„Betrug und Predigen bedeuten heutzutage fast dasselbe“

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Śrīla Jīva Gosvāmī hat in seinem Bhakti-Sandarbha folgenden vicāra über falsches und echtes Predigen dargelegt: „vaktā sarāga nirāga dvidho parikīrtitā“. Śrīla Jīva Gosvāmīpāda erklärt, dass es zwei Arten von vaktās (Sprechern von hari-kathā) gibt. Der eine ist sarāga – jemand, in dessen Herz noch kāma, Lust oder andere materielle Neigungen vorhanden sind, der aber dennoch hari-kathā sprechen kann. Der andere ist nirāga – eine Persönlichkeit, in deren Herz keinerlei materielle Wünsche mehr vorhanden sind. Der Vyāsāsana sollte ausschließlich von einem nirāga-vaktā besetzt werden, der keinerlei Verlangen nach Name, Ruhm, Stellung, Geld oder Ehre besitzt. Ein sarāga-vaktā sollte nicht auf dem Vyāsāsana sprechen, da er verunreinigt ist. Śrīla Jīva Gosvāmī gibt klare Anweisungen, dass ein Prediger mit solchen weltlichen Begierden nicht auf diesem Sitz sprechen sollte. Doch diejenigen, die betrogen werden wollen, werden sehr leicht von solchen Personen betrogen.

Gauḍīya Goṣṭhī Pati Śrī Śrīla Bhakti Siddhānta Sarasvatī Paramahaṁsa Jagad Guru sagte, dass es heutzutage im Namen von hari-bhajana und hari-kathā zu einer Mode geworden ist, sich von solchen Menschen täuschen zu lassen, die die ganze Welt in die Irre führen. Gewöhnliche Menschen haben meist nicht die Fähigkeit zu erkennen, wer ein echter Prediger ist, dennoch sollten wir stets versuchen, einen sarāga-vaktā zu vermeiden, da solche Personen fähig sind, die ganze Welt fehlzuleiten. Da unser eigenes Herz voller Doppelzüngigkeit und Unaufrichtigkeit ist, können wir nicht erwarten, perfekte Führung zu erhalten.

Gauḍīya Goṣṭhī Pati Śrī Śrīla Bhakti Siddhānta Sarasvatī Gosvāmī Ṭhākura Prabhupāda sagte, dass Predigen auf zwei Arten geschehen kann – auf positive Weise und auf negative Weise. Die positive Art des Predigens ist sehr langsam, da kaum geeignete Personen gefunden werden können, die sie annehmen, weil die Absolute Wahrheit niemals populär sein wird, doch das Ergebnis dieses positiven Predigens ist vollkommen und absolut. Das negative Predigen hingegen ist sehr schnell, doch sein Ergebnis ist äußerst giftig. Weiter sagte er, dass wir mehr oder weniger alle von māyāvāda-vicāra beeinflusst sind. Māyāvāda bedeutet, wenig oder gar keinen Glauben an Guru, Vaiṣṇava und Bhagavān zu haben. Diejenigen, die fest im śrauta-panthā verankert sind, sind keine betrügerischen Prediger, unabhängig davon, ob sie im gṛhastha-Leben oder im entsagten Lebenstand sind. Doch diejenigen, die nicht im śrauta-panthā verankert sind, sind mit Sicherheit betrügerische Prediger, ganz gleich, in welchem Lebensstand sie sich befinden.

Um offen zu sprechen: Heutzutage greifen fast 99 % der Prediger auf Doppelzüngigkeit zurück. Sie sprechen nicht das, was unser guru-varga tatsächlich gelehrt hat, oder sie sprechen nur teilweise darüber, weil ihr Ziel nicht die vollständige Zufriedenstellung des Höchsten ist. Ihr eigentliches Ziel ist es, lābha, pūjā und pratiṣṭhā zu sammeln, also Reichtum, Verehrung und Ansehen (kāminī-kāñcana usw.) im Namen des Predigens. Sie handeln wie Geschäftsleute. Wir wissen, dass das Verschweigen der Wahrheit ein schweres Vergehen ist. Wenn jīve-dayā, also Mitgefühl für die Lebewesen, nicht im Zentrum steht, dann wird solches Predigen zu jīva-hiṁsā, also zu Gewalt gegenüber den Seelen, und solche Personen sind zweifellos betrügerische Prediger. Die sogenannten sannyāsīs oder ācāryas können daher nicht zu den echten Predigern gezählt werden, weil sie nicht Śrīla Prabhupāda Bhaktisiddhanta folgen, sondern vielmehr ihrem eigenen launischen Geist, um die Welt zu täuschen.

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