Von Śrīla Bhakti Rakṣaka Śrīdhar Deva Gosvāmī

Wir haben alle sozialen Belange verlassen und so viele andere Fesseln abgelegt. Wofür? Für die Absolute Wahrheit. Und wo immer ich sie finde, muss ich mich verbeugen. Und wenn uns eine große Seele den Hinweis gibt: „Das ist der Pfad, auf dem du deinen Durst stillen kannst, die Linie verläuft im Zickzack.“ Das müssen wir für zum Wohl unseres eigenen Interesses akzeptieren. Wir verehren nicht die Form, sondern die Substanz. Wenn der Strom der spirituellen Substanz auf einem anderen Weg kommt, und ich denke, dass ich aber versuchen muss diesen Weg zu folgen (auf dem man sich gerade befindet – Anm. d. Übers.) um mein Ziel zu erreichen, dann ist es nur Neid, blinde Hartnäckigkeit um bei dem körperlichen Ding zu bleiben. Wir müssen uns von dieser materiellen Verunreinigung befreien und versuchen den Wert der spirituellen Wahrheit zu verstehen. Wir sollten immer dafür vorbereitet sein. Wir müssen dem folgen was nötig ist, zum Wohl unseres Interesses.
Ich bin kein Diener des A, B, C, oder D. Ich bin der Diener von Mahāprabhu. Ich muss vielleicht diese Richtung einschlagen, oder jene Richtung oder was immer zu meinem Wohle ist, um meinem Herrn zu erreichen. Wo immer ich die Gegenwart des Herrn auf eine intensive Weise spüre, zu dieser Seite muss ich mich hingezogen fühlen. Wir sind auf dieses Ding aus und nicht auf irgendeine Mode oder Formalität; das wird unsere Sache behindern.
Kṛṣṇa spricht: “sarva-dharmān parityajya mām ekaṁ śaraṇaṁ vraja - Wo immer wir Ihn finden können, in diese Richtung müssen wir laufen. Die Richtung ist vielleicht nicht immer gerade, sie kann im Zickzack verlaufen, aber wenn Kṛṣṇa von dieser Seite kommt, dann muss ich dahin rennen. Wenn er wieder auf jener Seite erscheint, dann muss ich zu jener Seite rennen. Meine Interessen sind bei Ihm. Nicht dass, wir Ihn herausfordern: „Warum ist Kṛṣṇa hier erschienen und warum ist Er nicht dort erschienen. Das mag zweifelhaft sein, also muss ich auf dieser Seite bleiben.“ Nein. Wenn ich echte Wertschätzung für das Wahre, das Richtige habe, muss ich zur jenen Seite gehen, auf die Seite Kṛṣṇas.
Ich bin blind, aber das ist eine andere Sache. Dann muss ich für meine Unfähigkeit leiden. Aber wenn jemand in der Lage ist die Dinge richtig zu verstehen, dann wird er dahin rennen, wo immer er Hilfe findet. Wenn ein Mensch in einem Boot durch eine Stromschnelle fährt, dann befindet er sich in Gefahr und von welcher Seite auch immer Hilfe kommen mag, er muss sich dieser Seite hinwenden.
Wenn wir Śiva verehren aber die besondere Erhabenheit von Nārāyaṇa erkennen, warum sollten wir dann bei Śiva bleiben? Und wenn wir Nārāyaṇa verehren und uns wird die Überlegenheit Kṛṣṇa gezeigt, warum sollten wir dann in der Verehrung Nārāyaṇas haften bleiben. Und sollten wir nicht versuchen von Kṛṣṇas Bhagavad-gītā zum Śrīmad-Bhāgavatam zu gehen? Man möge denken: „Ich habe die Bhagavad-gītā gelesen, ich mag den Kṛṣṇa, der der Sprecher der Gītā ist.“ Dann, wenn uns das Śrīmad-Bhāgavatam gegeben wird, sollten wir dann an diesem Gītā Kṛṣṇa haften bleiben, oder sollten wir versuchen zum Kṛṣṇa im Śrīmad-Bhāgavatam vorzudringen? Wenn wir in Kṛṣṇa interessiert sind, müssen wir zu Seiner Seite laufen, wo immer Er erscheint.
In der Bṛhad-bhāgavatāmṛta wird die Geschichte von Gopa Kumar erzählt, wie er das Gopal-mantra chanted und allmählich eine Stufe verlässt und in die nächste fortschreitet. Dort wird die Abstufung der Hingabe vom Karma-kāṇḍa-brāhmaṇ über einen hingebungsvollen König zu Indra, dann zu Brahmā, dann zu Śiva, von ihm zu Prahlāda, dann zu Hanumān, dann zu den Pāṇḍavas, dann zu den Yādavas, zu Uddhava und schließlich zu den gopīs aufgezeigt.
Auf diese Zickzack-Art geht er vorbei. In seinem aufrichtigen Streben wird sein Durst nicht gestillt. Er geht von dieser Seite zu jener Seite und steigt empor. Also haben sie alle ihre eigene guru-paramparā. Da ist Prahlādas guru-paramparā, Hanumāns guru-paramparā, die guru-paramparā der Pāṇḍavas und Mahādevs guru-paramparā. Sie haben ihre eigene guru-paramparā. Brahmā und Mahādev sind selbst gurus; sie sind die Schöpfer ihrer eigenen Linien der guru-paramparā, aber Gopa Kumār übertrifft sie sogar. Warum? Sein Durst ist erst gestillt, wenn er nach Vṛndāvan geht. So hat uns die Bṛhad-bhāgavatāmṛta die Linie der guru-paramparā gezeigt, oder die wahre Linie unserer Suche, unseres Strebens.
Bei einer ernsthaften Suche nach der objektiven Wahrheit kann jeder besuchte Ort einen wertvollen Beitrag zu unseren Erfahrungen leisten und sich als förderlich für unsere zukünftige Predigertätigkeit erweisen. Wenn wir irgendwo hingehen, in der aufrichtigen Hoffnung, dass unser Durst dort gestillt werden könnte, aber er wird dort nicht gestillt, und wir fühlen uns unbehaglich, dann, durch die Gnade des Herrn, wird eine Verbindung mit einer höheren Wahrheit kommen, und wir werden woanders suchen, mit dem Glauben, dass der Durst dort gestillt werden könnte. Wir werden allmählich wieder eine Unzufriedenheit spüren, dieses Bedürfnis nach etwas Höherem, und wieder werden wir voranschreiten. Auf diese Weise werden wir mit vielen guru-paramparās in Berührung kommen bevor wir letztendlich das Vraja-līlā Kṛṣṇas erlangen, so wie es von Sri Caitanya Mahāprabhu dargelegt wurde. Wir haben kein Interesse für Mode oder Form; wenn wir die echte Wahrheit wollen, müssen wir sie akzeptieren, wo immer sie gefunden wird. Mahāprabhu sagt:
kibā vipra, kibā nyāsī, śūdra kene naya yei kṛṣṇa-tattva-vettā, sei ‘guru’ haya
(Śrī Chaitanya-charitāmṛta: Madhya-līlā, 8.128)
„Jeder, unabhängig von seiner Kaste oder sozialen Stellung, kann guru werden, wenn er die Wissenschaft Kṛṣṇas kennt.“
Manchmal ist unser Vater nicht unser Beschützer. Oder der Onkel ist vielleicht unser Führer, und nicht der Vater. das ist möglich. Die Linie des Interesses muss als am wichtigsten betrachtet werden. So, unsere Linie ist die sikṣā-guru-paramparā
Ich bin all jenen dankbar, die mir zu meinem spirituellen Verständnis nicht nur in einer formalen Form, sondern im wahrsten Sinne verhelfen. Wer immer die Knoten unserer Verstrickung in dieser materiellen Welt löst, gibt uns Licht; und unseren Durst nach dem inneren Verständnis und Zufriedenheit stillt unser guru. Auf diese Weise leben wir von dem Beitrag all dieser Spirituellen Meister. Sie alle sind unsere sikṣā-gurus. All diese Vaisnavas sind mehr oder weniger unsere unterweisenden spirituellen Meister. Unser spirituelles Leben lebt vielleicht durch ihren Beitrag. Aber wir akzeptieren nicht die Imitatoren. Sie sind unsere Feinde, asat-saṅga, schlechte Gemeinschaft. Sie führen uns vom wahren Weg des Wissens und des Fortschritts weg.
Wir müssen unsere aufrichtigen Herzen fragen: „Von wem erhalte ich wirklich den Nutzen des spirituellen Lebens? Unser aufrichtiges Gewissen wird der beste Richter sein, nicht die Form. Wenn in einem irdenen Topf Ganges-Wasser ist und in einem goldenen Topf gewöhnliches Wasser, welches sollen wir wählen? In solch einem Fall nehmen die brāhmaṇas, die intelligente Klasse der Menschen, das heilige Gangeswasser im irdenen Topf. So, es soll also dem Inhalt Bedeutung beigemessen werden und nicht dem Behälter.
Gaura Hari Hari Bol
