er sah nur die guten Eigenschaften der Vaiṣṇavas und ignorierte ihre Fehler.” Śrīla Purī Gosvāmī Mahārājas Umgang—nicht nur in diesem Fall, sondern sein ganzes Leben lang – diente als Beweis, dass er auch diese besondere Eigenschaft besaß, nur die positiven Eigenschaften der anderen zu sehen.

 

Ein praṇayi-bhakta

 

In früheren Zeiten, während des Ratha-yātrā, richtete die Festivalleitung vor den Wagen einen besonderen Bereich ein, in dem die Gottgeweihten ungestört kīrtana praktizieren konnten. Gewöhnliche Menschen durften diesen Bereich nicht betreten.

 

Einmal, als die Gauḍīya Maṭha-Geweihten in diesem Bereich, unter der Anleitung meines Guru Mahārāja kīrtana abhielten, gerieten die Diener oder paṇḍās von Lord Jagannātha durch das Hören des kīrtana so in Ekstase, dass sie Guru Mahārāja auf ihre Schultern hoben und ihn mit Gewalt auf den Wagen des Herrn setzten. Währenddessen tanzte Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja vor dem Wagen in der Gemütsstimmung, die die vraja-gopīs beim Treffen mit Śrī Kṛṣṇa in Kurukṣetra erlebten, und sang das folgende Lied:

 

sei tô’ parāṇa-nātha pāinu

ĵāhā lāgi’madana-dahane jhuri’ genu

Śrī Caitanya-caritāmṛta (Madhya-līlā, 13.113)

 

Jetzt habe ich den Herrn meines Lebens gewonnen, in dessen Abwesenheit mich Amor verbrannt und verdorren ließ.

 

Während Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja ganz darin vertieft war diesen kīrtana zu singen, wurden alle Gottgeweihten um ihn herum ebenfalls in die gleiche Gemütsstimmung dieser Begegnung versetzt und waren überglücklich. Ein Taschendieb nutzte diese Gelegenheit, um Śrīla Purī Gosvāmī Mahārājas Brieftasche aus seiner Tasche zu stehlen. Da die meisten Gottgeweihten im kīrtana versunken waren, bemerkte es niemand außer einer meiner Gottbrüder, Śrī Nārāyaṇa Brahmacārī (später bekannt als Śrī Bhakti Prasāda Purī Mahārāja), der nach vorne eilte und den Taschendieb festnahm.

 

Während er den Dieb festhielt, versuchte Śrī Nārāyaṇa Brahmacārī verzweifelt, die Aufmerksamkeit von Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja zu erlangen, aber Śrīla Mahārāja war so in kīrtana vertieft, dass er seinen Worten keine Aufmerksamkeit schenkte. Als Śrī Nārāyaṇa Brahmacārī es noch eindringlicher versuchte, wurde Śrīla Mahārāja plötzlich sehr wütend und schalt ihn: „Warum störst du mich? Lass ihn das Geld nehmen. Geld wird kommen und gehen, aber die Gemütsstimmung, die wir in diesem Moment erleben, wird vielleicht nicht wiederkommen.

 

Wer unter den Leuten, die diesen Vorfall beobachteten, konnte wirklich Śrīla Purī Gosvāmī Mahārājas innere Gemütsstimmung oder die Ursache seiner Irritation verstehen? Nur solche, die sehr ernsthaft und spirituell reif sind — oder mit anderen Worten, vollkommen hingegeben— so dass man überhaupt in der Lage ist solch eine subtile Sache zu bemerken, was zu sprechen zu verstehen. Deshalb können wir einen praṇayi-bhakta, auch wenn er vor uns steht und wir sein Verhalten persönlich miterleben, nicht erkennen, solange wir nicht vollkommen ernsthaft sind und uns seinem Willen hingeben. Ohne Ernsthaftigkeit und Hingabe werden wir nicht erkennen, dass seine Aktivitäten die eines mahā-bhāgavata und nicht die eines gewöhnlichen Gottgeweihten sind.

 

Nur wenn wir wirklich aufrichtig werden, offenbart ein praṇayi-bhakta aus seiner nicht doppelzüngigen Barmherzigkeit, seine wahre Identität und offenbart seine erhabene Stellung. Dann können wir das Verhalten der praṇayi-bhaktas nicht nur verstehen, sondern es auch in unserem Geist und Herzen bewahren, indem wir es in unser Leben einfließen lassen. Durch die Gnade dieser erhabenen Vaiṣṇavas werden uns die Augen gegeben, die wahre Form ihrer transzendentalen Aktivitäten und die tiefen Gemütsstimmungen dahinter klar zu verstehen.

 

Unter keinen Umständen werden praṇayi-bhaktas ihre Barmherzigkeit an einen Ort manifestieren, wo heuchlerische Hingabe existiert. Wenn wir ihre Gnade nicht haben, können wir solche fortgeschrittenen Persönlichkeiten nicht erkennen, und deswegen werden wir ihr Verhalten als nicht angemessen missverstehen.

 

mahat-kṛpā binā kona karme ‘bhakti’ naya

 kṛṣṇa-bhakti dūre rahu, saṁsāra nahe kṣaya

 Śrī Caitanya-caritāmṛta (Madhya-līlā 22.51)

 

Man kann bhakti nicht ohne die Barmherzigkeit eines großen Gottgeweihten erlangen. Was zu sprechen von kṛṣṇa-bhakti, man kann nicht einmal von den Fesseln der materiellen Existenz befreit werden.

 

Daher, nur wenn man die Barmherzigkeit eines praṇayi-bhaktas erhält, kann man sowohl die    praṇayi-bhaktas erkennen als auch diejenigen, die sich wahrhaftig bemühen, praṇayi-bhaktas zu werden.

 

Wir haben gesehen, dass, wenn irgendjemand Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja auch nur eine einzige Rupie gab, dann nahm er ihn, führte ihn zu seiner Stirn und bewahrte ihn sorgfältig in seiner Tasche auf. Er sagte dann: „Dieses Geld wurde von Śrīla Prabhupāda für den Dienst zu Bhagavān gesendet.” Aber in dem oben erwähnten Vorfall hat Śrīla Mahārāja gesagt: „Lass sie mein Geld nehmen, aber stör mich nicht.“ Wie kommt es, dass er in einem Fall tiefen Respekt für ein Objekt zeigt, das er als von seinem Guru Mahārāja für den Dienst an Bhagavān gesandt betrachtet, in einem anderen Fall aber genau dieses Objekt missachtet? Damit zeigt Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja, dass, wenn man in die Ausführung eines höheren Dienstes vertieft ist, ein kleinerer Dienst automatisch vernachlässigt werden kann. Dabei gibt es keine Rücksicht auf Verlust oder Schaden.

 

Viele Leute waren anwesend, während der Taschendieb das Geld von Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja stahl, und jeder reagierte, gemäß seiner jeweiligen Qualifikation. Die Senior Vaiṣṇavas, die völlig im kīrtana und dem Genuss der göttlichen Gemütsstimmung des Ratha-yātrā Festivals vertieft waren, ließen sich nicht stören, wogegen die Junior- oder Neophyt-Geweihte, sich beeilten, den Taschendieb zu fassen und zu bestrafen. Sie müssen enttäuscht gewesen sein, als Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja sie dafür tadelte, dass sie ihn gestört hatten.

 

Als ich Zeuge dieses Vorfalls wurde, erinnerte er mich an einen Vers aus der aus der Bhagavad-gītā: (2.69):

yā niśā sarva-bhūtānāṁ

 tasyāṁ jāgarti saṁyamī

yasyāṁ jāgrati bhūtāni

 sā niśā paśyato muneḥ

 

Intelligenz, die sich auf die Seele bezieht, ist für gewöhnliche, materialistische Menschen wie die Nacht. Ein beständiger und beherrschter Mensch mit fester Intelligenz bleibt hier jedoch wach. Der gewöhnliche Mensch bleibt wach, wenn sich die Intelligenz mit Sinnesobjekten beschäftigt, aber für den, der die Absolute Wahrheit wahrnimmt, ist das die Nacht.

 

Materialisten sind sich nur der Dinge bewusst, die sich auf die materielle Welt beziehen und ihre Sorge um das Sammeln von Geld ist so groß, dass sie sich um einen einzigen Pfennig streiten. Sie verbringen weder Zeit über ihr wahres spirituelles Wohl (paramārtha) nachzudenken, noch sind sie auch nur im Geringsten bestrebt, darüber Fragen zu stellen. Umgekehrt sind diejenigen, die sich des ātma-tattva oder der Wahrheit über die Seele vollkommen bewusst sind, stets bestrebt, ihren wirklichen, transzendentalen Reichtum zu erlangen; sie verschwenden keinen einzigen Augenblick damit, sich um materiellen Besitz zu kümmern, wohl wissend, dass solche Dinge keinen wahren Wert besitzen.

 

In Übereinstimmung mit diesem Vers aus der Bhagavad-gītā konnte ich beobachten, dass die älteren Vaiṣṇavas, die an Śrīla Purī Gosvāmī Mahārājas kīrtana teilnahmen, in einer ähnlichen Gemütsstimmung versunken waren wie er. Aufgrund dessen, war ihnen der Taschendieb gleichgültig. Die Neuling-Geweihten jedoch, waren sich der tiefen Gemütsstimmung der Senior-Geweihten nicht bewusst und ihre Priorität galt den Taschendieb zu fangen.

 

Parikramā ohne die Gemeinschaft mit praṇayi-bhaktas ist kein parikramā

 

Ich hatte das Glück, den parikramā gemeinsam mit meinem Guru Mahārāja und vielen anderen Schülern von Śrīla Prabhupāda Bhaktisiddhānta Sarasvatī Ṭhākura von Śrī Navadvīpa-dāma  Śrī Vraja-maṇḍala, Nord- und Südindien durchzuführen.  Sie trugen starke Gefühle der Trennung in ihre Herzen, und ihre Worte waren so kraftvoll, dass wir in ihrer Gesellschaft große Glückseligkeit erfuhren, obwohl wir von morgens bis abends mit der körperlichen Arbeit der Organisation des
parikramā beschäftigt waren.

 

Einmal im Śrī Vraja-maṇḍala parikramā in Govardhana, erreichte die parikramā Gruppe Govinda-kuṇḍa später als vereinbart.

 

Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja wandte sich an die versammelten Gottgeweihten und sagte: „Obwohl es sehr spät ist und ich kein fähiger Redner bin, hat Śrī Bhakti Dayita Mādhava Mahārāja mir den Dienst aufgetragen, über jeden Ort, den wir besuchen, zu sprechen, indem wir Auszüge aus Śrī Caitanya-caritāmṛta, Bhakti-ratnākara und anderen Schriften lesen, in denen die Herrlichkeiten dieser Orte beschrieben werden. Es macht mir nichts aus, hier zu sprechen, aber es ist schon spät, und es gibt noch viele andere Orte, zu denen wir gehen müssen. Ihr müsst alle ziemlich hungrig sein. Deshalb werde ich nur sprechen, wenn ihr bereit seid, zuzuhören; andernfalls werden wir jetzt darśana von den anderen Orten nehmen und über ihre Herrlichkeiten sprechen, wenn es die Zeit erlaubt, so dass ihr eher früher als später prasāda nehmen könnt."

 

Alle erwiderten einstimmig: „Wir haben zu Hause genug zu essen. Wir sind wegen dem parikramā gekommen und den Nektar zu kosten, den du in unsere Ohren gießt. Wir sind nicht hier, um einfach nur zu essen, zu trinken und zu schlafen. Bitte erzähle uns die Spiele, die mit diesen Orten, die wir besuchen verbunden sind.

 

Zu dieser Zeit begann Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja aus dem Śrī Caitanya-caritāmṛta über die Spiele von Śrī Mādhavendra Purīpāda sowie über die Herrlichkeiten von Govinda-kuṇḍa und die Spiele, die dort stattfanden vorzulesen.  Als nächstes sprach er über die Herrlichkeiten von Girirāja-Govardhana und rezitierte Śrī Govardhana-vāsaprārthanā-daśakam, das von Śrīla Raghunātha dāsa Gosvāmī verfasst wurde. Darin betet Śrīla Dāsa Gosvāmī: „nija-nikaṭa-nivāsaṁ dehi govardhana! tvam—Oh Girirāja-Govardhana! Bitte lass mich in Deiner Nähe wohnen.”

 

Die ganze Versammlung hörte sehr aufmerksam zu und es war so still, dass man eine fallende Stecknadel hätte hören können. Tränen rannen aus den Augen vieler, und niemand verspürte Hunger oder Durst; alle waren völlig in hari-kathā versunken.

 

Heutzutage müssen die Gottgeweihten, die parikramā durchführen und vorbereiten, nicht mehr das gleiche Maß an anstrengender Arbeit leisten wie die Gottgeweihten in der Vergangenheit; sie haben genügend Zeit, sich auszuruhen und hari-kathā zu hören. Trotzdem können wir nicht feststellen, dass die Art von Glückseligkeit, die wir früher während des parikramā erlebten, sich in den heutigen parikramā-Gruppen manifestiert.

 

Wenn wir parikramā in der Gemeinschaft von praṇayi-bhaktas durchführen, bleibt keine Zeit für Unsinn; vielmehr konzentrieren wir uns ganz auf das Hören, Chanten und Erinnern. Nur in der Gemeinschaft mit solch erhabenen Geweihten kann man den wahren Nutzen der Durchführung von parikramā verstehen und erkennen.

 

Die Herrlichkeiten des dhāma zu hören ist wahrer dhāma-parikramā

 

Unsere parikramā Gruppe übernachtete einmal im Vṛndāvana Daravājā Dharmaśālā in Mathurā während dem Vraja-maṇḍala parikramā. In jenem Jahr hatte es stark geregnet und so war der Wasserstand der Yamunā viel höher als sonst. Aufgrund seines fortgeschrittenen Alters ging Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja langsam und blieb in der Regel am Ende der parikramā-Prozession. Mein Dienst zu dieser Zeit war es am Schluss zu laufen und zu verhindern, dass Pilger von der Gruppe getrennt wurden. Glücklicherweise gab mir dies die Gelegenheit, neben Śrīla Purī Gosvāmī
Mahārāja zu gehen und seine Kommentare über die Herrlichkeiten eines jedes Ortes, an dem wir vorbeikamen, zu hören.

 

Als die Pilger bemerkten, dass die Einheimischen Urin und Stuhl ganz in der Nähe der ghāṭas absetzten, spuckten viele von ihnen in unserer parikramā-Gruppe angewidert aus, wenn sie an diesen Stellen vorbeigingen, und blieben an dem Thema hängen, so dass es während eines Großteils des parikramā ein Gesprächsthema blieb. Als Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja das sah, drückte er seinen Unmut über diese Pilger aus, indem er sagte: „Diese Leute sind nicht hierhergekommen, um darśana des dhāma zu haben, sondern von Stuhl und Urin. Die richtige Methode, darśana zu haben, besteht darin, die Herrlichkeiten des dhāma aus dem Munde eines verwirklichten vaiṣṇava sādhu zu hören. Diese Pilger müssen noch erkennen, dass tatsächliches, authentisches darśana nicht durch die materiellen Sinne erlangt werden kann."

 

Die schwerwiegende Bedeutung von Vergehen gegen Vaiṣṇavas

 

Einmal begleiteten mein Gottbruder Śrī Viṣṇu dāsa (später als Śrī Bhakti Viveka Paramārthī Mahārāja bekannt) und ich Śrīla Bhakti Pramoda Purī Gosvāmī Mahārāja auf eine Fahrt mit dem Zug von Kolkata nach Purī. Während wir im Bahnhof Howrah in Kalkutta auf dem Bahnsteig
neben dem wartenden Zug standen, sprach ein wohlhabender Mann in Anwesenheit vieler anderer Fahrgäste Śrī Viṣṇu Prabhu in einer unhöflichen Art und Weise an, und beschimpfte ihn mit vielen abwertenden Namen.

 

Die Natur von Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja spiegelte genau die Beschreibung der Heiligen Schriften von außergewöhnlichen Persönlichkeiten wider: „vajrād api kaṭhorāṇi mṛdūni kusumād api—härter als ein Donnerschlag und weicher als eine Blume.” Als derselbe reiche Mann, der Śrī Viṣṇu Prabhu beschimpft hatte, versuchte Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja, in dem die Eigenschaften der Süße und Weichheit offensichtlich waren, praṇāmī darzubringen, manifestierte Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja seine Durchsetzungskraft und lehnte das Angebot des Mannes strikt ab. Er sagte zu ihm: „Sie haben einen vaiṣṇava-aparādha begangen. Was zu sprechen eine Darbringung anzunehmen, ich möchte mit so einem Menschen, wie Sie weder sprechen noch irgendeine Art von Beziehung eingehen.”

Der reiche Mann sagte: „Mahārāja, ich möchte Ihnen dienen. Bitte seien Sie barmherzig und nehmen Sie von mir diese kleine Darbringung an.”

Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja sagte: „Wenn ich von Ihnen einen Dienst annehmen würde, dann wäre ich auch an Ihrem Vergehen beteiligt. Ich werde niemals etwas von Ihnen annehmen.” Trotz seiner Beharrlichkeit war der wohlhabende Mann erfolglos in seinen Versuchen, Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja davon zu überzeugen, sein Angebot anzunehmen. Unglücklicherweise war er nicht in der Lage, Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja's subtilen Hinweis aufzugreifen, dass er Śrī Viṣṇu dāsa um Vergebung für sein Vergehen bitten sollte.

 

Großer Drang, dem Höchsten Herrn zu dienen

 

Eines Nachts erschien die Bildgestalt Śrī Gopīnātha-jiu of Agradvīpa, Śrī Gauḍa-maṇdala im Traum von Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja. Früher wurde Śrī Gopīnātha-jiu gedient und verehrt von den erfahrenen Sängern und ewigen Gefährten von Śrī Caitanya Mahāprabhu, Śrī Govinda Ghoṣa und seinen beiden Brüdern, Śrī Vāsudeva Ghoṣa und Śrī Mādhava Ghoṣa. In diesem Traum brachte Śrī Gopīnātha-jiu seinen Wunsch nach süßem Reis, gekocht von Śrīla Mahārāja, zum Ausdruck.

 

Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja gab der Erfüllung des Wunsches von Śrī Gopīnātha die höchste Priorität. Ohne zu zögern, heuerte er in aller Frühe unauffällig mit Hilfe von Śrī Bhūpen Mitra vier Rikśaws an und machte sich mit großem Enthusiasmus auf den Weg nach Agradvīpas. Mehrere Gottgeweihte, darunter mein Gottbruder Śrī Bhakti Nīlaya Maṅgala Mahārāja und ich, begleiteten ihn. Sobald wir ankamen, bereitete Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja süßen Reis für Śrī Gopīnātha-ji zu.

 

Vor diesem Erlebnis kannte ich diesen Ort nicht, noch wusste ich, dass Śrī Gopīnātha-jiu dort residierte. Aufgrund Śrīla Mahārājas Barmherzigkeit konnte ich darśana von Śrī Gopīnātha-jiu nehmen.

 

 Dhama parikramā ist ein Teil der Bildgestaltenverehrung.

 

Während dem Navadvīpa-dhāma parikramā, beauftragte Guru Mahārāja respektvoll Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja mit der Leitung der parikrama-Gruppe.

 

Auf diese Weise konnten alle Pilger unter der Senior Führung von Śrīla Mahārāja parikramā durchführen. Jeden Morgen in der maṭha, bevor die parikramā Gruppe losging, servierten eine Reihe von Gottgeweihten und ich prasāda zu den sannyāsīs, brahmacārīs und Pilgern. Ich stellte fest, dass Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja und Guru Mahārāja jedoch zu dieser Zeit kein prasāda annahmen, sondern erst nachdem unser parikramā Yogapīṭha erreicht und sie darśana von den Bildgestalten genommen hatten. Ich bat Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja: „Bitte erkläre mir freundlicherweise den Grund, warum du und Guru Mahārāja erst jetzt hier in Yogapīṭha prasāda angenommen habt, und nicht in unserer maṭha heute Morgen. Ich bin nicht in der Lage, das geheimnisvolle Prinzip hinter deinem Verhalten zu verstehen."

 

Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja antwortete: „Dhāma-parikramā ist ein Teil des arcana (Bildgestaltenverehrung). So wie ein pūjārī prasāda erst nach Beendigung seines arcana zu sich nimmt und dadurch nicht verpflichtet ist, bis zum Mittagsopfer zu fasten, so nehmen wir prasāda nicht vor unserem ersten darśana des Tages ein und halten kein weiteres Fasten ein."

 

Alles was von den Vaiṣṇavas gegeben wird, ist transzendental

 

Roher Reis gehört zu der Erscheinungsweise der Tugend und wenn er gekocht ist, dann ist er geeignet Bhagavān dargebracht zu werden. Deshalb nahm ich nur Reis-prasāda an, wenn er von rohem Korn gekocht wurde. Diese Gewohnheit wurde von Guru Mahārāja und Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja geteilt.

 

Einmal, während eines Festes anlässlich einer Bildgestalten-Installation, an dem ich mit Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja in der Śrī Śrīmad Bhakti Saurabha Bhaktisāra Gosvāmī Mahārājas maṭha teilnahm, wurde uns Parboiled-Reis (verarbeitet) serviert. Als ich zögernd auf meinen Teller starrte forderte uns Śrīla Bhaktisāra Gosvāmī Mahārāja auf prasāda zu ehren. Da Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja wusste, dass ich keinen verarbeiteten Reis akzeptieren würde, sah er mich an und sagte: „Ein Vaiṣṇava hat uns befohlen, prasāda zu akzeptieren. Alles was von den Vaiṣṇavas geopfert wird, ist nirguṇa, transzendental und frei von den Auswirkungen der drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur.“ Dann begann Er prasāda zu ehren. Gedemütigt durch Śrīla Mahārājas persönliches Verhalten, entschied ich mich zum ersten Mal in meinem Leben verarbeiteten Reis anzunehmen. Ich begann das Reis-prasāda zur Freude der   Vaiṣṇavas zu ehren.

 

Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja gab einem transzendentalen Gegenstand, der von einem Vaiṣṇava gegeben wurde, größere Bedeutung als seinem eigenen persönlichen Gelübde. Indem ich dies beobachtete, erhielt ich eine tiefgründige Unterweisung: Ein Mensch kann Gelübde streng einhalten, um Objekte zu erlangen, die zu diesem vierzehnfachen Planetensystem gehören, aber bhakti kann nur erreicht werden, wenn man vaiṣṇava-sevā den Vorrang gibt. Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja lebte diese Lehre persönlich.

 

Seine unvergleichliche Wertschätzung für alle Vaiṣṇavas

 

Einer der Dienste, mit denen ich während des Vraja-maṇḍala parikramā beauftragt war, bestand darin den Schülern von Śrīla Prabhupāda Bhaktisiddhānta Sarasvatī Ṭhākura heißes Wasser für ihr Morgenbad bereitzustellen. Jedes Mal, wenn ich Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja seinen Eimer mit heißem Wasser brachte, sprenkelte er zuerst ein paar Tropfen dieses Wassers auf seinen Kopf.

 

Ich hörte, wie er sagte: „Dieses Wasser wurde von einem Vaiṣṇava gebracht. Alles was von einem Vaiṣṇava gegeben wird, ist prasāda, seine Barmherzigkeit. Wie kann ich dann dieses Wasser dafür benutzen, meine Füße zu waschen? Bevor ich es benutze, muss ich es zuerst ehren, in dem ich damit meine Stirn berühre. Erst dann werde ich es benutzen, um meinen Körper zu waschen. Ich muss dieses Wasser in der gleichen Weise behandeln wie die von den älteren Vaiṣṇavas gegebenen Reste, wie Kleidung und andere Gegenstände. Solche Gegenstände sind greifbare Manifestationen der Barmherzigkeit der Vaiṣṇavas und können bei Bedarf für unseren Dienst verwendet werden."

Dass er mich, einen gewöhnlichen Menschen, der zu seinen Schülern gezählt werden kann,
mit dem Respekt behandelt, der einem Vaiṣṇava gebührt, zeugt von der großen Verehrung, die er für seine Gottbrüder und den älteren Vaiṣṇavas hegt.

 

Ein verwirklichter kīrtanīya

 

Im Monat Kārtika während des Vraja-maṇḍala parikramā, sang Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja entsprechend den acht Tageseinteilungen (āṣṭayāma) die von Śrīla Bhaktivinoda Ṭhākura komponierten kīrtanas, die auf den acht Versen des Śikṣāṣṭaka basieren und sich auf aṣṭa-kālīya-līlā beziehen. (1).

 

Zusätzlich sang er die, kīrtanas, die Śrīla Bhaktivinoda Ṭhākura als Adaptionen an die Verse von Śrī Kṛṣṇadāsa Kavirāja Gosvāmīs Śrī Govinda-līlāmṛta komponierte. Seine Stimme war von Natur aus süß und die verschiedenen Melodien, die entsprechend der Tageszeit ausgewählt wurden, waren so bezaubernd, als ob göttlicher Nektar in die Ohren seiner Zuhörer gegossen wurde.

 

Wenn er sang, erfreute sich sein Herz und seine melodiöse Stimme zog alle an, Jung und Alt. Wenn die Pilger solch einen herrlichen Klang hörten, ließ jeder seine Aufgabe liegen und eilte zu Śrīla Mahārāja, um an seinen kīrtanas teilzunehmen; niemand konnte dem fernbleiben.

 

Als Śrīla Prabhupāda noch physisch anwesend war, wurden die kīrtanas, die Śrīla Purī Gosvāmī
Mahārāja (damals bekannt als Śrī Praṇavānanda Brahmacārī), von Śrīla Narottama dāsa Ṭhākura und Śrīla Bhaktivinoda Ṭhākura sang, über das Radio ausgestrahlt. Auf diese Weise diente er Śrīla Prabhupāda, indem er ihn bei seiner Mission unterstützte die Lebewesen dem reinen harināma-saṅkīrtana nahezubringen, das die Kraft hat die ganze Welt zu erlösen.

 

Einmal, als Śrīla Prabhupāda in Darjeeling war, hörte er im Radio, wie Śrī Praṇavānanda Brahmacārī das Lied Gopīnātha Mama Nivedana Śunô sang. Die göttliche Ekstase, die Śrīla Prabhupāda beim Hören dieses kīrtana erlebte, war so groß, dass er, als er nach Kalkutta zurückkehrte, Śrī Praṇavānanda Brahmacārī in sein Zimmer rief und ihn bat, es für ihn unter vier Augen zu singen. Vielleicht ist dies der Grund, warum Gopīnātha Mama Nivedana Śunô das Lieblings-kīrtana von Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja war.

 

Er erkennt seine bescheidene Position in Śrīla Prabhupādas Mission

Śrīla Prabhupāda schrieb in einem Brief an Śrī Atendriya dāsa Adhikārī, der Verfasser der Śrī Gauḍīya Kaṇṭhahāra: „Śrīla Bhaktivinoda Ṭhākura hat ein wundervolles Spiel offenbart, in dem er sich selbst als Ausfeger des Śrī Nāma-haṭṭa beschreibt, dem Marktplatz, auf dem śrī harināma gekauft und verkauft wird. Wir, mit unseren Hunderten von kollektiven Mündern, werden in die Fußspuren der großen Persönlichkeiten treten, die vor uns kamen. Wie werden uns als Kehrbesen präsentieren, um die Aufgabe von prapañca-mārjana-līlā zu erfüllen, den Schmutz der Unwissenheit, geboren aus der Materialität der Herzen der bedingten Seelen, zu entfernen. Mit anderen Worten, wir werden überall hari-kathā predigen und uns aufrichtig bemühen andere von schädlicher Gemeinschaft zu bewahren. Auch wenn diese Aktivität den Menschen dieser Welt nicht gefallen mag, so ist sie doch das einzige Mittel, durch das sie wahres Glück erlangen können."

 

Jedes Mal, wenn Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja dieses Zitat hervorbrachte, sagte er dazu: „Śrīla Prabhupāda hat uns angewiesen, Kehrbesen zu werden, um den Schmutz der Unwissenheit aus den Herzen der bedingten Seelen wegzufegen. Dennoch werde ich mich nicht glücklich fühlen und mein Leben als erfolgreich betrachten, wenn ich ein unabhängiger Besen bin. Vielmehr möchte ich eines der Zweige des transzendentalen Besens Śrīla Prabhupādas werden.“

 

Das Markenzeichen einer hochkarätigen Vereinigung

 

Einmal organisierte die Niederlassung der Śrī Gopinātha Gauḍīya Maṭha in Māyāpur ein Fest, um den Erscheinungstag von Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja zu feiern. Mein Gottbruder pūjyapāda Bhakti Vallabha Tīrtha Mahārāja und ich wurden zu sabhāpatīs (Vorsitzenden) der Versammlung für den ersten bzw. den zweiten Tag ernannt.

 

In der Versammlung sagte Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja bescheiden: „Obwohl meine bāndhavas (aufrichtige Freunde), die Diener von Śrī Gopinātha Gauḍīya Maṭha, heute ein großes Fest zu meinem Geburtstag organisiert haben, bin ich völlig unqualifiziert, diese Verehrung anzunehmen.“

 

“Mein höchst verehrungswürdiger gurupāda-padma, Śrīla Bhaktisiddhānta Sarasvatī Ṭhākura Prabhupāda, ist hier in der Form seines Portraits anwesend. Er ist die Verkörperung all unserer vorangegangener ācāryas, und ich bin der unbedeutendste Diener seiner Diener. In dem Buch 'Śaraṇāgati'(3.3.1), hat uns Śrīla Bhaktivinoda Ṭhākura gelehrt:

 

sarvasva tomāra, caraṇe sãpiyā,

paḓechi tomāra ghare

 tumi tô’ṭhākura, tomāra kukura,

 bôliyā jānahô more

 

Nachdem ich alles Deinen Lotosfüßen übergeben habe, verweile ich niedergestreckt in Deinem Haus. Du bist mein Herr. Nimm mich freundlicherweise als Deinen Hund an. *

 

“Inspiriert von Śrīla Bhaktivinoda Ṭhākuras Beispiel der idealen Gemütsstimmung eines Dieners, erkläre ich mich zum Haushund der Dieners, der Diener von Śrīla Prabhupāda.“

 

„Meiner Meinung nach ist die eigentliche Ursache, dass Ihr mich ehrt und verehrt, meine Beziehung zu meinem spirituellen Meister.  Deshalb gilt diese Verehrung ihm und nicht mir. Weil ich sein Diener bin, ist mein natürlicher Platz an seinen Lotosfüßen. Nur durch meine große Nähe zu ihm, ist es geschehen, dass die Elemente dieser großen Verehrung meinen Körper berührt haben.  Diese Verehrung gehört nicht diesem Haushund, sondern meinem geliebten Meister. Das ist mein fester Glaube. Ich bin sehr glücklich, wenn ich sehe, wie mein Meister verehrt wird. Deshalb würde es mich sehr freuen, wenn ihr verstehen könntet, dass dies die subtile Essenz der göttlichen Anbetung ist, die ihr heute vollzieht."

 

Die bescheidene Art, in der Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja seine Ansichten darlegte, zeigte, dass er fest in der erhabensten Gemeinschaft von Vaiṣṇavas stand. Im Śrī Caitanya-caritāmṛta (Ādi-līlā 3.21), hat Śrīla Kṛṣṇadāsa Kavirāja Gosvāmī erklärt:

 

 āpane nā kaile dharma śikhānô nā ĵāya

 ei tô’siddhānta gītā-bhāgavate gāya

 

Eine Person kann nicht andere in den religiösen Prinzipien unterweisen, wenn er sie selbst nicht praktiziert. Das ist die Schlussfolgerung der Bhagavad-gītā und dem Śrīmad-Bhāgavatam.

 

Durch sein eigenes Verhalten hat Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja gezeigt, dass die Konzeption von śrauta-paramparā, der göttlichen Lehrer-Schülerlinie, durch die reines spirituelles Wissen herabsteigt, verfälscht wird, wenn man die Verehrung anderer als die eigene akzeptiert. Nur wenn man fest in der Line der śrauta-paramparā verankert ist, wird man mit transzendentaler Verwirklichung geschmückt.

 

Śrīla Purī Gosvāmī Mahārājas demütige Ansprache an seinem Erscheinungstag erinnerte mich an die göttliche Demut, die Śrīla Kṛṣṇadāsa Kavirāja Gosvāmī, Śrīla Rūpa Gosvāmī, Śrīla Sanātana Gosvāmī und andere erhabene Persönlichkeiten in unserer Gauḍīya Vaiṣṇava-Linie an den Tag legten. Genau da verstand ich, wie fortgeschritten und verwirklicht Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja war.

 

Ein Austausch an Zuneigung zwischen Gottbrüder

 

Eines Tages rief mich Guru Mahārāja in sein Zimmer und, nachdem er mir Blumen, Früchte, Süßigkeiten, eine Garnitur safrangelbe Kleidung und ein Umschlag, der praṇāmī enthielt, übergeben hatte, befahl er: „Geh und gib diese Dinge Śrī Bhakti Pramoda Purī Mahārāja und bringe ihm mit der größten Hingabe praṇāma dar. Bringe auch in meinem Namen praṇāma dar. Ich schicke dich zu ihm, weil er vielleicht zögern würde, diese Dinge anzunehmen, wenn ich sie ihm persönlich darbringen würde.

 

Gemäß Guru Mahārājas Anordnung, suchte ich Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja in seinem Zimmer auf und brachte ihm praṇāma dar, gab ihm die Dinge von Guru Mahārāja und übermittelte dann die Botschaft, dass Guru Mahārāja auch sein praṇāma darbringt. Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja sagte lachend: „Laut der tithi, ist heute mein Geburtstag. All dies ist für mich an meinem Geburtstag! Obwohl er so beschäftigt ist, hat Mādhava Mahārāja an meinen Geburtstag gedacht.”

 

Dies war das erste Mal, dass ich das Datum von Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja's Erscheinungstag erfuhr. Auf diese Weise initiierte Guru Mahārāja die Praxis, den Erscheinungstag seines lieben Gottbruders zu ehren.

 

Als ich wieder zu Guru Mahārāja zurückkehrte, um ihm mitzuteilen, dass ich alles Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja gegeben hatte, sagte er: „Man sollte die Vaiṣṇavas an ihren Erscheinungstagen verehren, indem man sie erinnert und ihnen dient. Wir sollten ihre erhabensten Eigenschaften und göttlichen Charakter verherrlichen (kīrtana). Da Śrī Purī Mahārāja mein älterer Gottbruder ist, habe ich ein Zimmer direkt unter dem seinen genommen, damit ich ihn immer ehren kann, indem ich ihn auf meinem Kopf halte, und so den Schutz seiner Lotosfüße erhalte.”

 

Im Innersten meines Herzens fühlte ich eine überwältigende Freude darüber, dass ich das Medium sein durfte, um Guru Mahārājas liebevolle Geschenke an Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja zu überbringen.

 

Sein Desinteresse, andere als sein Eigentum zu betrachten

 

Wann immer Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja im Dienst vertieft war, schickte er oft Gottgeweihte mit spirituellen Fragen zu mir, damit ich ihre Probleme lösen konnte. Dies geschah besonders in seinen späteren Jahren. Er sagte zu diesen Gottgeweihten: „Mein Gedächtnis wird von Tag zu Tag schwächer. Bitte wendet euch an Śrīpāda Bhāratī Mahārāja. Er kann alle eure Fragen beantworten."

 

Wir stellen oft fest, dass viele sogenannte gurus ihre Schüler als ihr Eigentum betrachten und ihnen verbieten, Begleitung von qualifizierten Vaiṣṇavas zu suchen. Aber Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja hatte nie das Gefühl, dass seine Schüler ihm gehören. Vielmehr glaubte er fest daran, dass sie zu Bhagavān und seinem gurupādapadma, Śrīla Prabhupāda, gehörten. Nur diejenigen, die mit anyābhilāṣa-śūnyatā ausgestattet sind (die Eigenschaft, frei von allen Wünschen zu sein, außer dem Śrī Kṛṣṇa zu erfreuen) und die die Voraussetzungen für hari-kīrtana erfüllen (2) sind in der Lage ihre Schüler und Anhänger, ohne zu zögern zu anderen zu schicken, damit sie dort unterwiesen werden können.

 

Die Verherrlichung eines Gottbruders

 

Śrī Kṛṣṇa-keśava Prabhu, ein Schüler von Śrīla Bhaktisiddhānta Sarasvatī Ṭhākura Prabhupāda, sagte uns immer wieder: „Selbst, wenn ein gelehrter und verwirklichter Vaiṣṇava wie Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja nichts anderes tut, als in der maṭha zu sitzen und harināma zu chanten, ist er für bedingte Seelen wie wir glücksverheißend. Durch seine göttliche Potenz werden viele Leute von außen angezogen und zu ihm kommen. Aufgrund der Tugend seiner bloßen Anwesenheit, werden die Bewohner der maṭha sorgfältig dienen. Auch wenn wir unsere eigenen Trommeln noch so laut schlagen, wir können niemals, auch nur ein Teilchen der Herrlichkeiten seines göttlichen Charakters erlangen, mit dem er geschmückt ist. Daher solltet ihr darum beten, immer in seiner Gemeinschaft bleiben zu dürfen.”

 

Auch ich habe in meinem Leben gesehen, dass die Anwesenheit einer erhabenen Persönlichkeit
dazu führt, dass auch ihre Umgebung erhöht wird. Es ist natürlich, dass ein Schüler seinen spirituellen Meister verherrlicht, aber dass ein Gottbruder ihn verherrlicht, ist wahrlich ein Beweis für seine außergewöhnlichen Eigenschaften.

 

Sein Bestreben nach bhagavad-darśana

 

Einmal kam mein Gottbruder Śrī Brahmānanda dāsa Adhikārī aus Vanagrāma nach Purī um darśana vom dhāma zu nehmen. Śrī Brahmānanda Prabhu bat wiederholt Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja, ihn zu begleiten, um darśana von Śrī Ananta-vāsudeva in Bhuvaneśvara zu nehmen.  Schließlich gab Śrīla Mahārāja nach und stimmte zu mit ihm kommen. Śrī Brahmānanda Prabhu, der wenig Ahnung hatte, wie man den älteren Vaiṣṇavas die gebührende Achtung und Respekt erweisen soll, verbrachte ziemlich viel Zeit damit, andere Orte, die am Wege lagen zu besuchen, wie Khandagiri, Udayagiri und so weiter. Als sie Bhuvaneśvara erreichten, war der Tempel von Śrī Ananta-vāsudeva geschlossen. Sie hatten keine andere Wahl, als nach Purī zurückzukehren.

 

Für den Rest des Tages fastete Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja sogar vom Wasser. Auf dem Weg nach Bhuvaneśvara, hatte er zu Śrī Brahmānanda Prabhu gesagt, dass er kein Wasser oder prasāda annehmen würde, bis sie darśana von Śrī Ananta-vāsudeva erhalten hatten. Nur wegen Śrī Ananta-vāsudevas darśana hatte Śrīla Mahārāja überhaupt zugestimmt, nach Bhuvaneśvara zu gehen; er war nicht daran interessiert, viele verschiedene Orte zu besuchen. Unnötig zu sagen, dass er ziemlich verärgert war.

 

Als sie in der maṭha eintrafen, ehrte Śrīla Purī Gosvāmī Mahārājaden das śrī jagannātha-prasāda, den mein Gottbruder Śrī Navīna-madan Brahmacārī (später bekannt als Śrī Bhakti Nirmalānanda Vana Mahārāja) mitgebracht hatte, nachdem er gebadet, tilaka aufgetragen und gāyatrī ausgeführt hatte.

 

Wo kann man heutzutage noch einen solchen Eifer und eine solche Hingabe für bhagavad-darśana oder vaiṣṇava-darśana finden? Śrīla Purī Gosvāmī Mahārājas Verhalten ließ mich erkennen, dass er nicht von dieser Welt war; es ließ mich verstehen, dass er nicht aus den Elementen dieser materiellen Welt bestand, sondern aus den göttlichen Elementen der geistigen Welt.

 

Den Wert von jemanden zu erkennen, der Fehler in andere sucht

 

Als die Gottgeweihten der Śrī Caitanya Gauḍīya Maṭha parikramā unter der Leitung von Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja in Südindien unternahmen, dann erkundigte sich Śrīla Mahārāja aufrichtig nach der Geschichte eines jeden Ortes, den wir besuchten — die Bildgestalten, ihre Spiele, ihre Herrlichkeit, die Methode, mit der sie verehrt werden, der Vorgang ihren darśana zu erhalten und viele andere Einzelheiten. Er notierte all diese Details in seinem Tagebuch und als wir nach Kolkota zurückkehrten, schrieb er einen ausführlichen Bericht für Śrī Caitanya-vāṇī, über das parikramā.

 

Eines Tages saß ich in seinem Zimmer und las einen Entwurf eines solchen Berichts.
Ich sah, dass er vergessen hatte, einen bestimmten Ort zu erwähnen, den wir besucht hatten, und
äußerte es ihm gegenüber.

„Du hast recht,” antwortete er. „Ich werde ihn auch miteinschließen.“

Er fuhr fort: „Es ist mein Grundsatz, denjenigen, die mich auf Fehler in meiner Arbeit hinweisen, mehr Wertschätzung entgegenzubringen als denjenigen, die zwar etwas bemerken, aber schweigen. Ja-Sager gibt es überall, aber es ist selten, einen bāndhava, einen aufrichtigen Wohltäter mit ehrlichen Absichten zu finden. Ich betrachte diejenigen, die einfach nur zustimmen und loben, was ich sage oder schreibe, nicht als meine bāndhavas. Ich ziehe die Gesellschaft eines Korrekturlesers - oder überhaupt eines Menschen - der sich nicht scheut, mich auf meine Fehler hinzuweisen, jemandem vor, der übermäßig untätig bleibt."

 

Fast unmittelbar nach diesem Vorfall wandte sich Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja an Guru Mahārāja und sagte: „Wenn du sicherstellen willst, dass die Herausgabe von Śrī Caitanya-vāṇī weiterhin professionell bleibt, erlaube bitte Bhāratī Mahārāja, dem Veröffentlichungsteam beizutreten. Auch wenn andere seinen Widerwillen, mit jedem und allem übereinzustimmen, nicht zu schätzen wissen, ist es gerade dieser Widerwille, der ihn qualifiziert, im Veröffentlichungsteam zu dienen und mir zu helfen, die Qualität der Zeitschrift zu verbessern."

Guru Mahārāja antwortete: „Genau diese Eigenschaft ist der Grund, weshalb ich Bhāratī Mahārāja als meine rechte Hand betrachte. Wenn ich ihm erlauben würde, mit dir zusammenzuarbeiten, hätte ich niemanden, der für andere, ebenso wichtige Dienste qualifiziert wäre. Ich brauche ihn dringend für die neue maṭha, die wir gerade errichten. Bitte erlaube mir, ihn bis auf weiteres bei mir zu behalten.“

Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja, der im Herzen wie ein einfaches, sanftmütiges Kind war, akzeptierte Guru Mahārājas Bitte ohne jeden Protest.

 

Er sieht sich selbst als Ursache für die Feindseligkeit der anderen

 

Einmal ging Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja zu einem Gottbruder, um seinen darśana zu erhalten. Dieser Gottbruder, anstatt sich mit Śrīla Mahārāja zu treffen, sandte einhundert Rupien als Spende durch seinen sevaka und schickte Śrīla Mahārāja weg. Als Śrīla Mahārāja in die maṭha zurückkehrte, fastete er den ganzen Tag. Er nahm nicht einmal Wasser zu sich. Ohne auch nur einen paisā von der Spende seines Gottbruders für sich zu behalten, legte er die gesamten hundert Rupien in die Spendenbox von Ṭhākura-jī.

 

Als ich ihn nach dem Grund seines Fastens fragte, antwortete Śrīla Mahārāja: „Ich bin wegen vaiṣṇava-darśana gegangen, aber ich konnte ihn nicht bekommen, weil ich ein Vergehen begangen habe. Ich faste, um mein Vergehen zu sühnen. Śrī Caitanya-bhāgavata (Madhya-khaṇḍa 8.197) sagt: ‘sarva-mahā-prāyaścitta ĵe prabhura nāma—den Namen des Herrn zu chanten ist die höchste Form der Sühne.' Deshalb werde ich heute alle Tätigkeiten ruhen lassen und den Heiligen Namen von Bhagavān chanten.”

 

Ich sagte: „Für mich scheint es so, dass es nicht du warst, der ein Vergehen begangen hat, sondern eher die Person, die sich weigerte, dich zu treffen.“ Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja antwortete, indem er einen Vers aus einem kīrtana in Śrīla Bhaktivinoda Ṭhākuras Kalyāṇa-kalpataru (Ucchvāsa 2.7.6) zitierte. Er sagte: „‘Vaiṣṇava-caritra, sarvadā pavitra— Der Charakter der Vaiṣṇavas’ ist immer rein.' Wenn sich ein Vaiṣṇava uns gegenüber böswillig verhält, sollten wir uns von dem Grundsatz des Verses tat te 'nukampāṁ su-samīkṣamāṇo leiten lassen. (3) Wir sollten von Bhagavāns Barmherzigkeit abhängig bleiben und solche Feindseligkeit als das Ergebnis unseres vergangenen karmas betrachten."

 

Seine Ansicht über vaiṣṇava-aparādha

 

Während der Zeit des pāraṇa (4) ein Dvādaśī Tag, saßen alle Gottgeweihten in einer Reihe und warteten darauf prasāda zu ehren. Gerade als prasāda fertig serviert war, nahm ein brahmacārī den Blatt-Teller von einem bestimmten sannyāsī und warf ihn weg. Er befahl dem sannyāsī diesen Ort zu verlassen und niemals wieder zu kommen. Als Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja dieses Verhalten sah, war er ernsthaft verärgert und sagte: „Ich kann hier nicht länger bleiben. Seit so vielen Jahren war ich bei Śrī Bhakti Dayita Mādhava Mahārāja, dessen Maßstäbe für den gewissenhaften Dienst an die Vaiṣṇavas bekannt sind. Śrī Mādhava Mahārāja demonstrierte diese Standards durch sein Verhalten, und er diente sogar denen, die sich ihm widersetzten."

 

Einige Gottgeweihte versuchten ihr Bestes, um Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja zu besänftigen, aber sie hatten keinen Erfolg. Śrīla Mahārāja zitierte dann Śrīla Kavirāja Gosvāmī:

 

mahāntera apamāna ĵe deśa-grāme haya

 eka janāra doṣe saba deśa ujāḍaya

Śrī Caitanya-cairtāmṛta (Antya-līlā 3.164)

 

Er erklärte: „Das ganze Dorf muss leiden, wenn auch nur eine Person, die dort lebt, eine große Persönlichkeit beleidigt. Das kann im Leben von Rāmacandra Khān beobachtet werden. Sein Vergehen gegen Haridāsa Ṭhākura führte dazu, dass er ein Vergehen gegen Śrī Nityānanda Prabhu beging, und als Folge davon, wurde sein ganzes Dorf vernichtet. Und als Devānanda Paṇḍita ein stummer Zuschauer blieb, während seine Schüler Śrīvasa Paṇḍita aus der Versammlung zerrten, wurde auch er in dieses Vergehen verwickelt und wurde der Gnade Mahaprabhus beraubt.

 

„Das Śrīmad-Bhāgavatam bekräftigt, als der Fall von Dakṣa Prajāpati und Satī erzählt wird, dass man den Ort verlassen muss, wenn man einen vaiṣṇava-aparādhī nicht bestrafen kann, indem man ihm entweder die Zunge herausschneidet oder ihn öffentlich durch Argumente aus den Heiligen Schriften sprachlos macht.“

 

Dieser Vorfall inspirierte Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja eine Vielzahl von Aufsätzen zum Thema vaiṣṇava-aparādha zu schreiben, einschließlich der schwerwiegenden Folgen, die das Begehen solcher Vergehen nach sich zieht.

 

Der ācārya der Śrī Gopīnātha Gauḍīya Maṭha

 

Guru Mahārāja wusste sehr gut, dass Gopīnātha Mama Nivedana Śunô der Lieblings-kīrtana von Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja war und auch, dass er die Bildgestalten von Śrī Śrī Rādhā-Gopīnātha verehrte. Daher bezog er sich auf Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja als ‘der ācarya von der Śrī Gopīnātha Gauḍīya Maṭha. ’ Guru Mahārāja pflegte immer diesen Titel auf Einladungen für Veranstaltungen zu drucken, an denen Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja als Redner vorgesehen war.  Das war lange bevor Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja formell die Śrī Gopīnātha Gauḍīya Maṭha gründete. Es war, als hätte Guru Mahārāja es vorhergesehen, dass Śrīla Mahārāja später eine Institution mit seinem Namen gründen würde. Viele Jahre später, als Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja auf Wunsch von Bhagavān eine maṭha gründete, entschied er sich seiner Institution keinen neuen Namen zu geben. Vielmehr behielt er respektvoll den Namen bei, den ihm sein Gottbruder offenbart hatte. So wurde sein maṭha nun bei allen als Śrī Gopīnātha Gauḍīya Maṭha bekannt.

 

Unserer Führer auf dem Weg des bhakti

 

Nachdem Guru Mahārāja sein Verscheiden manifestierte und ins nitya-līlā eintrat, war es Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja, der, da er so lange Zeit in der Śrī Caitanya Gauḍīya Maṭha gelebt hat, die Rolle des ersten Retters der Schüler von Guru Mahārāja einnahm. Er war unser wichtigster Begleiter, der uns half, den vor uns liegenden steinigen Weg zu meistern, und der uns beriet, was richtig und was falsch ist. Der Schutz seiner Lotosfüße verschaffte uns immer die größtmögliche Ruhe. Nirgendwo sonst haben wir eine solche Ruhe gefunden.

 

Den Kummer über die Trennung von einem lieben Freund ausdrücken

 

Nachdem das Śrī Navadvīpa-dhāma parikramā beendet war, das nach dem Verscheiden von Guru Mahārājas durchgeführt wurde, wandte sich Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja an die letzte Versammlung wie folgt: „Śrī gaura-kiśora-keli-bhavana—Śrī Māyāpura, der Ort an dem Śrīman Mahāprabhu Sein Spiel der Jugend beging, war pūjyapāda Mādhava Mahārājas Leben und Seele, genau wie für unseren hoch verehrungswürdigen Śrīla Prabhupāda. Pūjyapāda Mādhava Mahārāja diskutierte oft enthusiastisch mit seinen lieben Gefährten die Herrlichkeiten des dhāma und er engagierte alle, den Glanz dieser Herrlichkeiten zu offenbaren, indem er sie ermutigte, dhāma-sevā auszuführen.

 

„Im Śrī Śrī Navadvīpa-bhāva-taraṅga (26–27), hat Śrīla Bhaktivinoda Ṭhākura Śrī Īśodyāna, einen prächtigen Garten in Śrī Māyāpura beschrieben:

 

māyāpura-dakṣiṇāṁśe jāhnavīra taṭe

 sarasvatī-saṅgamera atīva nikaṭe

īśodyāna nāma upavana suvistāra

 sarvadā bhajana-sthāna hauka āmāra

 

Im südlichen Teil von Māyāpura am Ufer der Gaṅgā - in der Nähe ihres Zusammenflusses mit dem Sarasvatī-Fluss - befindet sich der riesige Garten von Īśodyāna. Möge dieser Garten immer mein Ort des bhajana bleiben.

 

ĵe vane āmāra prabhu śrī śacīnandana

 madhyāhna karena līlā laye bhakta jana

 vana-śobhā heri’rādhā-kṛṣṇa paḓe mane

 se saba sphuruk sadā āmāra nayane

 

Wenn ich diesen Garten sehe, in dem mein Meister Śrī Śacīnandana Seine Mittags-Spiele mit seinen Geweihten ausführte, dann erinnert es mich an Śrī Śrī Rādhā-Kṛṣṇa. Möge solch ein Ort immer vor meinen Augen erscheinen.

 

„Pūjyapāda Mādhava Mahārāja, der Diener des Dieners von Śrīla Bhaktivinoda Ṭhākura, erfüllte den sehnlichen Wunsch des Ṭhākura, die Herrlichkeiten des Dienens von Īśodyāna in der ganzen Welt zu manifestieren. Obwohl auf der spirituellen Ebene in Iśodyāna heute ekstatischer Jubel herrscht, weil pūjyapāda Mādhava Mahārāja nun in Form seines samādhi ewig hier verweilt, erleben wir auf dieser materiellen Ebene unerträglichen Kummer in der Trennung von ihm. Tränen füllen jetzt die Augen seiner Gottbrüder, seiner Schüler, und allen, die von seinen Eigenschaften angezogen waren. In seiner Abwesenheit ist die Gegenwart von Tausenden, die hier versammelt sind und ihren widerhallenden kīrtana bedeutungslos für mich.”

 

Śrīla Mahārāja beendete dann seine Ansprache, indem er die Worte zitierte, mit denen
Śrīla Raghunātha dāsa Gosvāmī, in seinem Śrī Stavāvalī (Śrī Prārthanāśrayacaturdāsakam 11), die Qualen seiner Trennung von Śrīla Rūpa Gosvāmīpāda beschreibt: „śūnyāyate mahāgoṣṭhaṁ-das Land von Vraja ist verödet."

 

Dies war die starke, liebevolle Bindung zwischen Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja und Guru Mahārāja. Ihre innige Beziehung war der Grund, warum Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja tiefe elterliche Liebe für Guru Mahārājas Schüler zeigte.

 

Die Grundsteinlegung von Śrī Gopīnātha Gauḍīya Maṭha, Māyāpura

Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja vertraute seinem Schüler Śrī Gopīnātha Prabhu die Verantwortung an, Land in Śrīdhama Māyāpura zu finden und zu erwerben, wo der erste Zweig der Śrī Gopīnātha Gauḍīya Maṭha errichtet werden sollte. Als Śrī Gopīnātha Prabhu nach Māyāpura kam und seine Auswahl auf zwei Grundstücke eingegrenzt hatte, fragte er mich nach meiner Meinung, welches der beiden Grundstücke er kaufen sollte.

 

Ich sagte zu ihm: „Es ist am besten, deine maṭha in nächster Nähe zu den anderen Gaudiya Maṭhas von Māyāpura zu errichten. Auf diese Weise sind Gottgeweihte immer in der Nähe, und du brauchst dir keine Sorgen über die Sicherheit der maṭha zu machen, falls du einmal nicht da bist. Außerdem kannst du in den nahe gelegenen maṭhas nach Proviant fragen, falls es einmal nötig ist. In der Nähe der anderen Gauḍīya Maṭhas ist nicht nur praktisch, sondern auch förderlich für bhajana.” Auf meinen Rat hin erwarb Śrī Gopīnātha Prabhu das Land, auf dem sich der Māyāpura-Zweig von Śrī Gopīnātha Gauḍīya Maṭha derzeit befindet. Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja gab ebenfalls seine Zustimmung und sagte: „Warum weitersuchen? Worum sollten wir weitersuchen, wenn ein Vaiṣṇava bereits ein Stück Land ausgewählt hat?"

 

Als das Datum für die glücksverheißende Zeremonie für die Grundsteinlegung entschieden war, schrieb mir Śrī Purī Gosvāmī Mahārāja einen Brief, worin stand: „Ich möchte, dass du an der Zeremonie der Grundsteinlegung teilnimmst.“ Als ich Māyāpura zwei Tage vor der Zeremonie erreichte, übergab mir Śrī Kṛṣṇa-dhana Banerjee, ein Schüler von Śrīla Bhakti Hṛdaya Vana Gosvāmī Mahārāja, noch einen Brief von Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja. In diesen Brief bekundete Śrīla Mahārāja sein tiefes Vertrauen und seine Zuneigung zu mir und gewährte mir seine Gnade.

Śrīla Mahārāja schrieb: „Die Großmutter von meinem lieben Gopīnātha Prabhu hat die Welt verlassen. Sie war auch meine Schülerin. Ihre Beerdigung und damit verbundenen Dienste, werden in Amata, in der Nähe von Kolkata stattfinden und ich muss daran teilnehmen. Es freut mich zu hören, dass du schon Māyāpura erreicht hast. Ich vertraue darauf, dass du die Zeremonie der Grundsteinlegung an meiner Stelle durchführen kannst. Von ganzem Herzen bin ich mit allem einverstanden, was immer du tust, da ich sicher bin, dass es höchst glücksverheißend sein wird.

 

Als ich Śrīla Purī Gosvāmī Mahārājas Anordnung verdaute, war ich von seinem bescheidenen vaiṣṇava-Charakter beeindruckt. Ich dachte: „Seit ich der maṭha beigetreten bin, habe ich beobachtet, wie Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja formellen Zeremonien gemäß Guru Mahārājas Wunsch vorstand. Er ist als Experte in diesen Angelegenheiten bekannt, und ich habe mich immer glücklich geschätzt, bei solchen Anlässen als sein Assistent dienen zu können. Aber heute werde ich durch seine Gnade die Grundsteinlegung für seine maṭha in seinem Namen vornehmen."

 

Ich lud die Vaiṣṇavas aus allen maṭhas in Śrī Navadvīpa-dhāma ein, an der Veranstaltung teilzunehmen. Am Tag der Zeremonie, zu einer glücksverheißenden Zeit, erreichte ich den zukünftigen Standort von Śrī Gopīnātha Gauḍīya Maṭha mit einem Spaten, Ziegeln und anderen Bauwerkzeugen und Materialien. Die Zahl der zu diesem Anlass versammelten Gottgeweihten war viel größer, als ich erwartet hatte. Sogar Gottgeweihte aus Śrī Caitanya Maṭha, die normalerweise nie an solchen Veranstaltungen teilnehmen, waren anwesend.

 

Als all die versammelten Gottgeweihten enthusiastisch kīrtana abhielten, wurden fünf Ziegelsteine gemäß den vedischen Vorschriften verehrt, die als Grundsteine gelegt werden sollten. Śrī Phanī Lāl, ein Schüler von Śrī Śrīmad Bhakti Vicāra Yāyāvara Gosvāmī Mahārāja, spielte unermüdlich über mehrere Stunden die mṛdaṅga. Ich verteilte sandeśa und andere Süßigkeiten, die ich in Navadvīpa gekauft hatte, aber sie wurden schnell von den vielen Geweihten aufgegessen. Dann kauften und verteilten wir alle Süßigkeiten, die es in einem Süßwarenladen in Māyāpura gab. Wenn ich mich recht erinnere, war die Resonanz so groß, dass selbst danach noch einige Gottgeweihte keine prasāda-Süßigkeiten erhielten.

 

Nur aufgrund der Reputation von Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja, einer der erhabensten Vaiṣṇavas der Gemeinschaft, nahmen so viele Leute an der Zeremonie der Grundsteinlegung teil.

 

Neidlosigkeit zwischen Gottbrüder

 

Einmal, als ich in der Śrī Caitanya Gauḍīya Maṭha in Jagannātha Purī war, kam der Vizedirektor der Khadīrpura-Universität, Dr. Nārāyaṇa Bandhopādhyāya von Behālā, Kolkata, mit seiner Frau zu uns in die maṭha um den Monat Kārtika hier zu verbringen. Ich stellte fest, dass seine Frau jeden Tag zum hari-kathā kam, er aber nie.

 

Eines Tages, im hari-kathā, erklärte ich die vier Haupteigenschaften Bhagavāns: Er ist vadānya (großzügig), kṛtajña (allen Aktivitäten bewusst), bhaktavatsala (liebevoll gegenüber Seinen Geweihten) und samarthā (in der Lage alles zu erreichen). Als ich die Bedeutung des Wortes kṛtajña—‘jemand, der (jña) die Aktivitäten (kṛtya) aller kennt’— geschah es, dass Dr. Nārāyaṇa Bandhopādhyāya vorbei kam. Diese Erklärung weckte sein Interesse, da er sie so noch nie gehört hatte. Er blieb im hinteren Teil der Halle stehen und hörte zu. Nachdem ich meine Klasse beendet hatte, näherte er sich mir und sagte: „Ihr hari-kathā war ziemlich berührend. Ich würde gerne jeden Tag von einem Geweihten, wie Sie es sind, hari-kathā hören. Bitte nehmen Sie mich als Ihren Schüler and und gewähren Sie mir Zuflucht.” „Ich gebe niemanden mantra-dīkṣā,“ antwortete ich. „Sie können dīkṣā von einem reinen Gottgeweihten annehmen und so Ihr Leben zum Erfolg führen.”

 

Nachdem Dr. Nārāyaṇa Bandhopādhyāya und seine Frau den einen Monat dauernden kārtika-vrata ausgeübt hatten, kehrten sie nach Kolkata zurück. Dort, in Behālā, besuchten sie täglich Śrī Śrīmad Bhakti Kumuda Santa Gosvāmī Mahārājas maṭha, Śrī Caitanya Āśrama, um hari-kathā zu hören. Indem sie von Śrīla Santa Gosvāmī Mahārāja hörten, wurden sie nach und nach mit den Lehren des Gauḍīya Vaiṣṇavismus vertraut. Als sie zunehmend von der Notwendigkeit überzeugt wurden, einen guru anzunehmen, gingen sie zu Śrī Caitanya Gauḍīya Maṭha in Kalkutta mit dem Wunsch, mantra-dīkṣā von Śrī Śrīmad Bhakti Pramoda Purī Gosvāmī Mahārāja anzunehmen.

 

Als sie sich Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja vorstellten, fragte Śrīla Mahārāja: „Warum haben Sie Śrī Santa Mahārāja nicht um dīkṣā in Behālā gebeten? Warum sind Sie stattdessen hierhergekommen?” Dr. Nārāyaṇa Bandhopādhyāya erklärte: „Mahārāja-jī, wir wollten gerne dīkṣā von einem brāhmaṇa-geborenen Vaiṣṇava annehmen.” „Dieses Konzept ist unangemessen,” sagte Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja. „Brāhmaṇatā, Die Eigenschaft eines brāhmaṇa, ist innewohnend in einem vaiṣṇavatā; Vaiṣṇavas sind das Summa Sumarum aller Eigenschaften der brāhmaṇas. Sie sind
natürlich und fest im ātma-dharma verankert, dem Prinzip, sich als eine Seele zu identifizieren. Es ist ein Vergehen, sich auf der Grundlage von śarīradharma, körperliche Überlegungen wie Kaste und Rasse, zu identifizieren oder zu unterscheiden.

 

Er fuhr fort: „Sie irren sich, wenn Sie Śrī Santa Mahārāja für einen Nicht-brāhmaṇa halten. Ein intelligenter Mensch wird niemals die nahe Gaṅgā verlassen, um in einem weit entfernten See zu baden. Daher sollten sie Ihr Leben zum Erfolg führen, indem Sie bei Śrī Santa Mahārājas Zuflucht suchen. Außerdem erklären die Schriften, dass man das Vergehen, Vaiṣṇavas aufgrund von śarīradharma, bzw.  körperlichen Erwägungen zu unterscheiden, dadurch sühnen muss, dass man sofort Schutz vor diesem Vaiṣṇava nimmt."

 

 ārcye viṣṇau śilā-dhīr guruṣu nara-matir vaiṣṇave jāti-buddhir

 viṣṇor vā vaiṣṇavānāṁ kali-mala-maṭhane pāda-tīrthe ‘mbu-buddhiḥ

 śrī-viṣṇor nāmni mantre sakala-kaluṣa-he sabda-sāmanya-buddhir

 viṣṇau sarveśvare tad-itara-sama-dhīr yasya vā nārakī saḥ

 

Padma Purāṇa

 

Ein Mensch ist für die Hölle bestimmt, der die Bildgestalt als aus Holz, Stein oder irgendeiner Legierung gemacht ansieht; der den guru, der ein ewiger Geweihter Bhagavāns ist, als einen gewöhnlichen Menschen ansieht, der dem Tod unterliegt; der einen Vaiṣṇava als einer bestimmten Kaste oder einem bestimmten Glauben zugehörig betrachtet; der caraṇāmṛta, das Wasser, das die Füße von Śrī Viṣṇu und den Vaiṣṇavas gewaschen hat, für gewöhnliches Wasser hält, während es in Wirklichkeit die Übel des Kali-Zeitalters zerstört; der den heiligen Namen und das mantra von Śrī Viṣṇu, die alle Arten von sündhaften Reaktionen zerstören, für gewöhnliche materielle Klangschwingungen hält; und der den obersten Beherrscher Śrī Viṣṇu den vielen Halbgöttern gleichstellt. *

 

Auf den Rat von Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja hin, nahmen Dr. Nārāyaṇa Bandhopādhyāya und seine Frau Zuflucht zu den Lotosfüßen von Śrīla Santa Gosvāmī Mahārāja.

 

Die obige Begebenheit zeigt deutlich Śrīla Purī Gosvāmī Mahārājas aufrichtige vaiṣṇava-Demut, seinen glühenden Wunsch, das Wohlergehen derer herbeizuführen, die sich ihm näherten, sowie das tiefe Vertrauen und die nicht neidische Zuneigung, die er für seinen jüngeren Gottbruder Śrīla Santa Gosvāmī Mahārāja besaß.

 

Beständigkeit in bhajana trotz Krankheit

 

Einmal, als Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja in einem Zimmer mit einem provisorischen Asbestdach in Śrī Gopīnātha Gauḍīya Maṭhas neu erworbenem Anwesen in Cakra-tīrtha, Jagannātha Purī, wohnte, wurde er aufgrund des kalten Wetters krank. Er wurde in die Śrī Caitanya Gauḍīya Maṭha in der Grand Road gebracht, damit ihm für seine Genesung alles Notwendige zur Verfügung stand. Als er in der maṭha eintraf, habe ich sofort einen Spezialisten aus dem Krankenhaus an sein Bett geholt. Nachdem der Arzt Śrīla Mahārāja untersucht hatte, gab er uns den Rat, ihn für eine Nacht ins Krankenhaus zu bringen, wo man ihm Sauerstoff und eine salinische Infusion geben würde.  Mein Gottbruder Śrī Gaurāṅga-prasāda Brahmacārī (jetzt Śrī Bhakti Saurabha Ācārya Mahārāja) sagte: „Diejenigen, die in das Krankenhaus in Purī gehen, kehren nie mehr zurück.“

 

Als sie diese Bemerkung hörten, begannen einige von Śrīla Purī Gosvāmī Mahārājas weiblichen Schülern zu weinen, und viele Gottgeweihte zögerten jetzt, Śrīla Mahārāja in das Krankenhaus zu bringen. Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja jedoch hatte Vertrauen in mein Konsilium. Er sagte zu den sevakas: „Ihr solltet dem folgen, was Bhāratī Mahārāja für angemessen hält."

Ich sagte: „Mahārāja, es wäre das Beste für dich, ins Krankenhaus zu gehen, denn dort kann man dir Sauerstoff und Kochsalzlösung verabreichen. Außerdem empfiehlt der Arzt, dass du nur eine Nacht dortbleiben sollst."

Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja war einverstanden und wir brachten ihn ins Krankenhaus.  Zu der Zeit war ihm sehr heiß und ich brachte zwei Steh-Ventilatoren aus der matha zu ihm. Ich blieb bei ihm in dieser Nacht und brachte ihn am folgenden Tag zurück in die maṭha, nachdem der Arzt sein Einverständnis gegeben hatte.

 

Im Krankenhaus rezitierte er seine täglichen stavas und stutis (Verse der Gebete und Lobpreisungen) genauso, wie er es in der maṭha tun würde. Ich war erstaunt, dass dieser Zustand keinen Einfluss auf sein Verhalten, sein sanftes Temperament, seine Nachsicht oder seine spirituellen Praktiken hatte.

 

Ein ernstes Gebet, um vom Reichtum unbeeinflusst zu bleiben

 

Die Śrī Gopīnātha Gauḍīya maṭha veranstaltete ein Fest in Jagannātha Purī, um den hundertsten Erscheinungstag von Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja zu feiern. Nach der Ankunft von Śrīla Mahārāja in der Versammlung, bat er respektvoll Śrī Śrīmad Bhakti Kumuda Santa Gosvāmī Mahārāja, meinen Gottbruder pūjyapāda Bhakti Vallabha Tīrtha Mahārāja und mich mit ihm auf das Podium zu kommen. Als wir uns gesetzt haben trug Śrīla Mahārāja persönlich Sandelholzpaste auf unsere Stirn und bekränzte uns mit Girlanden.

 

Als er an diesem Tag hari-kathā sprach, erwähnte er einen Punkt, der mir besonders wichtig erschien und der mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist. Er sagte: „Das heutige Leben unterscheidet sich erheblich von dem Leben, das wir früher führten. Früher hielten wir eine Spende von zwei oder drei Lakhs (5) Rupien für enorm. Aber heutzutage scheinen solche Spenden nicht mehr bedeutsam zu sein, denn durch die Gnade von Śrīla Prabhupāda geben Gottgeweihte aus Indien und dem Ausland derzeit unserer Mission große Beträge.

 

„Jetzt, da wir viele Unterstützer haben und finanziell wohlhabend sind, bete ich zu den Lotosfüßen von Śrīla Prabhupāda und zu den Lotosfüßen von Śrī Caitanya Mahāprabhu und Seinen Gefährten, dass meine Schüler es nicht versäumen, den Grundsatz 'tṛṇād api sunīcena' - 'demütiger bleiben als Stroh' praktisch anzuwenden, und dass sie sich nicht vom falschen Stolz beeinflussen lassen, der mit Reichtum und Anhängern kommt. Ich bete, dass die Opulenz, die wir erlangt haben, nicht ihren bhajana behindert, dass sie unerschütterlich bleiben, dass sie nicht vom Pfad des bhakti abweichen und dass ihr Lebensziel auf festem Boden steht. Ich bete, dass sie unbeeinflusst von der Opulenz bleiben und dass sie die essenziellen Lehren in den folgenden Unterweisungen von Śrīla Rūpa Gosvāmī erkennen und nachfolgen mögen.“

Śrīla Mahārāja zitierte dann zwei Verse:

 

prāpañcikatayā buddhyā

 hari-sambandhi-vastunaḥ

mumukṣubhiḥ parityāgo

vairāgyaṁ phalgu kathyate

 

Bhakti-rasāmṛta-sindhu (1.2.126)

 

Wenn sādhakas, die den Wunsch nach Befreiung haben, dem entsagen, das mit Hari in Verbindung steht, wie den Heiligen Schriften, die Bildgestalt, den Heiligen Namen, mahā-prasāda, den spirituellen Meister und den Vaiṣṇavas und sie als materiell betrachten, dann wird ihre Entsagung vergeblich sein, phalgu-vairāgya. Das ist bhakti abträglich. *

 

anāsaktasya viṣayān

yathārham upayuñjataḥ

nirbandhaḥ kṛṣṇa-sambandhe

yuktaṁ vairāgyam ucyate

Bhakti-rasāmṛta-sindhu (1.2.125)

 

Ein Mensch ohne Anhaftung an Sinnesgenuss, der alle Möglichkeiten annimmt, die für den Dienst von Śrī Kṛṣṇa angemessen sind, ist nicht gebunden. Es heißt, dass solche Loslösung yukta-vairāgya ist, Entsagung, indem man immer die Verbindung zu Śrī Kṛṣṇa aufrechterhält. *

 

 Würdigung aller Vaiṣṇavas, sowohl der älteren als auch der jüngeren

 

Aufgrund seiner natürlichen Demut demonstrierte das Leben und der Charakter von Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja die vollständige Bedeutung der Worte von Śrī Devakīnandana dāsa:

 

 hôiyāchena hôibena prabhura ĵatô dāsa

 sabhāra caraṇa vandõ dante kôri’ ghāsa

 

Mit einem Stroh zwischen den Zähnen verehre ich die Lotosfüße aller Diener meines Meisters, die jemals waren oder sein werden.

 

Was zu sprechen von seinen Senior Gottbrüder, er pflegte sogar denjenigen praṇāma darzubringen, die er inspiriert hatte der maṭha beizutreten, wie Śrī Śrīmad Bhakti Kumuda Santa Gosvāmī Mahārāja, mich, —obwohl ich sehr Junior zu ihm war und eher sein Schüler,—genauso wie Gottgeweihte, die der maṭha viel später beitraten. Er pflegte in die Hände zu klatschen und die Bitte aussprechen: „Bitte sage mir, mit welchem Mittel ich die Schulden für deine Zuneigung begleichen kann.”

 

Der Ausdruck für Dankbarkeit für einen Gottbruder

 

Als  Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja  über seinen Gottbruder Śrī Śrīmad Bhakti Kumuda Santa Gosvāmī Mahārāja schrieb, äußerte er sich wie folgt: „Śrī Santa Mahārājas innere Gemütsstimmungen passen perfekt zu seinem äußeren Verhalten. Diese Eigenschaft von ihm ist entzückend und beispielhaft. Dieser Elende ist ihm für immer zu Dank verpflichtet für die Gnade, die er mir gezeigt hat. Möge er siegreich sein.”

 

Śrīla Prabhupādas letzte Unterweisungen

 

Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja pflegte regelmäßig das folgende in seinem hari-kathā zu erwähnen: „Die Gesamtheit der Anweisungen von Śrīla Prabhupāda und das Beispiel, das er persönlich gegeben hat, verdienen eine ständige Überprüfung und Umsetzung. Das ist sicherlich wahr. Doch gemäß dem beliebten Sprichwort 'pūrvaparayoḥ para-vidhi balavān - die letzte Unterweisung übertrumpft die vorhergehende', präsentiere ich euch nun die Unterweisungen, die Śrīla Prabhupāda einer Gruppe von Gottgeweihten gab, nur acht oder neun Tage bevor er sein   Verscheiden manifestierte.

 

„Er sagte: 'Überall in dieser Welt fehlt es an hari-kathā, der die höchste Vollkommenheit, die Vollkommenheit der Hingabe, schenkt. Unsere einzige Pflicht und unser dharma ist es, diesen Mangel zu beseitigen, indem wir den Dienst zum Śrīmad-Bhāgavatam und Śrī Bhagavān predigen. Jeder Ort, an dem hari-kathā vorhanden ist, ist als heiliger Ort zu betrachten.'

 

‘Wir sind nicht auf diese Welt gekommen, um Tischler oder Steinmetz zu sein. Wir sind einfach die Träger der Botschaft von Śrī Caitanya-deva. Śrī Rūpa etablierte das innerste Begehren von Śrī Caitanya-deva in dieser Welt.  Der Staub Seiner Lotosfüße ist das einzige Ziel unseres Lebens. ’

 

'In unseren Versuchen diesen Unterweisungen zu folgen, die Śrīla Prabhupāda in seinen letzten Tagen, vor seinem Verscheiden wiederholt erwähnte, müssen wir uns an die folgenden Worte Śrīla von Narottama dāsa Ṭhākura erinnern:

 guru-mukha padma-vākya, cittete kôriyā aikya,

 āra nā kôrihô mane āśā

 śrī guru-caraṇe rati, ei se uttama-gati,

 ĵe prasāde pure sarva āśā

Prema-bhakti-candrikā (1.2)

 

Mache die Worte, die aus dem Lotusmund von śrī guru kommen, eins mit deinem Herzen und strebe nach nichts anderem. Die Anhaftung an die Lotosfüße von śrī guru ist die höchste Errungenschaft, denn seine Barmherzigkeit erfüllt alle Wünsche.

 

„Ich richte meine Dankbarkeit an alle Gottgeweihten, die aufrichtig danach streben, Śrīla Prabhupāda zu folgen und die Botschaft des Bhāgavata zu verkünden, wo immer und in welcher Form auch immer sie sie verkünden mögen."

 

 Die Bedeutung des sevā der Veröffentlichung

 

Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja pflegte zu sagen: „Ich habe oft von meinem höchst verehrungswürdigen gurudeva, Prabhupāda Śrīla Bhaktisiddhānta Sarasvatī Ṭhākura gehört, dass das Summum Bonum unseres Lebens sein sollte, Bücher zu veröffentlichen und die Botschaft von Śrīla Bhaktivinoda Ṭhākura und seiner Vorgänger, die Gauḍīya Vaiṣṇava ācāryas zu predigen. Dies ist der einzige Weg, auf dem die bedingte Seele jemals hoffen kann, kṛṣṇa-prema, das höchste Ziel im Leben zu erlangen.” Diese Anweisung zu Herzen nehmend, hat Śrīla Mahārāja immer behauptet, dass es die die Pflicht der Sārasvata Gauḍīya Vaiṣṇavas ist, in der ganzen Welt Zeitschriften und Bücher zu verteilen, die die erhabenen Lehren von Śrīman Mahāprabhu illustrieren. Zu diesem Zweck verbrachte er sein ganzes Leben mit dem Veröffentlichen von Büchern, und ermutigte die Gottgeweihten dazu, indem er sagte: „Die Lehren müssen in der ganzen Welt verbreitet werden.

 

Über vraja-vāsa und rāgānugā-bhakti

 

Als Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja ein Fest am alten Daujī Tempel veranstaltete, den er in Vṛndāvana erwarb, wies er mich an über die Herrlichkeiten des Śrī Vṛndāvana-dhāma zu sprechen. Nach meiner Ansprache sprach er wie folgt: „Ich bin jetzt in der allerletzten Phase meines Lebens. Mein einziger Wunsch ist es, die letzten Tage meines Lebens mit dem Chanten des harināma bei den Lotosfüßen von Śrīmatī Rādhārānī, der Königin von Vṛndāvana, zu verbringen. Ohne den Segnungen der Gottgeweihten, ist es unmöglich Rādhārānīs Segnungen zu empfangen, denn es wird gesagt: ‘vaiṣṇavera kṛpā ĵāhe sarva-siddhi—Alle Vollkommenheit kommt durch die Barmherzigkeit der Vaiṣṇavas. ’ “Śrīla Kavirāja Gosvāmī hat gesagt:

 

jagāi mādhāi hôite muĩ se pāpiṣṭha

purīṣera kīṭa hôite muĩ se laghiṣṭha

 

Ich bin sündhafter als Jagāi and Mādhāi und sogar niedriger als ein Wurm im Stuhl.“

 

Obwohl ich den mahājanas folge, den großen Autoritäten, Ich kann ähnliche Demutsbekundungen wiederholen, aber meine Erklärungen werden nur eine Täuschung sein, wenn keine echte Demut in meinem Herzen ist. Jetzt am Ende meines Lebens habe ich kein Bedürfnis den Anschein von Demut zu erwecken. Ich bin nicht mehr in der Lage Vorträge zu halten. Trotzdem habt ihr alle eine Menge Geld ausgegeben, um mich hier her zu bringen und ihr habt ein opulentes neues Zimmer für mich gebaut. Zusätzlich zu eurem kollektiven Wohlergehen bete ich, dass ich nicht einmal von einem Partikel Egoismus betroffen sein möge, weil ich diesen Dienst von euch annehme, denn Śrīla Bhaktivinoda Ṭhākura hat gesagt:

 

āmi tô’ vaiṣṇava’—e buddhi hôile,

 amānī nā ha’bô āmi

pratiṣṭhāśā āsi’, hṛdaya dūṣibe,

 hôibô niraya-gāmī

 

Kalyāṇa-kalpataru

 (Ucchvāsa 2.8.2)

Wenn ich diese Idee entwickele, dass „ich ein Vaiṣṇava bin,” dann werde ich niemals demütig werden. Mein Herz wird mit dem Wunsch verunreinigt, von anderen geehrt zu werden und dann fahre ich zur Hölle. *

 

„Der Zweck in Vṛndāvana zu leben ist, den Staub der Lotosfüße der Vaiṣṇavas zu erlangen, ihren Fußspuren zu folgen und śrī kṛṣṇa-nāma zu singen. Unser göttlicher spiritueller Meister hat voller Barmherzigkeit seine Identität als Śrī Vārṣabhānavī-dayita dāsa, der geliebte Diener von Śrīmatī Rādhārānīs Geliebten, offenbart. Śrīla Prabhupāda ist der ewige vertrauliche Gefährte Rādhārānīs. Ohne seine Barmherzigkeit und die Barmherzigkeit der Vaiṣṇavas die seine spirituelle Familie bilden, können wir unseren Aufenthalt in Vṛndāvana nicht sinnvoll gestalten.

 

Wir müssen inbrünstig um die Fähigkeit beten, für immer in ihre Fußspuren zu treten und uns ständig an ihre Lotosfüße erinnern.

 

"Wir können die Gemütsstimmung von Vṛndāvana nicht einfach dadurch erreichen, dass wir
vidhi-mārga, dem Pfad der regulativen Prinzipien, folgen. Deshalb müssen wir notwendigerweise
rāgānugā-marga, den Weg der spontanen, vereinnahmenden Liebe, einschlagen.

Śrīla Rūpa Gosvāmī hat gesagt:

 

 iṣṭe svārasiki rāgaḥ

 paramāviṣṭatā bhavet

 tanmayi yā bhaved bhaktiḥ

 sātra rāgātmikoditā

Bhakti-rasāmṛta-sindhu (1.2.272)

 

Die intensive spontane Vertiefung in das Objekt der Verehrung (iṣṭa) wird rāga genannt. Hingabe, die durch solches rāga gekennzeichnet ist, wird rāgātmikā-bhakti genannt.

 

Rāgānugā-bhakti wird definiert als Hingabe, die dem Beispiel der Vrajavāsīs’ rāgātmikā-bhakti folgt. Wir alle müssen uns um diese Art von Hingabe bemühen".

 

Seine samādhi-Zeremonie

 

Im Monat Kārtika, 1999, gipfelte Śrī Caitanya Gauḍīya Maṭha's einmonatiger Śrī Vraja-maṇḍala parikramā in einem großen zweitägigen Festival, das am Utthāna Ekādaśī begann, um Guru Mahārājas Erscheinungstag zu gedenken.

 

Kurz nach Beendigung des Festes informierten uns die sevakas des Purī-Zweiges von Śrī Gopīnātha Gauḍīya Maṭha, dass Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja sein Verscheiden manifestiert hatte und in nitya-līlā eingegangen war. Als ich die Nachricht hörte, beschloss ich sofort, Śrīla Mahārājas samādhi-Zeremonie beizuwohnen. Śrīla Purī Gosvāmī Mahārājas Schüler Śrī Bhakti Bibudha Bodhāyana Mahārāja predigte zu der Zeit im Ausland, aber er sprach mit meinem Gottbruder pūjyapāda Bhakti Vallabha Tīrtha Mahārāja am Telefon. Pūjyapāda Tīrtha Mahārāja rief mich in sein Zimmer und informierte mich kurz über das Gespräch mit Śrī Bodhāyana Mahārāja. Er sagte: „Śrī Bodhāyana Mahārāja ist sehr betrübt darüber, dass er Māyāpura nicht rechtzeitig zur samādhi -Zeremonie seines gurudeva erreichen kann. Er bat demütig, dass zumindest einer von uns an der samādhi- Zeremonie teilnehmen soll, wenn wir nicht beide gehen können.“

 

Pūjyapāda Tīrtha Mahārāja bat mich dann nach Śrīdhāma Māyāpura ohne ihn zu gehen und die Zeremonie zu unterstützen. Er buchte sofort ein Flugticket und gab mir fünftausend Rupien, um sie der Śrīla Purī Gosvāmī Mahārājas viraha-mahotsava (Fest der Trennung) zu spenden.

 

An dem Abend fuhr ich nach Dehli und von dort flog ich am frühen Morgen des nächsten Tages nach Kolkata. Ich erreichte die Śrī Gopīnātha Gauḍīya Maṭha in Māyāpura ungefähr um 14 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt war die samādhi-Zeremonie fast schon abgeschlossen. Nach der Zeremonie nahm ich in der maṭha prasāda ein. Es wurde vereinbart, dass am nächsten Tag viraha-mahostava abgehalten werden sollte und dass ich als sabhāpati (Vorsitzender) der Versammlung fungieren würde. Śrī Bodhāyana Mahārāja kam am Tag des viraha-mahostava in Māyāpura an. Ich habe Śrīla Purī Gosvāmī Mahārājas Testament vorgelesen, in dem Śrī Bodhāyana Mahārāja offiziell zum ācārya von Śrī Gopīnātha Gauḍīya Maṭha ernannt wurde.

 

 Seine Hingabe bestimmten sein Verhalten und seine Eigenschaften

 

Durch Guru Mahārājas Barmherzigkeit, erhielt ich die glückliche Gelegenheit vielen Gefährten und Schülern von Śrīla Bhaktisiddhānta Sarasvatī Ṭhākura Prabhupāda dienen und in ihrer Gemeinschaft sein zu dürfen.

 

Meine Gemeinschaft mit Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja war besonders innig und umfassend und dauerte ungefähr fünfundvierzig Jahre. Im Laufe unserer Beziehung war ich oft erstaunt über sein vorbildliches Verhalten und seine unermüdliche Hingabe, Śrī Hari, guru und Vaiṣṇavas zu dienen. Sein Glaube an das parikramā sowohl von Śrī Vraja-maṇḍala als auch von Śrī Navadvīpa-dhāma war so fest, dass er selbst im fortgeschrittenen Alter darauf bestand, zu Fuß zu gehen, obwohl er die Hilfe von Gottgeweihten benötigte. Er ging langsam auf dem parikramā und hielt häufig an, um sich auszuruhen. Nichtsdestoweniger, wenn er letztendlich an einen bestimmten Ort eines pastimes ankam, dann erzählte er seine Herrlichkeiten, nahm den Staub von diesem Ort auf seine Stirn und wenn er ein Gewässer besuchte, dann führte er ācamana aus.

 

Immer wenn er von den herrlichen Orten, an denen Spiele stattfanden, erzählte, dann war er so vertieft darin, dass er die Außenwelt völlig vergaß. Wenn er den Bildgestalten diente, dann war er so leidenschaftlich, dass jeder verstehen konnte, dass er jemandem dient, der ihm wichtiger war, als sein eigen Selbst und, dass er bereit war alles zu ihrem Vergnügen zu opfern.  Wenn er Gottgeweihte verherrlichte, die mit Śrīla Prabhupāda verbunden waren, dann erstickte seine Stimme und er weinte. Obwohl er sein bestes tat, seine tiefe Liebe und Hingabe zu Śrīla Prabhupāda zu verbergen, es war unmöglich.

 

Allein die sanfte Art, in der er mit anderen Vaiṣṇavas umging, reichte aus, um jeden zu inspirieren, sein Leben für alle Ewigkeit an seine Lotosfüße zu verkaufen. Ihn kirtāna singen zu hören, besonders die aṣṭa-kāliya-līlā yāma-kīrtānas, die während des Monats Kārtika gesungen werden, fühlte sich an, als würde uns jemand Nektar in die Ohren gießen und uns in eine andere Welt entführen.

 

Seine unerschütterliche Hingabe, dem bṛhad-mṛdanga zu dienen, zeigte seinen festen Glauben an den Dienst, den Śrīla Prabhupāda ihm persönlich anvertraut hatte, ebenso wie den Glauben, den er an die Anweisung seines gurudeva hatte. Eine solche Hingabe inspiriert uns, śrī guru um ähnliches niṣṭhā (entschlossene Überzeugung) zu bitten.

 

Er besaß einen tiefen Einblick in die Konzepte der Gauḍīya-Sārasvata-Philosophie. Alles, was er sprach, beruhte auf den Schriften und den Worten unserer vorangegangen ācāryas. Er hörte sich alle Fragen mit großer Ernsthaftigkeit an, bevor er sie beantwortete, auch scheinbar einfache Fragen.

 

Von seinem Verhalten lernte ich, dass man niemals unbedachte Bemerkungen machen sollte; er sprach nie unbedacht über jemanden oder etwas.

 

Während der Zeit, in der er seine göttliche Kraft absichtlich verbarg, indem er ein einfaches Leben führte und unter der Führung seiner Gottbrüder blieb, gab es nur sehr wenige Menschen, die ihm dienten. Aber nachdem er diese Kraft manifestiert hatte, hörte ich eine Reihe von Menschen, die vorher nicht mit ihm in Verbindung standen, Dinge sagen wie: „Ich habe mit Śrīla Purī Gosvāmī Mahārāja so viel Umgang gehabt und ihm gedient." Solche Erfindungen zu hören, erinnern mich an Śrīla Bhaktivinoda Ṭhākuras Aussage: „keśāva tuā jagata vicitra-Oh Keśava, seltsam ist Deine Welt." Die Natur der bedingten Seelen ist es, um des Ruhmes und der Verehrung willen zu lügen.

 

 

 

 

 

 

(1) Dier achtfachen transzendentalen Spiele, die Śrī Kṛṣṇa mit Seinen ewigen Gefährten in Goloka Vṛndāvana ausführt.

 

(2) Die Voraussetzungen für die Ausführung von wahrem hari-kīrtana sind Demut, Mitgefühl, der Wunsch, allen Respekt zu erweisen, und kein Bedürfnis nach Prestige

 

(3)

 tat te ’nukampāṁ su-samīkṣamāṇo

 bhuñjāna evātma-kṛtaṁ vipākam

 hṛd-vāg-vapurbhir vidadhan namas te

jīveta yo mukti-pade sa dāya-bhāk

Śrīmad-Bhāgavatam (10.14.8)

 

Derjenige, der in ständiger Erwartung Deiner Barmherzigkeit die Folgen seiner früheren
Untaten toleriert und Dir ständig mit seinem Herzen, seiner Sprache und seinem Körper Respekt zollt, ist berechtigt, das Erbe Deiner Lotosfüße zu empfangen.

 

(4) Die festgesetzte Zeit das Fasten zu brechen.

 

(5) Ein lakh ist Einhunderttausend.

 

 

 

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