Jesus und Judas: Liebe für Betrug

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Von Srila Bhakti Raksak Sridhar Dev-Goswami Maharaj

 Gesprochen am 29. September 1982

Srila Bhakti Raksak Sridhar Maharaj: Kennst du Judas aus den christlichen Lehren?

Schüler: Ja, er hat Jesus betrogen.

Śrīla Śrīdhar Mahārāj: Als Jesus vor seiner Kreuzigung im Garten betete, kam Judas mit den Schriftgelehrten und Priestern zu ihm, um ihn zu verraten, indem er den Messias küsste und ihn so zu erkennen gab. Plötzlich sah Jesus Judas so eindringlich an, dass Judas sich durchschaut fühlte. Judas dachte bei sich: „Ich bin ertappt; ich werde für den Tod Jesu Christi verantwortlich sein, aber dennoch war der Blick Jesu, als würde er andeuten: ‚Ich nutze dich aus, Judas. Nicht du nutzt mich aus. Vielmehr benutze ich dich als Verräter, um der zukünftigen Welt die Größe meines Lebens zu zeigen.‘“

Jesus hat schon vorhergesagt (an seinem letzten Abendmahl): „Unter diesen zwölf Schülern, wird mich einer betrügen.“ Er wusste es. Judas war dort und Jesus warf einen Blick auf ihn. Als Judas später mit den Soldaten und Schriftgelehrten in den Garten Gethsemane kam, um ihn zu gefangen zu nehmen, warf Jesus erneut einen Blick auf Judas und dachte: „Du glaubst, du benutzt mich für etwas Geld, aber ich nutze dich für die Ewigkeit. Du musst dich als Sünder gegen mich behaupten; ich wusste, dass du ein Verräter bist, habe dich jedoch nicht entlarvt. Ich habe dich trotzdem in meine Gruppe von Anhängern aufgenommen, obwohl ich genau wusste, dass ich dich ausnutzen werde.“ So sprach der Blick Jesu.

Judas wurde wahnsinnig. Er warf den Sack gefüllt mit Silber weg und rannte zu den Machthabern und sagte: „Ich habe die schlimmste Sünde begangen, ich kann es nicht ertragen!“

Judas' Energie war erlahmt, sein Geist gebrochen. Genau wie im Jiu-Jitsu, wenn jemand seinen Gegner mit großer Kraft angreift und dieser sich plötzlich zurückzieht, stürzt der Angreifer auf das Gesicht. Judas befand sich in einer solchen Situation. Jesus tauschte Liebe gegen Verrat ein. Es war die Art von Liebe, die Judas entwaffnete und in den Wahnsinn trieb: „Ich habe ihn so grausam behandelt, doch sein Blick ist nicht rachsüchtig, sondern von unendlicher Dankbarkeit. Diese Art von Blick warf Jesus auf mich.”

Mit der vollkommenen Sichtweise und umfassender Betrachtung trägt jedes Atom zu den Spielen Kṛṣṇas bei. Ob direkt oder indirekt – und obwohl es derzeit indirekt zu sein scheint –, eine tiefere Sichtweise wird offenbaren, dass es sich um direkten Dienst handelt.

Erst haben Jagāi und Mādhāi Nityānanda Prabhu geschlagen und später haben sie sich Ihm unterworfen.  Am Ende haben sie die Heiligen Namen von Nityānanda and Gaurāṅga gesungen, um der Öffentlichkeit ein Beispiel zu geben. Sie zeigten „Wir, die schlimmsten Schurken, wurden in ehrliche Menschen verwandelt, durch die Barmherzigkeit unseres gütigen Herrn.“ Durch ihre Opferbereitschaft haben sie die Schönheit des Herrn noch mehr hervorgehoben. Um die negative Rolle zu spielen, ist großes Opfer erforderlich. Sie haben ihren eigenen Ruhm aufgegeben, um den Herrn für immer zu verherrlichen.

Wenn wir einen tieferen Blick entwickeln, dann können wir diese Dinge sehen.

Wir werden im indirekten Bereich sehr viel direkten Dienst erkennen. Auch Māyā und Satan bringen Gott Dienst dar. Ohne Dunkelheit kann Licht nicht wahrgenommen werden. Wenn man die Rolle der Dunkelheit einnimmt, um die Größe des Lichts zu zeigen, ist Opferbereitschaft erforderlich. Satan beleuchtet die Größe Gottes. Er ist scheinbar negativ, aber Satans Beitrag macht Gott so großmütig. Wenn Satan nicht existieren würde, wie könnten wir dann die Güte und Größe Gottes verstehen? Überall ist die Gnade Gottes zu spüren.

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Quelle: Centenary Anthology

„Wir müssen uns selbst analysieren. Wie egoistisch sind wir? Zu wie viel Prozent sind unsere unerwünschten schlechten Gewohnheiten, anarthas, noch in unseren Herzen vorhanden? Wie sehr vermischen sich die Unreinheiten des karma, jnana, mentale Begierden, und andere schmutzige Dinge mit dem wahren Glauben und Vertrauen – das muss herauskommen und auf verschiedene Weise beseitigt werden. Wenn wir wirklich Gutes wollen, kann uns niemand daran hindern. Mit dieser geistigen Haltung müssen wir uns voran bewegen, dann werden wir verstehen können, was was ist.

Auch Christus sagte zu seinen Anhängern: „Einer unter euch wird mich verraten.“ Judas befand sich unter den zwölf.  Jesus sagte also: „Unter euch zwölf ist jemand, der mich in dieser Nacht dem Feind ausliefern wird.“ Sogar das kann möglich sein. Er sprach: „Peter, auch du wirst mich drei Mal verleugnen, bevor der Hahn kräht.“ „Oh nein, nein, nein. Ich kann dich niemals verleugnen.“ Aber der Herr duldet den Stolz eines Gottgeweihten nicht. Er will Hingabe, vollständige Hingabe. „Nein, nein“, sagte Peter. „Ich bin dein treuer Diener.“ Auch diese Art von Ego darf nicht bestehen bleiben. Petrus, der Anführer, wurde ebenfalls bloßgestellt. Der Herr duldet also keinen Stolz.

Gottgeweihte sind nur Werkzeuge in den Händen des Herrn. Ein muslimischer König suchte einen Speichellecker, einen „Ja-Sager“. Früher gab es am Hofe der Könige einen Schmeichler oder Speichellecker. Was auch immer der König sagte, er stimmte ihm zu. Er gab bekannt, dass er einen Schmeichler suchte, und viele Männer kamen und bewarben sich um diese Stelle. Er begann, sie zu befragen: „Glaubst du, dass du deine Aufgabe ordnungsgemäß erfüllen kannst?“

“Ja, das werde ich schaffen.“

“Ich glaube nicht, dass du das schaffen wirst.

“Nein, Herr, ich werde das schaffen.

Sie wurden alle abgelehnt, außer einen. Als der König ihn fragte: „Ich glaube nicht, dass du die Pflicht eines Schmeichlers ausführen kannst.“ Der übrig gebliebene sagte: „Ich denke ganz genauso.“

“Nein, nein, nein, du wirst der Beste sein.“

“Ja, ich bin der Beste.“

“Nein, nein, das bezweifle ich.“

“Ja, ich bezweifle das auch.“

Der König sagte: “Dieser Mann ist der richtige für diese Aufgabe.“

Diejenigen, die ununterbrochen behaupten, dass sie die besten sind, wurden alle vertrieben und abgelehnt. Unsere Seele muss solch eine Flexibilität im Dienste des Herrn entwickeln. Wir sollten wie auch immer, kein Ego haben. Natürlich ist das im äußeren Sinne gemeint, denn wir haben unser dauerhaftes Ego in uns, wenn die Seele in diesen höheren Bereich eintritt. Die Position dieses Egos ist eine separate Sache. Aber dieses materielle Ego muss zu hundert Prozent aufgelöst werden. Wenn es ins Feuer geworfen wird, wird es zu Asche verbrannt werden.

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Quelle: Sri Guru And His Grace

‘patita-pavana’ namera saksi dui bhai

Sri Chaitanya-charitamrta: Adi-lila, 10.120

„Ohne Geweihte kann der Herr nicht weitermachen. Ohne einen Sohn, ist ein Vater nicht denkbar. Damit es großzügige Menschen gibt, muss es jemanden geben, dem gegenüber man großzügig sein kann. Die Existenz der Großzügigkeit setzt voraus, dass es jemanden gibt, dem Mitgefühl entgegengebracht werden kann. Alles hat also eine relative Position: Die Existenz hängt immer von der Existenz von etwas anderem ab.

Es ist notwendig, dass abscheuliche, dämonische Personen wie Jagai und Madhai das großmütige lila von Mahaprabhu verdeutlichen. Ebenso ist Judas notwendig, um die Hochherzigkeit Jesu unter Beweis zu stellen.

Kürzlich kamen mir einige Gedanken über Judas in den Sinn. Als Jesus mit dem Kreuz auf den Schultern die Straße entlangging und zu beiden Seiten Menschenmengen standen, befand sich Judas unter der Menge. Jesus hatte den Kopf gesenkt und trug das Kreuz auf den Schultern, doch plötzlich blickte er auf und sah Judas direkt ins Gesicht. Wir können vielleicht nicht verstehen, wie er erkennen konnte, dass Judas dort war, da er mit gesenktem Kopf ging, aber als er an die Stelle kam, an der Judas stand, schaute er direkt in die Augen von Judas.  Judas erschrak so sehr, dass er davonlief. Judas war bestochen worden, um Jesus zu verraten, aber nachdem Jesus ihn angesehen hatte, warf er das Bestechungsgeld weg und betete um Vergebung.

Er dachte: „Ich bin der verräterischste Mensch. Was habe ich getan? Ich habe die abscheulichste Tat begangen.“ Eine solche Reaktion kam Judas in den Sinn. Was sah Judas also in dem Blick Christi? Mir ist dazu etwas Neues in den Sinn gekommen; ich weiß nicht, ob andere dies auch so gesehen haben. Mir ist klar geworden, dass der Blick Christi Judas nicht sagte: „Du hast mich verraten, du hast Verrat begangen.“ Es war kein solcher Blick, kein rachsüchtiger Blick. Vielmehr sagte Christus durch seinen Blick: „Judas, du nutzt mich nicht aus. Vielmehr benutze ich dich, um meine Banner zu hissen; ich nutze dich und deinen Namen für immer. Deshalb bin ich dir zu Dank verpflichtet, mein Freund.“

Judas sah diese Art Blick in den Augen von Christus. Er sah, dass Christus dankbar war. Judas spürte: „Ich habe ihm Unrecht getan, aber sein Blick sagte mir, dass er mir dankbar ist. Wie ist das möglich?“ Es gibt eine japanische Kampfkunst namens Jiu-Jitsu, bei der jemand, der mit großer Kraft angreift, ohne Widerstand besiegt wird, indem man dessen Kraft gegen ihn selbst einsetzt. Dieser Fall ist so etwas Ähnliches. Judas war außer sich vor Wut, als er feststellte, dass Jesus ihm bis zum Äußersten dankbar war. Judas konnte dies in den Augen Jesu sehen: „Judas, ich werde dich für immer ausnutzen. Du wirst meine Sache beweisen. Du bist so sehr genutzt worden. Ich habe deinen Ruhm für immer ausgenutzt und gestohlen, und deshalb bin ich dir, mein Freund, zu großem Dank verpflichtet. Bitte vergib mir. Vergib mir diese Tat.“ Als Judas Christus verstand, wurde er wahnsinnig, dass Christus ihm, einem Verräter, gegenüber so liebevoll, voller Zuneigung und dankbar sein konnte. Judas konnte nicht länger dort stehen bleiben. Er rannte wie von Sinnen davon, um für seine Tat Buße zu tun.“

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